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Der Einfluss Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache

Eine sprachgeschichtliche Analyse

Title: Der Einfluss Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache

Seminar Paper , 2006 , 26 Pages , Grade: 1

Autor:in: Stefan Hinterholzer (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Martin Luther wird sehr oft als die zentrale Figur in der Entwicklung der deutschen Sprache beschrieben, beinahe glorifiziert. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass wann immer im Folgenden von „Sprache“ gesprochen wird, die Schriftsprache gemeint ist. Denn Gegenstand dieser Arbeit ist der Einfluss Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache. Nun soll gleich im Vorhinein festgestellt werden, dass erst durch Luther und seine Bibelübersetzung eine Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache möglich war. Diese Aussage muss jedoch differenzierter betrachtet werden. Deshalb soll diese Arbeit einen kritischen Blick auf Luthers Sprachschaffen und vor allem auf die Hintergründe, vor welchen dieses geschah, werfen. Viele Faktoren, teils glückliche Zufälle, trugen dazu bei, dass Luthers Bibel eine Resonanz erhielt und somit als Grundstein für eine vereinheitlichte deutsche Schriftsprache dienen konnte. Diese werden im Verlauf dieser Arbeit erläutert und schließlich soll das Resultat des Zusammenwirkens dieser Faktoren dargestellt werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Zur Person Martin Luthers

1.1. Leben

1.2. Ausbildung

1.3. Literarisches Schaffen

2. Die sprachliche Situation in frühneuhochdeutscher Zeit

2.1. Der Aufstieg der Städte und eine neue Bevölkerungsschicht

2.2. Die Zersplitterung des Sprachgebiets

2.3. Der Beginn der Sprachlichen Einigung

3. Luthers (günstige) Ausgangsbedingungen

3.1. Luthers sprachgeographische Herkunft

3.2. Die Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks

3.3. Kirchenpolitische Missstände

4. Luthers Übersetzungspraxis

4.1. Die Sprache des „gemeinen Mannes“

4.2. Einfachheit und Lebendigkeit

4.3. Sprachausgleich

4.4. Arbeit an der äußeren Sprachform

5. Luthers Sprache und Sprachmächtigkeit

5.1. Wortschatz zwischen Nord und Süd

5.2. Semantische Unterschiede

5.3. Wortbildungen

5.4. Modalpartikel

5.5. Syntax

6. Luthers Bibelübersetzung

6.1. Entstehung

6.2. Verbreitung

6.3. Wirkung

7. Martin Luther – ein Glücksfall in der deutschen Sprachgeschichte

8. Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit analysiert den Einfluss von Martin Luther und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern Luther als zentrale Figur fungierte und welche historischen, sozialen und technologischen Faktoren, wie etwa der Buchdruck und kirchliche Missstände, diesen Prozess maßgeblich unterstützten.

  • Historische und persönliche Hintergründe zu Martin Luther
  • Die sprachliche Situation im frühneuhochdeutschen Sprachgebiet
  • Luthers Übersetzungsphilosophie und sprachlicher Stil
  • Die Rolle des Buchdrucks und der sozialen Schichten für die Verbreitung der Bibel
  • Die sprachschöpferische Kraft Luthers und sein Beitrag zum Sprachausgleich

Auszug aus dem Buch

4.1. Die Sprache des „gemeinen Mannes“

Luther hatte eine besondere Übersetzungsphilosophie. Er orientierte sich an der Sprache des „gemeinen Mannes“. Als Bergmannssohn hatte Luther schon von der frühen Kindheit her Kontakt mit der Sprache der Bevölkerung. Er schrieb und sprach auch wie der Mann auf der Straße (vgl. Eggers, 164). Luther schreibt in seinem Sendbrief vom Dolmetschen:

„Als wenn Christus spricht: <Ex abundantia cordis os loquitur.> Wenn ich den Eseln sol folgen, die werden mir die buchstaben furlegen und also dolmetzschen: <Auß dem Vberflus des hertzen redet der mund.> Sage mir, Ist das deutsch geredt? Welcher deutsche versteht solchs? […] sondern also redet die mutter ym haus vnd der gemeine man: <Wes das hertz vol ist, des gehet der mund vber>, das heist gut deutsch geredt, des ich mich geflissen vnd leider nicht all wege erreicht noch troffen habe, Denn die lateinischen buchstaben hindern aus der massen seer, gut deutsch zu reden (Berger, 277).“

Luther versuchte also bei seinen Übersetzungen darauf zu achten, von den Menschen im Volk verstanden zu werden, von der „Mutter im Haus“ und dem „gemeinen Mann“. Wenn Luther vom „gemeinen Mann“ spricht, meint er den „ungelehrten Mann“. Vor Luther wurden theologische Texte entweder in Latein, was die Gelehrtensprache war, oder in einem verkünstelten Deutsch, das nur ein Lateinkundiger verstehen konnte, geschrieben. Es ist verständlich, dass dadurch auch Bibelübersetzungen vor Luther für das Volk kaum verständlich waren (vgl. Eggers, 164-165). Aber Luther wollte „auf diesem Gebiet die unverständliche Büchersprache durch eine neue, dem täglichen Leben abgelauschte, darum lebendige und gemeinverständliche Sprache“ verdrängen (Eggers, 165).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Person Martin Luthers: Ein Überblick über Luthers Biografie, Ausbildung und sein literarisches Wirken, der zeigt, wie diese Faktoren seine spätere sprachliche Tätigkeit beeinflussten.

2. Die sprachliche Situation in frühneuhochdeutscher Zeit: Beschreibung der zersplitterten Sprachlandschaft, des Aufstiegs der Städte und der ersten Tendenzen zur sprachlichen Einigung.

3. Luthers (günstige) Ausgangsbedingungen: Analyse der äußeren Umstände, wie seine Herkunft und die Erfindung des Buchdrucks, die Luthers Wirken begünstigten.

4. Luthers Übersetzungspraxis: Erörterung seiner Philosophie, sich an der Sprache des Volkes zu orientieren, sowie seine Bemühungen um Sprachausgleich und Regelmäßigkeit.

5. Luthers Sprache und Sprachmächtigkeit: Untersuchung von Wortschatz, Syntax, Semantik und Wortbildung, die Luthers einzigartigen und lebendigen Sprachstil ausmachen.

6. Luthers Bibelübersetzung: Detaillierte Darstellung der Entstehung, der massiven Verbreitung und der langfristigen Wirkung der Bibelübersetzung als nationales Kulturgut.

7. Martin Luther – ein Glücksfall in der deutschen Sprachgeschichte: Ein Fazit, das Luther als Ergebnis eines Zusammenspiels günstiger historischer Bedingungen und persönlicher Sprachbegabung einordnet.

8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen für die sprachgeschichtliche Analyse.

Schlüsselwörter

Martin Luther, Bibelübersetzung, deutsche Schriftsprache, Sprachgeschichte, Frühneuhochdeutsch, Buchdruck, Sprachausgleich, Sprachmächtigkeit, Sprachlandschaft, Septembertestament, gemeiner Mann, Sprachwandel, Rhetorik, Sprachvereinheitlichung, Sprachbildung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Einfluss von Martin Luther und seiner Bibelübersetzung auf die Entwicklung und Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache im 16. Jahrhundert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die historische Sprachsituation im frühneuhochdeutschen Raum, Luthers Übersetzungsphilosophie, sein persönlicher Sprachstil und die sozio-kulturellen Bedingungen seiner Zeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie Luther als treibende Kraft hinter der deutschen Sprachvereinheitlichung stand und welche externen Faktoren diesen Prozess ermöglichten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine literatur- und sprachgeschichtliche Analyse, wobei er sich auf historische Quellen, Zeitzeugnisse und fachwissenschaftliche Literatur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Sprachsituation, Luthers Übersetzungspraxis, die Besonderheiten seiner Sprachmächtigkeit (wie Wortschatz und Syntax) sowie die faktische Verbreitung seiner Werke.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind unter anderem Sprachausgleich, Bibelübersetzung, Buchdruck, Frühneuhochdeutsch und der Einfluss Luthers auf den deutschen Wortschatz.

Wie definiert Luther die Sprache, die er für seine Übersetzungen wählte?

Luther wählte bewusst die Sprache des „gemeinen Mannes“ und orientierte sich an dem, was er als „gemeine deutsche Sprache“ bezeichnete, um von Menschen in allen Regionen verstanden zu werden.

Warum war der Buchdruck für Luthers Einfluss so entscheidend?

Ohne die durch den Buchdruck ermöglichte Massenproduktion und Verbreitung seiner Übersetzungen wäre sein Einfluss auf die Vereinheitlichung der Sprache in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen.

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Details

Title
Der Einfluss Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache
Subtitle
Eine sprachgeschichtliche Analyse
College
University of Innsbruck  (Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik)
Course
Sprachgeschichte als Kulturgeschichte
Grade
1
Author
Stefan Hinterholzer (Author)
Publication Year
2006
Pages
26
Catalog Number
V65851
ISBN (eBook)
9783638583244
ISBN (Book)
9783638670951
Language
German
Tags
Eine Analyse Einflusses Martin Luthers Bibelübersetzung Vereinheitlichung Schriftsprache Sprachgeschichte Kulturgeschichte Bibel Mittelhochdeutsch Frühneuhochdeutsch Neuhochdeutsch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Hinterholzer (Author), 2006, Der Einfluss Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65851
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