Nur wenige technische Errungenschaften haben das Miteinander der Menschen in den modernen Gesellschaften so massiv verändert wie das Internet. Für die Einen ist es das Medium der freien Meinungsäußerung überhaupt und für die Anderen ein rechtsfreier, anarchischer Raum, indem sich Kinderschänder, bombenbauende Terroristen und andere Schwerkriminelle tummeln.
In den Medien gab es in der Vergangenheit immer wieder Meldungen, die über die verstärkte Nutzung des Internets durch Rechtsextremisten berichteten. Leider enthielten viele dieser meist reißerischen Meldungen außer panikerzeugenden Fehlmeldungen nur wenige Informationen. Das Anliegen meiner Hausarbeit ist daher, zu zeigen, inwiefern das Internet von Rechtsextremisten genutzt wird, was diese sich davon versprechen und ob, und in welcher Form sie bei ihren Aktivitäten im Internet auf Widerstand stoßen.
Teil II der Hausarbeit befasst sich mit den technischen sowie rechtlichen Grundlagen, außerdem wird noch näher auf den Begriff Rechtsextremismus eingegangen.
In Teil III gehe ich näher auf die Verwendung des Internets durch Rechtsextremisten ein. Dieser Teil beansprucht keine vollständige Bestandsaufnahme aller rechtsextremistischen Tätigkeiten im Internet, es wird anhand speziell ausgesuchter Beispiele die Nutzung des Internets durch verschiedene rechtsextremistische Gruppierungen und Einzelpersonen im In- und Ausland dargestellt.
Teil IV der Hausarbeit befasst sich mit der Bekämpfung des Rechtsextremismus im Internet. Es werden mehrere Gegenstrategien und deren Probleme bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus im Internet näher vorgestellt.
In Teil V ziehe ich mein Fazit aus den Erkenntnissen der Hausarbeit.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Rechtsextremismus
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.2.1 Grundgesetz
2.2.2 Strafgesetzbuch
2.2.3 Gesetz über die Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften
2.2.4 Gesetz über die Nutzung von Telediensten
2.3 Technische Grundlagen
2.3.1 Internet
2.3.2 Electronic Mail
2.3.3 World wide web
2.3.4 peer-to-peer-Programme
2.3.5 Newsgroups, Usenet / Web-Foren
2.3.6 Anonymizer
2.3.7 Pretty Good Privacy
2.3.8 Filter
3 Rechtsextremismus im Internet
3.1 Rechtsextremismus im World wide web
3.1.1 Deutschsprachige rechtsextremistische Inhalte im World wide web
3.1.1.1 Rechtsextremistische Parteien
3.1.1.1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands
3.1.1.1.2 Deutsche Volksunion
3.1.1.1.3 Republikaner
3.1.1.2 Skinheads
3.1.1.3 Informationsdienste
3.1.1.4 Anti-Antifa und Todslisten
3.1.1.5 Neonazi-Gruppen und Kameradschaften
3.1.1.6 Chartlisten, Linklisten
3.1.2 Internationale Rechtsextremistische Inhalte im World wide web
3.1.2.1 Rechtsextremistische Organisationen
3.1.2.2 Revisionisten
3.2 Electronic Mail
3.3 Newsgroups / Web-Foren
3.4 peer to peer – Programme
3.5 Spiele mit rechtsextremistischen Inhalt
4 Gegenstrategien
4.1 Rechtliche Sanktionen
4.2 Bekämpfung rechtsextremer Inhalte durch Zusammenarbeit mit Providern
4.3 Filterprogramme
4.4 Information und Aufklärung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, in welcher Form das Internet von Rechtsextremisten genutzt wird, welche strategischen Ziele diese mit ihrer Online-Präsenz verfolgen und inwieweit sie auf Gegenmaßnahmen oder Widerstand innerhalb der digitalen Strukturen treffen.
- Technische und rechtliche Rahmenbedingungen für Internetinhalte in der BRD
- Methoden rechtsextremistischer Akteure zur Verbreitung von Propaganda und Szenevernetzung
- Die Rolle von E-Mail, Foren, Peer-to-Peer-Diensten und manipulierten Computerspielen
- Wirksamkeit und Probleme verschiedener Gegenstrategien wie Zensur, Filter und Aufklärung
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands, NPD
Die NPD gründete sich 1964 als „Sammlungsbewegung des zersplitterten rechtsradikalen Lagers“(Fromm/Kernbach, 2001, S.47) und verfügte über bis zu 28000 Mitglieder, die Mitgliederzahl sank bis 1996 jedoch bis auf unter 3500. Seit der Übernahme des Parteivorsitzes durch Udo Voigt im Jahr 1996 setzt die NPD auf sozialpolitische und Wirtschaftsthemen. Diese Neuorientierung und die Öffnung gegenüber Neonazis und Rechtsradikalen haben der Partei großen Zulauf beschert, so dass die Partei im Jahr 2000 über etwa 6500 Mitglieder verfügt.(BfV, 2001, S.62)
Die Internetseiten der NPD sind besonders interessant, da sich die NPD schon sehr früh für die Nutzung der Neuen Medien interessiert hat. Bereits 1991 wurde ein „Arbeitskreis Medien und Technik“ gegründet, der ab 1992 die Propaganda der NPD im BTX-Dienst der Telekom anbot. Die NPD war dann Anfang 1996 auch die erste rechtsextremistische Partei, die über eine eigene Internetseite eines Kreisverbandes verfügte. Von diesem Zeitpunkt an verstärkte die NPD ihr Engagement im Internet und immer mehr Parteiorgane und Verbände traten im Internet auf. Der Parteivorsitzende Udo Voigt bezeichnete „die Intensivierung der elektronischen Vernetzung und die verstärkte Nutzung des Kommunikationssystems Internet sogar als ein politisches Hauptziel der Partei.“ (Fromm/Kernbach, 2001, S.43)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Internetnutzung durch Rechtsextremisten und Definition der zentralen Fragestellung.
2 Grundlagen: Erläuterung des Begriffs Rechtsextremismus sowie Darstellung der relevanten rechtlichen und technischen Voraussetzungen.
3 Rechtsextremismus im Internet: Analyse der spezifischen Ausprägungen rechtsextremistischer Aktivitäten in verschiedenen Internetdiensten und Medien.
4 Gegenstrategien: Diskussion möglicher Interventionen durch rechtliche Sanktionen, Provider-Kooperationen und präventive Aufklärungsarbeit.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Risiken des Internets aus Sicht rechtsextremistischer Gruppierungen.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Internet, Propaganda, NPD, DVU, Republikaner, Skinheads, World Wide Web, Revisionismus, Filterprogramme, Gegenstrategien, Vernetzung, Online-Radikalisierung, Medienkompetenz, Verfassungsschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Internets durch rechtsextremistische Gruppierungen und Einzelpersonen sowie deren Vorgehensweise bei der Verbreitung ihrer Ideologien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen die Selbstdarstellung rechtsextremer Parteien, die Vernetzung der Skinhead-Szene, revisionistische Webseiten und die Rolle digitaler Spiele im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Rechtsextremisten das Internet als Instrument für Propaganda, Szenevernetzung, Einnahmengenerierung und Rekrutierung von Nachwuchs verwenden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Bestandsaufnahme, die anhand gezielter Beispiele die Aktivitäten unterschiedlicher Gruppierungen dokumentiert und im Kontext aktueller rechtlicher und gesellschaftlicher Debatten bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung rechtsextremistischer Web-Auftritte, die Verwendung von E-Mail und Foren, den Einsatz von Peer-to-Peer-Netzwerken sowie den Vertrieb rechtsextremer Computerspiele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Zentrale Begriffe sind die instrumentelle Nutzung des www, die Herausforderung durch ausländische Provider, die Problematik der Zensur versus Meinungsfreiheit und die Bedeutung von Aufklärungsportalen.
Wie unterscheidet sich die Online-Strategie der NPD von der der DVU?
Während die NPD frühzeitig auf eine professionelle Vernetzung der Neuen Medien setzte, wirkt der Web-Auftritt der DVU laut Arbeit eher unspektakulär und auf ein älteres Zielpublikum ausgerichtet.
Welche Gefahr geht von revisionistischen Internetseiten aus?
Revisionistische Angebote nutzen häufig ein wissenschaftlich wirkendes Erscheinungsbild und eine hohe Vernetzung, um ihre geschichtsrevisionistischen Thesen auch bei weniger gebildeten Nutzern plausibel erscheinen zu lassen.
Warum ist die Bekämpfung rechtsextremer Inhalte im Netz schwierig?
Aufgrund der dezentralen Struktur des Internets und der Möglichkeit, Inhalte auf ausländische Server auszulagern, stoßen rein nationale Verbotsansätze oder technische Filter oft an ihre Grenzen.
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- Roman Esser (Author), 2002, Rechtsextremismus im Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6602