Osnabrück - Stadt des Westfälischen Friedens


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Auswirkungen auf Politik und Infrastruktur der Stadt
2.1 Die Unterbringung der Kongressteilnehmer

3. Warum dauerte der Kongress so lange?
3.1 Verständigungsschwierigkeiten
3.2 Das Postwesen
3.3 Einfluss auf das Leben in der Stadt

4. Bedeutung des Kongresses

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unter dem Begriff Westfälischer Friede findet sich in fast jedem Lexikon eine Erläuterung. Dabei wird jedoch meistens nur auf die wesentlichen Vertragspunkte eingegangen oder es werden die Stichworte Augsburger Religionsfriede, Dreißigjähriger Krieg und Reichsverfassung genannt.[1] Anlässlich der Jubiläen zum 300- und 350-jährigen Bestehen des Friedensschlusses gab es viele Publikationen für den Bereich Osnabrück und Münster, die von Ausstellungskatalogen bis zu kleinen Faltblättern reichten. Insofern trifft auf dieses Gebiet nicht die Aussage von Gerhard Schormann zu, dass bisher „viel zu wenig Regionaluntersuchungen über die Kriegauswirkungen auf die Wirtschaft im ländlichen Bereich vorliegen“.[2] Vielmehr gilt es, für diesen Bereich aus einer Fülle von Informationen die wesentliche und wissenschaftlich fundierte Literatur herauszufinden. Das Standardwerk ‚Der Westfälische Frieden’ von Fritz Dickmann, war eine der Hauptquellen für diese Hausarbeit.[3] Sie beschäftigt sich mit dem Einfluss, den das Kongressleben auf die Stadt und ihre Einwohner hatte. Dabei werden das alltägliche Leben und die Infrastruktur, sowie die Umgebung der Stadt betrachtet. Im Folgenden sollen kurz die für Osnabrück bedeutungsvollsten Regelungen, die im Friedensvertrag fixiert wurden, angesprochen werden. Auch wenn sich die vorliegende Analyse im Wesentlichen mit den Wirkungen des Kongresses auf die Stadt Osnabrück beschäftigt, so wird auch Münster immer wieder eine Rolle spielen, da die Verhandlungen parallel liefen und sich gegenseitig beeinflussten.

Grundlage für die Verhandlungen war der Friedenspräliminarvertrag, in dem festgelegt wurde, dass es einen Universalfriedenskongress in Osnabrück und Münster geben sollte. Auf diesen Vertrag konnten sich schwedische, französische und die kaiserliche Diplomaten 1641 in Hamburg verständigen.[4] Ab 1643 reisten die Gesandten nach Osnabrück und Münster, wo der Kongress am 4.12.1644 begann. Nachdem es einige frühere Termine gegeben hatte, die nicht eingehalten worden waren, hatte man sich auf diesen geeinigt. Bis 1645 kam es auf dem Kongress jedoch zu keinen großen Fortschritten. Dies änderte sich mit der Niederlage des Kaisers in der Schlacht bei Jankau.[5] Der Kaiser geriet militärisch immer mehr unter Druck und befürchtete, noch mehr zu verlieren, wenn er sich nicht auf ernst gemeinte Verhandlungen einließe.[6] Daraufhin ließ der Kaiser am 29.8.1645 alle Reichsstände, die sonst an Reichstagen teilgenommen hatten wie zu einem Reichstag zum Friedenskongreß einladen.[7] Das schwächte die Position des Kaisers und freute Spanien und Frankreich, da dadurch ihre Positionen gestärkt wurden.[8] Da die Reichsstände bei zu treffenden Entscheidungen auf ihre üblichen Beratungsformen wie „Fürstenkurie und Städtekurie“ zurückgriffen dauerte eine Übereinkunft entsprechend lange.

2. Die Auswirkungen auf Politik und Infrastruktur der Stadt

Bevor die Entscheidung fiel, den Kongress in Münster und Osnabrück stattfinden zu lassen, war über viele andere Städtepärchen nachgedacht worden. Einige Vorschläge dazu waren die Städte Köln-Hamburg, Mainz-Frankfurt oder Worms-Speyer[9], die sich letztendlich allerdings nicht durchsetzen konnten. Die Entscheidung für zwei Kongressorte wird damit begründet, dass sich die Katholiken und Protestanten nicht (bewusst oder unbewusst) gegenseitig belästigen sollten. So sollte der konfessionelle Kleinkrieg zwischen den Diplomaten und ihrem Personal vermieden werden.[10]

Als zweite Begründung wird angeführt, dass die Angelegenheiten des Kaisers mit den Reichsständen und Schweden, sowie die zwischen dem Kaiser und Frankreich separat zu klären seien. Dabei wurde aber betont, dass trotz der örtlichen Trennung die beiden Kongresse als einer anzusehen seien. Als weiterer Vorteil für diese Städte ist sicherlich auch die Nähe zueinander, die, anders als das Städtepaar Köln-Hamburg, nur eine knapp halbtägige Reise voneinander trennte.[11]
Gegen die ausgewählten Städte sprach, dass sie bisher über keinerlei Erfahrungen mit einer Versammlung dieser Größenordnung verfügten. Da dies die bisher größte Diplomatenversammlung Europas war, hätten höchstens die Reichtagsstädte etwas von dem Organisationsaufwand und den logistischen, infrastrukturellen und sicherheitspolitischen Problemen ahnen können.[12] Die Reichskonvente waren von der gastgebenden Stadt mit Hilfe des Reichsmarschalls organisiert worden. Auf diesen durften die Verhandlungsstädte jedoch nicht zurückgreifen, da es sich nicht um einen Reichskonvent handelte.[13]

Nachdem die Entscheidung für die westfälischen Schwesternstädte gefallen war, wurden die Städte und die Verbindungsstraßen für neutral erklärt.[14] Das hatte zur Folge, dass die Schweden, die Osnabrück seit 1633 besetzten, abziehen mussten. Die Stadt profitierte von dem Abzug der Truppen insofern, als dass sie nun die vormals rund 600 Mann starke Garnison nicht mehr zu versorgen hatte. 1633 mussten außerdem 40.000 Reichstaler an die Schweden gezahlt werden, damit diese die Stadt nicht brandschatzten. Somit hatten die Osnabrücker erhebliche wirtschaftliche Einbußen erlitten. Mit dem Rückzug war allerdings auch verbunden, dass der bisher von den Soldaten ausgeführte Wachdienst nun wieder von der Bürgern der Stadt ausgeführt werden musste, was nicht reibungslos verlief. Dies brachte jedoch keine schwerwiegenden Beeinträchtigungen für den Kongress mit sich.[15]

Was den Kongress allerdings beeinflusste war die finanzielle Situation des Gastgebers. Viele Protestantenfamilien waren wegen des Bischofs Wilhelm aus der Stadt geflüchtet, wodurch diese weiteren finanziellen Schaden nahm, da ihr Steuereinnahmen fehlten.[16] Eine weitere Einnahmequelle für Steuern war zuvor der Handel gewesen. Dies war vor allem deshalb gewinnbringend, da alle Waren sowohl beim Import, als auch beim Export in die Stadt besteuert wurden[17]. Doch aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen konnte nicht ausreichend Handel betrieben werden wie zu Friedenszeiten. Dadurch stiegen auch die Lebensmittelpreise, worüber sich die Gesandten beschwerten. Zeitweise waren die finanziellen Mittel der Stadt so erschöpft, dass die Lehrer des Ratsgymnasiums nicht bezahlt werden konnten und daraufhin drohten zu streiken.[18] Die Gläubiger der Stadt erhofften sich mit dem Einzug der Gesandten neue Einnahmequellen für die Stadt, die damit ihre Schulden begleichen sollte. Deshalb übten sie Druck auf die Stadt aus, als ob diese nicht schon genug gefordert sei. Denn obwohl die Einnahmen der Stadt tatsächlich stiegen, so wurden auch die Ausgaben höher und es bildete sich kein Überschuss für die Schuldentilgung.[19]

Doch mit den Gesandten kamen auch positive Veränderungen für Osnabrück. So war ein positiver Aspekt für den Handel die Einführung von einheitlichen Maßen und Gewichten. Dies wurde fällig aufgrund überhöhter Preise und zahlreichen Beschwerden.[20] Die strenge Kontrolle bildete eine wichtige Grundlage, um den Kauf von Waren zu fördern.

2.1 Die Unterbringung der Kongressteilnehmer

Insgesamt nahmen 194 Vertretungen an den Verhandlungen teil.[21] Diese vertraten die 16 europäischen Staaten, 140 Reichsstände und 38 andere Interessierte. Insgesamt nahmen 176 Gesandten an dem Kongress teil.[22] Wenn man dazu die Einwohnerzahl der Stadt Osnabrück im Jahre 1648 betrachtet, die mit 5000-6000[23] angegeben wird, so würden 80 Gesandte nicht sehr auffallen. Aber die Gesandten reisten nicht alleine, sondern mit teilweise riesigen Gesandtschaften an. Diese reichten in Osnabrück von 144 Personen bei Oxenstierna über die dänische Gesandtschaft mit 106 Gefolgsleuten bis zu der vergleichsweise kleinen Delegation von Brömser/Krebs mit 18 oder noch kleineren Gruppen mit sogar nur vier Mitgliedern. Die größten Gesandtschaften in Osnabrück setzten sich, aus 15 Gesandten und ihren ca. 550 Begleiter zusammen.[24] Zusätzlich zu dem Personal kamen noch die Familienmitglieder und andere Angehörige. Eine logistische Herausforderung waren die mitgebrachten Einrichtungsgegenstände, wie Möbel, Teppiche, Gemälde und alles andere, was sonst noch das Leben in der Ferne angenehmer und heimatlicher gestalten konnte. Auf diese Weise sollte sicherlich auch der als niedrig empfundene westfälische Lebensstandard an das gewohnte Niveau angeglichen werden.[25] Aufgrund des Anspruches, den die meisten Gesandten hatten, lassen sich auch die im Verhältnis zur Miete sehr hohen Reparaturkosten für die Wohnungen erklären. Die Wohnungen wurden größtenteils als nicht bewohnbar eingestuft und die teilweise jahrelange Aufenthaltsdauer der Abgeordneten kann diese Ausbesserungen rechtfertigen.[26]

[...]


[1] Brockhaus Enzyklopädie. 17. Auflage, Band 20, Wiesbaden 1974. S. 260.

[2] Schormann, Gerhard: Der Dreißigjährige Krieg. 2. Auflage, Göttingen 1993. S. 129.

[3] Dickmann, Fritz: Der Westfälische Frieden. Münster 1965.

[4] Galen, Hans (Hrsg.): Der Westfälische Frieden. Krieg und Frieden, Greven 1987. S.11.

[5] Lundkvist, Sven: Die schwedischen Friedenskonzeptionen und ihre Umsetzung in Osnabrück., in: Historische Zeitschrift, Band 26, München 1998. S. 351.

[6] Diese Befürchtungen schlugen sich immer mehr in den Anweisungen an seinen Hauptgesandten Trautmannsdorff nieder, der weit reichende Handlungsfreiheiten bekam.

[7] Schilling, Heinz: Das Reich und die Deutschen. Aufbruch und Krise Deutschland 1517-1648. Berlin 1994. S. 451.

[8] Duchhardt, Heinz: Der Westfälische Friede. Ein Schlüsseldokument der neueren Geschichte., in: Kaster, Karl Georg; Steinwascher, Gerd (Hrsg.): „…zu einem stets währenden Gedächtnis“. Die Friedenssäle zu Münster und Osnabrück und ihre Gesandtenporträts. Bramsche 1996. S.16.

[9] Von Dickmann (Der Westfälische Frieden. Münster 1965.) werden auch noch die Varianten Frankfurt-Köln, Hamburg-Lübeck genannt.

[10] Duchhardt: S.12.

[11] Schilling: S. 451.

[12] Duchhardt: S.13.

[13] Bosbach, Franz: Die Kosten des Westfälischen Friedenskongress. Eine strukturgeschichtliche Untersuchung. Münster 1984. S. 109.

[14] Schilling: S. 451.

[15] Bußmann, Klaus; Schilling, Heinz (beide Hrsg.): 1648 Krieg und Frieden in Europa, 26. Europaratsausstellung, Ausstellungskatalog, Münster/Osnabrück 1998. S. 277.

[16] Philippi: S. 158.

[17] Philippi: S. 161.

[18] Philippi: S. 159.

[19] Philippi: S. 158.

[20] Philippi: S. 173.

[21] Bei dieser und allen folgenden Zahlen (außer anders angegeben) beziehe ich mich auf die Angaben von Bosbach. Besonders bei Zahlen variieren die Angaben in der Literatur, aber hier geht es um Dimensionen und nicht um absolute Genauigkeit. Schwierig ist auch immer die Definition, die festlegt, wer zu dem -in diesem Fall- Personenkreis hinzuzählt und wer nicht. Ebenso können die Zahlenangaben in anderen Quellen auch Momentaufnahmen sein und das Ergebnis entsprechend variieren.

[22] Die Zahlen beziehen sich auf beide Städte. Bosbach, Franz: S. 14 und S. 31.

[23] Galen, Hans (Hrsg.): Der Westfälische Frieden. Krieg und Frieden, Greven 1987. S. 104.; Philippi: S. 156: 6000 Einwohner.

[24] Bosbach: S. 22-24. Die Zahlen sind teilweise Schätzungen oder Personalanforderungen bzw. -vorschläge, weswegen keine genauen Zahlen angegeben werden können.

[25] Bosbach: S. 109.

[26] Bosbach: S. 117.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Osnabrück - Stadt des Westfälischen Friedens
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V66337
ISBN (eBook)
9783638589741
ISBN (Buch)
9783638753869
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Osnabrück, Stadt, Westfälischen, Friedens, Dreißigjährige, Krieg
Arbeit zitieren
Birte Wachtel (Autor), 2005, Osnabrück - Stadt des Westfälischen Friedens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66337

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