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Identität in Sprachphilosophie und Literatur: Die Konstitution von Wirklichkeit und Geschlecht bei Judith Butler und Elfriede Jelinek

Title: Identität in Sprachphilosophie und Literatur: Die Konstitution von Wirklichkeit und Geschlecht bei Judith Butler und Elfriede Jelinek

Seminar Paper , 2006 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Daniela Steinert (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Schon lange gibt es nicht mehr nur das autonome menschliche Subjektbild, sondern auch die Frage nach der Determinierung und der Konstruktion des Menschen, der menschlichen Identität und der Wirklichkeit: Inwiefern ist es möglich, sich selbst zu bestimmen? Ist es nicht vielmehr so, dass jede Identität bereits vorgegeben ist durch Gesellschaft, Bestimmungen, Sprache? Das menschliche Subjekt wird in diesem Denken dezentralisiert und verdrängt – so spricht Michel Foucault von dem Diskurs, der „die Macht, deren man sich zu bemächtigen sucht“, darstellt. Wie
bei Judith Butler ist es hier der Diskurs, der wuchert, der dem Menschen bereits vorausgeht, Bedeutungen zuweist und dem Menschen so seine Zentralstellung nimmt. Sie spricht von politischen Kategorien, die durch Sprache erzeugt werden.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Frage nach der Konstruktion von Identität. Der autonome Mensch wird bezweifelt und es soll die Frage gestellt werden: Inwiefern ist das menschliche Subjekt gesellschaftlich, sprachlich und kulturell determiniert und erzeugt? Ist eine eigene Identität überhaupt möglich? Grundlage zur Bearbeitung dieses Themas sind zum einen die Ausführungen Judith Butlers und zum anderen das Buch „Lust“ von Elfriede Jelinek. Die Sprache erhält hier auf zwei Arten Bedeutung: Performativ konstituiert sie bei Judith Butler den Menschen – die Identität entsteht durch Sprache. Elfriede Jelinek spielt wiederum nicht nur mit der Schaffung von Identität durch die Gesellschaft, sondern auch mit der Sprache, die sie einsetzt – so erschafft sie Figuren.

Thematisiert wird bei beiden Autorinnen vor allem die Frau als Kategorie der Gesellschaft, deren Natürlichkeit in Frage gestellt wird. Diese Arbeit soll sich deshalb vor allem auf die Gender- Diskussion beziehen, also die Relativität der Geschlechter aufzeigen. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Sprachphilosophie – John L. Austin und Judith Butler werden als Sprachphilosophen herangezogen. Im zweiten Teil der Arbeit wird anschließend unter Berücksichtigung der sprachphilosophischen Eindrücke das Buch „Lust“ von Elfriede Jelinek auf die Identität, den Charakter „Frau“ hin untersucht: Wie wird die Geschlechtertrennung und die Identitätskritik literarisch verarbeitet? Dem übergeordnet steht die Frage nach der Möglichkeit einer Persönlichkeit und Identität im Raum: Kann der Mensch sich selbst bestimmen oder ist das menschliche Subjekt ganz und gar gesellschaftlich und diskursiv erzeugt?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die performative Erschaffung von Identität in der Sprachphilosophie

2.1 Handeln durch Worte: Austins Theorie der Performativität

2.2 Performanz, Anrufung, Konstitution: Judith Butlers sprachphilosophischen Erkenntnisse zur Macht der Sprache

2.3. Die Identität der Geschlechter: Butlers Ansätze zu Sex und Gender

3. Die kulturell-sprachliche Erzeugung der Identität „Frau“ in Elfriede Jelineks „Lust“

3.1 Die Frau als Ehefrau und Sexualobjekt konstituiert durch den Mann

3.2 Die Performanz in Elfriede Jelineks Sprache

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die sprachphilosophische Konstruktion von Identität und Geschlecht, indem sie theoretische Ansätze von Judith Butler mit der literarischen Praxis in Elfriede Jelineks Roman „Lust“ verknüpft. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern das menschliche Subjekt durch gesellschaftliche Diskurse und performative Sprache determiniert ist oder Widerstandspotenziale entwickeln kann.

  • Die performative Konstitution von Identität durch Sprache
  • Die Kritische Analyse der Geschlechterrollen (Sex/Gender)
  • Machtmechanismen und Anrufungstheorien nach Althusser und Butler
  • Darstellung von Identitätsunterwerfung in Jelineks Literatur
  • Widerstandsmöglichkeiten innerhalb diskursiver Strukturen

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Frau als Ehefrau und Sexualobjekt konstituiert durch den Mann

„Die Frau geht mit ihrem Kind spazieren. Sie gilt allein schon mehr als die Hälfte von allen Körper hier, die andre Hälfte arbeitet in der Papierfabrik unter dem Mann, nachdem die Sirene aufgejault hat. Und die Menschen halten sich an das nächste, das sich unter ihnen ausstreckt. Die Frau hat einen großen, reinen Kopf. Sie geht mit dem Kind eine gute Stunde lang fort, aber das Kind, betrunken vom Licht, will lieber unempfindlich werden im Sport. Kaum lässt man es aus den Augen, schmeißt es seine kleinen Knochen in den Schnee, baut Bälle und wirft damit. Der Boden scheint vom Blut wie frisch hergerichtet. Auf dem verschneiten Weg zersplitterte Vogelfedern. Ein Marder oder eine Katze haben ihr natürliches Schauspiel geboten, auf allen vieren kriechend, ein Tier ist gegessen worden. Der Kadaver ist verschleppt worden. Die Frau ist aus der Stadt hierher gebracht worden, wo ihr Mann die Papierfabrik leitet.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des autonomen Subjekts ein und skizziert die methodische Grundlage, die Diskursanalyse mit Literaturwissenschaft verbindet.

2. Die performative Erschaffung von Identität in der Sprachphilosophie: Dieses Kapitel erläutert die performativen Ansätze von Austin und Butler, um zu zeigen, wie Sprache nicht nur beschreibt, sondern Identitäten aktiv konstituiert.

2.1 Handeln durch Worte: Austins Theorie der Performativität: Hier werden die Grundlagen der Sprechakttheorie dargelegt, insbesondere die Differenzierung zwischen konstativen und performativen Äußerungen.

2.2 Performanz, Anrufung, Konstitution: Judith Butlers sprachphilosophischen Erkenntnisse zur Macht der Sprache: Dieses Kapitel analysiert Butlers Übernahme der Althusser'schen Anrufungstheorie, um die Unterwerfung unter Machtstrukturen durch Sprache zu verdeutlichen.

2.3. Die Identität der Geschlechter: Butlers Ansätze zu Sex und Gender: Es wird untersucht, wie Butler die Zweigeschlechtlichkeit als kulturelles Konstrukt demaskiert, das durch ständige performative Wiederholung erzeugt wird.

3. Die kulturell-sprachliche Erzeugung der Identität „Frau“ in Elfriede Jelineks „Lust“: Dieses Kapitel transferiert die erarbeitete Theorie auf Jelineks literarisches Werk und analysiert die Konstruktion von Identität in „Lust“.

3.1 Die Frau als Ehefrau und Sexualobjekt konstituiert durch den Mann: Fokus auf der Reduktion der Frau zum Sexualobjekt und der patriarchalen Machtausübung durch Sprache im Roman.

3.2 Die Performanz in Elfriede Jelineks Sprache: Analyse der pornographischen Wortwahl als performatives Mittel, das die Unterwerfung und Objektivierung der Frau literarisch nachbildet.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Subjekt zwar diskursiv determiniert ist, jedoch durch die bewusste Aneignung der Sprache Widerstandspotenziale gegen den Identitätszwang entwickeln kann.

Schlüsselwörter

Identität, Sprachphilosophie, Judith Butler, Performativität, Elfriede Jelinek, Gender, Sex, Diskurs, Macht, Anrufung, Literatur, Subjektivierung, Patriarchat, Konstruktivismus, Widerstand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sprachphilosophische und literarische Konstruktion von Identität und Geschlecht unter besonderer Berücksichtigung der Macht der Sprache.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören Sprachphilosophie (Performativität), feministische Theorie (Sex/Gender-Debatte) und deren literarische Umsetzung in Elfriede Jelineks Roman „Lust“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, inwiefern menschliche Identität ein autonomes Produkt ist oder ob sie durch gesellschaftliche Diskurse und sprachliche Akte fremdbestimmt und erzeugt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die diskursanalytische Methode von Michel Foucault sowie die performativitätstheoretischen Ansätze von John L. Austin und Judith Butler zur Interpretation literarischer Texte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zur Performativität und eine anschließende literaturwissenschaftliche Analyse von Elfriede Jelineks Roman.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Performativität, Identitätskritik, Subjektkonstitution, Diskurs, Geschlechterrollen und Gender.

Wie unterscheidet Jelinek ihre Darstellung von herkömmlicher Pornographie?

Jelinek nutzt die Sprache der Pornographie, um deren patriarchale Gewaltstrukturen offenzulegen und zu dekonstruieren, statt das Genre der Pornographie einfach zu bedienen.

Gibt es nach Butler einen Ausweg aus der diskursiven Fremdbestimmung?

Butler sieht im Subjekt das Potenzial, durch die Aneignung und Umdeutung der diskursiven Mittel, die es selbst geformt haben, einen Bruch mit der Vergangenheit zu vollziehen und Widerstand zu leisten.

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Details

Title
Identität in Sprachphilosophie und Literatur: Die Konstitution von Wirklichkeit und Geschlecht bei Judith Butler und Elfriede Jelinek
College
University of Lüneburg
Grade
1,0
Author
Daniela Steinert (Author)
Publication Year
2006
Pages
19
Catalog Number
V66177
ISBN (eBook)
9783638588683
ISBN (Book)
9783638776639
Language
German
Tags
Identität Sprachphilosophie Literatur Konstitution Wirklichkeit Geschlecht Judith Butler Elfriede Jelinek
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Steinert (Author), 2006, Identität in Sprachphilosophie und Literatur: Die Konstitution von Wirklichkeit und Geschlecht bei Judith Butler und Elfriede Jelinek, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66177
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