Darf 'Emil und die Detektive' im 21. Jahrhundert noch ein Roman für Kinder sein? - abgeleitet aus Ruth Klügers Thesen zu Erich Kästner


Essay, 2006
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ein Zitat, das noch gar nicht dazu gehört

Erstes Kapitel: Wissenschaftlicher Diskur

Zweites Kapitel: Ein Grund, der plötzlich keiner mehr ist

Drittes Kapitel: Wo sind die Detektive?

Viertes Kapitel: Recht und Unrecht

Letztes Kapitel: Und die Moral von der Geschicht’

Literaturverzeichnis

Ein Zitat, das noch gar nicht dazu gehört

„ROMAN für KINDER

Erich Kästner: Emil und die Detektive, ein Roman für Kinder. Verlag Williams & Co., Berlin

Emil aus Neustadt wird wohl so zwölf Jahre alt sein; vielleicht steht auch das genaue Alter im Buch, und ich übersah das, weil ich zu gespannt las und es ja belanglos ist, ob er zehn, elf oder zwölf Jahre zählt. Die Detektive dürften in dem gleichen Alter sein, und darum(warum ‚darum’?) sind sie sympathische und intelligente Detektive. Wären sie weniger intelligent, klappte es nicht so gut mit dem Spionagebetrieb, dem Beobachtungsdienst, und selbst Pony Hütchen, Emils Kusine, könnte auf ihrem Fahrrad, und ist es auch noch so gut, nicht viel nützen, und niemals würde Emil die hundertvierzig Mark, die ihm während der Eisenbahnfahrt nach Berlin gestohlen wurden, zurückbekommen. Und wären sie weniger sympathisch, die Detektive, man hätte nicht die unbändige Freude, die man nun bei der ersten, zweiten, dritten Lektüre (pardon, Erich Kästner, ich habe Ihr Buch erst dreimal gelesen!) dieses so ausgezeichneten, dieses ungemein erfrischenden Romans für Kinder empfindet; - Roman, den alle Leser und Leserinnen vom zehnten Jahre aufwärts bis zum Greisenalter mit gleicher Neigung lesen werden, sollen, müssen. Dieser Kinder-Roman des Dichters Erich Kästner ist nicht etwa ein Nebenwerk; er bezeugt vielmehr, dass Kästner mit wohltuendem Humor, mit Grazie und Behagen erzählen kann. Der temperamentvoll geschriebene kleine Roman hat in jedem Satz Witz und Liebenswürdigkeit; nicht ein Wort ist gekünstelt; nicht eins gesucht. Es ist da eine muntere und abenteuerliche Erzählung geglückt, und neben einer Anzahl lustiger Figuren steht, zärtlich gesehen und gestaltet, die prachtvolle Mutter; sind zu lesen die Dialoge zwischen ihr und dem Söhnchen Emil.

Ein Roman für Kinder? Junggesellen und kinderlose Eltern wissen nun nicht, wie sie dieses Buch, das sie ihren nicht vorhandenen Kindern nicht wegnehmen können, lesen sollten? Keine falsche Scham! Selber kaufen! Es fesselt den Erwachsenen wie den Jugendlichen.“[1]

Erstes Kapitel: Wissenschaftlicher Diskurs

Erich Kästners ‚Emil und die Detektive’ ist das „international bedeutendste deutsche Kinderbuch des 20. Jahrhunderts“[2]. Es ist der erste Roman für Kinder von Erich Kästner. Dieser liegt heute „in über vierzig Sprachen vor und ist siebenmal verfilmt worden“[3].Für den enormen Erfolg des Romans gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Kästner hat etwas Neues geschaffen, verbunden mit seinem großen Talent für Sprache. In seinem Werk spiegelt sich das Leben der Großstadt in den zwanziger Jahren wieder. Außerdem ist „Emil und die Detektive das erste Produkt der Zusammenarbeit zwischen Kästner und Walter Trier, dessen Zeichnungen am Anfangserfolg ihren Anteil hatten.“[4]

Einem kleinen Jungen Namens Emil wird Geld gestohlen. Dieses versucht der Knabe mit allen Mitteln wieder zu bekommen. Dabei trifft er auf andere Kinder aus der Stadt. Die Kinder solidarisieren sich mit dem Protagonisten und bilden eine enge Gemeinschaft.

Es stellt sich die Frage, ob das, was in dem obigen Zitat aus dem Berliner Tageblatt vom 15. Dezember 1929, auch heute noch, 76 Jahre und mehr als einen Krieg später zutreffend ist. Hierbei gehen die wissenschaftlichen Meinungen sehr auseinander.

Die eine Seite sieht Kästner als großen Aufklärer. Es wird behauptet, er verfolge positive moralpädagogische Ziele und seine Hauptfiguren, hier insbesondere Emil, seien angemessene Vorbilder für Kinder. Diese Vorbilder zeichnen sich besonders durch ‚deutsche’ Tugenden wie Fleiß, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Tapferkeit aus.[5]

Auf der anderen Seite wird Kästner, unter anderem von Ruth Klüger[6], als Pseudoaufklärer bezeichnet. Es wird ihm eine korrupte Moral vorgeworfen. Er würde das Banden- und Rottenwesen präpubertärer Jungen nicht kritisch genug einschätzen und autoritäres Verhalten befürworten. Für diese Vorwürfe zeigt Klüger einige Argumente auf. „Problematisch ist [...] das eigentliche Kernstück des Buches, die Jagd auf den Dieb.“[7] Diese Jagd wird nur dadurch in Gang gebracht, dass Emil den Jungen erzählt, dass ihm Geld gestohlen worden sei. Klüger würde von den Kindern etwas mehr Skepsis fordern, damit diese insgesamt überhaupt als Vorbilder dienen könnten. „Eine Bande Jungen, die einen Erwachsenen einfach deshalb hetzt, weil ihnen jemand gesagt hat, er sei ein Verbrecher, sollte eigentlich nicht vorbildlich wirken.“[8] Außerdem sei die Jagd auf den Dieb keine wirkliche Detektivarbeit, da der Sachverhalt klar erscheint. Grundeis hat Emil das Geld gestohlen. So würde die Handlung doch eher an das „altbekannte Räuber- und Gendarmspiel“[9] erinnern. Ein Grund warum Emil nicht gleich zur Polizei geht, „wird [dabei] an den Haaren herbeigezogen.“[10]

[...]


[1] http://www.zlb.de/projekte/kaestner/prolog/rezension.htm (gefunden am 19.07.2005)

[2] Kammler, C./Wilczek, R.: Basisartikel „Krimi“. In: Praxis Deutsch 192, Juli 2005

[3] Hanuschek, S.: Erich Kästner. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004, S.48

[4] ebd., S.50

[5] vgl.: Beutler, K.: Erich Kästner. Eine literaturpädagogische Untersuchung . Weinheim/ Berlin 1967

[6] Vgl. Klüger, R.: Korrupte Moral. Erich Kästners Kindernbücher. In: R. K.: Frauen Lesen anders. dtv. München 1996, S.63-82

[7] ebd., S.71

[8] ebd., S.71

[9] Schikorsky, I.: Literarische Erziehung zwischen Realismus und Utopie – Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“. In: Bettina Hurrelmann (Hg.): Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Frankfurt am Main 1995, 223.

[10] Klüger, R.: Korrupte Moral. a.a.O., S.73

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Darf 'Emil und die Detektive' im 21. Jahrhundert noch ein Roman für Kinder sein? - abgeleitet aus Ruth Klügers Thesen zu Erich Kästner
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V66012
ISBN (eBook)
9783638588010
ISBN (Buch)
9783638753739
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darf, Emil, Detektive, Jahrhundert, Roman, Kinder, Ruth, Klügers, Thesen, Erich, Kästner, Klassiker, Kinder-, Jugendliteratur, Thema Emil und die Detektive
Arbeit zitieren
Benny Alze (Autor), 2006, Darf 'Emil und die Detektive' im 21. Jahrhundert noch ein Roman für Kinder sein? - abgeleitet aus Ruth Klügers Thesen zu Erich Kästner , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66012

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