Hussiten in Brehna? Ein weiterer Beitrag zur Brehnaer Heimatgeschichte


Essay, 2003
2 Seiten

Leseprobe

Hussiten in Brehna?

Ein weiterer Beitrag zur Brehnaer Heimatgeschichte

Von Armin Feldmann

Emil Obst, Feldmesser und verdienstvoller Heimatforscher, schrieb in seiner „Beschreibung und Geschichte des Kreises Bitterfeld“ (1887/88), die Hussiten hätten 1429 die Stadt Brehna ausgeplündert. Was war geschehen?

In der katholischen Kirche hatte sich seit langer Zeit Unzufriedenheit ausgebreitet. Sie richtete sich u.a. gegen die Verweltlichung ihrer Geistlichkeit und ihren weltlichen Besitz- und Herrschaftsanspruch. Schon im England des späten 14. Jahrhunderts aber verfolgte die dagegen entstandene Reformbewegung auch nationale Interessen.

Diese englische Bewegung zur Reformierung der Kirche wirkte in starkem Maße auf Jan Hus, Prediger in Prag wie auch Lehrer und schließlich Rektor der 1348 gegründeten Universität. Die meisten deutschen Professoren und Studenten hatten wegen der nationalen tschechisch-böhmischen Entwicklung diese verlassen. Sie waren nach Leipzig gezogen und hatten dort eine neue Universität gegründet (1409). Der Prager Erzbischof exkommunizierte Hus 1411/12, er verhängte den Kirchenbann über ihn.

Jan Hus wurde vor das Konstanzer Konzil (1414-1418) geladen, um seine Lehre zu wider-rufen. Der deutsche König und spätere Kaiser Sigismund (1410-1437), der dieses Konzil einberufen hatte, sicherte Hus freies Geleit und damit die freie Rückkehr nach Prag zu. Als dieser den Widerruf seiner Lehren ablehnte, brach der König sein Versprechen. Hus wurde als Ketzer verurteilt und am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die Nachricht hiervon wurde in Prag voller Empörung aufgenommen. Die sich entwickelnde Hussitenbewegung nahm seit dem ersten „Prager Fenstersturz“ von 1419 (der zweite leitete fast genau 200 Jahre später den Dreißigjährigen Krieg ein) bewaffneten Charakter an. In den 15 Jahre währenden Hussitenkriegen rief König Sigismund zum Kreuzzug gegen die Hussiten auf, wurde aber anfangs geschlagen. Die Hussiten dehnten ihre Kriegszüge weit über Böhmen hinaus nach Schlesien, Sachsen, Bayern und Franken aus. Dabei plünderten und brandschatzten sie unzählige Ortschaften. Der zunächst fortschrittliche Charakter ihrer Bewegung wandelte sich, sie begingen schlimme Untaten. Allein in Sachsen wurden 18 Städte und 1400 Dörfer gezählt, die von ihnen verbrannt worden sein sollen. Und nach Emil Obst hat dieses Schicksal auch Brehna betroffen.

Das allerdings ist falsch. So weit nach dem Norden sind die Hussiten nicht vorgedrungen. Obst nennt die Quelle nicht, aus der er seine Aussage genommen hat. Möglicherweise stammt sie aus August Schumanns umfangreichem Titel „Vollständiges Staats- Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen“ aus dem Jahre 1824, welches über Brehna behauptet: „Im Jahre 1429 wurde die Stadt von den Hussiten ... abscheulich behandelt.“ Eventuell hat Emil Obst auch eine Stelle in der „Delitzscher Stadtchronik 1207-1450“ falsch interpretiert. Dort wird für das Jahr 1427 mitgeteilt, dass der sächsische Herzog und Kurfürst an einem Kriegszug gegen die Hussiten nach Böhmen teilnahm, und dann wörtlich: „Während dieses Feldzuges fiel der Graf Georg von Anhalt den 5. August in das Land und nahm vor Wurzen Vieh. Er wurde daher von hiesigen und Bitterfelder Bürgern verfolgt und verursachten die Halten bei Brehna und auf dem Steinfurt einen Aufwand von 10 Schock.“ Mit hiesigen Bürgern sind Delitzscher gemeint.

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Details

Titel
Hussiten in Brehna? Ein weiterer Beitrag zur Brehnaer Heimatgeschichte
Autor
Jahr
2003
Seiten
2
Katalognummer
V66365
ISBN (eBook)
9783638589857
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hussiten, Brehna, Beitrag, Brehnaer, Heimatgeschichte
Arbeit zitieren
Dipl.-Lehrer Armin Feldmann (Autor), 2003, Hussiten in Brehna? Ein weiterer Beitrag zur Brehnaer Heimatgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66365

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