Anfang der 1970er entstand eine neue Art der Finanzierung in den USA. Die Asset-Backed-Securities (ABS). Als erstes wurden Hypothekardarlehen verbrieft. Später wurden dann noch andere Aktiva einbezogen. Ihr Einsatz stellt eine wesentliche Entwicklung der letzten Jahre an den internationalen Finanzmärkten zur Unternehmensfinanzierung dar. Der Grundgedanke dieser Finanzierungsform ist die Verbriefung von ursprünglich nicht handelbaren Aktiva in fungible Wertpapiere. Vor allem in den USA ist diese Art der Finanzierung weit verbreitet. Nachdem durch die Neufassung der Eigenkapitalrichtlinien des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) die Eigenkapitalanforderungen an Untenehmen gestiegen sind, sind diese bestrebt, ihr Rating und ihre Bilanzkennzahlen zu verbessern. Zur Stärkung der Eigenkapitalquote bieten sich Verbriefungstransaktionen sehr gut an. Allerdings ist die Verbreitung in Deutschland noch relativ gering.
Im Folgenden wird die bilanzielle Abbildung von ABS nach IFRS innerhalb eines Konzerns dargestellt. Dabei geht es im Wesentlichen um die Zuordnung von Zweckgesellschaften zum Konsolidierungskreis und der Frage, wie stark eine Zweckgesellschaft beherrscht werden muss, um dem Konsolidierungskreis anzugehören. Reicht eine wirtschaftliche Beherrschung schon aus oder müssen gesellschaftsrechtliche Aspekte berücksichtigt werden? Hierbei sei an den Enron Konzern erinnert, der Schulden auf nicht konsolidierungspflichtige Zweckgesellschaften übertragen hat, um für seine Expansionsstrategie ein besseres Bild der wirtschaftlichen Lage präsentieren zu können. Im Anschluss sollen die Anforderungen dargestellt werden, die im Falle der Konsolidierung nötig sind, um dennoch eine Bilanzverkürzung zu erreichen. Im Mittelpunkt dieses Problemfeldes stehen die Kriterien zur Ausbuchung. Dazu müssen eine ganze Reihe von Anforderungen erfüllt werden. Hierbei wird nur auf die Betrachtungsweise eines Forderungsverkäufers eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Asset Backed Securities
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Funktionsweise und Ziele
2.3 Bilanzielle Vorgehensweise im Einzelabschluss und im Konzern
3 Behandlung von Zweckgesellschaften im Konzernabschluss
3.1 Abgrenzung des Konsolidierungskreises
3.2 Zusätzliche Anforderungen nach SIC-12
3.3 Art und Weise der Abbildung im Falle einer Konsolidierung
4 Problematik der Ausbuchung von Forderungsverkäufen
4.1 Kriterien zur Ausbuchung
4.2 Verschiedene Stufen bei der Ausbuchung
4.2.1 Erste Hürde „Pass through arrangement”
4.2.2 „Risks and Rewards“ als zweite Hürde
4.2.3 „Continuing Involvement“
5 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die bilanzielle Behandlung von Asset-Backed-Securities-Transaktionen (ABS) nach IFRS innerhalb eines Konzerns, wobei der Fokus auf der Konsolidierung von Zweckgesellschaften und den Kriterien für die Ausbuchung übertragener Forderungen liegt.
- Grundlagen und Definition von ABS-Transaktionen
- Konsolidierungskriterien für Zweckgesellschaften (SPE) nach IAS 27 und SIC-12
- Prüfung der Ausbuchungsvoraussetzungen gemäß IAS 39
- Analyse des "Pass through arrangement" und "Risks and Rewards"-Ansatzes
- Problematiken bei der Bilanzierung eines "Continuing Involvement"
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Erste Hürde „Pass through arrangement”
Hierbei handelt es sich um eine „Durchreichvereinbarung“26. Dies bedeutet, dass der Originator weiterhin den Zahlungseingang der Schuldner überwacht und übernimmt. Dieses Geld wird anschließend an die Investoren weitergeleitet. Bei Verbriefungen behält das Unternehmen die vertraglichen Rechte auf den Bezug von Cashflows zurück. Aus diesem Grund muss der Konzern beweisen, dass er keine Vermögenswerte mehr besitzt, sondern nur noch die Zahlungen an die Investoren weiterleitet. Dazu muss das Unternehmen die folgenden drei Kriterien kumulativ erfüllen (vgl. IAS 39.19):
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einführung in die Finanzierungsform der ABS und Darlegung der bilanziellen Problematik bei der Konsolidierung und Ausbuchung nach IFRS.
2 Asset Backed Securities: Definition der ABS-Transaktionen, deren Funktionsweise und Ziele sowie die Abgrenzung zu anderen Finanzierungsinstrumenten.
3 Behandlung von Zweckgesellschaften im Konzernabschluss: Analyse der Konsolidierungspflicht für Zweckgesellschaften unter Berücksichtigung von IAS 27 und der interpretierenden Regelungen durch SIC-12.
4 Problematik der Ausbuchung von Forderungsverkäufen: Detaillierte Untersuchung der IAS 39-Kriterien für die Ausbuchung, insbesondere die Hürden des "Pass through", der "Risks and Rewards" und des "Continuing Involvement".
5 Thesenförmige Zusammenfassung: Abschließende Synthese der Ergebnisse zur bilanziellen Abbildung und den damit verbundenen Anforderungen.
Schlüsselwörter
Asset Backed Securities, ABS, IFRS, Zweckgesellschaft, SPE, Special Purpose Entity, Konsolidierung, Forderungsverkauf, Ausbuchung, IAS 39, SIC-12, Risks and Rewards, Pass through arrangement, Continuing Involvement, Originator
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung von ABS-Transaktionen (Asset Backed Securities) im Konzernabschluss nach IFRS-Rechnungslegungsvorschriften.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Konsolidierung von Zweckgesellschaften (SPEs) und die Voraussetzungen für die Ausbuchung von Forderungen nach einer Verbriefung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zweckgesellschaften im Konzernabschluss zu behandeln sind und welche strengen Kriterien erfüllt sein müssen, um Forderungsverkäufe bilanziell wirksam auszubuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse der maßgeblichen IFRS-Standards (insb. IAS 27, IAS 39) und Interpretationen (SIC-12), ergänzt um Fachliteratur und Stellungnahmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von ABS, die Abgrenzung des Konsolidierungskreises für SPEs sowie den mehrstufigen Prozess zur Ausbuchung von Forderungen (Pass through, Risks and Rewards, Continuing Involvement).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ABS, IFRS, Zweckgesellschaft (SPE), Konsolidierung, Forderungsverkauf und Ausbuchungskriterien geprägt.
Warum ist das "Pass through arrangement" eine kritische Hürde?
Weil der Konzern nachweisen muss, dass er Forderungen nur als Durchleiter für Zahlungen an Investoren fungiert und keine eigenen Verfügungsmacht mehr über die Vermögenswerte besitzt.
Welche Auswirkung hat ein "Continuing Involvement"?
Es führt laut der Arbeit zu einem "bizarren und doppelten Ausweis" in der Bilanz, da sowohl eine Forderung als auch eine Verbindlichkeit angesetzt werden müssen, was das wirtschaftliche Bild verzerren kann.
- Quote paper
- Thomas Seitter (Author), 2006, Bilanzielle Abbildung von ABS-Transaktionen nach IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66286