Über Jahrhunderte hinweg erhitzt die Gestalt des Don Juan die Gemüter der Zeitgenossen. Der unvergleichlich populäre Wüstling leidet chronisch unter einer "schlechten Presse" und wird dennoch von allen Kunstgattungen in unzähligen Varianten adaptiert, was seine gesellschaftliche Relevanz bestätigt. Erst in unserer Zeit scheint es modern geworden zu sein, dem einst als so verwegen beschriebenen Abenteurer die Aura unwiderstehlicher Männlichkeit zu nehmen und seine hochgerühmte "geniale" Verführungskraft anzuzweifeln.
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den zwei Werken von Tirso de Molina und Molière. Um Unterschiede zu verdeutlichen, wird zu Beginn der Arbeit verglichen, wie die Hauptfigur Don Juan eingeführt wird und wie sie untergeht. Im zweiten Kapitel geht es um die Frage, welche Rolle der Diener Don Juans jeweils einnimmt bzw. was der Leser durch diese Dienerfigur über die Hauptfigur erfährt.
Da es ohne Frauen keinen Don-Juan-Stoff gäbe, wird in einem weiteren Kapitel die Einstellung Don Juans zu den Frauen betrachtet. Hierbei wird deutlich, dass „die Ehre“ eine sehr wichtige Rolle in beiden Stücken einnimmt.
Der vorletzte Abschnitt versucht deshalb, das Thema Ehre zu beleuchten. Über die Ehre lässt sich schwerlich etwas Haltbares sagen, ohne den Rahmen einer solchen Studienarbeit zu überschreiten. Zunächst wird daher eine Standortbestimmung über den Ehrbegriff in unserer heutigen Zeit gegeben. Davon ausgehend wird die Auffassung von Ehre in den beiden Werken verglichen.
Im letzten Teil gibt die Arbeit eine abschließende Zusammenfassumg der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den zwei Werken von Tirso de Molina und Molière im Wandel der Zeit ihrer Veröffentlichungen.
Neben der Primärliteratur von MOLIÈRE: Don Juam ou Le Festin de pierre und von TIRSO DE MOLINA: Don Juan- Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast, sind für diese Arbeit die Sekundärliteratur von GNÜG, Hiltrud: Don Juan und Don Juans theatralische Existenz. Typ und Gattung und von ALTHOFF, Gabriele: Weiblichkeit als Kunst. Die Geschichte eines kulturellem Deutungsmusters von entscheidender Wichtigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Don Juan
2.1. Die Einführung der Hauptfigur
2.2 Tragischer Abgang des „Herzensbrechers“
3. Rolle des Dieners
4. Die Beziehung des Don Juan zur Frau
5. Die verschiedenen Gesichter der Ehre
6. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Don-Juan-Werke von Tirso de Molina und Molière mit dem Ziel, die Unterschiede in der Charakterisierung der Hauptfigur, der Rolle der Diener, der Beziehung zu Frauen sowie dem Verständnis von Ehre herauszuarbeiten, um den Wandel des Stoffes im historischen Kontext zu verdeutlichen.
- Vergleich der Einführung und des Endes der Hauptfigur Don Juan
- Analyse der Funktionen und Charakteristiken der Dienerfiguren
- Untersuchung der unterschiedlichen Verführungsstrategien und Frauenbilder
- Gegenüberstellung des Ehrbegriffs im spanischen Goldenen Zeitalter und der Molièreschen Zeit
- Einordnung der dramaturgischen Unterschiede in den historischen Wandel
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Einführung der Hauptfigur
In dem Drama von Tirso de Molina wird der Zuschauer gleich zu Beginn mit dem Protagonisten konfrontiert und erlebt ihn dadurch in seinem ureigenen Element.5
Beginn des Dramas:6
Isabella: Octavio, du wirst durch diesen Gang am sichersten hinausgelangen.
Don Juan: Ich schwöre Euch von neuem, Herzogin, daß Euer Jawort mich verpflichtet hält.
Isabella: Mein Liebesglück wird in Erfüllung gehn? All die Versprechungen, Komplimente, Gaben, Neigung und Freundschaft habt ihr ernst gemeint?
Don Juan: Ja, liebes Herz.
Isabella: Ich geh und hol ein Licht.
Don Juan: Weshalb?
Isabella: Ich will mich von dem Werte dessen, den ich umarme, selber überzeugen.
Don Juan: Dann lösch ich dir das Licht aus.
Isabella : Mein Gott, wer bist du?
Don Juan: Wer? Nur ein Mann, der keinen Namen hat.
Molière dagegen beginnt sein Drama mit einer Exposition, in der Sganarell, der Diener Dom Juans, das Wort führt.7 Thema des Gesprächs ist Dom Juan, der Gusmans Herrin Elvira kurz nach der Hochzeit verlassen hat. Als Gusman nach dem Grund dafür fragt, antwortet Sganarell mit einer sehr farbenfrohen Charakteristik seines Herren, die sich durch Beschreibungen wie „[…], den aller größten Verbrecher[…] einen Rasenden, einen tollen Hund, einen Teufel, einen Ketzer,[…] ein Schwein von Epikureer,[…]“8 auszeichnet.
Durch den Einstieg Tirso de Molinas werden wesentliche Momente der Gestalt zur unvermittelten sinnlichen Gegenwart: die Lust am Verführen, am erotisch- sinnlichen Spiel, an Abenteuer und Fopperei. Zwar vermag der Leser das Typische dieses ersten Auftritts noch nicht als typisch zu erkennen, aber er wird vom ersten Augenblick an der dynamischen Gegenwart Don Juans ausgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz des Don-Juan-Stoffes und führt in die Fragestellung des Vergleichs zwischen Tirso de Molina und Molière ein.
2. Don Juan: Dieses Kapitel vergleicht die Einführung der Hauptfigur in beiden Dramen sowie die unterschiedlichen Arten ihres tragischen Abgangs.
3. Rolle des Dieners: Hier werden die Dienerfiguren Catalinón und Sganarell hinsichtlich ihrer Funktion, ihrer Komik und ihrer Beziehung zum jeweiligen Herrn untersucht.
4. Die Beziehung des Don Juan zur Frau: Das Kapitel analysiert die unterschiedlichen Verführungsstrategien und die Objektivierung der Frauen bei beiden Autoren.
5. Die verschiedenen Gesichter der Ehre: Hier wird der komplexe Ehrbegriff der damaligen Zeit, seine Bedeutung für die verschiedenen Figuren und sein Wandel beleuchtet.
6. Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die wesentlichen Unterschiede zwischen den Werken und ordnet diese in den historischen und gesellschaftlichen Kontext des 17. Jahrhunderts ein.
Schlüsselwörter
Don Juan, Tirso de Molina, Molière, Vergleich, Ehre, Verführer, Diener, Sganarell, Catalinón, Verführung, Theater, Literaturgeschichte, 17. Jahrhundert, gesellschaftlicher Wandel, Epochenvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Don-Juan-Dramen von Tirso de Molina und Molière, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Hauptfigur und ihrer Welt zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Charakterisierung Don Juans, die Rolle der Diener, das Bild der Frau, das Verständnis von Ehre sowie die dramaturgische Strukturierung im historischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Wandel des Don-Juan-Stoffes zwischen dem Werk von Tirso de Molina und der nur 35 Jahre später erschienenen Version von Molière aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen komparativen literaturwissenschaftlichen Vergleich, der auf der Analyse von Primärtexten und der Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Einführung der Hauptfigur, den tragischen Abgängen, der Funktion der Diener, der Beziehung zu Frauen und dem Verständnis von Ehre in beiden Stücken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Don Juan, Ehre, Verführung, Literaturgeschichte, Epochenvergleich und Molière/Tirso de Molina.
Inwiefern unterscheiden sich die Darstellungen von Don Juan?
Tirso de Molina stellt Don Juan als sinnlichen Verführer („Burlador“) dar, während Molière seinen Dom Juan eher als intellektuellen Rationalisten und Atheisten konzipiert.
Welche Rolle spielt die „Ehre“ für die Dramen?
Der Ehrbegriff fungiert in beiden Stücken als zentrales, jedoch unterschiedlich gewichtetes Ordnungssystem, wobei die Entehrung der Frauen und deren Folgen für die Adelsgesellschaft in beiden Werken eine entscheidende Rolle spielen.
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- Manuela Schilli (Author), 2006, Tirso de Molinas "Don Juan - Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast" und Molières "Dom Juan ou Le Festin de pierre", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66208