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Religiosität im Werk Georg Trakls

Title: Religiosität im Werk Georg Trakls

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anna Winkelmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss und der Thematisierung von Religion im Werk Georg Trakls. Sie betrachtet zunächst Nietzsches Kritik an der Theologie und seine Einsicht in die Subjektivität aller Erkenntnis, mit der er bei den Dichtern und Schriftstellern des beginnenden 20. Jahrhunderts schwerwiegende Zweifel am gesellschaftlichen Status Quo auslöste. In ihrem sinnbildlichen „Kampf des Dionysos gegen den Gekreuzigten“, den viele junge Künstler daraufhin innerlich austrugen, stellten sie die alten Gesetzen der Kirche in Frage. Es galt, sich auf die menschlichen Ur-Instinkte zurückzubesinnen und aus ihnen Sinn und Kreativität zu schöpfen.
Georg Trakl bildet innerhalb dieser künstlerischen Bewegung eine Ausnahme: zwar schloss er sich keiner religiösen Verehrung Christi an, doch auch in der Verherrlichung des irdischen Lebens und der Ur-Instinkte sah er keine Chance auf einen Neubeginn. Stattdessen kontrastiert er beide Ideale immer wieder in seinem Werk und lässt sie sich gegenseitig als Illusionen entlarven.
Der Zwiespalt Trakls zwischen christlichem Glauben und Nietzsches Religionskritik sowie die problematische Beziehung zu seiner Schwester finden ihren Ausdruck in zahlreichen Gedichten Trakls. In dieser Arbeit werden einschlägige Beispiele aus dem Werk des Dichters auf diese Thematiken hin untersucht und interpretiert. Dabei wird auch auf die hermetische Sprache Trakls eingegangen, der man sich oft nur innerhalb des Traklschen Werkes selbst annähern kann. Ihren Kode zu entschlüsseln ist bis heute eine reizvolle Herausforderung für zahlreiche Literaturwissenschaftler.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Trakl und Nietzsche

3. Schuld und Sünde

4. Hermetik und Transparenz

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Religiosität im Werk von Georg Trakl unter Berücksichtigung des Einflusses von Nietzsches Theologiekritik sowie des expressionistischen Zeitkontextes. Das primäre Ziel ist es, den Umgang des Dichters mit christlichen Motiven und deren Transformation innerhalb seiner hermetischen Sprachwelt zu analysieren.

  • Verhältnis zwischen Nietzsches Philosophie und Trakls religiöser Gesinnung
  • Darstellung der Schuld- und Sündenproblematik im lyrischen Werk
  • Rolle des Inzestmotivs in der dichterischen Selbstdarstellung
  • Bedeutung von Chiffren und Symbolik im Kontext christlicher Riten
  • Untersuchung der zyklischen Struktur als Bewältigungsstrategie

Auszug aus dem Buch

3. Schuld und Sünde

Obwohl Trakl sich aufgrund des Einflusses der Theologiekritik Nietzsches und den Nachwirkungen der Aufklärung von der ihn in seiner Jugendzeit umgebenden Religiosität entfernt hatte, kann man sein Sündenverständnis dennoch als ein christliches bezeichnen.

„[…] es entspricht einer in der Tradition des Christentums tief verwurzelten Überzeugung von der seit dem Sündenfall fortdauernden und tiefgreifenden Sündhaftigkeit und damit zugleich Erlösungsbedürftigkeit des Menschen.“ In Bezug auf seine eigene Person beschreibt Trakl sogar eine so große Schuld, dass eine Erlösung davon unmöglich scheint. Dies wird in dem zweistrophigen „Gedicht“ aus der „Sammlung 1909“ deutlich.

Ein frommes Lied kam zu mir her:

Du einfach Herz, du heilig Blut,

O nimm von mir die böse Glut!

Da ward’s erhört und klagt nicht mehr!

Mein Herz ist jeder Sünde schwer

Und zehrt sich auf in böser Glut,

Und ruft nicht an das heilige Blut,

Und ist so stumm und tränenleer.

Das lyrische Ich in diesem Gedicht sieht sich als nicht erlösbar an, weder durch Gebete und Lieder, noch durch das heilige Abendmahl, bei welchem dem Gläubigen seine Sünden vergeben werden. Es scheint eine so schwere Schuld zu tragen, dass der Glaube an eine Erlösung und Vergebung unmöglich wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Forschungsstand zur Religiosität bei Trakl ein und beleuchtet den Einfluss von Nietzsches Kulturkritik sowie die allgemeine Identitätskrise des Expressionismus.

2. Trakl und Nietzsche: Hier wird das Spannungsfeld zwischen christlicher Religion und nietzscheanischer Philosophie analysiert, insbesondere in Bezug auf die „Passionsverhältnisse“ des Dichters.

3. Schuld und Sünde: Das Kapitel untersucht, wie Trakl das christliche Sündenverständnis in sein Werk integriert und durch das Motiv der inzestuösen Geschwisterliebe radikalisiert.

4. Hermetik und Transparenz: Dieser Abschnitt erörtert die spezifische Symbolik und den Kode von Trakls hermetischer Sprache, die religiöse Motive zwar nutzt, aber von ihrer konventionellen Bedeutung entfremdet.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Religiosität kein vorübergehendes Jugendthema, sondern ein dauerhaftes, ästhetisch verhandeltes Element der Traklschen Dichtung ist.

Schlüsselwörter

Georg Trakl, Expressionismus, Friedrich Nietzsche, Religiosität, Schuld, Sünde, Inzest, Hermetik, Gottesverlust, Décadence, Christentum, Lyrik, Symbolik, Identitätskrise, Weltuntergang

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Religiosität im lyrischen Werk Georg Trakls und der ambivalenten Auseinandersetzung mit christlicher Symbolik vor dem Hintergrund der nietzscheanischen Kulturkritik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind das Verhältnis von Religion und Erotik, das Motiv des Sündenfalls, die psychologische Bedeutung der Geschwisterbeziehung sowie die hermetische Sprachstruktur der Gedichte.

Welches primäre Ziel verfolgt die Analyse?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Trakl religiöse und mythologische Motive verwendet, um seine Unzufriedenheit mit der modernen Welt ästhetisch abzubilden, ohne dabei eine klassische christliche Erlösung zu suchen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Textbestand der Gedichte mit philosophiegeschichtlichen Diskursen (insbesondere Nietzsche und Theologie) und rezeptionsästhetischen Ansätzen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Nietzsches Einfluss, die detaillierte Analyse der Schuld- und Sündenmotivik sowie die Erörterung der hermetischen Bildersprache Trakls.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Religiosität, Nietzsche, Schuld, Sünde, Inzest, Hermetik, Gottesverlust und die apokalyptische Grundstimmung der expressionistischen Epoche.

Wie deutet die Autorin das Gedicht "Passion"?

Die Autorin interpretiert "Passion" als ein Beispiel für die Zerrissenheit des Dichters zwischen dionysischen und christlichen Lebensidealen, wobei das religiöse Motiv der Passion Christi durch das inzestuöse Schuldmotiv überlagert wird.

Welche Funktion hat das "Gebetsrhythmus"-Element bei Trakl?

Die Autorin argumentiert, dass Trakl den Rhythmus katholischer Liturgien und Riten beibehält, um seinen Gedichten eine formale Ordnung zu verleihen, obwohl er die inhaltliche religiöse Heilsbotschaft explizit ablehnt.

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Details

Title
Religiosität im Werk Georg Trakls
College
University of Cologne  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Course
Die Moderne als Krise und Kulturrevolution
Grade
1,0
Author
Anna Winkelmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V65966
ISBN (eBook)
9783638587112
ISBN (Book)
9783638671071
Language
German
Tags
Religiosität Werk Georg Trakls Moderne Krise Kulturrevolution
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Winkelmann (Author), 2005, Religiosität im Werk Georg Trakls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65966
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