Bernhard von Clairvaux und das Papsttum - Das Verhältnis zu Papst Innozenz II. und Eugen III. im Vergleich


Seminararbeit, 2005
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Person Bernhard von Clairvaux

3. Die Situation der Kirche in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert

4. Bernhard von Clairvaux und das Papsttum
4.1 Das Verhältnis zu Innozenz II.
4.2 Das Verhältnis zu Eugen III.

5. Abschließende Betrachtung

6. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Betrachtet man die Kirchengeschichte der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert, so muss man sich unweigerlich mit der Person Bernhard von Clairvaux auseinander setzen. Der Sohn einer burgundischen Adelsfamilie suchte nach dem Tod seiner Mutter die Flucht aus dem irdischen Leben und die Nähe zu Gott in dem jungen Zisterzienserkloster Cîtaux, dessen Orden im Zuge der Reformierung des monastischen Lebens im 11. Jahrhundert gegründet wurde.

Für den Orden der Zisterzienser, sollte er der wichtigste „Seelenfänger“ werden und als Abt von Clairvaux gingen von seinem Kloster circa 70 Filiationen aus und bis zu seinem Tod unterstanden ihm, inklusive der affiliierten, circa 164 Monasterien seiner geistigen Führung. Doch dem jungen Mönch, bei dem „Frauen um ihre Männer und Söhne bangten“, sollte die Zurückgezogenheit des monastischen Lebens nicht lange vergönnt sein, da seine außergewöhnlichen rhetorischen Fähigkeiten ihn weit über die Grenzen Frankreichs bekannt werden lassen sollten.

Mit dem Kirchenschisma von 1130 und der Parteiergreifung für Innozenz den II. bekam er den Zutritt zur Bühne. Als Begleiter und Legat des Papstes führte ihn sein Weg an die Königshöfe Europas und ließ ihn mit den wichtigsten Vertretern der Kirche in Kontakt kommen. Seine Predigten, Briefe und Reden machten ihn zum wichtigsten Diplomaten Innozenz’, steigerten seine Popularität und Autorität dermaßen, dass er schon zu Lebzeiten an vielen Orten als lebender Heiliger verehrt wurde.

Darum gebeten oder nicht, Bernhard nahm Einfluss auf kirchliche und politische Auseinandersetzungen, klösterliche Streitigkeiten und die Besetzung von Bischofsstühlen, auch wenn diese Angelegenheiten außerhalb seiner Zuständigkeit lagen.

Mit der Wahl Bernardo Pignatellis, zum Papst Eugen III. 1148, stand erstmals ein Zisterzienser und ehemaliger Schüler Bernhards an der Spitze der Kirche. Bernhard scheint dadurch an der Spitze seiner Einflussmöglichkeiten angekommen. Doch das Scheitern des II. Kreuzzuges, für den Bernhard auf Befehl Eugens, neben Franz von Assisi, der wichtigste Werber war, dämpfte seine Popularität und stellte eine Wende im leben des Abtes da.

Ziel dieser Arbeit ist es, seinen Werdegang zu einem der wichtigsten Kirchenpolitiker anhand des Verhältnis Bernhards zu den beiden Päpsten darzulegen und dadurch zu erklären warum man kirchengeschichtlich über das 12. Jahrhundert vom Bernhardschen Jahrhundert sprechen kann.

2. Zur Person Bernhard von Clairvaux

Bernhard wurde 1090, als 3. Sohn der adligen Familie Fontaines, bei Dijon in Frankreich, geboren.[1] Der Legende nach soll seine Mutter eines Tages während ihrer Schwangerschaft geträumt haben, dass „ … sie einen bellenden Hund gebären werde…“. Ein Mönch deutete ihr diesen Traum insoweit, dass sie einen ausgezeichneten Prediger zur Welt bringen werde. Angeblich sollte es auch schon immer ihr Wunsch gewesen sein, dass Bernhard eines Tages ein geistiges Leben führen sollte.[2] Er wurde von seiner Mutter sehr fromm erzogen und besuchte die berühmte Kanoniker Schule in Châtillon-sur-Seine, wo er eine solide Bildung in den natürlichen Wissenschaften erfuhr.[3]

Ob der frühe Tod der Mutter für Bernhard der einzige Entscheidungsgrund zur monastischen conversio war, oder ihn nur in seiner Entscheidung bestärkte, kann nicht genau geklärt werden. Es gibt Quellen die davon sprechen, dass ihn sein Umfeld zunächst von dem Entschluss abbringen wollte, sicher jedoch ist, dass er selbst zweifelte.[4] Zumindest traf er die Entscheidung nicht überstürzt, da er sich mit 30 Gefährten aus seiner Familie und Bekanntenkreis, darunter seinen Vater und vier seiner sechs Geschwister, intensiv auf den Eintritt in das junge Zisterzienserkloster Cîtaux vorbereitet.[5]

Dass seine Wahl auf dieses Kloster fiel, ist damit zu erklären, dass der junge Orden der Zisterzienser versuchte die Lehre des heiligen Benedikts strenger und näher zu folgen, als der Orden von Cluny.[6] Hier zeigt sich auch das erste Mal, über welch große Überzeugungskraft und Wirkung auf Menschen Bernhard verfügt haben muss.

In Cîtaux nimmt er seine Aufgaben und die Ausbildung sehr ernst und bekommt dafür die Wertschätzung der Oberen, obwohl er zunächst eher durch seine Zurückgezogen und Bescheidenheit auffällt. Trotzdem wird er bereits 1115, im zweiten Jahr seiner Konventsangehörigkeit, mit 25 Jahren zum Gründer und Abt des Klosters Clairvaux bestimmt.[7]

Die Stellung als Abt ist die höchste Position, die er in seinem Leben besetzen sollte, obwohl ihm im Laufe seines Lebens die Bischofswürde in mehreren Städten angeboten wurde. Denn Bernhard von Clairvaux suchte Zeit seines Lebens nach dem Leben für Gott und in der klösterlichen Abgeschiedenheit von der Welt. So beschränkt sich sein Handeln zunächst auf den Ausbau von Clairvaux und Angelegenheiten innerhalb des Ordens.

Er strebte nicht nach Einfluss und Macht, es war der exzellente Ruf seiner rhetorischen Fähigkeiten und Charismas, die ihn in- und außerhalb des Zisterzienserordens berühmt machten und ihn zu einem der wichtigsten Personen in der Kirchengeschichte des 12. Jahrhunderts machen würden.

Der docter mellifus fand den Zutritt zu politischen Bühne der römischkatholischen Kirche über die Auseinandersetzung des Bischofs Gottfrieds von Chatres mit Ludwig dem IV., in dem Streit über den Einfluss des französischen Königs auf Besetzung einer Reihe von nordfranzösischen Bischofsämtern.[8] Von da an beginnt die Karriere Bernhards, als rastlosem Kämpfer für die Kirche und „Vermittler an die Kurie“[9], der meistens im Interesse seines Ordens, aber immer nach reinem Gewissen und im Glauben an Christus handelte.

3. Die Situation der Kirche in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert

Die Welt in die Bernhard geboren wurde, befand sich gesellschaftlich, technisch und geistlich im Umbruch. Eine verbesserte Bewirtschaftung des Bodens führte zu wachsenden Bevölkerungszahlen und dadurch bedingt zum Anstieg städtischer Bevölkerung und verstärkter Migration.[10] Die Jahrhundertwende wurde in ganz Europa von der Frage nach dem Verhältnis von Kirche und weltlicher Gewalt geprägt. Der Kampf der Reformpäpste richtete „[…] sich gegen die Simonie in der Kirche, konkret gegen den Kauf kirchlicher Ämter […], Ehe oder Konkubinat von Klerikern, […] Eheschließung unter Laien verbotener Verwandtschaftsgrades und ist in der Geschichte als Investiturstreit verzeichnet.“[11]

Diese Bewegung musste auf eine Zentralisierung der Kirche und den Konflikt zwischen derselben mit der weltlichen Gewalt hinauslaufen. Es sollte weiter einzig die Aufgabe der Kirche sein, „ […] die Lebensführung von Klerikern, Mönchen und regellos zurückgezogen lebenden Frommen zu überwachen sowie Glaube und Sitte zu achten.“[12] Der Investiturstreit fand unter Findung eines Kompromisses zwischen dem Papst und dem deutschen König 1122 auf dem Wormser Konkordat ein Ende.[13]

[...]


[1] Vgl. Dinzelbacher, Seite 3; Winkler Seite 15: Binding, Spalte 1992.

[2] Ebd. Seite 3; Winkler, Seite 31.

[3] Ebd. Seite 6; Winkler, Seite 31.

[4] Ebd. Seite 9 und 15;

[5] Ebd. Seite 18; Binding, Spalte 1992.

[6] Ebd. Seite 14.

[7] Ebd. Seite 31; Binding, Spalte 1992.

[8] Vgl. Dinzelbacher, Seite 123-125.

[9] Vgl. Teubner–Schoebel.

[10] Vgl. Barraclough, Groffrey, Seite 235; Vgl. Parisse, Seite 136.

[11] Ktoczowski, Seite 88 -90.

[12] Ebd. Seite 182.

[13] Ebd. Seite 82.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bernhard von Clairvaux und das Papsttum - Das Verhältnis zu Papst Innozenz II. und Eugen III. im Vergleich
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
'St. Franz baut in der Stadt sein Haus …'
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V66244
ISBN (eBook)
9783638589178
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernhard, Clairvaux, Papsttum, Verhältnis, Papst, Innozenz, Eugen, Vergleich, Franz, Stadt, Haus
Arbeit zitieren
Michael Sauer (Autor), 2005, Bernhard von Clairvaux und das Papsttum - Das Verhältnis zu Papst Innozenz II. und Eugen III. im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66244

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