Der 800. Gründungstag des Augustinerinnen-Chorfrauenstifts Brehna


Referat (Ausarbeitung), 2001

6 Seiten


Leseprobe

Ansprache 800 Jahre Klostergründung Brehna (17.08.2001)

Herr Vorsitzender des Kreistages, Herr Landrat, meine Herren Bürgermeister

der Kreisstadt Bitterfeld und der Stadt Brehna!

Sehr verehrte Damen und Herren!

Vor allem aber: Liebe Brehnaerinnen und Brehnaer!

Es ist für mich ein besonderes Ereignis, hier an dieser Stelle sprechen zu dürfen, wo mich 1933 Oberpfarrer Rudolph getauft, 1947 Pastor Möhring mit meinem Schuljahrgang konfirmiert und 1955 Prediger Fehlauer meine Frau und mich getraut hat, bevor ich dann meinen Geburtsort aus beruflichen Gründen verlassen habe.

Aber nicht meine Geschichte gilt es darzulegen, sondern des 800. Jahrestages der Gründung des Klosters in Brehna ist zu gedenken.

Wie war es dazu gekommen?

1053 treten erstmals zwei Grafen von Brehna, nämlich Gero und Thimo, in einer Urkunde in Erscheinung – Herr Bürgermeister Biedermann, am 29. September des übernächsten Jahres steht Ihrem Ort also das 950. Jubiläum seiner Ersterwähnung ins Haus! – Diese Grafen von Brehna gehörten zum Adelsgeschlecht der Wettiner.

Ein ganz Wichtiger von diesen Wettinern, Markgraf Konrad der Große von Meißen, der gleichzeitig auch Graf von Brehna war, trat gegen Ende seines Lebens 1156 in das Augustinerkloster auf dem Petersberg ein, der zu dieser Zeit noch Lauterberg genannt wurde, und bestimmte dieses Kloster als Grablege für seine Familie. Einer seiner Söhne wurde damals als Friedrich I. sein Nachfolger in der Grafschaft Brehna. Und wie es der Vater bestimmt hatte, wurde auch dieser Friedrich bei seinem Tode neben dem Vater auf dem Petersberg beigesetzt.

Seine Frau, Gräfin Hedwig, überlebte ihn fast um drei Jahrzehnte. Irgendwann in diesen dreißig Jahren wollte sie in der Nähe seiner Grabstätte wohnen und beantragte daher beim Propst dieses Klosters, er möge ihr gestatten, auf dem Petersberg ein Haus zu bauen.

Woher wissen wir das? Nun, damals verfasste ein Mönch auf dem Petersberg eine Chronik und berichtet darin von Hedwigs Bitte. Es heißt bei ihm zum Jahr 1201: „Gräfin Hedwig, die Witwe des Grafen Friedrich von Brehna, gründete am 15. August im Dorf Brehna ein Frauenstift. In früheren Jahren, als ihr Mann noch lebte, hatte sie vertrauten Umgang mit Propst Ekkehard und den Brüdern des Lauterberges gepflegt; als aber ihr Gatte gestorben war, verlangte sie von ihnen die Erlaubnis, auf dem Berg ein Gebäude errichten zu dürfen, in dem sie sich zu gegebener Zeit vom Treiben dieser Welt ausruhen könne. Das vermochte sie nicht zu erreichen, denn sie war nicht auf ihren guten Ruf bedacht und führte ein leichtfertiges Leben. So kam sie denn von ihrem vormaligen Wunsch ab. Und während sie vordem den Brüdern durchaus gewogen gewesen war, begann sie nun, sich ihnen gegenüber fremd und übelwollend zu zeigen. Schließlich aber, um für ihre Zurückweisung dauernde Rache zu nehmen, gründete sie zum Schaden dieses Stifts dieses neue Kloster.“

So weit der Bericht in der Petersberger Chronik. Er bereitet uns einige Schwierigkeiten. Hedwig war 1201 keine junge Frau mehr, sie war wenigstens 60 Jahre alt, und ein so lasterhaftes Leben wird sie da nicht mehr geführt haben. Es war auch nicht ungewöhnlich, dass sie sich bei einem Männerkloster ansiedeln wollte, denn zum Petersberger Kloster gehörten auch Frauen als Laienschwestern.

Was also bleibt von der Ursache, die die Petersberger Chronik für die Klostergründung in Brehna nennt? Das Kloster auf dem Lauterberg wurde dadurch zweifelsohne geschädigt, da es von den Brehnaer Grafen in Zukunft weniger Landschenkungen und andere Zuwendungen erwarten konnte, denn sie hatten nun für die Ausstattung des Familienklosters in Brehna zu sorgen. Der Ärger darüber mag zu der Beschuldigung Hedwigs geführt haben, sittenlos zu sein und Rache nehmen zu

wollen.

Schließlich - und es überrascht mich, dass dies in den bisherigen Schriften über das Brehnaer Kloster noch nicht berücksichtigt worden ist - war im Jahr 1199 im Petersberger Kloster ein Feuer ausgebrochen, das viele Gebäude zerstörte. In der erwähnten Chronik heißt es dazu auch: „Die Klosterzucht konnte sich keineswegs gleicher Unversehrtheit erfreuen, ja, auf den Verlust der Gebäude ist ein solcher Niedergang der Sitten erfolgt, daß man wahrlich sagen kann, zusammen mit dem Kloster sei auch die Klosterdisziplin in Flammen aufgegangen.“ Konnte man da Hedwig der Lasterhaftigkeit beschuldigen?

Möglicherweise ist die Brehnaer Gräfin während der Zeit des Wiederaufbaus mit ihrer Bitte um den Bauplatz für ein eigenes Haus gekommen. Nun, wer von Ihnen den Petersberg kennt, weiß, dass die zur Verfügung stehende Fläche nicht besonders groß ist, es musste also sorgfältig mit ihr umgegangen werden. Das könnte auch der Grund für die Zurückweisung Hedwigs gewesen sein. Wir wissen es also nicht genau. Am 15. August 1201 allerdings - vorgestern war es 800 Jahre her - ließ Hedwig den Klosterbau in Brehna beginnen, das steht außer Frage. Schon im folgenden Jahr weihte der Erzbischof von Magdeburg die Kirche ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Der 800. Gründungstag des Augustinerinnen-Chorfrauenstifts Brehna
Veranstaltung
2001
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V66140
ISBN (eBook)
9783638584265
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Vortrag 2001 in der Kirche zu Brehna
Schlagworte
Gründungstag, Augustinerinnen-Chorfrauenstifts, Brehna
Arbeit zitieren
Dipl.-Lehrer Armin Feldmann (Autor), 2001, Der 800. Gründungstag des Augustinerinnen-Chorfrauenstifts Brehna, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66140

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