Vor 90 Jahren: Erste Abiprüfungen in Wittenberge


Essay, 2005

3 Seiten


Leseprobe

Heft 38/ 2. Halbjahr 2005

Vor 90 Jahren:

Erste Abiturprüfungen in Wittenberge

Im Frühjahr 2005 feierte das Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge den 110. Jahrestag der Gründung der Privat-Realschule für Knaben, des Vorgängers des heutigen Gymnasiums.

2005 hat einen weiteren anmerkenswerten Jahrestag. Im Sommer 1915, vor 90 Jahren, wurden die ersten Reifeprüfungen an der Schule abgelegt. Dass dies im Ersten Weltkrieg geschah und auch mit diesem zusammenhing, soll hier dargestellt werden.

Nach der Gründung der Privatschule 1895 war sie bald eine städtische Einrichtung geworden und hatte sich bis 1900 so entwickelt, dass es erstmals eine Abschlussklasse, eine Prima, gab. Die abgelegten Examina hießen seit 1902 Schlussprüfungen.

Nachdem der erste Direktor, Dr. Hermann Warnecke, im Februar 1908 verstorben war, wurde Professor Dr. Willy Baldow sein Nachfolger, in den 1920er Jahren hatte er statt des Professorentitels das Amt eines Oberstudiendirektors inne. Das bereits in Dr. Warneckes Zeit begonnene Projekt, die Schule zu einer Vollanstalt weiterzuentwickeln, zu einer Schule also, an der die Reifeprüfung abgelegt und mit dem Abiturzeugnis die Berechtigung zum Studium an Universitäten und Hochschulen erworben werden konnte, griff er bald wieder auf. Bereits ein knappes Jahr nach Amtsantritt legte Baldow eine „Denkschrift über den Ausbau der Realschule in Wittenberge zu einer Vollanstalt“ vor und begründete das u. a. mit der inzwischen (Sommer 1909) erreichten Größe der Stadt von 20.500 Einwohnern. „Es gibt nur wenige Städte von gleicher Größe und gleicher Entwicklungsfähigkeit, die nicht eine Vollanstalt besitzen oder im Begriff sind, sie sich zu schaffen.“ Besonders Beamte versuchten wegen des Fehlens einer Vollanstalt einer Versetzung nach Wittenberge aus dem Wege zu gehen oder sich von hier wieder versetzen zu lassen nach Orten mit günstigeren Schulverhältnissen. So war schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts das Vorhandensein eines Gymnasiums in Städten des Königreichs Preußen eine wichtige Standortfrage.

Der Direktor erreichte, dass mit dem Schuljahr 1910/11 der Ausbau zu einem Reformrealgymnasium unter Beibehaltung der Realschule begonnen wurde. Von 1912 bis 1913 wurde ein Erweiterungsbau am Schulgebäude vorgenommen, am 3. April 1913 – Schuljahresbeginn 1913/14 – wurden die neuen Räumlichkeiten(,: Komma nicht von mir) einschließlich der Turnhalle feierlich eingeweiht. Zu Ostern 1915 wurde die erste Oberprima eingerichtet, die heutige 13. Jahrgangsstufe, mit welcher der Ausbau der Schule zur Vollanstalt abgeschlossen wurde. Am Ende des Schuljahres 1915/16, d. h. Ostern 1916, wären planmäßig die ersten Reifeprüfungen abzulegen gewesen.

Inzwischen aber hatte 1914 der Erste Weltkrieg begonnen, und bis 1915 meldeten sich 16 Schüler als Kriegsfreiwillige, der jüngste von ihnen war 16 Jahre 3 Monate alt, als er in die kaiserliche Armee eintrat. Für die noch nicht Heeresdienst fähigen Schüler wurden durch den preußischen Minister der geistlichen, medizinischen und Unterrichtsangelegenheiten am 4. September 1914 umfangreiche militärische Übungen festgesetzt: „Einführung besonderer Übungen zur militärischen Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes. Bei der hohen Begeisterung, mit welcher bereits die militärtauglichen Schüler der oberen Klassen der höheren Lehranstalten und Lehrerbildungsanstalten auf den ersten Ruf des Vaterlandes hin zu den Waffen geeilt sind, läßt sich erwarten, daß auch diejenigen Schüler vom 16. Lebensjahr an, die noch nicht in den Heeresdienst eintreten durften, sich freudig und eifrig an den von den Jugendvereinen veranstalteten Übungen beteiligen werden, um sich, solange der Kriegszustand dauert und soweit es die gewissenhafte Erfüllung der Pflichten gegen die Schule gestattet, schon jetzt für den späteren Dienst im Heere oder in der Marine vorzubereiten“, zitiert der Direktor aus der Ministerverfügung und kommentiert das so: „Ein kriegerischer Geist soll durch sie der Jugend eingepflanzt werden, Vaterlandsliebe, Mut, Entschlossenheit und der Wille zum Sieg“.

Um den Kriegsfreiwilligen der Ober- und Unterprima einen Schulabschluss zu ermöglichen, hatte derselbe Minister bereits am 4. August 1914 verordnet: „Alle Schüler, welche im 3. Semester der Prima angehören [(runde Klammer nicht von mir) die sich also im 1. Halbjahr der 13. Jahrgangsstufe, damals Oberprima, befanden – (Strich gelöscht, nicht von mir) A.F.)], können sich der Notreifeprüfung unterziehen. Ein Recht zur Ablegung der Notreifeprüfung haben jedoch nur solche Schüler, deren sofortiger Eintritt in das Heer gesichert ist. Sollten sie in den Heeresdienst nicht eintreten, so ist die Prüfung ungültig.“

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Details

Titel
Vor 90 Jahren: Erste Abiprüfungen in Wittenberge
Autor
Jahr
2005
Seiten
3
Katalognummer
V66395
ISBN (eBook)
9783638584708
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Essay ohne Sekundärliteratur
Schlagworte
Jahren, Erste, Abiprüfungen, Wittenberge
Arbeit zitieren
Dipl.-Lehrer Armin Feldmann (Autor), 2005, Vor 90 Jahren: Erste Abiprüfungen in Wittenberge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66395

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