Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten computerunterstützten kooperativen Lernens (CSCL) in der Industrie, in der öffentlichen Verwaltung und in der Hochschule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

30 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Der Begriff CSCL
2.2 Formen von CSCL

3 CSCL-Umgebungen
3.1 Kommunikationsplattformen
3.1.1 Asynchrone Kommunikationswerkzeuge
3.1.2 Synchrone Kommunikatonswerkzeuge
3.2 Plattformen für CSCL
3.3 Zusammenfassung

4 Umsetzung
4.1 CSCL-bezogene Bedarfsanalyse
4.2 Weitere Voraussetzungen
4.3 Einführung und Bereitstellung von CSCL

5 Anwendungen, Wirkungen, Potenziale
5.1 CSCL an der Hochschule
5.1.1 CSCL-Seminare in der Hochschule
5.1.2 Telelearning
5.2 EmLeSol im Kontext vom CSCL
5.2.1 Einsatz der EmLeSol in der öffentlichen Verwaltung
5.2.2 Einsatz von Lernportalen in der öffentlichen Verwaltung
5.3 CSCL in der Industrie
5.3.1 Voraussetzungen für den Einsatz von CSCL in Unternehmen
5.3.2 Praxisbeispiel Allianz Versicherungs AG

6 Ausblick

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die wachsende Bedeutung von kooperativem Lernen in computerbasierten Zusam-menhängen – CSCL – ist in Theorie und Praxis des E-Learning unbestritten. CSCL gilt mittlerweile bereits als neues Paradigma im E-Learning. Die Organisation, Steuerung, Betreuung und Evaluation von CSCL sind damit wesentliche Heraus-forderungen im E-Learning [HINZ04, S 7]. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, muss eine Vielzahl von technischen und organisatorischen Rahmen-bedingungen und Faktoren berücksichtigt werden.

Ziel dieser Arbeit ist еs, Wissen und Verständnis um die Konzeption, Umsetzung und Evaluation von CSCL theoretisch und praxisnah zu vermitteln. Daher wird sie in fünf wesentliche Teile gegliedert. Im ersten Schwerpunkt (Gliederungspunkt 2) werden theoretische Grundlagen beschrieben: Zum einen die Einordnung des CSCL in den Kontext des E-Learning, zum anderen die Erläuterung der Grundlagen und Begriffe des kooperativen Lernens. Die danach folgenden Gliederungspunkte be-handeln weitere Fragestellungen, die für die Entwicklung und den Einsatz von CSCL wesentlich sind: CSCL-Umgebungen, Umsetzung, Anwendungen, Wirkungen und Potenziale. Im abschließenden Teil wird auf die weitere Entwicklung und die Perspektiven des CSCL eingegangen.

Wegen des Umfangs der Arbeit werden didaktische und pädagogische Grundlagen nicht ausführlich erläutert, was jedoch deren Wichtigkeit und Bedeutung für das computerunterstützte Lernen nicht verringert.

2 Grundlagen

2.1 Der Begriff CSCL

CSCL ist ein komplexes, interdisziplinäres Feld, das in Theorie und Praxis des E-Learning eine zunehmende Rolle spielt. Wie schwierig und dynamisch das Feld ist, wird schon bei der Begriffsbestimmung deutlich. So wird das zweite C (das erste steht übereinstimmend für Computer) im Englischen wahlweise als Abkürzung für collective, coordinated und vor allem cooperative oder collaborative verwendet [KOSC94].

Weit verbreitet ist damit die Bestimmung der Abkürzung CSCL als C omputer S upported C ooperative L earning. Alternativ ist vielfach auch die Bezeichnung Computer Supported Collaborative Learning zu finden [HINZ04, S. 23]. Hier besteht teilweise ein prinzipieller Unterschied. Kooperatives Lernen findet überwiegend individuell in stark strukturierten Bahnen statt. Meist fügen die Teilnehmer am Schluss rein additiv die Ergebnisse zusammen. Beim kollaborativen Lernen ist hingegen eine permanente, überwiegend gesteuerte Zusammenarbeit in der Gruppe vorhanden [HINZ04]. Die Schwierigkeit, trennscharf zwischen Kooperation und Kollaboration zu differenzieren führen dazu, dass meistens die Abkürzung CSCL benutzt wird [KOSC94, S. 220].

Unter CSCL wird somit der Einsatz von Informationssystemen (vernetzte Computer und Software) zur Unterstützung des kooperativen Lernens verstanden [HAAK04, S. 2].

2.2 Formen von CSCL

Computerunterstütztes Kooperatives Lernen erscheint in einer Vielzahl von Formen und Anwendungsgebieten. Um zu einer konkreten Realisierung computerunter-stützten kooperativen Lernens zu gelangen, sei es die Anpassung existierender Werkzeuge und Konzepte oder die Entwicklung neuer Lösungen, ist die Betrachtung der Dimensionen und Erscheinungsformen kooperativen Lernens sinnvoll [WESS01, S. 195].

Tabelle 1: Raum-Zeit-Matrix für CSCL [GRUD94, S. 19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kooperatives Lernen kann am selben Ort (kopräsentes kooperatives Lernen, z.B. im Klassenzimmer) oder an verschiedenen Orten (verteiltes kooperatives Lernen, z.B. unter Nutzung einer CSCL-Plattform in einer verteilten Vorlesung) stattfinden [GRUD94, S. 19]. Kooperatives Lernen kann synchron (alle Gruppenmitglieder nehmen gleichzeitig daran teil) oder asynchron (die Gruppenmitglieder lernen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und kommunizieren mit asynchronen Medien, z.B. Mail oder Newsforen) erfolgen (vgl. Tabelle 1).

In Abhängigkeit von den Ausprägungen dieser Dimensionen können für einen konkreten Anwendungsfall Konzepte, Methoden und Werkzeuge ausgewählt werden. Kooperatives Lernen kann in den verschiedenen Sektoren des Bildungswesens – Hochschule, berufliche Aus-und Weiterbildung - zum Einsatz kommen. Diese unter-schiedlichen Bereiche stellen jeweils eigene Anforderungen an die Gestaltung des CSCL [HAAK04, S. 3].

Im Gliederungspunkt 3 wird näher auf die Werkzeuge und Anforderungen an CSCL eingegangen.

3 CSCL-Umgebungen

CSCL-Umgebungen bilden die technische Basis für die Realisierung computer-unterstützten kooperativen Lernens. Eine CSCL-Umgebung bietet eine Menge von Werkzeugen zur Unterstützung von Kommunikation, Koordination und Kooperation in Lerngruppen. Grundsätzliche Voraussetzung für jede Kooperation in CSCL-Umgebungen ist die Möglichkeit zur Kommunikation über Kommunikationswerk-zeuge. Die Bildung von Lerngruppen z.B. mittels Koordinationswerkzeugen ist eine weitere Voraussetzung [HAAK04, S. 65].

Die Unterstützung der Kooperation, des gemeinsamen Lernens, ist abhängig von der Größe der Lerngruppe. Kleingruppen ermöglichen aufgrund der geringeren Teil-nehmerzahl ein höheres Maß an Selbststeuerung und intensive Formen der Zusam-menarbeit. Sie können gut durch gemeinsame Arbeitsbereiche und synchrone Werk-zeuge unterstützt werden. In großen Lerngruppen ist das Spektrum der einsetzbaren Kooperationsformen geringer. Hier spielen Fragen der Steuerung bzw. Automati-sierung der Kooperation eine wichtige Rolle. Durch Konferenzsysteme, die Verbreitung von Folien, Bild und Ton sowie Werkzeuge für Übungen wird koopera-tives Lernen auch in großen Gruppen möglich [HAAK04, S. 65].

CSCL kann sowohl face-to-face in einem Raum durchgeführt werden als auch in örtlich verteilten Lerngruppen. In kooperativen Lernräumen muss dazu die tech-nische Unterstützung sinnvoll in die Räumlichkeiten integriert werden. Damit spielt die technische Basis eine wesentliche Rolle für den Verlauf der Kooperation. Aller-dings ist Technik nicht der allein entscheidende Faktor. Vor allem führt ein Maxi-mum an Technikeinsatz nicht automatisch zum besten Ergebnis [HINZ04, S. 46].

3.1 Kommunikationsplattformen

Die Kommunikation zwischen Menschen ist das natürliche Ergebnis der sich über Jahrhunderte entwickelten Formen der Verständigung. Ohne Kommunikation ist das kooperative Lernen undenkbar. Im Kontext von CSCL bildet sie die Grundlage für gemeinsame Lernerfahrungen.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass durch die Com-putervermitteltheit des CSCL eine zusätzliche Barriere in der Kommunikation bewältigt werden muss – nämlich genau das vermittelnde Computersystem [SCHÜ04, S. 66 f.].

In den folgenden Unterpunkten werden die verschiedenen Formen der computer-unterstützten Kommunikation vorgestellt und ihr Einsatz im Bereich des CSCL diskutiert.

3.1.1 Asynchrone Kommunikationswerkzeuge

Bei asynchroner Kommunikation benutzen die Kommunikationspartner einen Kom-munikationskanal, der die Nachrichten speichert. So kann ein Kommunikations-partner eine Nachricht verfassen, die erst später von den anderen Kommunikations-partnern empfangen wird. Die beteiligten Kommunikationspartner müssen also nicht gleichzeitig anwesend sein. Beispiele für asynchrone Kommunikation sind der Aus-tausch von E-Mail- und Newsgruppen-Beiträgen [SCHÜ04].

- E-Mail

dient der asynchronen persönlichen textuellen Kommunikation zwischen Personen. Mit Hilfe des E-Mailwerkzeugs schickt der Sender eine Nachricht an die Empfänger. Den Transport und die Speicherung der Nachricht bis zum Lesen übernimmt das E-Mail-System. Meistens werden E-Mails von den E-Mailwerkzeugen in der zeitlichen Reihenfolge des Eintreffens angezeigt. Dies führt dazu, dass thematische Bezüge zwischen E-Mails schwer nachzuvollziehen sind [SCHÜ04].

Eine mögliche Lösung hierfür sind sogenannte Threaded Mails, bei denen die Nach-richten als Kette aufeinander bezogener Nachrichten dargestellt werden.

- Mailing Listen

sind vergleichbar mit Rundschreiben und dienen dazu Nachrichten an eine bestimmte Gruppe zu adressieren. Eine Mailing Liste wird für eine bestimmte Gruppe oder Aufgabe benutzt und installiert. Im CSCL hat eine Mailing Liste im Prinzip dieselben Vorteile wie E-Mail, nachteilig ist jedoch, dass der inhaltliche Bezug zwischen den einzelnen Mails nicht immer eindeutig ist. Mailing Listen haben außer-dem eine große Streuung.

Nicht selten werden Mails empfangen, die nicht von Interesse für den Teilnehmer sind. Es ist daher sinnvoll, bei mehreren Gruppen auch mehrere Listen anzulegen oder bei speziellen Themen das Kommunikationsmedium zu wechseln [HINZ04, S. 55].

- Newsgroups und Diskussionsforen

erlauben es, Diskussionen über ein bestimmtes Thema im Internet zu verfolgen oder aktiv daran teilzunehmen. Im Unterschied zu einer Mailing Liste ist hier eine Ano-nymität der Leserschaft gewährleistet, während die Schreibenden sichtbar sind.

Neben Newsgroups werden in letzter Zeit Diskussionsforen immer beliebter, da sie nur auf jeweils einem Server stehen. Im CSCL werden meist betreute Diskus-sionsforen für eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern zugänglich gemacht. Die Benutzer können Nachrichten hinterlassen, die später von anderen Benutzern gelesen und beantwortet werden können [HINZ04, S. 55].

3.1.2 Synchrone Kommunikatonswerkzeuge

Synchrone Kommunikationswerkzeuge sind die Werkzeuge, die die Kommuni-kationspartner unterstützen, wenn diese gleichzeitig anwesend sind. Im Gegensatz zu den asynchronen Kommunikationswerkzeugen muss der Kommunikationskanal die Nachrichten nicht längerfristig speichern. Diese werden dem Empfänger so schnell wie möglich angezeigt [SCHÜ04, S. 72f.].

- Schriftliche Kommunikation

ist der gleichzeitige interaktive Austausch von textbasierten Nachrichten zwischen zwei oder mehreren Teilnehmern anhand von Chatsystemen. Die webbasierten Chattools können mit jedem Internetbrowser benutzt werden. Der Chat wird als synchrone Kommunikationsform in Kleingruppen (bis 5 Personen) zur Abstimmung und Koordination der Aufgabenbearbeitung verwendet. Durch die schnelle Interaktion kommt es oft zu Schwierigkeiten die Nachrichten nachzuvollziehen. Es entstehen verschiedene Diskussionslinien und Gesprächsfäden, die oft zu Miss-verständnissen führen. Aus diesem Grund verzichten die meisten Lernenden auf dieses Kommunikationsmedium und nutzen es ausschließlich für informelle Kommunikation [HINZ04, S. 57].

- Instant-Messaging-Systeme
unterstützen sowohl synchrone als auch asynchrone Kommunikation zwischen zwei und mehreren Teilnehmern. Die Grundidee hierbei ist, dass jeder Benutzer den aktuellen Zustand und die Verfügbarkeit eines anderen Benutzers erkennen kann. Ist dieser verfügbar, können beide direkt kommunizieren. Ein Problem von Instant-Messaging ist die Gefahr der Überwachung. Das bedeutet, dass der aktuelle Zustand eines Benutzers vom System registriert und für andere Benutzer sichtbar gemacht wird. Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, kann ein Benutzer nur dann in die Freundschaftsliste anderer Benutzer aufgenommen werden, wenn dieser zustimmt [SCHÜ04, S. 76f.].

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten computerunterstützten kooperativen Lernens (CSCL) in der Industrie, in der öffentlichen Verwaltung und in der Hochschule
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
Hauptseminar: Wirtschaftsinformatik von Prof. Dr. R. Thome im Sommer-semester 2005
Note
2,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V66135
ISBN (eBook)
9783638587211
ISBN (Buch)
9783656796770
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Voraussetzungen, Einsatzmöglichkeiten, Lernens, Industrie, Verwaltung, Hochschule, Hauptseminar, Wirtschaftsinformatik, Prof, Thome, Sommer-semester
Arbeit zitieren
Dimitar Borisov (Autor:in), 2005, Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten computerunterstützten kooperativen Lernens (CSCL) in der Industrie, in der öffentlichen Verwaltung und in der Hochschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66135

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