Das Papstamt aus römisch-katholischer Sicht - Ist der Papst unfehlbar?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung: Hinführung zum Thema

II. Hauptteil:
a) Zusammenstellung der katholischen dogmatischen Aussagen über das Papstamt
b) Ursprung, Wesen und Aufgaben des Papstes
c) Das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes

III. Schluss: Zusammenfassung und Diskussion: An welchen Punkten muss sich die katholische Kirche bewegen, um einen Beitrag im ökumenischen Dialog zu leisten?

I. Einleitung: Hinführung zum Thema

“Siehe, ich richte in Zion einen Stein auf, an dem man anstößt, einen Fels, an dem man zu Fall kommt. Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen.“ (Röm 9,33)

Dieses prophetische Wort von Paulus, entnommen aus Jesaja, kann man gut auf den Petrusdienst der Kirche anwenden. Dieser Dienst geht auf Petrus, dem Felsen, wie er vom Herrn Jesus Christus selbst genannt wird (Mt 16,18), zurück. Die Kritik, ob angebracht oder unangebracht, am Papst ist nicht erst ein Phänomen der Neuzeit und Martin Luther hat sie auch nicht „erfunden“. Schon sehr früh beginnt das Amt zum Anstoß für die Christen und Nichtchristen zu werden. Für Martin Luther ist der Papst der Antichrist schlechthin und er beginnt sich von Rom und dem Nachfolger des hl. Petrus zu lösen. Bis zur Reformation war die abendländische Christenheit, trotz aller Kritiken am Papst und den Schismen, die immer wieder behoben werden konnten, mit Rom und seinem Bischof vereint. Ab der Neuzeit beginnt eine neue Zeit für das Abendland. Nun gibt es auch christliche Gemeinschaften, die sich nicht mehr mit dem legitimen Nachfolger Petri vereint sahen, ja es wird sogar in Frage gestellt, ob in Rom der wirkliche Nachfolger Petri sitzt und ob Jesus Christus so ein Amt überhaupt gewollt hat. Fast fünfhundert Jahre lang, bis zum zweiten vatikanischen Konzil, steht man sich oft polemisch und sehr kämpferisch gegenüber. Das Vaticanum II ruft nun zu einer neuen Richtung auf, man besinnte sich auf die Ökumene. Seit dem Ende des Konzils setzte man sich intensiv und ernsthaft mit den gegenseitigen Positionen auseinander. Die doch alten Fragen und Kritiken leuchten nun in einem neuen Blickwinkel der Ökumene wieder auf. Wollte Jesus wirklich ein Papstamt? Wollte er es so, wie es sich ausgeformt hat? Für viele in der Ökumene engagierte Christen ist das Papstamt nur ein Hindernis zur „Wiedervereinigung“ der Christenheit. Von außerhalb der katholischen Kirche wie von innerhalb hagelt es Kritik am Amt selbst, aber auch an der Person, die das jeweilige Amt innehat. Sehr gut kann man sich an die oft polemischen Äußerungen über den verstorbenen Papst Johannes Paul II in den Medien, aber auch aus den eigenen Reihen erinnern. Der Fels in Zion ist wahrlich ein Stein des Anstoßes. Wie man an einen Stein/Fels nicht anstößt, wenn man ihn sieht/erkennt, so lassen sich viele Kritiken entschärfen, wenn man sich einmal Näher mit dem Amt des Petrusdienstes theologisch auseinandersetzt und somit einiges klarer erkennen kann.

In diesem Aufsatz möchte ich mich mit dem Petrusdienst, wie ihn die römisch-katholische Kirche sieht, beschäftigen. Natürlich kann es sich hier nicht um eine theologisch ausgereifte vollständige Arbeit handeln, jedoch möchte ich versuchen kleine Impulse zu geben zum besseren Verständnis. Nach einer Übersicht über die dogmatischen Aussagen zum Petrusdienst werde ich kurz den Ursprung, das Wesen und die daraus resolutierenden Aufgaben des Papstes beschreiben. Anschließend nehme ich ein besonderes Dogma über das Papstamt heraus um es ausführlicher zu besprechen. Dieses Dogma wurde zum größten Anstoß überhaupt, das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes. Am Schluss der Arbeit versuche ich noch einige Impulse zum Weiterdenken zu geben, wie weit der Stein des Anstoßes auf Seite der katholischen Kirche „entschärft“ werden könnte, damit eine fruchtbare Ökumene, die sich ganz auf das Fundament Christi und seiner uns offenbarten Wahrheit besinnt, entstehen kann, damit wir den Auftrag Jesu erfüllen können: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.“ (Joh 17,21)

II. Hauptteil:

a. Zusammenstellung der katholischen dogmatischen Aussagen über das Papstamt

H 2ba Leitungsvollmacht und Primat des Papstes. Die Kirche braucht nach göttlichem Recht die Einheit der Leitung 3306; die katholische Kirche wird vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet 4119; Christus leitet die Kirche durch den Papst und die Bischöfe 4137; die Einheit der Leitung liegt im Primat vor; der Römische Bischof ist als Nachfolger des Petrus das immerwährende und sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Glaubenden 4147; die Festigkeit der Kirche besteht im Primat 3052; der Römische Bischof besitzt kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirt der ganzen Kirche die volle, höchste und allgemeine Vollmacht über die Kirche, die er immer frei ausüben kann 4146; die Funktionen des Petrusdienstes 5009-5012. Vgl. G 3ab (Kirchliche Einheit als Einheit in der Vielfalt); G 3ad (Kirche aus und in Kirchen); G 3dc (Das kirchliche Amt in der Nachfolge der Apostel); H 2bc (Papst und Bischöfe). Die Anerkennung des Vorranges, später des Primats - : wird gefordert (102) 109 132 181f 221 232-235 282 347 446 468f 638-641 774f 861 875 910 1051-1064 1191 1307f 2539 2592f 3059f 3064; - : wird geleistet 108 133-136 181f 186° 216f 264 306 661-664. - : ist heilsnotwendig 233f 875 1051 1060 ( 1191 ) 3867; die Ausübung des Primats ist im ökumenischen Dialog näher zu bestimmen 5012. Verworfen werden Einwände gegen den Vorrang bzw. Primat [unter anderem: a Die päpstliche Würde erwuchs vom Kaiser; b sie leitet sich vom Teufel ab; c die Kirche braucht kein irdisches Haupt] b 1187 1188 b 1190 1192 a 1209 c 1227-1229 1475f 2592-2597 3555. Der Papst - : ist das sichtbare Haupt der Kirche 872 1307 2529f 3059 3113 4147; - : ist Stellvertreter Christi 872 1054 (1187) 1307 1448 ( 1475 ) 1868 2540 2592f 2603 3059 4146 4356; - : hat unmittelbar von Christus seine ganze Jurisdiktionsvollmacht empfangen 1054 (1187 2592f) 3060 3064 3113; - : ist oberster Hirt aller Christgläubigen (4134) 4150 ( 4356f ); - : ist Haupt des Kollegiums der Bischöfe 4150 4354-4356. Der Papst untersteht dem göttlichen Recht und ist an die von Christus für die Kirche getroffenen Anordnungen gebunden, so daß er ihre Verfassung nicht ändern kann 3114.[1]

H 2bb Die Kompetenz des Papstes im einzelnen. Die Rechtsvollmacht des Papstes - : ist bischöflich, ordentlich, unmittelbar 3060 3064 5010 5011. - : erstreckt sich auf die ganze pilgernde Kirche, auf alle Glaubenden 1053f 1307 3059 (3113). - : ist die höchste Autorität in Glaubens- und Sittenfragen, in Fragen der kirchlichen Disziplin und Leitung 3060 3064 (3307). die Verfügungen des Papstes bedürfen nicht der Zustimmung der Kirche, um unwiderruflich zu sein 2284 2490 3074. - : ist die höchste Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und Strafvollmacht 1057 1059 1061 1271-1273. sie besteht nicht nur aus einigen Reservatsrechten (3064) 3113; sie kann von dem dispensieren, was die allgemeine Kirche festgelegt hat 1417. - : ist die höchste richterliche Vollmacht der Kirche 1055 1128-1135 2592 3063; den Glaubenden muß die Berufung an den Papst freistehen 133-135 639 641 861 3063; über sein Urteil darf nicht nochmals verhandelt werden 133 135 182 221 232 235 641 3063; der Papst unterliegt dem Urteil von niemandem 638 873 943 1056 1058 1139; vom Urteil des Papstes gibt es keine Berufung an ein anderes Gericht ( a auch nicht an ein allgemeines Konzil) 641 1056 a 1375 ( a 2935 ) a 3063. - : ist die Fülle der Vollmacht, Ablässe zu gewähren 819 868 1026 1059 1266 1398 1416; vgl. K 10b (Ablässe). - : ist unabhängig von menschlicher Autorität 2596 2603; er kann seine Vollmacht jederzeit nach Gutdünken ausüben 4357. - : ist unabhängig von der moralischen Integrität und der göttlichen Vorherbestimmung des Papstes 912 914 1158 (1165). Der Stuhl Petri schützt die rechtmäßigen Verschiedenheiten in der Kirche und wacht darüber, daß die Besonderheiten der Einheit dienen 4134 5009-5011. vgl. G 3ab (Kirchliche Einheit als Einheit in der Vielfalt).

H 2bc Papst und Bischöfe. Die katholische Kirche wird vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet 4119; Christus leitet die Kirche durch den Papst und die Bischöfe 4137; alle Bischöfe stellen zusammen mit dem Papst die ganze Kirche dar 4147. Das Kollegium der Bischöfe hat nur Autorität, wenn es zusammen mit dem Römischen Bischof als seinem Haupt verstanden wird 4146 ( 4354-4356 ); der Parallelismus zwischen Petrus und den übrigen Aposteln einerseits und Papst und Bischöfen andererseits schließt weder die Übertragung der außerordentlichen Vollmacht der Apostel auf ihre Nachfolger noch eine Gleichheit zwischen Haupt und Gliedern des Kollegiums ein 4353. Vom Papst empfangen die Bischöfe ihre Autorität 2592; er überragt die übrigen Bischöfe nicht nur durch seine Ehrenstellung, sondern auch durch seine Vollmacht 661 811 861 1308 2593 3067; der Papst bewahrt im Bischofskollegium sein Amt als Stellvertreter Christi und Hirt der Gesamtkirche unversehrt 4356; der Papst als Haupt des Bischofskollegiums kann allein bestimmte Handlungen vollziehen, die den Bischöfen nicht zustehen, z.B. das Kollegium einberufen und leiten, die Richtlinien für das Verfahren approbieren usw. 4356; er geht bei der Regelung, Förderung und Billigung der kollegialen Betätigung im Blick auf das Wohl der Kirche nach eigenem Urteil vor 4356. Die kanonische Sendung der Bischöfe kann durch rechtmäßige Gewohnheiten, durch von der höchsten Vollmacht der Kirche erlassene oder anerkannte Gesetze oder unmittelbar durch den Nachfolger des Petrus erfolgen 4148; falls der Papst Einspruch erhebt oder die apostolische Gemeinschaft verweigert, können Bischöfe nicht in ihr Amt aufgenommen werden 4148. Verworfen werden Behauptungen über das Verhältnis des Papstes zu den anderen Bischöfen 2595 2597 2935 3064; verteidigt wird der Primat gegen den Vorwurf des Zentralismus und Absolutismus 3112-3116. Der Römische Stuhl wird wegen des Primates „Mutter” bzw. „Lehrerin” aller (Teil)kirchen genannt 774 1616 1868 2781.

[...]


[1] Auszug aus: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen (Denzinger-Hünermann)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Papstamt aus römisch-katholischer Sicht - Ist der Papst unfehlbar?
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule der Pallottiner Vallendar
Veranstaltung
Papst im ökumenischen Dialog
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V66095
ISBN (eBook)
9783638588270
ISBN (Buch)
9783638753784
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papstamt, Sicht, Papst, Dialog
Arbeit zitieren
Thomas Bauer (Autor), 2006, Das Papstamt aus römisch-katholischer Sicht - Ist der Papst unfehlbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66095

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Papstamt aus römisch-katholischer Sicht - Ist der Papst unfehlbar?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden