Die Fettpolster, die sich unter dem T- Shirt abzeichnen, verleihen dem Kind einen Busen und das groteske Aussehen einer frühreifen Frau. Manchmal kommt sie weinend nach Hause, weil die Klassenkameraden nicht mit ihr spielen wollen, ihr "Fettkloß" nachrufen.
Diese Beschreibung einer Zehnjährigen erscheint auf den ersten Blick unglaubwürdig, geradezu borniert. Möglicherweise weil man sich das Ausmaß der Folgen eines überhöhten Lebensmittelangebotes unserer Wohlstandsgesellschaft nicht eingestehen will. Die Nahrungsaufnahme, die für den menschlichen Organismus unerlässlich ist, hat sich zu einer gesundheitlichen Bedrohung der deutschen Bevölkerung entwickelt.
Die Häufigkeit von Adipositas bei Erwachsenen steigt, aber auch immer mehr Kinder leiden an überflüssigen Kilos. Das Ausmaß ist bereits so groß, dass die Wirtschaft Profit aus dieser Entwicklung schlägt. Neben der stetigen Erweiterung der Diätindustrie wird sich schon auf einen "neuen" Körperbau der nachkommenden Generation eingerichtet. So veröffentlichte ein großes Versandhaus in diesem Jahr den ersten Katalog für übergewichtige Kinder. "Passt.de" enthält modische XXL- Kleidung für Kinder ab 120
cm Körpergröße.
Für adipöse Heranwachsende entstehen aber nicht nur Nachteile durch mangelnde Kleiderauswahl, viel gravierender sind körperliche Folgeerscheinungen. So sind Probleme mit dem Herz- Kreislauf- System oder Altersdiabetes auch schon in jungen Jahren keine Seltenheit mehr; dazu kommen seelische Leiden. Ausschluss von Gleichaltrigen und Hänseleien gehören häufig zum Alltag.3
In meiner späteren Berufspraxis werde ich mit unterschiedlichen Kindern zusammenarbeiten. Dabei wird auch der Umgang mit adipösen Kindern zu meinen
Adipositas. Erscheinungsformen, Ursachen und pädagogische Interventionsmöglichkeiten.
Aufgaben gehören. Es ist häufig bei ihnen vermehrt angebracht auf die Integration in die Klassengemeinschaft zu achten. Außerdem sollte versucht werden im Sinne der Gesundheitsförderung das Ausmaß von Übergewicht einzudämmen. Fraglich ist dabei, ob es möglich ist im Schulalltag dem Fortschreiten der oben dargestellten Entwicklung entgegenzuwirken, um den heutigen SchülerInnen eine gesündere Zukunft zu ermöglichen. Dies soll im Rahmen der folgenden Arbeit zum Thema "Adipositas. Erscheinungsformen, Ursachen und pädagogische Interventionsmöglichkeiten (Aufgaben der Gesundheitserziehung)" erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITION
2.1. Normalgewicht
2.2. Idealgewicht
2.3. Untergewicht
2.4. Übergewicht
2.5. Adipositas
2.6. Adipositas bei Kindern
3. ERSCHEINUNGSFORMEN
3.2. Regionale Fettverteilung
3.1. Alter
4. EPIDEMIOLOGIE
4.1. Häufigkeit und Verteilung
4.2. Kosten
5. URSACHEN
5.1. Genetische Ursachen
5.1.1. Familienuntersuchungen
5.1.2. Adoptionsstudien
5.1.3. Zwillingsforschung
5.1.4. Tiermodelle
5.1.5. Genforschung
5.1.6. Zusammenfassung
5.2. Soziokulturelle Faktoren
5.2.1. Vergangenheit
5.2.2. Gegenwart
5.3. Alimentäre Adipositas
5.3.1 Binge Eating Disorder
5.4. Zusammenfassung
6. FOLGEN
6.1. Physiologie
6.2. Psyche
7. THERAPIEMÖGLICHKEITEN
7.1. Diätetische Maßnahmen
7.2. Verhaltenstherapie
7.3. Bewegungstherapie
7.4. Medikamente
7.5. Chirurgische Therapie
7.6. Therapeutische Maßnahmen bei Kindern
7.7. Zusammenfassung
8. PÄDAGOGISCHE INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN
8.1. Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
8.2. Die gesundheitsfördernde Schule
8.2.1. Prävention
8.2.2. Ernährung
8.2.3. Bewegung
8.2.4. Elternarbeit
8.2.5. Zusammenfassung
9. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Adipositas in Bezug auf Erscheinungsformen, Ursachen und pädagogische Interventionsmöglichkeiten im Kontext der Gesundheitserziehung. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie die Institution Schule in der Primarstufe dazu beitragen kann, der Entwicklung von Übergewicht entgegenzuwirken und betroffenen Kindern eine gesündere Zukunft zu ermöglichen.
- Medizinische und wissenschaftliche Definitionen von Übergewicht und Adipositas
- Epidemiologische Verbreitung und soziokulturelle Ursachen
- Physiologische und psychische Folgen für betroffene Kinder
- Therapeutische Ansätze und deren Relevanz für den Schulalltag
- Pädagogische Interventionsmöglichkeiten im Lebensraum Grundschule
Auszug aus dem Buch
5.2.2. Gegenwart
Durch jahrelange genetisch festgelegte Dispositionen ist der menschliche Körper darauf eingestellt, Fettpolster für Hungerperioden anzusammeln. Dieser Mechanismus ist auch heute noch für etwa die Hälfte der Bevölkerung in Entwicklungsländern lebensnotwendig. Etwa einmal im Jahr sind diese Teile der Weltbevölkerung durch Dürren, Erdbeben oder ähnliche Katastrophen darauf angewiesen auch nur mit geringer Nahrungsversorgung zu überleben.
Zu bedenken gilt aber, dass diese Notfallvorrichtung in ausnahmslos jedem Menschen angelegt ist, was sich in den reichen Industrienationen, zu denen auch Deutschland gehört, zu einem erheblichen Nachteil erwiesen hat. Hier treten Probleme auf, die auf einen Überfluss an Nahrungsmitteln zurückzuführen sind. (Vgl. 5.2.1.)
Dieses Problems sind sich die Wissenschaftler schon seit längerer Zeit bewusst und sie versuchen ihm entgegenzuwirken. Die Lebensmittelindustrie reagiert mit einer Vielfalt an fettreduzierter Kost und auch das gängige Schönheitsideal (schlank, jung und aktiv ist schön) hält dazu an, auf das eigene Gewicht zu achten. Was sind also die Gründe dafür, dass vor allem Kinder heutzutage immer dicker werden?
Erste Ursachen sind wohl in der Veränderung der Kindheit in den vergangenen Jahrzehnten zu suchen. Die bekannten Nachteile der zunehmenden Technisierung und Veränderung der Familienstruktur wirken sich auch auf das Gewicht der heranwachsenden Generation aus. Der angeborene Bewegungsdrang wird durch beengte Wohnverhältnisse, vor allem in der Stadt, und den Verlust der "Straßenkindheit" stark eingeschränkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problematik von Adipositas bei Kindern und die daraus resultierende Notwendigkeit pädagogischen Handelns in der Schule.
2. DEFINITION: Erläuterung wissenschaftlicher Klassifizierungen wie BMI und Perzentile zur Diagnose von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Erwachsenen.
3. ERSCHEINUNGSFORMEN: Beschreibung der Typen der Fettverteilung sowie der altersabhängigen Unterschiede im Krankheitsverlauf.
4. EPIDEMIOLOGIE: Analyse der zunehmenden Verbreitung von Adipositas in der Gesellschaft und der damit verbundenen ökonomischen Kosten.
5. URSACHEN: Umfassende Betrachtung genetischer Dispositionen, soziokultureller Einflussfaktoren und ernährungsbedingter Ursachen.
6. FOLGEN: Überblick über physiologische Krankheitsbilder sowie die psychischen und sozialen Belastungen für betroffene Heranwachsende.
7. THERAPIEMÖGLICHKEITEN: Darstellung klinischer Therapieansätze wie Diäten, Verhaltenstherapie, Bewegungstherapie und chirurgische Interventionen.
8. PÄDAGOGISCHE INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN: Analyse der gesundheitsfördernden Schule als Präventionsraum mit Fokus auf Ernährung, Bewegung und Elternarbeit.
9. FAZIT: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Appell zur pädagogischen Verantwortung gegenüber adipösen Kindern.
Schlüsselwörter
Adipositas, Übergewicht, Gesundheitserziehung, Gesundheitsförderung, BMI, Kindheit, Schule, Prävention, Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie, Energiebilanz, Adipositastraining, Essstörungen, Familienuntersuchungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Krankheitsbild der Adipositas, insbesondere die Ursachen und Erscheinungsformen sowie die Möglichkeiten, wie Pädagogen in Grundschulen präventiv und unterstützend intervenieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Diagnostik von Adipositas, die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen, medizinische Therapiemöglichkeiten sowie die Rolle der Schule bei der Gesundheitsförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lehrkräften Hintergrundwissen zu vermitteln, um adipöse Kinder besser zu verstehen und den Schulalltag gesundheitsfördernd zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Hausarbeit, die auf verschiedenen medizinischen, soziologischen und pädagogischen Studien basiert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Adipositas-Ursachen (Genetik, Soziales), die medizinische Darstellung der Folgen und Therapieformen sowie die konkrete Anwendung von Präventionskonzepten in der Schule.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Gesundheitsförderung, Adipositas bei Kindern, Prävention, Ernährungserziehung und die Gestaltung einer gesundheitsfördernden Schule geprägt.
Welche Rolle spielt die genetische Forschung für die Adipositas-Diagnose laut der Autorin?
Die Autorin verdeutlicht, dass genetische Faktoren zwar eine Disposition darstellen, jedoch das Zusammenspiel mit Umwelteinflüssen und dem individuellen Lebensstil entscheidend ist.
Warum ist das "Setting-Ansatz" für die Schule so wichtig?
Der Setting-Ansatz zielt darauf ab, die gesamte schulische Umgebung gesundheitsfördernd zu verändern, anstatt nur punktuelle Maßnahmen durchzuführen, um so nachhaltig das Verhalten der Kinder zu beeinflussen.
- Quote paper
- Ildiko Ackermann (Author), 2005, Adipositas - Erscheinungsformen, Ursachen und pädagogische Interventionsmöglichkeiten (Aufgaben der Gesundheitserziehung), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65843