Seit der PISA-Studie (PISA 2000) ist Finnland hierzulande in aller Munde. Jeder weiß von den beeindruckenden Ergebnissen, die Finnland offensichtlich ein erfolgreiches schulisches Konzept bescheinigen.
Zwei ausgewählte Beispiele der Ergebnisse der PISA-Studie sollen das hervorragende Abschneiden zusammenfassen und auf den Punkt bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. PISA 2000: Traumergebnisse für Finnland?
1.1 Die Gesamtskala Lesen
1.2 Die sozialen Gradienten der Lesekompetenz für ausgewählte Staaten
2. Mögliche Gründe für das überragende Abschneiden im internationalen Vergleich
2.1 Das finnische Schulsystem
2.1.1 Der Aufbau des Schulsystems
2.1.2 Die erklärten Bildungs- und Erziehungsziele
2.1.3 Stationen der Schulentwicklung seit 1972
2.1.4 Die Autonomie der Schulen: Eine radikale Dezentralisierung
2.1.5 Investitionen in Schulbildung
2.1.6 Die unterrichtlichen Rahmenbedingungen
2.1.7 Lehrerinnen und Lehrer
2.1.8 Notengebung und Prüfungen: Versetzung garantiert
2.1.9 Förder- und Betreuungssystem
2.1.10 Fächer und Sprachenfolge
2.1.11 Didaktik
2.2 Soziokulturelle Bedingungen
2.2.1 Geographische und kulturelle Einflüsse: Lesen
2.2.2 Die finnische Sprache
2.2.3 Filme in Kino und TV
2.2.4 Die niedrige Immigrantenquote
2.2.5 Eine relative soziale Homogenität
2.3 Exkurs: Ein Austausch-Bericht
3. Anmerkungen und Diskussion
3.1 Zur Aussagekraft der Quellen
3.2 Mögliche Konsequenzen: Anregungen für die deutsche Schulreformdiskussion
3.2.1 Die notwendige Förderung der Schwachen
3.2.2 Die positive Einstellung
3.2.3 Das dreigliedrige Schulsystem: Umstrukturierung in eine Gesamtschule?
4. Literaturhinweise
4.1 www
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das finnische Schulsystem vor dem Hintergrund der PISA-Studie 2000, um die Gründe für das exzellente Abschneiden finnischer Schüler zu identifizieren und mögliche Übertragbarkeitspotenziale für die deutsche Bildungsreformdiskussion abzuleiten.
- Analyse der institutionellen und schulischen Strukturen in Finnland
- Untersuchung soziokultureller Einflussfaktoren (z.B. Lesetradition, Sprachbesonderheiten)
- Bewertung von Fördersystemen und Unterrichtsmethodik
- Kritische Reflexion der deutschen Schulstruktur im Vergleich zum finnischen Modell
- Diskussion über Eigenverantwortung und pädagogische Fehlerkultur
Auszug aus dem Buch
2.1.7 Lehrerinnen und Lehrer
Interessant ist hinsichtlich der Lehrerinnen und Lehrer einerseits ihre arbeitsrechtliche Position und Besoldung, andererseits ihre gesellschaftliche Stellung.
Finnische Lehrer sind nicht verbeamtet; sie werden nach Bedarf eingestellt und prinzipiell auch entlassen, Festangestellte mit einer Planstelle haben allerdings einen ähnlichen Kündigungsschutz wie Beamte in Deutschland. Durch ihre Anstellung haben sie natürlich auch das Streikrecht.
Das Gehalt eines Lehrers in den Klassen 1 bis 6 der „peruskoulu“ beträgt ca. 2000 € (bei einem verpflichtenden 24-Std.-Deputat). Jede zusätzlich unterrichtete Stunde wird extra bezahlt. Das Fachlehrergehalt (Lehrer in den Klassen 7-9 sowie der „lukio“) liegt mit ca. 2500 € (bei einem verpflichtenden 19-Std.-Deputat, Muttersprachenlehrer haben ein reduziertes 16-Std.-Deputat) höher. Das Pflichtdeputat wird häufig überschritten und die Lehrer können bis über dreißig Stunden wöchentlich unterrichten. I.d.R. haben die Mathelehrer die meisten und die Fremdsprachenlehrer die wenigsten Überstunden.
Lehrerinnen und Lehrer genießen in Finnland eine hohe gesellschaftliche Anerkennung: Lehrer und Polizisten stehen in Finnland ganz oben in der Wertschätzungsskala. Ebenso beliebt ist die Schule bzw. die Ausbildung und insbesondere das Abitur, bei dem die traditionelle Studentenmütze („ylioppilaslakki“) verliehen wird. Dieses Zeremoniell wird in Finnland hoch geschätzt und traditionell gefeiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PISA 2000: Traumergebnisse für Finnland?: Einleitende Analyse der PISA-Ergebnisse, die die außergewöhnliche Lesekompetenz finnischer Schüler im internationalen Vergleich hervorhebt.
2. Mögliche Gründe für das überragende Abschneiden im internationalen Vergleich: Untersuchung der schulischen Rahmenbedingungen und kulturellen Faktoren, die den Erfolg des finnischen Bildungsmodells maßgeblich erklären.
3. Anmerkungen und Diskussion: Kritische Reflexion der Quellenlage sowie Diskussion über die Übertragbarkeit finnischer Erfolgsfaktoren auf das deutsche Schulsystem.
4. Literaturhinweise: Auflistung der verwendeten Sekundärquellen und Internetressourcen für weiterführende Studien.
Schlüsselwörter
PISA-Studie, finnisches Schulsystem, Lesekompetenz, Chancengleichheit, Bildungsreform, Inklusion, Gesamtschule, Schulkultur, Lehrer-Schüler-Verhältnis, individuelle Förderung, soziokulturelle Bedingungen, Eigenverantwortung, Dezentralisierung, Notengebung, Bildungsziele
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für das herausragende Abschneiden Finnlands bei der PISA-Studie 2000, um Ansätze für die notwendige Reform des deutschen Bildungswesens zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der strukturelle Aufbau des finnischen Schulsystems, die Bedeutung der soziokulturellen Gegebenheiten, die Rolle der Lehrerschaft sowie die finnische Didaktik und Förderkultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Erfolg Finnlands zu verstehen und aufzuzeigen, wie das deutsche Schulsystem von diesen Konzepten lernen kann, insbesondere im Hinblick auf die Förderung leistungsschwächerer Schüler.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse bestehender Sekundärquellen, offizieller PISA-Ergebnisse sowie Berichten und Dokumentationen über finnische Schulstrukturen und Austauschberichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung des finnischen Schulaufbaus, die Untersuchung soziokultureller Bedingungen wie Lesetraditionen und soziale Homogenität sowie eine kritische Diskussion der Übertragbarkeit auf deutsche Verhältnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie PISA-Studie, Chancengleichheit, individuelle Förderung, Gesamtschule und Bildungspolitik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Fehlerkultur in Finnland von der in Deutschland?
In Finnland herrscht eine positive Fehlerkultur vor, in der Fehler als wichtiger Bestandteil des induktiven Lernprozesses gesehen werden, anstatt Schüler für Fehler zu blamieren oder mit schlechten Noten zu stigmatisieren.
Welche Rolle spielt die soziale Herkunft im finnischen System?
Finnland gelingt es, die soziale Herkunft weitgehend vom Kompetenzerwerb zu entkoppeln, indem durch gezielte Frühförderung und ein durchlässiges Schulsystem verhindert wird, dass sozialer Status über den Bildungserfolg entscheidet.
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- Anke Reuschling (Author), 2003, Das finnische Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66131