Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz am Beispiel der Graffitiszene in der BRD


Hausarbeit, 1997

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Graffiti allgemein

3. Lebenssituation der Jugendlichen
3.1. Kurzer Überblick
3.2. Die Motivation der Jugendlichen zu Sprühen

4. Die Graffitiszene in Deutschland
4.1. Die Szene in Mainz
4.2. Die Szene in Stuttgart
4.3. Die Szene in Berlin

5. Die gesetzliche Lage im Bezug auf Jugendarbeit und Graffiti
5.1. Paragraphen des KJHG
5.1.1. Präventionen als pädagogisches Konzept
5.1.1.1. Vorgehensweise der Stadt
5.1.1.2. Vorgehensweise eines Sozialarbeiters
5.2. Paragraphen des StGB

6. Graffitibekämpfung in den Städten
6.1. Am Beispiel Mainz
6.2. Am Beispiel Berlin
6.3. Vorgehensweise in anderen Städten

7. Schlußteil

Einleitung

Ich setze mich in Hamburg- Altona in eine Intercity-Zug nach München. Während der Zug anfährt, ergattere ich mir einen Fensterplatz und betrachte, wie der Kopfbahnhof langsam davongleitet. Schon sehr bald, nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hat, tauchen die ersten Graffitis an der Linie auf : viele Bilder im Hamburg-typischen Stil und viele Tags und Throw-ups[1]. Die anderen Fahrgäste starren gedankenverloren aus den Fenstern und sehen beschmierte Wände, während ich versuche, die Stadt wie eine Zeitung zu lesen. „Überall das schreckliche Geschmiere, sehen Sie sich das an...“, sagt eine ältere Dame. „...das zu putzen kostet ja Millionen“.

Und so Unrecht hat diese Dame damit auch nicht. Es kostet die Bahn und die Verkehrsbetriebe Unsummen, die Graffiti von Mauern, Stationen und Zügen zu entfernen.

So oder ähnlich wird wohl jeder Reisebericht eines Graffitikünstlers aussehen, egal ob er von Hamburg nach München oder von Berlin nach Stuttgart fährt. Tatsache ist, daß die Graffiti Szene in Deutschland und Europa große Ausmaße angenommen hat und sich immer noch im Wachstum befindet. An ein Ende ist wohl kaum zu denken, weder durch staatliche oder polizeiliche Maßnahmen, noch durch das Verschwinden der Writer[2] von selbst.

Graffiti ist zu einem Phänomen in unseren Gesellschaft geworden. Einerseits ist es illegal, andererseits gibt es viele Jugendliche, für die das Sprühen zum Hobby oder auch zur Sucht geworden ist. Also was soll der Staat unternehmen, um das illegale Sprühen einzudämmen, ohne jedoch den Jugendlichen einen Teil ihrer Kultur zu nehmen ?

Oder soll das illegale Sprühen vielleicht „legalisiert“ werden ? Nein, diese Frage wird und soll sich nicht stellen.

Vielmehr soll sich die Frage stellen, was von Seiten der Städten oder Jugendämtern unternommen werden kann, um diese Jugendlichen zu unterstützen und sie vor den Gefahren einer möglichen Strafe zu schützen oder zu bewahren. Schließlich werden in vielen Jugendhäusern Workshops und Projekte zu den unterschiedlichsten Themen angeboten. Der Unterschied hierbei zu Graffiti ist jener, daß zum Beispiel HipHop - Projekte oder Inlineskate - Wettbewerbe nicht diesen illegalen Beigeschmack haben. Graffiti ist nun einmal verboten, und da kann doch nicht einfach ein Sozialarbeiter ein Graffiti- Projekt auf die Beine stellen und den Jugendlichen auch noch zeigen, wie so etwas geht, ja, sie sogar zum Sprühen animieren.

Oder doch ?

Die Meinung der Bevölkerung geht hier wohl weit auseinander.

Aber über die Tatsache, daß etwas unternommen werden muß, ist sich jeder einig.

Graffiti allgemein

Das Wort „Graffiti“ kommt aus dem italienischen: scraffito, scraffiare: kratzen

Landläufig versteht man darunter das Geschmiere an den Wänden von Bahnhöfen, Toiletten,; oder etwas freundlicher formuliert, die mit Sprühdosen gefertigten bunten Schriftzüge.

Jedoch werden unter dem Begriff Graffiti auch die mit Markern und Sprühdosen angebrachten Signaturen

( Tags) bezeichnet.

Graffiti ist keine Erfindung der HipHop-Bewegung, sondern eher ein Relikt der Steinzeit und wird seit Generationen mit unterschiedlichen Materialien immer neu belebt. Zu Kaisers Zeiten schrieb und malte man mit Kreide an die Wand. Auch Ritzgraffiti gab es. Verliebte ritzten damals mit Taschenmessern Herzchen oder Buchstaben in Baumrinden.

Die Graffiti, von denen im folgenden die Rede ist, gehen auf den Anfang der 70er Jahre zurück, entstanden in den USA und schwappten Anfang 1983 nach Europa über, ausgelöst durch einen Film[3], in dem ein amerikanischer Graffitikünstler die Hauptrolle spielte.Viele junge Leute eiferten den Graffitiwritern, Breakdancern und Rappern aus dem Film nach und schafften so in vielen europäischen Metropolen ihre eigenen HipHop- bzw. Writer-Szenen. Die Szene nährte sich anfangs vor allem von ihren amerikanischen Vorbildern, doch schon bald entwickelten die Europäer ihren eigenen Stil.

Mitte bis Ende der 80er Jahre kam es zu einem Beinahe-Stillstand in der europäischen Szene; erst Anfang der 90er brachte die nächste Generation die ganze Sache wieder in Schwung.

Graffiti lebt vom Austausch der Information, welcher durch die zahlreichen Underground Magazine (zum Beispiel : „Backjump“, “full moon“, „backspin“[4] ) ermöglicht wird.

Einige writer haben auch begriffen, daß früher oder später ihre Tarnung auffliegen kann und haben sich entschlossen ihre Begabung fortan nur noch auf legalem Weg zu präsentieren.

Objektiv gesehen, sind diese jugendlichen Täter weder besonders verwahrlost, gewalttätig, drogensüchtig oder unterscheiden sich im sonstigen Verhalten von anderen jungen Menschen. Sie sind meist zwischen 14 und 24 Jahre alt, aus keiner bestimmten Schicht stammend, verschiedenster Nationalität, besuchen entweder die Schule, machen eine Ausbildung, studieren, gehen bereits einem Beruf nach oder sind arbeitslos. Oft kennen sich die Jugendlichen schon von Kindheit an, stammen aus dem selben Stadtbezirk, ober besuch(t)en dieselbe Schule. Kurz gesagt diese jungen Menschen entsprechen eher dem Durchschnitt.

„Graffiti sind eine Ausdrucksform. Wer der Wand etwas anvertraut, möchte in der Regel auch etwas sagen, wozu ihm oft andere Möglichkeiten fehlen“ (Johannes Stahl Hrsg. „An der Wand: Graffiti zwischen Anarchie und Galerie“DuMont Buchverlag 1989)

Lebenssituation von Jugendlichen

Kurzer Überblick

Die Lebenssituation der Jugendlichen in Deutschland hat sich insbesondere seit Anfang der 90er Jahre durch zunehmende Jugendarbeitslosigkeit und Werteverlust gewandelt. Gefühle der Ohnmacht, Zukunftsangst und mangelndes Vertrauen in die Politik finden ihren Ausdruck in den vielseitigen Jugendkulturen .Dies spiegelt auch die Shell-Jugendstudie 1997[5] in ihren Ergebnissen wieder. Das Bild der Jugendlichen über Politiker ist eigentlich recht übereinstimmend. Die Jugendlichen sind der Meinung, daß das politische System im Bezug auf Probleme wie Massenarbeitslosigkeit, Lehrstellenmangel und Verarmung der Bevölkerungsteile versagt hat. Jugendliche fühlen sich von der Politik ausgeschlossen.

Auch der Spruch „ Der Jugend ging es noch nie so gut wie heute“ trifft heute wohl nur noch teilweise zu.

Natürlich muß kein Jugendlicher Angst haben, zu verhungern; die Taschengelder sind im Vergleich zu früher viel höher, und der Lebensstandard im allgemeinen hat sich deutlich verbessert. Aber wie sieht es auf dem Lehrstellenmarkt für Jugendliche aus? Wie viele arbeitslose Jugendliche gibt es?

Die Shell-Jugendstudie faßt die Hauptprobleme der Jugend in einer Tabelle wie folgt zusammen:

Arbeitslosigkeit 45,3 %

Drogenprobleme 36,4 %

Probleme mit Personen

Im Nahbereich 32,1 %

Lehrstellenmangel 27,5 %

Schul- und Ausbildungsprobleme 27,1 %

Zukunftsangst 20,9 %

Gewalt/Kriminalität 19,8 %

Geldprobleme 18,9 %

Gesundheitsprobleme 18,9 %

Mangelnde Freizeitgelegenheiten 16,6 %

Umweltprobleme 10,8 %

Unzufriedenheit 9,3 %

Fehler der Politik 8,8 %

Probleme mit dem

Erwachsenwerden 7,3 %

Überzogenes Konsumdenken 6,9 %

Sonstige Einzelprobleme 21,1 %

Weiß nicht/keine Angaben 1,0 %

Ich möchte nun noch einige Zitate einbringen, um die Meinung der Bevölkerung gegenüber jugendlichen Graffitikünstler zu verdeutlichen.

„Eine Gesellschaft, die der Jugend nur Grenzen setzt, um auszugrenzen, muß sich nicht wundern, wenn sich diese Jugendlichen Freiräume nehmen“ (Zitat einer Sozialarbeiterin aus einem Jugendhaus in Karlsruhe).

„Um es ganz deutlich zu sagen, die Problematik der Jugendlichen geht mir am Arsch vorbei“ (Zitat eines Soko-Beauftragten der SOKO Graffiti 1988)[6]

Aus einem Leserbrief: „Und die Mühe, den Typen (gemeint sind Sprayer) aufzulauern, um sie bei frischer Tat zu ertappen, lohnt nicht-die Sozialhilfe reicht gerade eben aus, um Farbdosen zu kaufen“ (Mannheimer Morgen vom 24.7.97).

[...]


[1] Tags : einfacher Schriftzug, ähnlich wie eine Unterschrift

Throw-ups : schnell gesprühtes und wenig gestaltetes Bild, höchstens zweifarbig

[2] Englischer Ausdruck für Graffiti Sprüher

[3] „Wildstyle“ (1983)

[4] „Backjump“ Graffiti Magazin aus Köln

„ full moon“ Graffiti Magazin aus Hannover

„ Backspin“ HipHop Magazin aus Hamburg

[5] als Jugendliche werden hier Personen zwischen 12 und 24 Jahren bezeichnet

[6] SOKO Graffiti Hamburg

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz am Beispiel der Graffitiszene in der BRD
Hochschule
Fachhochschule Mannheim, Hochschule für Sozialwesen
Veranstaltung
Jugendhilferecht
Note
2,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
17
Katalognummer
V66074
ISBN (eBook)
9783638584029
ISBN (Buch)
9783640857661
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzieherischer, Kinder-, Jugendschutz, Beispiel, Graffitiszene, Jugendhilferecht
Arbeit zitieren
Gabi Ferenz (Autor), 1997, Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz am Beispiel der Graffitiszene in der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66074

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