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Die Opferproblematik in Hebbels "Agnes Bernauer"

Title: Die Opferproblematik in Hebbels "Agnes Bernauer"

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Elisabeth Kaulen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Hebbels Interesse am Opferproblem zeigt sich wie in vielen seiner Dramen auch in der „Agnes Bernauer“. So wird Agnes Tod sowohl von Herzog Ernst als auch von der Protagonistin als Opfer bezeichnet. Im Verlauf dieser Arbeit soll die Opferproblematik in Hebbels Werk nun genauer untersucht werden. Es stellt sich die Frage, ob und inwiefern Agnes Tod als Opfer zu werten ist und inwieweit Agnes Opfer einen Einblick in den Charakter der Heldin ermöglicht. In einem ersten Schritt soll daher zunächst geklärt werden, ob und inwiefern sich Agnes Tod mit Hilfe des Sündenbock- Modells erklären lässt und welche Funktion ihr Tod hier erfüllt. Weiterhin soll gezeigt werden, ob und inwiefern Agnes zu Recht als „reinstes Opfer, das der Notwendigkeit im Lauf der Jahrhunderte gefallen ist“ bezeichnet werden kann. In diesem Zusammenhang soll Hebbels Auffassung der Thematik dargestellt und ihre Auswirkung auf die Gestaltung der einzelnen Charaktere genauer untersucht werden. Der letzte Teil dieser Arbeit soll Agnes Bereitschaft zum Opfer und zur Selbstaufgabe näher untersuchen.
Im Folgenden soll der Begriff „Opfer“ zunächst jedoch genauer definiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Opferdefinitionen und Opfertheorien

3. Agnes als Sündenbock

4. Agnes – das reinste Opfer der Notwendigkeit

5. Agnes Opferbereitschaft

6. Agnes Opfer aus Liebe

7. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Opferproblematik in Friedrich Hebbels Drama „Agnes Bernauer“, mit dem zentralen Fokus darauf, ob der Tod der Protagonistin als legitimes Opfer gewertet werden kann und welche Rolle Agnes dabei innerhalb der gesellschaftlichen und staatlichen Notwendigkeiten einnimmt.

  • Analyse des Opferbegriffs und relevanter Opfertheorien.
  • Untersuchung der Funktion von Agnes als Sündenbockfigur.
  • Diskussion des Konflikts zwischen privatem Liebesglück und staatlicher Staatsräson.
  • Beurteilung der Opferbereitschaft der Heldin im Kontext ihrer moralischen Integrität.
  • Vergleich der Leidensgeschichte von Agnes mit religiösen Motiven.

Auszug aus dem Buch

3. Agnes als Sündenbock

In zahlreichen Opfertheorien wird die soziale Funktion des Opfers betont. So gehen zum Beispiel Hubert und Mauss in ihrem Aufsatz Essai sur la nature et la fonction du sacrifice als einer der Ersten davon aus, dass das Opfer nicht nur der Kommunikation mit Gott dient, sondern der Gesellschaft auch anderweitig zugute kommt. Nach ihrer Auffassung verfolgen sacrifices curatifs (Heilungsopfer) und sacrifices expiatoires (Sühneopfer) dasselbe Ziel, nämlich die Unreinheit des Opferers und der Gemeinschaft auf das Opfertier zu übertragen um sich durch die Elimination des Opfers von dieser zu befreien. Die oben beschriebene Sündenbock-Praxis liefert hierfür ein Beispiel. Auch der Literatur- und Kulturwissenschaftler Renè Girard bezieht sich in der von ihm in seinem Werk Das Heilige und die Gewalt aufgestellten Theorie zur Erklärung des Opfers auf den Sündenbockmechanismus. In seiner Erklärung des Opfers geht Girard von einer Krise der Unterschiede aus, d.h. von „einer Krise der kulturellen Ordnung insgesamt“. Rangordnungen, so argumentiert er, machen die Zuordnung von Menschen in ihren Beziehungen zueinander erst möglich und geben den Dingen innerhalb eines organisierten Ganzen erst einen Sinn. Ähnlich argumentiert auch Herzog Ernst, wenn er das hierarchische System des Staates als eine Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Ordnung verteidigt (5.10). Bei Verlust dieser Unterschiede wird die Gesellschaft von einer epidemischen Ausbreitung der Gewalt bedroht, die nur beendet werden kann, indem sich ein Opfer findet, dass für das Ausbrechen der Krise verantwortlich gemacht werden kann und in einem neuerlichen Akt der Gewalt vertrieben oder getötet wird und so eine neue Ordnung herstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Opferproblematik in Hebbels Werk und erste Hinführung zum Sündenbock-Modell.

2. Opferdefinitionen und Opfertheorien: Herleitung des Opferbegriffs aus etymologischen und religionsphilosophischen Perspektiven sowie dessen Bedeutung in verschiedenen Kontexten.

3. Agnes als Sündenbock: Analyse der gesellschaftlichen Krise im Drama und Agnes' Funktion als stellvertretendes Opfer zur Wiederherstellung der staatlichen Ordnung.

4. Agnes – das reinste Opfer der Notwendigkeit: Untersuchung der staatlichen Sichtweise, die Agnes' Tod als notwendiges Mittel zur Sicherung der Erbfolge und des Fortbestands des Staates rechtfertigt.

5. Agnes Opferbereitschaft: Kritische Betrachtung der Haltung der Protagonistin und ihres Umgangs mit den moralischen Anforderungen und persönlichen Opfern.

6. Agnes Opfer aus Liebe: Beleuchtung der bewussten Entscheidung von Agnes für den Tod, um ihre sittliche Reinheit zu bewahren.

7. Schlusswort: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur Doppelrolle von Agnes als Opfer gesellschaftlicher und innerer Notwendigkeiten.

Schlüsselwörter

Agnes Bernauer, Friedrich Hebbel, Opfertheorie, Sündenbock, Staatsräson, Martyrium, Sittlichkeit, Tragik, Schuld, Notwendigkeit, gesellschaftliche Ordnung, Selbstaufgabe, Moral, Liebe, Hierarchie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das zentrale Motiv des „Opfers“ in Friedrich Hebbels Drama „Agnes Bernauer“ aus verschiedenen literaturwissenschaftlichen und theoriegeleiteten Perspektiven.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören das Sündenbock-Modell, die politische Notwendigkeit staatlichen Handelns (Staatsräson) und der ethische Konflikt der Protagonistin zwischen persönlichem Glück und ihrem sittlichen Anspruch.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob Agnes Tod als Opfer zu werten ist, welche Funktion er innerhalb des Dramas erfüllt und inwieweit er einen Einblick in den Charakter der Heldin ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textanalytischen und kulturwissenschaftlichen Untersuchung, die bekannte Opfertheorien (u.a. von René Girard) auf die dramatischen Gegebenheiten des Stückes anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur sozialen Funktion des Opfers, die Rolle der Protagonistin als Sündenbock, die Notwendigkeit von Agnes Tod aus staatlicher Sicht sowie eine Auseinandersetzung mit ihrer persönlichen Opferbereitschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Agnes Bernauer, Sündenbock, Staatsräson, Opfertheorie, Sittlichkeit und innere Notwendigkeit.

Wie steht Agnes Bernauer zu ihrer eigenen Opferung?

Agnes wird zwar primär durch den Staat zur Opferung gezwungen, um einen drohenden Bürgerkrieg abzuwenden, wählt jedoch am Ende den Tod gegenüber einem „befleckten Leben“, um ihre persönliche sittliche Reinheit zu bewahren.

Welche Rolle spielt Herzog Ernst in diesem Kontext?

Ernst fungiert als oberster Vertreter der staatlichen Ordnung, der Agnes als notwendiges Opfer ansieht, um die Stabilität des Staates zu sichern, wobei er dies nicht aus Bosheit, sondern als schwere, pflichtgebundene Entscheidung betrachtet.

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Details

Title
Die Opferproblematik in Hebbels "Agnes Bernauer"
College
University of Bonn  (Germanistisches Seminar)
Course
Wilde Frauen
Grade
1,3
Author
Elisabeth Kaulen (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V66316
ISBN (eBook)
9783638589635
ISBN (Book)
9783656794240
Language
German
Tags
Opferproblematik Hebbels Agnes Bernauer Wilde Frauen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabeth Kaulen (Author), 2004, Die Opferproblematik in Hebbels "Agnes Bernauer", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66316
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