Gender Mainstreaming - Dieser Begriff hat die Geschlechterpolitik der letzen Jahre durchaus revolutioniert. Gender Mainstreaming ist in erster Linie als eine langfristig wirkende Strategie zu verstehen, mit der versucht wird, Ziele zu erreichen, und nicht als Selbstzweck - oder Ziel an sich - zu verstehen. Denn obwohl die Frauenpolitik in den letzten Jahrzehnten durchaus beachtliche Fortschritte erzielt hat, so sind doch immer noch geschlechtspezifische Benachteiligungen vorhanden, die sich durch die gesamte Gesellschaft ziehen. So wird Chancengleichheit sehr oft als Gleichbehandlung verstanden, wenn auch mittlerweile ein Konsens darüber besteht, dass diese nicht zu einer Gleichstellung führt. Auch wird die Gleichstellung der Frauen sehr oft als spezifische Angelegenheit von Frauen ausgelegt - und nicht als ein Ziel, dass den Einsatz und das Zutun von Mann und Frau verlangt. Entstanden ist diese Strategie aus der bitteren Erkenntnis, dass die Empfehlungen der ersten drei Weltfrauenkonferenzen von den Regierungen der beteiligten Länder zwar in umfangreichen Dokumenten festgehalten wurden, aber es änderte sich nicht wirklich viel, um die Lage der Frauen zu verbessern. Man wollte aus der Lage des Bittstellers gegenüber den Regierungen herauskommen. 1 Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Begriff von Gender Mainstreaming, seinem Entstehungshintergrund, sowie mit der Frage der Umsetzung dieses sehr umfangreichen Komplexes in konkrete Projekte. Auch soll die Frage der Umsetzung von Gender Mainstreaming in die Praxis und der Zusammenhang von Gender Mainstreaming mit Governance Prozessen beleuchtet werden. Zentrale Fragestellungen der vorliegenden Arbeit sind: • Wie ist das Prinzip Gender Mainstreaming im Rechtsbestand der Europäischen Union und Österreichs manifestiert. • Ist Gender Mainstreaming eine völlig eigenständige Strategie die traditionelle, „herkömmliche“ Frauenpolitik ersetzt. • Wie erfolgt die Umsetzung dieser sehr komplexen Materie in die Praxis. Zuallererst soll jedoch eine kurze Vorstellung bzw. Darstellung der zentralsten Begriffe dieses Komplexes vorgenommen werden: [...]
Inhaltsverzeichnis
1 1 Einleitung
1.1 Geschlecht
1.2 Geschlechterbeziehung:
1.3 Geschlechterverhältnis
2 Gender Mainstreaming
2.1 Der Begriff Gender
2.2 Die Entwicklungsgeschichte von Gender Mainstreaming und dessen rechtliche Verankerung in der Europäischen Union und Österreich
2.2.1 Internationaler Entstehungshintergrund
2.2.2 Entwicklung in der Europäischen Union
2.2.3 Gender Mainstreaming in Österreich
3 In welchem Verhältnis steht Gender Mainstreaming zu Frauenpolitik, oder ist eine eigenständige Frauenpolitik heute überholt?
4 Die Umsetzung von Gender Mainstreaming in Organisationen und Projekten
4.1 Analyse:
4.1.1 4R-Methode
4.1.2 Gender Budgeting
4.1.3 Gender-Impact-Assessment (GIA)
4.2 Definition und Formulierung der Gender-Mainstreaming Ziele
4.3 Entwicklung von Projekten
4.4 Die Umsetzungsphase von Projekten
4.5 Evaluierung und Nachhaltigkeit
5 Ist Gender Mainstreaming eine Gefahr für die Ziele der Frauenpolitik?
6 Gender Mainstreaming als Governance-Prozess?
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept des Gender Mainstreamings als langfristige Strategie zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Dabei wird analysiert, wie diese Strategie in den Rechtsbestand der Europäischen Union und Österreichs integriert wurde, in welchem Verhältnis sie zur klassischen Frauenpolitik steht und wie sie in der Praxis durch verschiedene Governance-Prozesse und Analysemodelle umgesetzt werden kann.
- Rechtliche Verankerung und historische Entwicklung von Gender Mainstreaming
- Vergleich und Abgrenzung zwischen Frauenpolitik und Gender Mainstreaming
- Methodische Instrumente zur Analyse (4R-Methode, Gender Budgeting, GIA)
- Projektplanung und Umsetzung in Organisationen
- Governance-Perspektiven und Herausforderungen der Strategie
Auszug aus dem Buch
1.1 Geschlecht
Das Wort Geschlecht (von „Schlag“, wie in „Menschenschlag“) bedeutete ursprünglich nicht mehr als „Art“. Es besagt eigentlich nur, dass es zwei Arten, also Geschlechter, von Menschen gibt – weibliche und männliche. Das lateinische „Sexus“ (von secare: schneiden, trennen) hat dieselbe Bedeutung. Jeder Mensch gehört entweder der einen, oder der anderen Gruppe an, d. h. er ist entweder weiblich oder männlich. Auch wurde in einer sehr alten Bedeutung dieses Wortes die familiäre Herkunft beschrieben.
Jedoch kann bei genauerer Betrachtung der Geschlechter nicht immer so einfach zwischen „männlich“ und „weiblich“ unterschieden werden. In der Gender-Forschung wird zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen Geschlecht unterschieden. (s. Pkt. 2.1Der Begriff Gender)
Zusammenfassung der Kapitel
1 1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Gender Mainstreaming als langfristige Strategie ein und umreißt die zentralen Forschungsfragen sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Gender Mainstreaming: Dieses Kapitel erläutert den Begriff Gender, die historische Entwicklung sowie die rechtliche Implementierung von Gender Mainstreaming auf EU-Ebene und in Österreich.
3 In welchem Verhältnis steht Gender Mainstreaming zu Frauenpolitik, oder ist eine eigenständige Frauenpolitik heute überholt?: Hier wird das Verhältnis zwischen der allgemeinen Strategie des Gender Mainstreamings und der spezifischen Frauenpolitik analysiert und eine Doppelstrategie zur Ergänzung beider Ansätze begründet.
4 Die Umsetzung von Gender Mainstreaming in Organisationen und Projekten: Dieses Kapitel beschreibt methodische Ansätze und praktische Phasenmodelle zur Implementierung von Gender Mainstreaming, einschließlich konkreter Analyseinstrumente.
5 Ist Gender Mainstreaming eine Gefahr für die Ziele der Frauenpolitik?: Das Kapitel diskutiert kritische Einwände und Hemmnisse, die bei der praktischen Anwendung von Gender Mainstreaming auftreten können.
6 Gender Mainstreaming als Governance-Prozess?: Es wird untersucht, inwiefern Gender Mainstreaming als Governance-Prozess verstanden werden kann und wie globale Netzwerke zur Entstehung dieser Strategie beigetragen haben.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer knappen Wiederholung der wichtigsten Aussagen und Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Frauenpolitik, Gleichstellung, Chancengleichheit, 4R-Methode, Governance, Empowerment, Geschlechterverhältnis, EU-Recht, Gender Budgeting, Gender-Impact-Assessment, soziale Diskriminierung, Projektmanagement, Geschlechterrolle, Top-Down-Strategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Strategie des Gender Mainstreamings, ihrer Entstehung, der rechtlichen Einbettung und der konkreten praktischen Umsetzung in Projekten und Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Abgrenzung von Gender Mainstreaming zur klassischen Frauenförderung, die Nutzung von Analyseinstrumenten wie der 4R-Methode sowie die Betrachtung der Strategie als Governance-Prozess.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Klärung, wie Gender Mainstreaming als komplexe Querschnittsmaterie erfolgreich in die Praxis integriert werden kann und in welchem Verhältnis sie zur traditionellen Frauenpolitik steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie der Untersuchung von Fallbeispielen und Modellen, insbesondere dem 6-Phasenmodell von Paul Schober zur Projektumsetzung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte, vergleicht Frauenpolitik mit Gender Mainstreaming, stellt Umsetzungsmethoden in Organisationen vor und reflektiert Herausforderungen und Gefahren für die Zielsetzungen der Gleichstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender Mainstreaming, Chancengleichheit, 4R-Methode, Governance und Gleichstellungspolitik.
Inwiefern ist Gender Mainstreaming eine Top-Down-Strategie?
Die Arbeit betont, dass Gender Mainstreaming auf der Unterstützung durch Führungsebenen basiert, da die Verantwortung für die Implementierung und die Genderkompetenz der Mitarbeiter bei den Entscheidungsträgern liegt.
Wie unterscheidet sich die 4R-Methode von anderen Ansätzen?
Die 4R-Methode ergänzt die ursprüngliche schwedische 3R-Methode (Repräsentation, Ressourcen, Realität) um die Dimension "Recht" und dient der systematischen datengestützten Analyse geschlechtsspezifischer Verhältnisse.
Warum wird eine Doppelstrategie empfohlen?
Da Gender Mainstreaming langfristige Strukturen verändert, während Frauenförderung direkte Benachteiligungen abbaut, wird empfohlen, beide Ansätze kombiniert einzusetzen, um eine nachhaltige Gleichstellung zu gewährleisten.
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- Magister Bernhard Richter (Author), 2005, Gender Mainstreaming, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65835