Dieser Ausarbeitung liegt eine eigens durchgeführte kleine Feldstudie zu
Grunde, welche sich mit den Gewohnheiten der Rezipienten von schwuler1
Pornographie, insbesondere pornografischer Filme, beschäftigt. Diese Studie
erhebt nicht den Anspruch repräsentativ zu sein oder einen umfassenden
Einblick in Rezeptionsverhalten von schwulen Männern im Hinblick auf
Pornofilme zu geben. Dennoch werden Aussagen und Ergebnisse innerhalb
dieser Ausarbeitung herangezogen, um Argumentationen und Thesen zu
stützen oder auch in Frage zu stellen, bzw. einen kritischen Blickwinkel auf
diese zu eröffnen.
Einleitung: Der schwule Pornofilm ist ein Subgenre innerhalb des Genres des
pornographischen Films und seine Geschichte ist beinahe ebenso lang und
ausgeprägt wie die des heterosexuellen Pornofilms. Auf den folgenden Seiten
werde ich den schwulen Pornofilm etwas genauer betrachten.
[...]
1 In dieser Arbeit wird durchgängig der Terminus ‘schwul’ verwendet, da sich gezeigt hat, daß dieser Ausdruck innerhalb schwuler Kultur stets auch selbstreferenziell genutzt wird und keinerlei negative Konnotation birgt, während der sicherlich eher wissenschaftlich klingende Begriff „homosexuell” sehr selten Verwendung findet.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Rezeptionsstudie zum schwulen Pornofilm
4. Eigenheiten des schwulen Pornofilms
5. Ansätze zum schwulen Pornofilm
5.1. Ton im schwulen Pornofilm
5.2. Gründe für Transferprobleme
6. Versuch der kulturellen Verortung schwuler Pornografie
6.1. Aneignung von Pornografie nach Fiske
6.2. Gesellschaftliche Verortung und Pornografie
7. Schlußwort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den schwulen Pornofilm unter kulturwissenschaftlichen Aspekten und analysiert dessen spezifische Verankerung innerhalb der schwulen Subkultur. Ziel ist es, den schwulen Pornofilm von heteronormativen Analysemustern abzugrenzen und die besondere Rezeptionsweise schwuler Männer anhand einer kleinen empirischen Feldstudie zu beleuchten.
- Kulturelle Verortung und gesellschaftlicher Stellenwert des schwulen Pornofilms.
- Analyse genrespezifischer Eigenheiten im Vergleich zum heterosexuellen Pornofilm.
- Untersuchung der Rezeptionsgewohnheiten schwuler Männer mittels Experteninterviews.
- Kritische Reflexion etablierter Medientheorien (u.a. Fiske, Williams) in Bezug auf homosexuelle Pornografie.
- Rolle des "männlichen Blicks" und der Identitätsbildung innerhalb der schwulen Community.
Auszug aus dem Buch
4. Eigenheiten des schwulen Pornofilms
Die Aussage, man habe, wenn man einen Pornofilm gesehen hat, eigentlich alle gesehen, läßt sich schon durch Betrachtung der besonderen Eigenheiten des schwulen Pornofilms widerlegen. Dieses Subgenre hat im Laufe seiner weitestgehend eigenständigen Entwicklung einige formale und inhaltliche Differenzen zu seinem Pendant, dem heterosexuellen Pornofilm, entwickelt.
Eine sehr prägnante, aber sicherlich nicht auf den ersten Blick auffallende Eigenheit ist die Rollenverteilung der Darsteller. Zu Beginn eines sexuellen Akts ist in keinem Fall ersichtlich, welcher der Darsteller dabei aktiv und welcher passiv sein wird. Im Mainstream des Heteropornos wird sich eine solche Frage wohl nur selten stellen, da alleine anatomisch nicht derart viele Möglichkeiten gegeben sind. Es scheint generell im schwulen Porno kaum eine Rollenverhandlung auf dieser Ebene zu geben. Allerdings können bei einigen Filmen innerhalb der narrativen Struktur im Vorfeld sexuelle Positionen zugewiesen werden, aus denen sich eine soziale Rolle ableiten ließe. Hinzu kommt, daß während des Sexakts die Partner ihre jeweilige Rolle wechseln können, was häufig auch filmisch umgesetzt wird, so daß es dort auch innerhalb der sexuellen Handlung keinerlei Ungleichheit gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die methodische Vorgehensweise einer eigenständig durchgeführten Feldstudie zur Rezeption von schwulen pornografischen Filmen.
2. Einleitung: Vorstellung des Themas und Erläuterung der Zielsetzung, schwule Pornografie aus der Sicht der Cultural Studies theoretisch zu verorten.
3. Rezeptionsstudie zum schwulen Pornofilm: Beschreibung der methodischen Rahmenbedingungen der durchgeführten Interviews mit zwölf schwulen Männern.
4. Eigenheiten des schwulen Pornofilms: Analyse formaler und inhaltlicher Unterschiede zum heterosexuellen Genre, insbesondere hinsichtlich Rollenverteilung und Safer Sex.
5. Ansätze zum schwulen Pornofilm: Diskussion über die mangelnde wissenschaftliche Aufarbeitung des Genres und Analyse der Rolle des Tons in schwulen Pornofilmen.
6. Versuch der kulturellen Verortung schwuler Pornografie: Anwendung der Aneignungstheorie von John Fiske auf die Rezeptionssituation schwuler Pornografie im Alltag.
7. Schlußwort: Zusammenfassung der Erkenntnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit geschlechterunspezifischer Analysekriterien in den Cultural Studies.
Schlüsselwörter
Schwuler Pornofilm, Cultural Studies, Rezeptionsforschung, Pornografie, Schwule Subkultur, Gender, Identitätsbildung, Safer Sex, Filmwissenschaft, Männlicher Blick, Medientheorie, John Fiske, Rollenverteilung, Sexualität, Empirische Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen Verortung und der Analyse des Genres "schwuler Pornofilm" unter Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher Perspektiven.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rezeptionsweise schwuler Männer, den formalen Unterschieden zum heterosexuellen Pornofilm sowie der Anwendbarkeit etablierter Medientheorien auf dieses spezifische Genre.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, warum schwule Pornografie eine eigene Betrachtungsweise erfordert und wie sie sich in den Alltag der schwulen Community integriert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Der Autor führt eine qualitative Feldstudie durch, die auf 11 Interviews mit 12 schwulen Männern basiert, um deren Rezeptionsgewohnheiten und Meinungen zu erfassen.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Dort werden Theorien zur Aneignung von Medieninhalten, insbesondere Ansätze von John Fiske und Linda Williams, kritisch auf den schwulen Pornofilm übertragen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Cultural Studies, schwule Subkultur, Rezeption, Rollenverhandlung, Gender-Diskurs und der so genannte "männliche Blick".
Wie unterscheidet sich die Rollenverteilung im schwulen Pornofilm vom heterosexuellen Mainstream?
Im Gegensatz zum heterosexuellen Pornofilm ist die sexuelle Rolle (aktiv/passiv) im schwulen Porno oft nicht vorab festgelegt und kann während der Handlung dynamisch wechseln.
Welche Bedeutung hat der Umgang mit Safer Sex für die Filmästhetik?
Die Integration von Safer Sex (Kondomnutzung) beeinflusst die Erzählstruktur und wird von den Befragten als Teil einer realistischen Darstellung wahrgenommen, wenngleich sie filmisch oft als narrativer Bruch wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Stefan Rein (Author), 2002, Schwuler Pornofilm - Ein Versuch der kulturellen Verortung und der Differenzierung dieses Genres, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6590