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Die politische Bedeutung der Öffentlichkeit in Preußen zur Zeit des Wiener Kongresses am Beispiel der Haltung Hardenbergs zum Rheinischen Merkur

Title: Die politische Bedeutung der Öffentlichkeit in Preußen zur Zeit des Wiener Kongresses am Beispiel der Haltung Hardenbergs zum Rheinischen Merkur

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 16 Pages , Grade: 1

Autor:in: Merle Rehberg (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Bei der Durchsicht der vorhandenen Literatur zur Öffentlichkeit in Preußen im frühen 19. Jahrhundert fällt die überwältigende Anzahl von Schriften betreffend den Fürsten von Hardenberg auf. Bei einer näheren Betrachtung wird der Grund hierfür in einer offenbar allgemein geteilten Auffassung ersichtlich: die liberale Haltung des Reformministers ermöglichte in weiten Teilen Preußens ein Maß bürgerlich-politischer Öffentlichkeit und Kommunikation, wie es bis dahin nicht möglich gewesen war. Gerade an Hardenbergs Umgang mit dem politischen Tagesschrifttum wird dies immer wieder gezeigt. Die Frage nach den Gründen für Hardenbergs liberale Haltung wird dabei leider außer Acht gelassen und es bleibt bei der lapidaren Feststellungen einer persönlichen Entscheidung. Diese Begründung kann nicht genügen, denn die Haltung des Staatskanzlers kann nicht allein aus seiner persönlichen liberalen Einstellung heraus erklärt werden, sondern muss auch im Kontext der Zeitereignisse betrachtet werden. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht daher die Frage, inwieweit Hardenberg sich gerade in Bezug auf die politische Tagesliteratur, die preußische Pressefreiheit und Zensur, vielmehr als ein geschickter Stratege darstellt, der die politischen Kräfte zu integrieren und für seine Zwecke zu nutzen suchte und weniger als heroischer „Revolutionär“ und Anwalt der freien Meinungsäußerung. Dies soll am Beispiel seiner Haltung gegenüber dem „Rheinischen Merkur“, wie sie in seinem Schreiben vom 10. Oktober 1814 aus Wien an den rheinischen Zivilgouverneur Sack zum Ausdruck kommt, versucht werden. Diese Arbeit kann außerdem als excellentes Beispiel historischer Quellenkritik gelesen werden.

Excerpt


Struktur des Inhaltsverzeichnisses

1. Einleitung

2. „…der Austausch der Gedanken über Gegenstände des Gemeinwohls …“ – Hardenbergs Schreiben an Sack vom 10. Oktober 1814

2.1 Hardenberg und die preußische Zensur nach den Befreiungskriegen

2.2 „…diese Ansicht…“ des Staatskanzlers – Inhalt der Quelle

3. Der historische Rahmen

3.1 Das napoleonische Erbe: Presse und Öffentlichkeit während der französischen Besatzung und den Befreiungskriegen

3.2 Der Rheinische Merkur – Entstehung und Ziele

3.3 Hardenberg auf dem Wiener Kongress: Grundzüge seiner Politik

4. Einschätzung

4.1 Der rheinische Verbündete

4.2. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Motivation hinter der vermeintlich liberalen Haltung des preußischen Staatskanzlers Hardenberg gegenüber der Presse, insbesondere im Kontext seines Umgangs mit dem „Rheinischen Merkur“ während des Wiener Kongresses. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, ob Hardenbergs Handeln als Ausdruck einer tatsächlich freien Meinungsäußerung zu werten ist oder ob er die Presse als geschickter Stratege instrumentalisierte, um eigene politische Ziele und preußische Machtansprüche durchzusetzen.

  • Historische Rolle von Presse und Öffentlichkeit in Preußen im frühen 19. Jahrhundert
  • Analyse des Schreibens von Hardenberg an Zivilgouverneur Sack vom 10. Oktober 1814
  • Bedeutung des „Rheinischen Merkurs“ als publizistisches Organ in der napoleonischen Zeit
  • Hardenbergs Verfassungs- und Expansionspolitik auf dem Wiener Kongress
  • Die Instrumentalisierung liberaler Begriffe für staatliche Machtpolitik

Auszug aus dem Buch

7. Hardenberg an Sack. Wien, den 10. October 1814.

Die Königl. Würtembergische Regierung hat seit einiger Zeit über den „Rheinischen Merkur“ wiederholte Beschwerden geführt und solche jetzt, veranlasst durch die Nummern 116, 117, während des hies. Congresses sehr dringend erneuert.

Es würde dem Geist unserer Regierung entgegen sein, diese Zeitung einer solchen Censur zu unterwerfen, durch welche jede wohltätige Geistesfreiheit unterdrückt, der Austausch der Gedanken über Gegenstände des Gemeinwohls gestört, und die öffentliche Stimme wider öffentliches Unrecht und regellose Willkür erstickt würde.

Nach meiner Überzeugung wäre eine allgemeine Freiheit der Presse für starke, kräftige, das Gute wollende Regierungen so wie für die Völker gleich wohltätig, wenn die Gesetze zugleich sowohl den Staat als Privatpersonen gegen den Missbrauch derselben schützten. In dem Augenblick, wo man sich damit beschäftigt den deutschen Völkern bei der bevorstehenden Gestaltung ihrer Verfassung auch diese Vorteile zuzuwenden, ist es sehr zu wünschen, dass der Herausgeber des Rhein. Merkurs auch in Rücksicht auf diejenigen Regierungen, deren Verwaltungsgrundsätze dem Tadel bisher nicht entgangen sind, seine Sprache mäßige und in politische und staatsrechtliche Untersuchungen mit Schonung solcher Verhältnisse eingehe, deren gehässige Berührung jetzt nur erbittern und uns von dem Ziel, ein fruchtbares Resultat für die künftige Wohlfahrt Deutschlands herbeizuführen, entfernen würde, statt dass wir bei einer ruhigen, nicht gereizten Stimmung auch auf die durch Privat-Interesse und persönliche Neigungen befangenen Gemüter mittelst klarer Ansicht des Rechten und Notwendigen einwirken und auch diesen Teilnahme am Bessern abgewinnen können.

Ew. Hochwohlg. ersuche und beauftrage ich daher, dem Herausgeber des „Rhein. Merkurs“ diese Ansicht vertraulich mitzuteilen und in jedem Fall dahin zu wirken, dass er sich der Angriffe enthalte, die aus den oben angeführten Gründen nur nachteilig für den Zweck, den er selbst beabsichtigt, wirken können. Hardenberg.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die in der Literatur gängige, rein liberale Interpretation von Hardenbergs Pressepolitik und setzt sich das Ziel, diese als strategisches Handeln im Kontext der Zeitereignisse neu zu bewerten.

2. „…der Austausch der Gedanken über Gegenstände des Gemeinwohls …“ – Hardenbergs Schreiben an Sack vom 10. Oktober 1814: Dieses Kapitel analysiert den Anlass, die Entstehung und den Inhalt des Quellendokuments, wobei die Diskrepanz zwischen der offiziellen Haltung zur Pressefreiheit und den diplomatischen Zwängen Hardenbergs deutlich wird.

3. Der historische Rahmen: Hier wird der Kontext der napoleonischen Besatzung, die Entstehung des „Rheinischen Merkurs“ und Hardenbergs expansive Außenpolitik auf dem Wiener Kongress dargelegt, um das Spannungsfeld zwischen Reformen und Machtpolitik zu beleuchten.

4. Einschätzung: Im abschließenden Teil wird die Hypothese bestätigt, dass Hardenbergs liberale Fassade primär der Durchsetzung seiner machtpolitischen Interessen diente, und es wird die Notwendigkeit für eine differenziertere Betrachtung des Staatskanzlers betont.

Schlüsselwörter

Hardenberg, Rheinischer Merkur, Wiener Kongress, Pressefreiheit, Zensur, preußische Reformpolitik, öffentliche Meinung, Preußen, Napoleon, Joseph Görres, politische Strategie, Staatskanzler, Machtpolitik, Verfassungspläne, Liberalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die politische Rolle des Staatskanzlers Fürst von Hardenberg im Umgang mit der Pressefreiheit und dem „Rheinischen Merkur“ während des Wiener Kongresses.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der preußischen Zensurpolitik, der Bedeutung des „Rheinischen Merkurs“ als publizistisches Organ sowie den machtpolitischen Zielsetzungen Hardenbergs in der Phase der europäischen Neuordnung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Hardenbergs liberale Haltung zur Presse auf einer persönlichen Überzeugung basierte oder ein strategisches Instrument war, um preußische Hegemonialansprüche zu legitimieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Quellenanalyse, insbesondere des Schreibens Hardenbergs vom 10. Oktober 1814, eingebettet in den historischen Kontext und eine kritische Auseinandersetzung mit existierender Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die Quelle historisch kontextualisiert, gefolgt von einer Analyse der Rolle des „Rheinischen Merkurs“ und einer Untersuchung der preußischen Außen- und Verfassungspolitik auf dem Wiener Kongress.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hardenberg, Pressefreiheit, Wiener Kongress, Instrumentalisierung, preußische Machtpolitik und Rheinischer Merkur beschreiben.

Warum reagierte Hardenberg so gelassen auf den „Rheinischen Merkur“?

Hardenberg nutzte den „Rheinischen Merkur“ als wertvolles Instrument, um liberale Forderungen mit seinem preußischen Machtstreben zu verknüpfen und bei der rheinischen Bevölkerung moralischen Kredit zu gewinnen.

Warum beendete Hardenberg später sein Protektorat über den „Rheinischen Merkur“?

Als seine Politik auf dem Wiener Kongress zunehmend scheiterte, wurde die Unterstützung des Blattes für ihn zur Belastung, weshalb er sein Protektorat aus taktischen Gründen des Machterhalts aufgab.

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Details

Title
Die politische Bedeutung der Öffentlichkeit in Preußen zur Zeit des Wiener Kongresses am Beispiel der Haltung Hardenbergs zum Rheinischen Merkur
College
University of Frankfurt (Main)  (Historisches Seminar)
Grade
1
Author
Merle Rehberg (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V65904
ISBN (eBook)
9783638583527
ISBN (Book)
9783638773843
Language
German
Tags
Bedeutung Preußen Zeit Wiener Kongresses Beispiel Haltung Hardenbergs Rheinischen Merkur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Merle Rehberg (Author), 2006, Die politische Bedeutung der Öffentlichkeit in Preußen zur Zeit des Wiener Kongresses am Beispiel der Haltung Hardenbergs zum Rheinischen Merkur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65904
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