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Zum Problem der Willensfreiheit. Eine Kritik an Peter Bieri

Title: Zum Problem der Willensfreiheit. Eine Kritik an Peter Bieri

Examination Thesis , 2006 , 136 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Angelika Gergel (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

„Es ist 6 Uhr Abends, die Tagesarbeit ist beendigt. Ich kann jetzt einen Spatziergang machen; oder ich kann in den Klub gehen; ich kann auch auf den Thurm steigen, die Sonne untergehn zu sehn; ich kann auch ins Theater gehen; ich kann auch diesen, oder aber jenen Freund besuchen; ja, ich kann auch zum Thor hinauslaufen, in die weite Welt, und nie wiederkommen. Das Alles steht allein bei mir, ich habe völlige Freiheit dazu; thue jedoch davon jetzt nichts, sondern gehe ebenso freiwillig nach Hause, zu meiner Frau.“ Woher kommt dieses Gefühl, dass uns Tag für Tag, Stunde um Stunde begleitet? Warum fühlen wir uns in Entscheidungsmomenten derart frei, mehrere Handlungsoptionen zu haben, wenn wir am Ende doch nur das eine tun? Man könnte soviel mit seinem Leben anfangen, bleibt in Wahrheit jedoch in Gewohnheiten und Pflichten verankert. Warum scheinen all diese Möglichkeiten nur in der Vorstellung zu existieren? Wenn es darum geht, sie in der Realität umzusetzen, stößt man sehr schnell an seine Grenzen. Im Rückblick auf vergangene Taten, erscheint es einem vielmehr so, als hätte es nur diesen einen Weg für einen gegeben. Doch niemand käme auf die Idee zu glauben, dass dies immer so ist. Jeder macht im Laufe seines Lebens die manchmal äußerst traumatisierende Erfahrung, von anderen Menschen enttäuscht oder betrogen zu werden. Immer wenn eine Person uns verletzt, fragen wir nach den Ursachen ihres Verhaltens. Wir versuchen verborgene Motive aufzudecken und uns ihre Handlungsweise zu erklären. Wir fragen aber auch, warum der Betreffende nicht anders gehandelt hat und es entstehen in uns Gefühle des Misstrauens, der Angst und des Vorwurfs. Vielleicht war die Person betrunken, konnte ihre Triebe nicht kontrollieren oder wusste es einfach nicht besser. Egal welcher Grund das Verhalten scheinbar erklärt, wir neigen dazu, den anderen auf seine unmoralische Handlungsweise aufmerksam zu machen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass eine moralische Belehrung in nicht allen Fällen eine Änderung des Verhaltens bewirken kann oder die Verinnerlichung der neuen Einsicht ein äußerst langfristiges Unternehmen darstellt. Aber wie kann das sein, wenn jeder „frei“ in seinen Entscheidungen ist? Auf der einen Seite ist das Gefühl der Freiheit eine Selbstverständlichkeit, auf der anderen Seite spüren wir jedoch auch instinktiv, dass irgendetwas diese Freiheit zu bedrohen scheint. Aber was? [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINFÜHRUNG

1. Problemstellung

2. Vorgehensweise

3. Begriffsklärung

II. INTERNE KRITIK

1. Der Irrgarten

2. Bedingte Freiheit

2.1 Handeln und Wollen

2.2 Freie Entscheidungen

2.3 Erfahrungen der Unfreiheit

2.4 Kritische Anmerkungen

3. Unbedingte Freiheit

3.1 Argumente für unbedingte Freiheit

3.2 Die falsche Fährte

3.3 Begriffliche Überprüfung

3.4 Freiheit von innen und von außen

3.5 Kritische Anmerkungen

4. Angeeignete Freiheit

4.1 Der artikulierte Wille

4.2 Der verstandene Wille

4.3 Der gebilligte Wille

4.4 Das Geheimnis der „Selbst“-Bestimmung

4.5 Kritische Anmerkungen

5. Abschlusskritik

III. EXTERNE KRITIK

1. Nicht alle Wege führen nach Rom

1.1 Ein Problem der Methode?

1.2 Der andere Weg

2. Leib-Seele-Problem

2.1 Dualismus und Monismus

2.2 Argumente gegen den Interaktionismus

2.3 Argumente gegen die Identitätstheorie

2.4 Leib-Seele-Problem – gelöst?

2.5 Bieris Auflösungsvorschlag

2.6 Die Naturalisierung der Willensfreiheit

3. Der Geist fiel nicht vom Himmel

3.1 Der freie Wille – ein Evolutionsprodukt?

3.2 Das „halbdurchlässige“ Paradoxon

3.3 Kleine Evolution des „bewussten“ Gehirns

4. Der freie Wille auf dem Prüfstand

4.1 Die Illusion des „klaren Verstandes“

4.2 Warum Einsicht so schwer zu erkennen ist

4.3 Hängt alles von einer halben Sekunde ab?

4.4 Gründe vs. Ursachen

4.5 Das Gefühl der Urheberschaft

5. Zusammenfassung

IV. AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Position des Philosophen Peter Bieri zur Willensfreiheit. Ziel ist es, die Plausibilität von Bieris Thesen in "Das Handwerk der Freiheit" zu prüfen, indem diese mit aktuellen Erkenntnissen aus den empirischen Wissenschaften, insbesondere der Neurobiologie, konfrontiert und hinterfragt werden.

  • Determinismus vs. menschliches Freiheitsempfinden
  • Komponenten der Willensfreiheit: Alternativität, Intelligibilität, Urheberschaft
  • Kritik an der sprachanalytischen Vorgehensweise
  • Leib-Seele-Problem aus neurobiologischer Sicht
  • Evolutionäre Grundlagen des Bewusstseins

Auszug aus dem Buch

1. Problemstellung

„Es ist 6 Uhr Abends, die Tagesarbeit ist beendigt. Ich kann jetzt einen Spatziergang machen; oder ich kann in den Klub gehen; ich kann auch auf den Thurm steigen, die Sonne untergehn zu sehn; ich kann auch ins Theater gehen; ich kann auch diesen, oder aber jenen Freund besuchen; ja, ich kann auch zum Thor hinauslaufen, in die weite Welt, und nie wiederkommen. Das Alles steht allein bei mir, ich habe völlige Freiheit dazu; thue jedoch davon jetzt nichts, sondern gehe ebenso freiwillig nach Hause, zu meiner Frau.“

Woher kommt dieses Gefühl, dass uns Tag für Tag, Stunde um Stunde begleitet? Warum fühlen wir uns in Entscheidungsmomenten derart frei, mehrere Handlungsoptionen zu haben, wenn wir am Ende doch nur das eine tun? Man könnte soviel mit seinem Leben anfangen, bleibt in Wahrheit jedoch in Gewohnheiten und Pflichten verankert. Warum scheinen all diese Möglichkeiten nur in der Vorstellung zu existieren? Wenn es darum geht, sie in der Realität umzusetzen, stößt man sehr schnell an seine Grenzen. Im Rückblick auf vergangene Taten, erscheint es einem vielmehr so, als hätte es nur diesen einen Weg für einen gegeben. Doch niemand käme auf die Idee zu glauben, dass dies immer so ist.

Jeder macht im Laufe seines Lebens die manchmal äußerst traumatisierende Erfahrung, von anderen Menschen enttäuscht oder betrogen zu werden. Immer wenn eine Person uns verletzt, fragen wir nach den Ursachen ihres Verhaltens. Wir versuchen verborgene Motive aufzudecken und uns ihre Handlungsweise zu erklären. Wir fragen aber auch, warum der Betreffende nicht anders gehandelt hat und es entstehen in uns Gefühle des Misstrauens, der Angst und des Vorwurfs. Vielleicht war die Person betrunken, konnte ihre Triebe nicht kontrollieren oder wusste es einfach nicht besser. Egal welcher Grund das Verhalten scheinbar erklärt, wir neigen dazu, den anderen auf seine unmoralische Handlungsweise aufmerksam zu machen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel umreißt die Problematik der Willensfreiheit, legt die Vorgehensweise der Untersuchung fest und definiert grundlegende Begriffe zur Handlungs- und Willensfreiheit.

II. INTERNE KRITIK: Hier wird Bieris Argumentation, insbesondere die Unterscheidung zwischen bedingter, unbedingter und angeeigneter Freiheit, einer kritischen Analyse unterzogen.

III. EXTERNE KRITIK: Dieses Kapitel konfrontiert Bieris philosophischen Ansatz mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, insbesondere der Neurobiologie, und beleuchtet das Leib-Seele-Problem sowie evolutionäre Aspekte des Gehirns.

IV. AUSBLICK: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Konsequenzen für unser Menschenbild und das strafrechtliche Verständnis von Verantwortung.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, Determinismus, Peter Bieri, Neurobiologie, Handlungsfreiheit, Intelligibilität, Urheberschaft, Leib-Seele-Problem, Evolution, Identitätstheorie, Bewusstsein, Selbstbild, Bedingtheit, Verantwortung, Hirnforschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch das Werk "Das Handwerk der Freiheit" von Peter Bieri und untersucht, ob dessen philosophische Argumente zur Willensfreiheit wissenschaftlich haltbar sind.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit, die neurobiologischen Grundlagen des Gehirns sowie die Frage nach der persönlichen Verantwortung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, Bieris Thesen zur Freiheit des Willens zu prüfen und die Plausibilität seiner Argumentation vor dem Hintergrund empirischer Wissenschaften zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet eine kritische philosophische Analyse in Kombination mit Erkenntnissen aus den empirischen Wissenschaften, vorzugsweise der Neurobiologie.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in eine interne Kritik von Bieris Argumentationslogik und eine externe Kritik, die sich auf empirische Evidenzen (Neurobiologie, Evolutionsbiologie) stützt.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Willensfreiheit, Determinismus, Neurobiologie, Verantwortung, Identitätstheorie, Bewusstsein.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des "klaren Verstandes" bei Bieri?

Die Autorin sieht in Bieris Konzept des "klaren Verstandes" eine Illusion, da die Hirnforschung zeigt, dass emotionale und unbewusste Prozesse die Entscheidungsfindung maßgeblich beeinflussen.

Zu welchem Schluss kommt die Autorin hinsichtlich der strafrechtlichen Verantwortung?

Die Autorin hinterfragt das auf klassischer Willensfreiheit basierende Schuldkonzept und plädiert dafür, Verantwortung eher funktional oder sozial zu begründen, da eine "völlig freie" Entscheidung neurobiologisch nicht plausibel ist.

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Details

Title
Zum Problem der Willensfreiheit. Eine Kritik an Peter Bieri
College
Technical University of Braunschweig  (Seminar für Philosophie)
Grade
1,0
Author
Angelika Gergel (Author)
Publication Year
2006
Pages
136
Catalog Number
V66172
ISBN (eBook)
9783638584418
Language
German
Tags
Problem Willensfreiheit Kritik Peter Bieri
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angelika Gergel (Author), 2006, Zum Problem der Willensfreiheit. Eine Kritik an Peter Bieri, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66172
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