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Geschichte vermarkten - Eventkultur als Arbeitsfeld

Title: Geschichte vermarkten - Eventkultur als Arbeitsfeld

Diploma Thesis , 2006 , 97 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Julian Blomann (Author)

Cultural Studies - Empiric Cultural Studies
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Summary Excerpt Details

Ein zunehmendes Geschichtsinteresse in der Öffentlichkeit hat dazu geführt, dass ein neuer Markt mit zahlreichen historischen und historisierenden Angeboten, wie z.B. Living History Stadtführungen, historischen Märkten und Festen, entsprechender Versandhandel, etc. entstanden ist. Da die Akteure größtenteils privaten oder privat-wirtschaftlichen Initiativen entstammen, blieb diese Entwicklung weitgehend unbeachtet von historischen Instituten. Selbstständige Unternehmer gestalten diesen Markt und damit auch gleichzeitig ein bestimmtes Geschichtsbild, somit wird es höchste Zeit, dass die Geschichtswissenschaft ihr Interesse für diese spezielle Form der Geschichtsvermittlung deutlich ausbaut. Schließlich sind es weniger die wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus denen der Normalbürger sein historisches Wissen bezieht sondern Romane, Filme, Dokumentationen und seit einiger Zeit auch vermehrt historische oder historisierende Veranstaltungen aller Art.
Diese Arbeit konzentriert sich vor allem auf den bisher kaum erforschten und noch relativ jungen Bereich der historischen Veranstaltungen, neudeutsch häufig als Events bezeichnet.
Besonders dieser Marktbereich existiert im Spannungsfeld zwischen eigenem oder vom Kunden erwartetem historischen Anspruch auf der einen Seite, und ökonomischen Zwängen auf der anderen Seite.
Dies führt zu der eher ungewöhnlichen Situation, dass sich eine kulturwissenschaftliche Diplomarbeit mit Themen wie Marktforschung und Qualitätssicherung beschäftigt. Als Grundlage zur Bearbeitung meiner Fragestellung dienen mir nach sozialwissenschaftlichen Umfragetechniken gesammelte Daten. Zu diesem Zweck wurde von mir eine Umfrage erstellt, die ich als Online-Fragebogen an ca. 1.000 Adressen aus dem Bereich der historischen oder historisierenden Veranstaltungen (Händler, Hersteller, Veranstalter, Darsteller, etc.) versendet habe. So wird zunächst der momentan herrschende „Ist-Zustand“ im Bereich der historischen und historisierenden Veranstaltungen aus wissenschaftlicher Sicht dargestellt und unter dem Gesichtspunkt der historischen Qualität betrachtet. Hierauf aufbauend werden existierende Stärken und Schwächen sowie Risiken und Chancen der Veranstaltungen herausgearbeitet, um abschließend aus den so gefundenen Ergebnissen Empfehlungen zur verantwortungsvollen Vermarktung von Geschichte zu erarbeiten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsgegenstand

3 Stand der Forschung

4 Definition des Untersuchungsraumes und der Begrifflichkeiten

5 Geschichte als Event

5.1 Märkte

5.2 Living-History

5.2.1 Reenactment

5.2.2 Museumsveranstaltungen

5.3 Liverollenspiel

5.4 Veranstaltungen für Firmen und Privatleute

6 Sinn historisch orientierter Veranstaltungen

7 Rahmenbedingungen der Umfrage

7.1 Problem der Repräsentativität

8 Aufbau und Fragestellung

8.1 Konstruktion des Fragebogens

9 Auswertung

9.1 Demographie und Gruppierung

9.1.1 Alter und Geschlecht

9.1.2 Bildung und momentane Tätigkeit

10 Beschreibung der Szene

10.1 Einteilung der Szene

10.1.1 Profis

10.1.2 Semiprofis

10.1.3 Szene-Laien

10.1.4 Hobbyisten/Freizeitnutzer

10.2 Verteilung der Gruppen

10.3 Gruppenvergleich Studium und Studienfächer

11 Bildung von Nutzertypen

11.1 Identifizierte Nutzertypen

11.1.1 Nutzertyp 1: Die „Anspruchsvollen-Nutzer“

11.1.2 Nutzertyp 2: Die „Spaß-Nutzer“

11.1.3 Nutzertyp 3: Die „Nicht-Nutzer“

11.2 Analyse der identifizierten Nutzertypen

11.2.1 Verteilung der Nutzertypen

11.2.2 Die Altersverteilung

11.2.3 Vergleich der Schulbildung und Studienfächer

11.2.4 Subszenen-Partizipation

12 Erwartungen an eine Veranstaltung

13 Eventkultur als Arbeitsfeld

13.1 Engagement als Unterscheidungsmerkmal

13.1.1 Beweggründe des Engagements

13.2 Gruppe der Aktiven

13.3 Tätigkeitsbereiche der Aktiven

13.3.1 Tätigkeitsbereiche der Nutzertypen

13.4 Eigener Anspruch

14 Zwischen-Fazit

15 Historische Qualität

15.1 Definition der historischen Qualität

15.2 Bedeutung historischer Qualität

15.3 Qualitätsminderungen

15.3.1 Beurteilung der Qualität und des Ist-Zustandes

15.3.2 Bildungsstand der Aktiven

16 Das Qualitätsproblem

16.1 Ansprüche von Veranstaltern

16.2 Historisch orientierte Veranstaltungen als Lernort

16.3 Gefahr der Übernahme falscher Geschichtsbilder

17 Exkurs: „Gute Living-History“

18 Verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte

18.1 Kriterien einer guten Veranstaltung

18.1.1 Transparenz und klare Label

18.1.2 Vorlagentreue

18.1.3 Deutliche Grenzen

18.2 Spaß vs. Qualität

19 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Vermarktung von Geschichte im Bereich der historischen Eventkultur in Deutschland. Das Hauptziel besteht darin, die Szene der historisch orientierten Veranstaltungen empirisch zu erfassen, Nutzertypen zu identifizieren und den Zusammenhang zwischen historischer Qualität, ökonomischen Interessen und Bildungsanspruch zu beleuchten.

  • Analyse des Marktes für historische und historisierende Veranstaltungen (Living-History, Märkte, LARP).
  • Empirische Untersuchung der Akteure (Anbieter und Konsumenten) mittels einer großangelegten Online-Umfrage.
  • Klassifizierung der Akteure nach Aktivitätsgrad und Nutzertypen (Anspruchsvolle-, Spaß- und Nicht-Nutzer).
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen ökonomischen Zwängen und dem Anspruch an historische Authentizität.
  • Erarbeitung von Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte in der Eventkultur.

Auszug aus dem Buch

5.1 Märkte

Unter mittelalterlichen Märkten versteht man im Allgemeinen volksfestartige Festveranstaltungen in historisierendem Gewand. Das Wort „Mittelalter“ steht in diesem Zusammenhang nicht wirklich für die historische Epoche des Mittelalters, mit der man je nach Definition die rund 1000 Jahre vom 5. Jahrhundert bis zum Ende des 15. Jahrhunderts bezeichnet. Selbst wenn es sich um „mittelalterliche“ Veranstaltungen im Wortsinn handeln würde, stellt sich trotzdem die Frage, wie knapp 1000 Jahre Geschichte unter einen Hut zu bringen wären.

Wie eben dargestellt, sorgt der Begriff Mittelaltermarkt leicht für Verwirrung, weitere, nicht unbedingt viel genauere Bezeichnungen sind „Mittelalterlich-Spektakulum“, „Spectaculi“ oder „Mittelalter-Fest“ Bei allen eben genannten Namen für das Phänomen handelt es sich in erster Linie um Selbstbezeichnungen der Veranstalter und Besucher solcher Veranstaltungen. Als sehr viel treffender scheint die etwas nüchterne Fremdbezeichnung „Romantischer Handwerkermarkt“. Nichts desto trotz beschreibt das Wort „Spectaculum“ auch recht anschaulich, worum es sich bei solchen Veranstaltungen handelt. Nämlich in erster Linie um Spektakel, die von der Dekoration der Stände, der Kleidung der meisten Akteure sowie den angebotenen Attraktionen her den Flair einer romantischen, aber niemals existenten Epoche zum Leben zu erwecken versuchen.

Sinn und Zweck dieser Veranstaltungen ist es in erster Linie zu unterhalten. Es handelt sich in aller Regel mehr um einen mobilen historisierten Vergnügungspark mit einer großen Auswahl an entsprechenden Waren, Lebensmitteln und Dienstleistungen, als um eine, wie auch immer geartete historische Veranstaltung. Die Tatsache, dass viele „Spectaculi“ von kommerziellen Veranstaltern durchgeführt werden, unterstreicht diese Sichtweise.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das wachsende Interesse an historisch orientierten Angeboten ein und grenzt das Feld der „Eventkultur“ als zu erforschendes Arbeitsfeld ab.

2 Forschungsgegenstand: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe „Vermarktung“ und „Eventkultur“ definiert und das Phänomen der historischen Eventkultur eingegrenzt.

3 Stand der Forschung: Dieser Abschnitt zeigt auf, dass es zu historisch orientierten Veranstaltungen bisher kaum wissenschaftliche Literatur gibt und positioniert die vorliegende Arbeit als Pionierarbeit.

4 Definition des Untersuchungsraumes und der Begrifflichkeiten: Hier werden die Kriterien für den Untersuchungsraum festgelegt, wobei insbesondere die kommerzielle Ausrichtung und der historische Bezug als zentrale Unterscheidungsmerkmale dienen.

5 Geschichte als Event: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Übersicht über die verschiedenen Formen historischer Events, von Märkten über Living-History bis hin zu Liverollenspielen.

6 Sinn historisch orientierter Veranstaltungen: Hier wird der kritische Diskurs um „kommerzialisierte Geschichtsausbeutung“ versus „Erlebnisgeschichte“ diskutiert.

7 Rahmenbedingungen der Umfrage: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen bei der Online-Umfrage zur Datenerhebung innerhalb der Szene.

8 Aufbau und Fragestellung: Hier wird die Struktur des Fragebogens und die inhaltliche Gliederung der fünf Fragenblöcke detailliert vorgestellt.

9 Auswertung: Dieses Kapitel widmet sich der deskriptiven Darstellung der demographischen Daten der befragten Teilnehmer.

10 Beschreibung der Szene: Hier wird die Stichprobe in verschiedene Gruppen wie Profis, Semiprofis und Laien unterteilt, um die Szene besser zu strukturieren.

11 Bildung von Nutzertypen: In diesem Kapitel werden mittels Faktorenanalyse drei unterschiedliche Nutzertypen extrahiert, die ihr Nutzungsverhalten und ihre Ansprüche definieren.

12 Erwartungen an eine Veranstaltung: Dieses Kapitel analysiert, welche Merkmale eine Veranstaltung für die verschiedenen Akteure zu einer „gelungenen“ machen.

13 Eventkultur als Arbeitsfeld: Hier werden die Beweggründe des Engagements der Akteure untersucht und in den Kontext ihrer beruflichen oder freizeitlichen Tätigkeit gesetzt.

14 Zwischen-Fazit: Dieses Kapitel fasst die bisherigen Erkenntnisse über das Engagement und die Motivation der Szene zusammen.

15 Historische Qualität: Hier wird der Begriff der historischen Qualität bzw. Authentizität im Kontext der Szene diskutiert.

16 Das Qualitätsproblem: Dieses Kapitel beleuchtet die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Aktiven und der tatsächlichen Umsetzung sowie die Gefahr falscher Geschichtsbilder.

17 Exkurs: „Gute Living-History“: Dieser Abschnitt bietet eine theoretische Orientierungshilfe, was gute von schlechter Living-History unterscheidet.

18 Verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte: Hier werden konkrete Grundsätze für eine ethisch und historisch fundierte Vermarktung von Geschichte formuliert.

19 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren wissenschaftlichen Begleitung und Qualifizierung in diesem Bereich.

Schlüsselwörter

Eventkultur, historische Veranstaltungen, Living-History, Reenactment, Liverollenspiel, Vermarktung von Geschichte, historische Qualität, Authentizität, Bildungsanspruch, Geschichtsdidaktik, Mittelaltermarkt, Nutzertypen, Kulturmanagement, empirische Sozialforschung, Edutainment.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen der „historischen Eventkultur“ in Deutschland, also Veranstaltungen, die Geschichte als erlebnisorientierte Ware vermarkten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Zentrum stehen die Kategorisierung der verschiedenen Veranstaltungsformen, die Analyse der Akteure (Anbieter und Konsumenten) sowie das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsanspruch und historischer Authentizität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine empirische Bestandsaufnahme der Szene, um Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Vermarktung von Geschichte zu erarbeiten, die sowohl Qualität als auch Bildungschancen berücksichtigt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Der Autor führt eine umfassende quantitative Online-Umfrage unter über 1.500 Teilnehmern aus der Szene durch und wertet diese mit statistischen Methoden wie der Faktorenanalyse aus.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Demographie der Szene, die Identifikation spezifischer Nutzertypen, die Analyse von Erwartungshaltungen an Veranstaltungen sowie eine tiefgreifende Diskussion zum Thema „historische Qualität“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Eventkultur, historische Veranstaltungen, Living-History, historische Qualität, Authentizität und Geschichtsdidaktik sind die tragenden Begriffe der Arbeit.

Wie unterscheidet der Autor zwischen den Akteuren der Szene?

Die Akteure werden nach ökonomischen Kriterien (Profis, Semiprofis, Hobbyisten) sowie mittels einer Faktorenanalyse in Nutzertypen (Anspruchsvolle-, Spaß- und Nicht-Nutzer) kategorisiert.

Warum spielt die historische Bildung eine so zentrale Rolle in der Arbeit?

Der Autor weist nach, dass eine fundierte historische Bildung der Akteure einen positiven Einfluss auf den Anspruch an historische Qualität hat und somit entscheidend für die Vermeidung falscher Geschichtsbilder ist.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf den Kommerz?

Der Autor plädiert dafür, dass wirtschaftliche Orientierung nicht per se schlecht ist, sofern sie Mittel zum Zweck ist, um eine hohe historische Qualität zu finanzieren, statt Qualität ökonomischen Zwängen unterzuordnen.

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Details

Title
Geschichte vermarkten - Eventkultur als Arbeitsfeld
College
Saarland University
Grade
1,1
Author
Julian Blomann (Author)
Publication Year
2006
Pages
97
Catalog Number
V66345
ISBN (eBook)
9783638584623
Language
German
Tags
Geschichte Eventkultur Arbeitsfeld Living History Eventmanagement Lebendige Geschichte; Reenactment
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julian Blomann (Author), 2006, Geschichte vermarkten - Eventkultur als Arbeitsfeld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66345
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