Digitale Literatur - ein Begriff, der heutzutage fast als Schlagwort für einen Zweig der modernen Literatur verwendet wird. Was verbirgt sich hinter dieser Parole? Ist Digitale Literatur wirklich ein so wichtiges Thema, dass es sich lohnt, darüber eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, in der Hoffnung, neue Erkenntnisse ans Tageslicht zu bringen? Oder verbergen sich hinter der Digitalen Literatur altbekannte Formen der Literatur, die nur hinter dem Deckmantel der digitalen Welt so wirken, als wären neue Kunstformen geboren? Diese Fragen und viele mehr stehen zu Beginn dieser Arbeit. Während meines Studiums habe ich nie ernsthaft das Terrain der Digitalen Literatur betreten, daher möchte ich mich diesem literarischen Gebiet schrittweise nähern. Nach dem Einlesen in dieses Thema wurde mir erst bewusst, welcher „Hype“ um diese Form von Literatur und dessen vielzähligen Unterformen betrieben wird. Das anfängliche Unwissen und die damit verbundene Neugier reizten mich, mich mit diesem umfassenden Thema intensiver zu beschäftigen. Begriffe wie Netzliteratur, Interfictions und Internet-Literatur-Wettbewerb lassen ein ungeheures Potenzial an neuen Kunst-formen der Literatur erahnen - oder nicht?
Da der Komplex äußerst umfangreich ist, möchte ich diese Untersuchung exemplarisch mit Hilfe eines speziellen Bereichs, den Hyperfictions, durchführen. Die Hyperfictions existieren in der Welt der Digitalen Literatur schon vergleichsweise lange, so dass dieses Gebiet eine gute wissenschaftliche Diskussionsgrundlage bietet. Viele Autoren begannen früh, sich mit Hyperfictions auseinander zu setzen.
Auch wegen meines Zweitfaches Kommunikationstechnologie Druck interessiert mich dieses Gebiet, und so möchte ich bereits an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich den ein oder anderen Punkt auch von technischer Seite durchleuchten möchte. So interessiert mich beispielsweise, welche Software-Lösungen Autoren digitaler Literatur bevorzugen. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung als Mediengestalterin absolviert. Die Berufserfahrungen zwingen mich beinahe, stets einen Blick auf gestalterisch-technische Umsetzungen zu werfen. Auch dieser Aspekt wird zweifelsohne an einigen Stellen dieser Arbeit eine Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Verwendete Literatur
1.2 Arbeitsdefinitionen: Digitale Literatur und Hyperfictions
1.3 Ziel dieser Arbeit
2. Hyperfictions – Einblick in die moderne Welt der Literatur
2.1 Die Anfänge
2.2 Die Wettbewerbe und Symposien
2.3 Die Meinungen der Literaturinteressierten
2.4 Der aktuelle Stand
2.5 Die Zukunft
3. Ein Beispiel: Susanne Berkenhegers „Zeit für die Bombe“
3.1 Zum Inhalt der Hyperfiction „Zeit für die Bombe“
3.2 Die Rolle des Lesers
3.3 Die Rolle des Autors
3.4 Die Funktion des Links in Hyperfictions
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und aktuelle Rolle von Hyperfictions als literarische Gattung innerhalb der digitalen Medien. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Verständnis von Autor- und Leserrolle sowie die narrative Struktur durch den Einsatz von Hypertexten im Vergleich zum klassischen Buch verändern.
- Grundlagen der digitalen Literatur und Begriffsdefinitionen
- Historischer Abriss der Hyperfiction-Entwicklung im deutschsprachigen Raum
- Analyse der Interaktivität und Leserführung am Beispiel von „Zeit für die Bombe“
- Die veränderte Rolle des Autors und die funktionale Bedeutung von Links
- Technische Aspekte der Literaturproduktion am Bildschirm
Auszug aus dem Buch
3.1 Zum Inhalt der Hyperfiction „Zeit für die Bombe“
Gibt man in seinem Browser die Adresse http://ourworld.compuserve.com/homepages/Berkenheger/index.htm6, erscheint ein schwarzer Fond mit zwei horizontal verlaufenden roten Balken am oberen und am unteren Fensterrand. In der Mitte des Fensters liest man „Zeit für die Bombe“, der erste Link dieser Hyperfiction. Klickt man diesen an, beginnt die Geschichte in einem Pop-up-Fenster. Der Erzählort ist Moskau, beginnend, das ist bei jedem Leser identisch, am Moskauer Bahnhof. Veronika, die Protagonistin, kommt am Bahnhof an und trägt einen Koffer bei sich, der eine Bombe enthält. Im weiteren Verlauf der Hyperfiction kann man den Erzählfiguren Iwan, Vladimir und Blondie begegnen, freilich muss nicht bei jedem Durchgang jede der Personen auftauchen, schließlich ändert sich der Ablauf bei jedem erneuten Erfassen, je nachdem, welchen Links man folgt. Exakt dieser Aspekt ist es, der es unmöglich macht, den Inhalt einer Hyperfiction auf gewöhnliche Weise wiederzugeben. Insofern darf der Leser dieser Arbeit nicht erwarten, hier eine Inhaltszusammenfassung anzunehmen, die das Stück auf die wesentlichen Handlungen der Geschichte reduziert: Eine solche Vorgehensweise ist bei diesem Genre ausgeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Begriff der digitalen Literatur ein und begründet die Wahl der Hyperfictions als Untersuchungsgegenstand aufgrund ihrer Eignung als wissenschaftliche Diskussionsgrundlage.
2. Hyperfictions – Einblick in die moderne Welt der Literatur: Dieses Kapitel liefert einen chronologischen Abriss der Entstehung deutschsprachiger Hyperfictions, von ersten Pionierprojekten über Wettbewerbe bis hin zu aktuellen Entwicklungen.
3. Ein Beispiel: Susanne Berkenhegers „Zeit für die Bombe“: Anhand dieses konkreten Werkes werden die veränderten Rollen von Autor und Leser sowie die funktionale Bedeutung von Verlinkungen detailliert analysiert.
4. Resümee: Die Untersuchung fasst zusammen, dass Hyperfictions einen festen Platz im digitalen Literaturbetrieb haben, betont jedoch die Notwendigkeit für Literaturwissenschaftler, sich verstärkt mit diesem Medium auseinanderzusetzen.
Schlüsselwörter
Digitale Literatur, Hyperfiction, Hypertext, Internet, Netzliteratur, Leserrolle, Autorrolle, Interaktivität, Susanne Berkenheger, Zeit für die Bombe, Literaturwissenschaft, Online-Medien, Erzählstruktur, Medienwandel, Programmierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gattung der Hyperfiction als spezieller Form der digitalen Literatur und untersucht deren Entwicklung und literarische Besonderheiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die Definition digitaler Literatur, die historische Genese der Hyperfiction in Deutschland sowie eine detaillierte Analyse der Interaktionsmöglichkeiten und technischen Gestaltungsmittel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über den Stand der Hyperfiction zu geben und anhand eines Fallbeispiels zu demonstrieren, wie man sich diesem neuen literarischen Feld auf wissenschaftlicher Basis nähern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet einen interdisziplinären Ansatz, der literaturwissenschaftliche Analyse mit gestalterisch-technischen Aspekten verknüpft, und stützt sich dabei auf die Auswertung existierender Fachaufsätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Teil sowie eine detaillierte Untersuchung der Hyperfiction „Zeit für die Bombe“ von Susanne Berkenheger mit Fokus auf Autor, Leser und Link-Funktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Digitale Literatur, Hyperfiction, Interaktivität, Netzliteratur sowie die spezifische Rolle des Lesers in nicht-linearen Textstrukturen.
Warum wurde ausgerechnet „Zeit für die Bombe“ als Beispiel gewählt?
Das Werk wurde aufgrund seiner wissenschaftlichen Relevanz, seiner Auszeichnung bei einem Internet-Literaturwettbewerb und seiner klaren Struktur ausgewählt, die einen propädeutischen Einstieg in die Analyse erlaubt.
Welche Rolle spielt die Technik bei Hyperfictions laut der Autorin?
Die Technik ist konstitutiv für das Medium, da sie erst die nicht-lineare Struktur und Interaktion ermöglicht, aber gleichzeitig neue Herausforderungen an den Autor und die Lesbarkeit stellt.
- Quote paper
- Tina Schröder (Author), 2004, Digitale Literatur - Ein Rück- und Ausblick in die moderne Welt der Literatur am Beispiel von Hyperfictions, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66019