Tatsache ist, daß die Graffiti Szene in Deutschland und Europa große Ausmaße angenommen hat und sich immer noch im Wachstum befindet. An ein Ende ist wohl kaum zu denken, weder durch staatliche oder polizeiliche Maßnahmen, noch durch das Verschwinden der Writer2 von selbst. Graffiti ist zu einem Phänomen in unseren Gesellschaft geworden. Einerseits ist es illegal, andererseits gibt es viele Jugendliche, für die das Sprühen zum Hobby oder auch zur Sucht geworden ist. Also was soll der Staat unternehmen, um das illegale Sprühen einzudämmen, ohne jedoch den Jugendlichen einen Teil ihrer Kultur zu nehmen ? Oder soll das illegale Sprühen vielleicht „legalisiert“ werden? Nein, diese Frage wird und soll sich nicht stellen. Vielmehr soll sich die Frage stellen, was von Seiten der Städten oder Jugendämtern unternommen werden kann, um diese Jugendlichen zu unterstützen und sie vor den Gefahren einer möglichen Strafe zu schützen oder zu bewahren. Schließlich werden in vielen Jugendhäusern Workshops und Projekte zu den unterschiedlichsten Themen angeboten. Der Unterschied hierbei zu Graffiti ist jener, daß zum Beispiel HipHop - Projekte oder Inlineskate - Wettbewerbe nicht diesen illegalen Beigeschmack haben. Graffiti ist nun einmal verboten, und da kann doch nicht einfach ein Sozialarbeiter ein Graffiti- Projekt auf die Beine stellen und den Jugendlichen auch noch zeigen, wie so etwas geht, ja, sie sogar zum Sprühen animieren. Oder doch ? Die Meinung der Bevölkerung geht hier wohl weit auseinander. Aber über die Tatsache, daß etwas unternommen werden muß, ist sich jeder einig.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Graffiti allgemein
3. Lebenssituation der Jugendlichen
3.1. Kurzer Überblick
3.2. Die Motivation der Jugendlichen zu Sprühen
4. Die Graffitiszene in Deutschland
4.1. Die Szene in Mainz
4.2. Die Szene in Stuttgart
4.3. Die Szene in Berlin
5. Die gesetzliche Lage im Bezug auf Jugendarbeit und Graffiti
5.1. Paragraphen des KJHG
5.1.1. Präventionen als pädagogisches Konzept
5.1.1.1. Vorgehensweise der Stadt
5.1.1.2. Vorgehensweise eines Sozialarbeiters
5.2. Paragraphen des StGB
6. Graffitibekämpfung in den Städten
6.1. Am Beispiel Mainz
6.2. Am Beispiel Berlin
6.3. Vorgehensweise in anderen Städten
7. Schlußteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen jugendlicher Graffiti-Kultur und den staatlichen sowie polizeilichen Reaktionen darauf. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Sozialarbeit und städtische Konzepte die Jugendlichen unterstützen können, um sie vor Kriminalisierung zu bewahren, anstatt sie lediglich durch repressive Maßnahmen auszugrenzen.
- Analyse der Lebenssituation Jugendlicher und ihrer Motivation zum Sprühen.
- Gegenüberstellung unterschiedlicher städtischer Ansätze im Umgang mit Graffitiszenen (Mainz vs. Berlin).
- Juristische Einordnung der Graffiti-Problematik anhand von KJHG und StGB.
- Darstellung der Rolle der Sozialarbeit bei der Entwicklung präventiver Konzepte.
- Diskussion über die Verhältnismäßigkeit von Strafverfolgung versus integrativer pädagogischer Arbeit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Motivation der Jugendlichen zu Sprühen
Ich denke, es ist einfach wichtig zu wissen, warum Jugendliche sprühen.
Das oberste Ziel der Writer ist Ruhm (englisch: Fame), aus der Anonymität der Großstadt aufzutauchen, bekannt oder berühmt zu werden. Wenn die ganze Stadt über das neuste Bild eines Writers oder über das Auftauchen eines neuen, auffälligen Writers redet, dann hat er sein Ziel erreicht.
Ein Writer, den ich in Karlsruhe kennengelernt habe, sagte folgendes: „Du lebst unter Millionen von Menschen, bist `ne kleine Nummer und hast keinen Bock mehr drauf. HipHop scheint dir zu entsprechen. Du findest Gleichgesinnte, und du schaffst dir eine zweite Identität. In diese Buchstaben packst du alles, was Du erlebst und auf dem Herzen hast; oder auch wie du gerne sein würdest. Und das alles, um Deine Konkurrenz zu übertreffen und Dein eigenes Ego zu bekämpfen. Das Ziel ist, der Beste zu sein.“
Aber die Sucht nach Fame (Ruhm) kann nicht alles sein:
„Ich will nur meine Namen verbreiten, damit er überall steht in Dortmund. Es ist toll, seine Bilder in andere Städte (auf Zügen) fahren zu sehen. Graffiti hat mir Selbstbewußtsein gegeben, denn es hat mir gezeigt, daß ich alles erreichen kann, wenn ich nur hart genug dafür arbeite.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin führt in die Thematik der Graffiti-Szene ein und hinterfragt die Legitimität staatlicher Repression gegenüber jugendlichem Ausdrucksverhalten.
2. Graffiti allgemein: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Graffiti-Kultur und beleuchtet die Motivation sowie die demografische Zusammensetzung der Szene.
3. Lebenssituation der Jugendlichen: Hier werden die psychosozialen Hintergründe der Jugendlichen, inklusive der Ergebnisse der Shell-Jugendstudie, betrachtet.
4. Die Graffitiszene in Deutschland: Es erfolgt eine Analyse der regionalen Gegebenheiten in Mainz, Stuttgart und Berlin als Fallbeispiele für jugendkulturelle Aktivitäten.
5. Die gesetzliche Lage im Bezug auf Jugendarbeit und Graffiti: Die Arbeit prüft die rechtlichen Grundlagen des KJHG und StGB und verknüpft sie mit pädagogischen Präventionsstrategien.
6. Graffitibekämpfung in den Städten: Die unterschiedlichen Interventionsstrategien der Kommunen und Ordnungsbehörden werden anhand der Beispiele Mainz und Berlin gegenübergestellt.
7. Schlußteil: Das Fazit fordert ein Umdenken in der Gesellschaft und eine stärkere Gewichtung präventiv-sozialpädagogischer Ansätze gegenüber reiner Strafverfolgung.
Schlüsselwörter
Graffiti, Jugendkultur, Jugendarbeit, Kriminalisierung, Prävention, Sozialpädagogik, Sachbeschädigung, StGB, KJHG, Writer, Tags, Fame, Jugendamt, Stadtentwicklung, Rechtslage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Graffiti-Sprayern in der Bundesrepublik Deutschland und wie Gesellschaft sowie Behörden mit diesem Phänomen umgehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit beleuchtet die Motive der Jugendlichen, die rechtliche Situation sowie die verschiedenen Strategien von Kommunen und Sozialarbeit im Umgang mit der Szene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll hinterfragt werden, wie Sozialarbeit Jugendliche unterstützen kann, anstatt sie ausschließlich durch repressive Maßnahmen zu kriminalisieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Neben einer Literaturrecherche und der Analyse rechtlicher Grundlagen stützt sich die Arbeit auf Experteninterviews, Praxisbeispiele aus verschiedenen Städten sowie die Auswertung statistischer Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Motivation der Jugendlichen, vergleicht die Ansätze der Städte Mainz und Berlin und untersucht die rechtlichen Grundlagen sowie pädagogische Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über die Begriffe Graffiti, Jugendarbeit, Kriminalisierung, Prävention und Rechtslage definieren.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise von Mainz gegenüber Berlin?
Mainz setzt verstärkt auf Kooperation mit den Jugendlichen und die Schaffung legaler Flächen, während Berlin vorwiegend auf strafrechtliche Verfolgung durch spezialisierte Ermittlungsgruppen setzt.
Welches Fazit zieht die Verfasserin zur Kriminalisierung von Jugendlichen?
Die Verfasserin kritisiert die Kriminalisierung als kontraproduktiv und fordert eine stärkere Einbindung sozialpädagogischer Ansätze statt einer einseitigen Bestrafung.
- Citar trabajo
- Gabi Ferenz (Autor), 1997, Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz am Beispiel der Graffitiszene in der BRD, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66074