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Wandern - eine Möglichkeit des ästhetischen Naturerlebens und der Wahrnehmungssensibilisierung in der kunstpädagogischen Praxis

Title: Wandern - eine Möglichkeit des ästhetischen Naturerlebens und der Wahrnehmungssensibilisierung in der kunstpädagogischen Praxis

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 23 Pages , Grade: 1

Autor:in: Matthias Frede (Author)

Art - Overall Considerations
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Summary Excerpt Details

Wandern bezeichnet im eigentlichen Sinne das zu Fuß-Gehen in der Landschaft und wird im allgemeinen Sprachgebrauch manchmal auch als Synonym für das Reisen verwendet. Der Begriff Wandern zeichnet sich jedoch nicht nur durch das einfache Zurücklegen einer Strecke zwischen zwei voneinander entfernten Orten durch Zeit und Landschaft aus, sondern stellt gleichermaßen einen Prozess als auch einen Urtrieb dar, ohne den der ruhelose Mensch nicht existieren kann. Diesen Sachverhalt formulierte bereits im 17. Jahrhundert der Franzose Blaise Pascal: „Unsere Natur liegt in der Bewegung, die vollkommene Ruhe ist der Tod.“ 1 Ausgehend von diesem Bedürfnis nach körperlicher Bewegung eröffnet das Wandern zudem einen Zugang zur Umwelt. Es bildet infolgedessen die wesentliche Grundlage für unmittelbare menschliche Eigen- und Welterfahrungen, die zu Erkenntnissen und Selbsterfahrungsprozessen führen können. Dies erkannte auch der überzeugte Wanderer Johann Wolfgang von Goethe, der diesbezüglich einst gesagt haben soll: „Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.“ 2 Im Wandern, der ureigensten menschlichen Art der Fortbewegung, erschließt der Mensch seine Umwelt durch seinen Körper bzw. seine Fußsohlen, sein Denken und seine ästhetische räumliche Wahrnehmung, indem er ihn nach Zeit, Ort sowie Entfernung erfährt und strukturiert. Obwohl das Unterwegssein untrennbar mit der Geschichte der menschlichen Kultur verbunden ist, erzählt doch jede Wanderung als eine Form körperlicher und sinnlicher Erfahrung eine eigene, individuelle Geschichte, die durch Neugier am Fremden, Erkenntnis, Selbstfindung oder anderen Beweggründen motiviert ist. Hierdurch unterscheidet sie sich von anderen Wanderungen, lediglich die Übergangsrituale von Aufbruch - Passage - Ankunft sind bei allen Wanderungen oder Reisen gleich. Während der Aufbruch das Verlassen vertrauter Lebenskontexte darstellt und fordert, sich mit Fremdem einzulassen, sei es freiwillig oder gezwungenermaßen durch Vertreibung oder Verfolgung, so ist das Wesen der Passage geprägt durch das Unterwegssein zwischen Orten und Gemeinschaften auf der Suche nach Neuem, was weitere Sehnsüchte wecken kann. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Theoretischer Teil

1.1 Das Wesen des Wanderns

1.2 Motive und Formen des Wanderns

1.2.1 Wandern als Ausdruck des Denkens

1.2.2 Wandern als Auseinandersetzung mit Fremdem

1.2.3 Wandern als Suche nach ästhetischen Erfahrungen

2. Fachwissenschaftlicher Teil

2.1 Richard Longs Idee, das Wandern zur Kunst zu machen

2.2 Richard Long und das Wandern

3. Didaktischer Teil

3.1 Ausarbeitung eines Arbeitsblattes mit Bezug zur Naturpädagogik für den Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur in der vierten Klasse der Grundschule

3.2 Arbeitsblatt

3.3 Erprobung und Auswertung des Arbeitsblattes

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht Wandern als eine Form der ästhetischen Naturerfahrung und Wahrnehmungssensibilisierung. Das Ziel ist es, den konzeptionellen Zusammenhang zwischen körperlicher Fortbewegung und geistiger Erkenntnis zu beleuchten und diesen durch die künstlerische Praxis von Richard Long sowie pädagogische Ansätze von Joseph Cornell für die Grundschule fruchtbar zu machen.

  • Wandern als kulturelles und anthropologisches Phänomen
  • Die Verbindung von Gehen, Denken und Naturerfahrung
  • Richard Longs konzeptueller Ansatz des "Wanderns als Kunst"
  • Naturpädagogische Konzepte in der erlebnispädagogischen Praxis
  • Förderung der ästhetischen Wahrnehmung bei Grundschulkindern

Auszug aus dem Buch

1.1 Das Wesen des Wanderns

Wandern bezeichnet im eigentlichen Sinne das zu Fuß-Gehen in der Landschaft und wird im allgemeinen Sprachgebrauch manchmal auch als Synonym für das Reisen verwendet. Der Begriff Wandern zeichnet sich jedoch nicht nur durch das einfache Zurücklegen einer Strecke zwischen zwei voneinander entfernten Orten durch Zeit und Landschaft aus, sondern stellt gleichermaßen einen Prozess als auch einen Urtrieb dar, ohne den der ruhelose Mensch nicht existieren kann. Diesen Sachverhalt formulierte bereits im 17. Jahrhundert der Franzose Blaise Pascal: „Unsere Natur liegt in der Bewegung, die vollkommene Ruhe ist der Tod.“ Ausgehend von diesem Bedürfnis nach körperlicher Bewegung eröffnet das Wandern zudem einen Zugang zur Umwelt. Es bildet infolgedessen die wesentliche Grundlage für unmittelbare menschliche Eigen- und Welterfahrungen, die zu Erkenntnissen und Selbsterfahrungsprozessen führen können.

Dies erkannte auch der überzeugte Wanderer Johann Wolfgang von Goethe, der diesbezüglich einst gesagt haben soll: „Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.“ Im Wandern, der ureigensten menschlichen Art der Fortbewegung, erschließt der Mensch seine Umwelt durch seinen Körper bzw. seine Fußsohlen, sein Denken und seine ästhetische räumliche Wahrnehmung, indem er ihn nach Zeit, Ort sowie Entfernung erfährt und strukturiert.

Obwohl das Unterwegssein untrennbar mit der Geschichte der menschlichen Kultur verbunden ist, erzählt doch jede Wanderung als eine Form körperlicher und sinnlicher Erfahrung eine eigene, individuelle Geschichte, die durch Neugier am Fremden, Erkenntnis, Selbstfindung oder anderen Beweggründen motiviert ist. Hierdurch unterscheidet sie sich von anderen Wanderungen, lediglich die Übergangsrituale von Aufbruch – Passage – Ankunft sind bei allen Wanderungen oder Reisen gleich. Während der Aufbruch das Verlassen vertrauter Lebenskontexte darstellt und fordert, sich mit Fremdem einzulassen, sei es freiwillig oder gezwungenermaßen durch Vertreibung oder Verfolgung, so ist das Wesen der Passage geprägt durch das Unterwegssein zwischen Orten und Gemeinschaften auf der Suche nach Neuem, was weitere Sehnsüchte wecken kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel erläutert das Wandern als anthropologischen Grundprozess und untersucht die Wechselwirkungen zwischen körperlicher Fortbewegung, Denken und der ästhetischen Wahrnehmung der Umwelt.

2. Fachwissenschaftlicher Teil: Hier wird das Werk des Künstlers Richard Long analysiert, der das Wandern in den Kontext der Konzept- und Land Art stellt und es als künstlerisches Ausdrucksmittel nutzt.

3. Didaktischer Teil: Dieser Abschnitt überträgt die erarbeiteten theoretischen und fachwissenschaftlichen Erkenntnisse in ein pädagogisches Konzept für die Grundschule, inklusive der Erprobung eines Entdeckertagebuchs.

Schlüsselwörter

Wandern, Ästhetische Naturerfahrung, Wahrnehmungssensibilisierung, Richard Long, Kunstpädagogik, Naturpädagogik, Joseph Cornell, Gehen und Denken, Konzeptkunst, Land Art, Grundschule, Erlebnispädagogik, Selbstwahrnehmung, Raum und Zeit, Unterwegssein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Wandern als eine Form der ästhetischen Naturerfahrung und als Mittel zur bewussten Wahrnehmungsschulung in einem kunstpädagogischen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Bedeutung des Wanderns, die künstlerische Auseinandersetzung des Künstlers Richard Long mit dem Gehen sowie die Anwendung naturpädagogischer Prinzipien im schulischen Unterricht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen dem bewussten Gehen als künstlerisches bzw. pädagogisches Mittel und der Förderung einer sensibleren Wahrnehmung bei Kindern zu demonstrieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie einen empirischen Ansatz in Form einer schulpraktischen Erprobung und Auswertung eines entwickelten Arbeitsblattes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Wesen des Wanderns, eine Analyse der Arbeiten von Richard Long und die Konzeption sowie Erprobung eines "Entdeckertagebuchs" für Viertklässler.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Wandern, Ästhetische Naturerfahrung, Wahrnehmungssensibilisierung, Richard Long, Kunstpädagogik, Naturpädagogik und Erlebnispädagogik.

Wie integriert die Arbeit die Position von Richard Long?

Richard Longs konzeptuelle Kunst dient als Beispiel dafür, wie Wandern den Raum erschließen und als künstlerisches Medium für eine Rückbesinnung auf die Natur dienen kann.

Welche Erkenntnisse lieferte die Erprobung des Arbeitsblattes?

Die Erprobung zeigte, dass das bewusste Gehen mit dem "Entdeckertagebuch" die Aufmerksamkeit der Schüler für Details in der Natur schärfte und eine Intensivierung ihrer subjektiven Wahrnehmung bewirkte.

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Details

Title
Wandern - eine Möglichkeit des ästhetischen Naturerlebens und der Wahrnehmungssensibilisierung in der kunstpädagogischen Praxis
College
University of Education Ludwigsburg  (Fakultät I)
Grade
1
Author
Matthias Frede (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V65898
ISBN (eBook)
9783638586924
ISBN (Book)
9783656805700
Language
German
Tags
Wandern Möglichkeit Naturerlebens Wahrnehmungssensibilisierung Praxis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Frede (Author), 2006, Wandern - eine Möglichkeit des ästhetischen Naturerlebens und der Wahrnehmungssensibilisierung in der kunstpädagogischen Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65898
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