Er ist Repräsentant einer Ära, die sich als eine Art soziale, sowie politische Subkultur etabliert hat. Als „Young Urban Professional“, kurz „Yuppie“, füllt die Figur des Patrick Bateman die erste Lücke, den ersten Definitionsraum, in dem Existenz- innerhalb des Szenarios von „American Psycho“- manifestiert wird. Sein diskursiver Werdegang ist ein Sprechen zweier Realitäten.
Die Einführung in die Handlung kreiert ein Bild, ein überspitztes Klischeebild, das explizit die kulturelle Bewegung ausstellt, die sich durch den Film als verlaufende Spur bis ins Perverse ausreizt. Die Annahme des urbanen Zeichensystems erfolgt von selbst. Es ist nicht Bateman selbst, der als agens fungiert. Der reziproke Prägungsprozess etabliert sich als Performativ. Bateman steht den Gepflogenheiten des Bankerlebens in nichts nach, fernerhin steht er ihnen gegenüber. Das Phänomen der Gegenüberstellung findet noch auf anderen Ebenen seine Realisierung, die die Diskurse zur Tiefe begehbar machen (Benjamin, Lacan et al.). Zu Beginn scheint es eine Spur, eine Prägung, einen Einschnitt zu geben, der sich hier als das urbane Gefüge ausstellt, in dem Bateman selbst eine Art Ornament darstellt. Auf der ersten Ebene ist er Repräsentant, eine Markierung, die sagt „Hier bin ich, das bin ich, ich bin diese Welt.“ Man erkennt hier also ein synekdochisches Verhältnis. Eine Synekdoche ist eine Trope auf der Ebene des Teiles vom Ganzen. Ein Teil repräsentiert das ganze den Zeichenprozessen unterliegende kulturelle System. Es soll gezeigt werden, dass der kontingente Charakter der Person Patrick Bateman sich in seiner Funktion als Synekdoche materialisiert.
Der Begriff der Kontingenz im Kontext von „American Psycho“ scheint eine Dimension zu verfassen, deren Ausleuchtung ganz und gar der Kamera überlassen ist. Kontingenz meint einen erahnten, halb “ausgesprochenen“ begrenzten Raum, in dem mehrere Subsysteme möglich sind, diese Möglichkeiten jedoch permanent bestehen bleiben. Der Begriff des Subsystems ist hier angebracht, da die Möglichkeiten durch Leerstellen markiert werden und somit als Diskurse zum Vorschein kommen, welche nach ihren eigenen autonomisierten Regelwerken funktionieren. Die Ausstellung der Diskurse erfolgt explizit, das, was an der Oberfläche bleibt, wird fasst pornografisch, provokant ausgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Diskurs als Sprechakt
3. „American Psycho“ und die technische Reproduzierbarkeit
3.1. Gesten technischer Reproduzierbarkeit
3.2. Verlust der Aura
3.3. Vom Kultwert zum Ausstellungswert
3.4. Bedeutung des Films
4. Die neue Dimension des Narziss
4.1. Narziss und die Metamorphose
4.2. Exkurs: Lacan und das Spiegelstadium als Bildner der Ich- Funktion
4.3. Versuch einer Positionierung von „moi“ und „je“ im Film „American Psycho“
5. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film „American Psycho“ unter medientheoretischen und psychoanalytischen Gesichtspunkten, um den kontingenten Charakter der Hauptfigur Patrick Bateman sowie die diskursiven Mechanismen des Films zu analysieren.
- Analyse von Patrick Bateman als synekdochische Figur.
- Anwendung von Walter Benjamins Medientheorie auf den Film.
- Untersuchung des Narzissmus im Kontext von Jacques Lacans Spiegelstadium.
- Dekonstruktion der Diskurse von Materialismus, Identität und Medialität.
Auszug aus dem Buch
3.1. Gesten technischer Reproduzierbarkeit
Die zentrale Bewegung, die Benjamin in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ kennzeichnet, ist eine disparse. Der Begriff des Kunstwerks hat sich in seiner Geschichte verändert. Das Kunstwerk unterliegt nicht mehr einem sakralen Charakter, hat den Kultwert eingebüßt. Wie kommt das zustande?
„Noch bei der höchstvollendeten Reproduktion des Kunstwerks fällt eines aus: Das Hier und Jetzt des Kunstwerks- sein einmaliges Dasein an dem Orte an dem es sich befindet“6
An diesem einmaligen Dasein vollzog sich, so Benjamin, die Geschichte, der es im Laufe seines Bestehens unterworfen war (physische Veränderung, Veränderung der Besitzverhältnisse etc.)
Eine Kernthese Walter Benjamins besteht darin, dass sich der gesamte Bereich der Echtheit der technischen, sowie der nicht- technischen Reproduktion entzieht. Wie geschieht das? Die technische Reproduktion erweist sich dem Original gegenüber selbstständiger als die manuelle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt die Figur des Patrick Bateman als Repräsentant einer Yuppie-Subkultur ein und definiert den methodischen Rahmen, um Bateman als Synekdoche für kulturelle Zeichenprozesse zu verstehen.
2. Der Diskurs als Sprechakt: Dieses Kapitel analysiert die zwei Diskurse des Bankermilieus und des Psychopathen, die sich auf der Handlungsebene materialisieren und die Austauschbarkeit von Identitäten ausstellen.
3. „American Psycho“ und die technische Reproduzierbarkeit: Unter Rückgriff auf Walter Benjamin wird untersucht, wie der Film durch technische Reproduktion den Kultwert des Kunstwerks entwertet und eine mediale Konstruktion von Identität erzeugt.
4. Die neue Dimension des Narziss: Dieses Kapitel verbindet die mythologische Figur des Narziss mit Lacans Spiegelstadium, um Batemans narzisstische Selbstinszenierung vor dem Spiegel als Ausdruck eines gescheiterten Einheitsprozesses zu deuten.
5. Konklusion: Die Arbeit fasst zusammen, dass Bateman als restitutives Sujet fungiert, dessen Diskursebenen in einer Aporie münden, wodurch der Film eine offene Statik bewahrt.
Schlüsselwörter
American Psycho, Patrick Bateman, Kontingenz, Diskurse, Walter Benjamin, Technische Reproduzierbarkeit, Aura, Narzissmus, Jacques Lacan, Spiegelstadium, Synekdoche, Identität, Mimesis, Medientheorie, Filmwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Film „American Psycho“ auf seine medientheoretischen und psychoanalytischen Grundlagen, um die Diskurse und Identitätskonstruktionen der Hauptfigur Patrick Bateman zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die technische Reproduzierbarkeit von Kunst und Identität, die Rolle des Narzissmus sowie das Zusammenspiel von Sprache und Diskursen im Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie der kontingente Charakter Patrick Batemans als Synekdoche eines kulturellen Systems fungiert und welche filmischen Bewegungen dabei vollzogen werden.
Welche wissenschaftlichen Theorien werden verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf die Medientheorie von Walter Benjamin („Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“) und die psychoanalytische Theorie von Jacques Lacan (Spiegelstadium).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die mediale Konstruktion Batemans, die Spiegelungsphänomene im Film, den Verlust der Aura und die Bedeutung der „Identitycards“ als Symbole für eine gescheiterte Identitätsfindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kontingenz, Narzissmus, Spiegelstadium, Synekdoche, technische Reproduzierbarkeit und Diskurs charakterisiert.
Warum wird der Begriff der Synekdoche auf Patrick Bateman angewandt?
Bateman dient als Teil, der ein gesamtes kulturelles System (das Zeichensystem des Yuppie-Daseins) repräsentiert und dadurch erst als diskursives Agens in der Filmwelt funktioniert.
Welche Bedeutung kommt der Schlusssequenz des Films im Hinblick auf Batemans Geständnis zu?
Das Geständnis ist für die Autorin „bedeutungslos“, da es zu keiner Katharsis führt; es bestätigt lediglich das Vorliegen eines restitutiven Sujets, bei dem keine wirkliche Veränderung stattfindet.
Wie erklärt die Autorin das Spiegelstadium im Kontext des Films?
Die Spiegel-Szenen Batemans werden als Ausstellung des „Verkennens“ gedeutet, bei dem das Subjekt versucht, ein ideales „Je-Idéale“ zu erreichen, was im Film jedoch permanent scheitert.
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- Marlen Vogel (Author), 2006, American Psycho - Der Film und die Kontingenz der Diskurse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65928