„Wir werden zwei erfolgreiche Unternehmen im Pharma-Bereich zu einer noch schlagkräftigeren Einheit verbinden und ein internationales Spitzen-Unternehmen schaffen.“ 1 Die Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen in Zeiten der Globalisierung scheint immens zu sein. 2 Dieses drückt sich insbesondere in den Kaufpreisen aus, die Unternehmen bereit sind für einen Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen zu zahlen. Dieser liegt häufig über ein vielfaches des bilanziellen Eigenkapitals des erworbenen Unternehmens. 3 Der Kaufpreis spiegelt dabei zum großen Teil die Erfolgserwartungen an diesen Zusammenschluss wider. Diese Erwartungen drücken sich gerade im forschungsintensiven Sektor, aber auch im Dienstleistungssektor in Form immaterieller Werte aus, die betragsmäßig einen Großteil des Kaufpreises ausmachen können. Durch den unscharfen und schwer greifbaren Charakter gehen immaterielle Werte häufig in den Bilanzposten goodwill ein, der als Pool für zukünftige Erwartungen große Ausmaße annehmen kann, was sich dadurch zeigt, dass bei einigen Unternehmen der goodwill knapp die Hälfte der Bilanzsumme ausmacht. 4 Bei dem Zusammenschluss von Sanofi-Aventis mit den Tochterunternehmen der Aventis-Gruppe entstand bei einem Kaufpreis von rund 52 Mrd. Euro ein goodwill in Höhe von rund 29 Mrd. Euro. 5 Dem Management des erwerbenden Unternehmens obliegt es, den Unternehmenserwerb in seiner Rechnungslegung nach den Regelungen seines Rechnungslegungssystems abzubilden. Dabei wird es bewusst Gestaltungen vornehmen, um z.B. Investoren von den zukünftigen Ertragschancen, die aus dem Erwerb resultieren, zu überzeugen. 6 Kapitalmarktorientierte Unternehmen, die nach den internationalen Rechnungsle-gungsstandards IAS/IFRS bilanzieren, müssen Unternehmenserwerbe seit Inkrafttreten des Standards IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ 31.03.2004 sowie den damit einhergehenden Änderungen der Standards IAS 36 „Wertminderung von Vermögenswerten“ und IAS 38 „Immaterielle Vermögenswerte“ nach diesen Regelungen abbilden. Kernbestandteile sind die Anwendung der Erwerbsmethode als einzig zulässige Bilanzierungsmethode, die Identifizierung immaterieller Vermögenswerte sowie die nur noch außerplanmäßig vorzunehmende Abschreibung des goodwill. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITIONEN UND ANWENDUNGSVORSCHRIFTEN DES IFRS 3
3. METHODIK ZUR AUFBEREITUNG DER RECHENWERKE UND KONSOLIDIERUNGSMAßNAHMEN
3.1 Aufbereitung der Bilanz
3.2 Aufbereitung der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
3.3 Aufbereitung der Kapitalflussrechnung (KFR)
3.4 Aufbereitung der Eigenkapitalveränderungsrechnung/ Eigenkapitalspiegel
3.5 Konsolidierungsmaßnahmen
3.5.1 Kapitalkonsolidierung
3.5.2 Schuldenkonsolidierung
3.5.3 Zwischenergebniseliminierung und Aufwands- und Ertragskonsolidierung
4. BILANZPOLITISCHE GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN IM RAHMEN DER NEUBEWERTUNG VON VERMÖGEN UND SCHULDEN (KAUFPREISALLOKATION I)
4.1 Materielle Vermögenswerte
4.2 Finanzielle Vermögenswerte
4.3 Immaterielle Vermögenswerte
4.4 Verbindlichkeiten und Rückstellungen
4.5 Eventualverbindlichkeiten
5. BILANZPOLITISCHE GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN BEI DER BILANZIERUNG DES ERWORBENEN GOODWILL (KAUFPREISALLOKATION II)
5.1 Aufteilung des goodwill auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (ZGE)
5.2 Durchführung eines Wertminderungstests für die goodwill-tragende zahlungsmittelgenerierende Einheit (ZGE)
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, bilanzpolitische Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die sich bei der Abbildung eines Unternehmenserwerbs nach den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 3 ergeben. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie das Management durch Ansatz- und Bewertungsentscheidungen im Rahmen der Kaufpreisallokation sowie bei der Behandlung des Goodwills Einfluss auf das zukünftige Bilanzbild und die Erfolgslage des Konzerns nehmen kann.
- Anwendung der Erwerbsmethode und Kaufpreisallokation nach IFRS 3
- Aufbereitung von Rechenwerken für die Konzernkonsolidierung
- Bilanzpolitische Spielräume bei der Bewertung von Vermögen, Schulden und Eventualverbindlichkeiten
- Gestaltungsmöglichkeiten bei der Goodwill-Allokation auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (ZGE)
- Einfluss von Wertminderungstests (Impairment-Test) auf das Konzernergebnis
Auszug aus dem Buch
4.1 Materielle Vermögenswerte
Die Kaufpreisallokation hat die Aufgabe, die Anschaffungskosten unter anderem auf das erworbene Vermögen aufzuteilen. Hier ist zunächst festzustellen, wie die IFRS aktivierungsfähiges Vermögen definieren, sowohl im allgemeinen als auch in dem speziellen Fall des erworbenen Vermögens. Die theoretische Fundierung eines Ansatzes beruht auf einem zweistufigen Konzept. Auf der ersten Stufe hat ein Sachverhalt zunächst die notwendige Bedingung zu erfüllen als Vermögenswert definiert werden zu können. Darauf aufbauend sind als hinreichende Bedingung für den Ansatz eines Vermögenswertes aus einem Unternehmenserwerb die Vorschriften des IFRS 3.37(a) zu beachten, die eine kumulative Erfüllung folgender Bedingungen verlangen:
• Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen wirtschaftlichen Nutzens, der auch dem Erwerber zufließt.
• Zuverlässige Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes.
Diese Bedingungen gelten nicht für immaterielle Vermögenswerte. Diese unterliegen zwar einer ähnlichen zweistufigen Konzeption, die allerdings andere Ansatzbedingungen nennt.
Die Wahrscheinlichkeit definiert IFRS 3 im Anhang A mit „es spricht mehr dafür als dagegen“. Bei einem zu über 50% sicheren zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen ist eine Aktivierung vorzunehmen. An dieser Stelle schon bietet sich dem Erwerber ein gewisser Ermessensspielraum. Denn nur er entscheidet über den Ansatz, unabhängig von einem bestehenden Ansatz im Einzelabschluss des erworbenen Unternehmens. Eine zu optimistische Schätzung des wirtschaftlichen Nutzens führt zu einer erfolgswirksamen Korrektur in einer Folgeperiode, also zu einer zukünftigen Ergebnisbelastung. Es bietet sich daher für den Bilanzierenden an, den zukünftigen Nutzen eher vorsichtig zu beurteilen und im Zweifelsfall auf eine Aktivierung zu verzichten. Der Vermögenswert würde in diesem Fall Bestandteil des goodwill werden und unterläge somit einer anderen Wertanpassungsmethodik. Auf eine separate Aktivierung kann aber nicht verzichtet werden, wenn der Vermögenswert alleine oder in einer Gruppe mit anderen Werten weiter verkauft werden soll. Dieses Vorhaben könnte auch auf der Einschätzung des Managements beruhen, dass die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Nutzenzuflusses eher gering ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen ein und verdeutlicht, wie das Management diese durch bewusste Gestaltungsentscheidungen in der Rechnungslegung beeinflussen kann.
2. DEFINITIONEN UND ANWENDUNGSVORSCHRIFTEN DES IFRS 3: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen und Anwendungsbereiche des Standards IFRS 3 sowie die verpflichtende Anwendung der Erwerbsmethode.
3. METHODIK ZUR AUFBEREITUNG DER RECHENWERKE UND KONSOLIDIERUNGSMAßNAHMEN: Hier wird der technische Ablauf der Integration des erworbenen Unternehmens in den Konzernabschluss beschrieben, inklusive notwendiger Bilanzanpassungen und Konsolidierungstechniken.
4. BILANZPOLITISCHE GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN IM RAHMEN DER NEUBEWERTUNG VON VERMÖGEN UND SCHULDEN (KAUFPREISALLOKATION I): Der Fokus liegt auf den Ermessensspielräumen bei der Identifizierung und Bewertung von materiellen, finanziellen und immateriellen Vermögenswerten sowie Schulden.
5. BILANZPOLITISCHE GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN BEI DER BILANZIERUNG DES ERWORBENEN GOODWILL (KAUFPREISALLOKATION II): Dieses Kapitel analysiert die Gestaltungsspielräume bei der Aufteilung des Goodwills auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten und deren Auswirkungen auf den jährlichen Wertminderungstest.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel bündelt die Erkenntnisse über die vielfältigen bilanzpolitischen Gestaltungsoptionen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Standardisierung durch Best-Practice-Erfahrungen.
Schlüsselwörter
Unternehmenszusammenschluss, IFRS 3, Kaufpreisallokation, Goodwill, Konsolidierung, Bilanzpolitik, Bewertungsspielraum, Immaterielle Vermögenswerte, Wertminderungstest, Zahlungsmittelgenerierende Einheit, Fair Value, Erstkonsolidierung, Konzernabschluss, Erwerbsmethode, Impairment-Only-Ansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich bei einem Unternehmenserwerb ergeben, wenn dieser gemäß IFRS 3 nach der Erwerbsmethode abgebildet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kaufpreisallokation, die Identifizierung und Bewertung von Vermögenswerten und Schulden, die Behandlung des Goodwills sowie die Durchführung von Wertminderungstests (Impairment-Tests).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Management durch Ausnutzung von Ermessensspielräumen bei Schätzungen und Interpretationen der IFRS-Standards das künftige Unternehmensergebnis beeinflussen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herleitung und Analyse von IFRS-Vorschriften, ergänzt durch die kritische Auswertung von Fachliteratur und praktischen Beispielen zur Kaufpreisallokation und Konzernkonsolidierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Aufbereitung der Konzernrechnungslegung, die detaillierte Analyse der Kaufpreisallokation auf Vermögens- und Schuldenpositionen sowie die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Goodwill-Bilanzierung und -Werthaltigkeitsprüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören IFRS 3, Kaufpreisallokation, Goodwill, Bilanzpolitik, Konsolidierung und Impairment-Test.
Wie beeinflusst die Wahl der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten (ZGE) das Konzernergebnis?
Die geschickte Abgrenzung und Zusammenstellung von ZGEs ermöglicht es, einen erzielten Goodwill vor Abschreibungen zu schützen, da Wertminderungen in einem Bereich durch Wertsteigerungen in anderen Teilen der ZGE innerhalb des Impairment-Tests kompensiert werden können.
Welche Rolle spielt die Wahrscheinlichkeit bei immateriellen Werten?
Im Gegensatz zu materiellen Vermögenswerten spielt das Wahrscheinlichkeitskriterium bei der Ansatzentscheidung für immaterielle Vermögenswerte keine Rolle; es wird stattdessen Teil der Bewertung und bietet dem Management damit erheblichen Spielraum bei der Wertfestlegung.
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten "Big Bath-Accounting"?
Dies bezeichnet das Phänomen, dass ein neues Management bei Übernahme versucht, Altlasten des Vorgängers durch eine bewusst hohe Abschreibung (z.B. des Goodwills) in einer Periode zu bereinigen, um in Folgeperioden unbelastet von diesen Abschreibungen ein besseres Ergebnis auszuweisen.
- Quote paper
- Marcus Krone (Author), 2006, Gestaltungsmöglichkeiten bei Abbildung eines Unternehmenserwerbes nach IFRS 3 Unternehmenszusammenschlüsse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65962