Diese Abhandlung setzt sich mit Christoph Ransmayrs Roman "Morbus Kitahara" auseinander. Dabei wird eine prägnante literaturwissenschaftliche Analyse gegeben, bei der der Versuch einer Positionierung der erzählenden Instanzen unternommen wird.
Hierzu wird zunächst aufgezeigt, wie der Erzählakt strukturell mit den zu erzählenden Figuren verwoben ist; die Determination der Erzählinstanz führt zur einer Verschiebung ihrer Auktorialität.
Die Modalitäten der Subjektkonstitution werden mit Hilfe psycho- und soziologischer Betrachtungen in genannte Analysebereiche eingeflochten, um zu demonstrieren, inwieweit mikrosoziologische Phänomene als Metonymie gesellschaftlicher Vorgänge zu lesen sind. Das Individuum erfährt intellektuelle, soziale und ökonomische Beschränkungen, die auf die eigene Persönlichkeitsformung einwirken und sie mikrostrukturell orientieren.
Eine kulturell-soziologisch orientierte Betrachtung sowie die Untersuchung der Konstitution von Realität und Erinnerung(smotivik)werden ebenso behandelt: es wird demonstriert, wie sich ein sozialer Raum als Enklave einer Parahistorie etablieren kann und wie (konstruierte) Erinnerungen "den psychischen Aparrat" gestalten können.
Es folgt eine prägnante Konklusion der getroffenen Analysen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Narrativität, Fokus, Distanz
- Manifestation des Erzählenden
- Das Verschwinden der Figuren als Entrücken der Erzählinstanz
- Psychosomatik als Determination des Erzählers
- Mangelnde Identität des Individuums als Notwendigkeit der Gefangenschaft
- Unvollkommene Selbstausprägung als Konsequenz des Sozialisationsraumes
- Akteure als deduktives Element einer sozialen Ordnung
- Entkommen als Befreiung und Einsatz des Verschwindens
- Ausbruch aus dem Kollektiv
- Die Überlebende als Ankommende
- Tod und Sterben als Unausweichlichkeit
- Realität als Ambivalenz
- Wirklichkeitskonstitution als Eventualität
- Moor als Ausbreitung einer Parahistorie
- Erinnerungsmotivik als schaffende und zerstörende Kraft
- Erinnerung als Gefängnis
- Erinnerung der Geschichte als Persönlichkeitsformung
- Konklusion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die soziokulturellen Strukturen und die damit verbundenen Determinationsaspekte in Christoph Ransmayrs „Morbus Kitahara“. Sie analysiert die Manifestation der Erzählinstanz im Roman, die Befähigungen des Erzählers und deren Einfluss auf die Protagonisten. Zudem wird die soziale Formation der räumlichen Umgebung und der darin handelnden Akteure beleuchtet sowie die Gestaltung des sozialen Raumes und seine Auswirkungen auf das Individuum. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf die Figuren Bering, Lily und Ambras.
- Analyse der narrativen Struktur und der Rolle des Erzählers
- Untersuchung der sozialen Formation im Roman und ihrer Auswirkungen auf die Figuren
- Bedeutung von Tod und Sterben sowie der Erinnerungsmotivik im Kontext des Romans
- Die Rolle der Kontrafaktizität in der Erzählung
- Die Darstellung von Realität und Wirklichkeit im Roman
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor und erläutert die Ziele und Schwerpunkte der Untersuchung. Kapitel 2 analysiert die narrative Struktur von „Morbus Kitahara“ und beleuchtet die Manifestation der Erzählinstanz sowie deren Befähigungen. Kapitel 3 untersucht die mangelnde Identität der Figuren und ihre Gefangenschaft innerhalb des sozialen Gefüges. Kapitel 4 befasst sich mit dem Thema des Entkommens als Befreiung und dem Einsatz des Verschwindens. Kapitel 5 betrachtet die Ambivalenz der Realität und die Wirklichkeitskonstitution im Roman. Kapitel 6 analysiert die Erinnerung als schaffende und zerstörende Kraft und ihre Bedeutung für die Figuren. Die Arbeit endet mit einer prägnanten Konklusion.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse von Christoph Ransmayrs „Morbus Kitahara“, mit besonderem Fokus auf die Erzählstruktur, die soziokulturellen Strukturen, die Figurencharakteristik und die Themen Tod, Erinnerung und Realität. Der Roman dient als Grundlage für die Untersuchung der Determinationsaspekte in einer kontrafaktischen Erzählung.
Häufig gestellte Fragen
Welche zentralen Figuren werden in der Analyse von „Morbus Kitahara“ untersucht?
Die literaturwissenschaftliche Analyse konzentriert sich primär auf die Protagonisten Bering, Lily und Ambras.
Was ist das Hauptthema von Christoph Ransmayrs Roman „Morbus Kitahara“?
Der Roman behandelt soziokulturelle Strukturen, die Konstitution von Realität und Erinnerung sowie das Leben in einer parahistorischen Enklave.
Wie wird die Erzählinstanz im Roman charakterisiert?
Die Erzählinstanz ist strukturell mit den Figuren verwoben, wobei eine Verschiebung der Auktorialität durch die Determination des Erzählers stattfindet.
Welche Rolle spielt die Erinnerungsmotivik in der Arbeit?
Erinnerung wird sowohl als schaffende als auch als zerstörende Kraft analysiert, die den „psychischen Apparat“ der Figuren maßgeblich formt.
Was versteht man unter der „Parahistorie“ im Kontext des Romans?
Die Parahistorie bezieht sich auf die Konstruktion einer alternativen geschichtlichen Realität, in der sich die Handlung des Romans entfaltet.
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- Marlen Vogel (Author), 2006, Zu: Christoph Ransmayrs "Morbus Kitahara", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65924