Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Stück 'Die Physiker'


Seminararbeit, 1997
9 Seiten, Note: 2,25

Leseprobe

Inhalt

Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Komödie "Die Physiker"

1. Versuch einer Definition des "Komischen" allgemein und speziell in dem Drama "Die Physiker"

2. "Die Physiker" - Tragödie oder Komödie?

3. Schlußbemerkung

LITERATURVERZEICHNIS

Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Komödie "Die Physiker"

Der Begriff des Komischen in der Literatur stellt ein weites Feld dar und läßt sich semantisch wie gattungsmäßig nicht eindeutig eingrenzen; es kann sich z.B. um Komödien, Satiren, Schwänke oder auch einfach um Witze handeln. Über das Wesen des Komischen sind zahlreiche Theorien aufgestellt worden. Am einfachsten nähert man sich dem mit dem Begriff des Komischen Gemeinten, wenn man vom alltäglichen Vollzug ausgeht.

Der Autor Friedrich Dürrenmatt scheint für die Untersuchung des Themas "Komik" hervorragend geeignet, hat er doch auch schon vor seiner Komödie "Die Physiker"[1] erfolgreiche Komödien verfaßt und dabei einen unverwechselbaren Stil entwickelt (Wobei Dürrenmatt den Begriff "Komödie" allerdings auf die Mehrzahl seiner Stücke anwendet - selbst auf ein Prosawerk, "Grieche sucht Griechin", und die Kernszene des Detektivromans "Das Versprechen").

Diese Arbeit will sich jedoch nicht auf das gesamte Lebenswerk Dürrenmatts beziehen (ein Unterfangen, daß sich auch im Rahmen einer derartigen Arbeit nicht bewerkstelligen ließe), sondern konzentriert sich exemplarisch auf sein Drama "Die Physiker".

Dieses scheint mir von allen Werken Dürrenmatts deshalb besonders interessant zu sein, da der Hintergrund dieses Stückes, nämlich die Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Atombombe und die damit verbundene Gefahr für die Ausrottung der Menschheit, ernster wohl kaum sein könnte und einen geradezu klassisch dimensionierten Tragödien-Konflikt zwischen Pflicht und Neigung bietet. Die Komik dieses Werkes entscheidet letztendlich jedoch der Rezipient.

1. Versuch einer Definition des "Komischen" allgemein und speziell in dem Drama "Die Physiker"

Otto F. Best[2] definiert den Begriff "Komik" als einen "Effekt, der auf eine bestimmte Sehweise und Beleuchtung beruht". Komik ist etwas, was zum Schmunzeln oder Lachen erregt, durch Kontrast erheiternd oder befremdend wirkt.

Humor ist dagegen subjektiv und charaktergebunden und ergibt sich aus der Befindlichkeit des Weltbetrachters, während Komik sich eher als objektgebunden präsentiert, tritt als Wider-Sinn und Ungereimtheit der Welt, als Mißverständnis von Sein und Schein, von Aufwand und Leistung zutage.

Inwiefern rechtfertigt sich nun der Untertitel "Komödie", mit dem F. Dürrenmatt sein Drama "Die Physiker" apostrophiert?

Die klassische Komödie, hervorgegangen aus dem antiken Dionysos-kult, ist eine Dramenform, die im Gegensatz zur Tragödie und dem ernsten Schauspiel komische Situationen und Charaktere gestaltet.

Sie zeigt den Menschen in seiner Unzulänglichkeit oder löst Kon-flikte in heiterer Gelassenheit oder in homorvoller Überlegen-heit; letzteres trifft für die "Komödie" Dürrenmatts "Die Phy-siker" wohl kaum zu. Komik wird sichtbar an den handelnden Per-sonen oder an Situationen, aus denen sie erwachsen. Man trennt die Komik von daher grob in Charakter- und Situationskomik.

Die Darstellung der Charaktere in den "Physikern" fällt in der Tat bei den meisten Figuren z.T. recht komisch aus; so z.B. die klischeehafte Beschreibung der "Anstaltsleiterin" als "bucklig, etwa 55, weißer Ärztemantel, Stethoskop"[3], der Kriminalinspektor mit seinem unbeholfenen, leicht tölpelhaften Verhalten[4] oder die "Bilderbuchfamilie" um den Missionar Rose[5] und nicht zu ver-gessen: die drei Physiker selbst, welche die allgemeine Er-wartungshaltung erfüllen, die man an "Irre" stellt. Ohne Zweifel bedient sich F. Dürrenmatt also bei der Präsentation seiner Charaktere dem bekannten Satiremittel der Überzeichnung.

Dürrenmatts Komik stützt sich jedoch nicht in erster Linie auf die Charakterkomik und ihren übertriebenen, typisierten Charak-teren, sonderm viel mehr auf die Situationskomik. Diese führt zu einer Form der Komödie, die man als "Verwirrspiel" bezeichnen kann. In ihr finden Täuschungen aller Art statt, wie überhaupt die Täuschung ein ganz wichtiges Element der Komödie darstellt.

Im Falle der "Physiker" beruhen diese Täuschungen darauf, daß die Physiker und die "Irrenärztin", Frl. Dr. Mathilde von Zahnd, ihre wahre Identität leugnen. Dieser Dramentypus der Situationskomödie scheint der ausweglosen "Situation" der Physik - wie sie in den Physikern dargestellt wird - adäquat zu sein, weil er erlaubt die Ausweglosigkeit spannungsvoll zu enthüllen.[6]

Ein weiteres Indiz für Situationskomik in den "Physikern" ist, daß die Handlung nicht in kontinuierlicher Entwicklung voran-schreitet. Der dramatische Fortgang des Werkes wird vielmehr von bestimmten Situationen getragen, in denen sich die dramatischen Grundprobleme, die dem Stück zugrunde liegen, zu Schwerpunkten verdichten.[7] Wie die meisten anderen Komödien Dürrenmatts sind auch "Die Physiker" didaktisch-distanziert angelegt.

[...]


[1] Dürrenmatt, Friedrich: Die Physiker, Zürich 1962

[2] Best, Otto F. (Hrg): Handbuch Literarischer Fachbegriffe, Frankfurt a.M. 1984

[3] Dürrenmatt, Friedrich: Die Physiker, Zürich 1962, S.20

[4] Ebd., S. 12ff

[5] Ebd., S. 26ff

[6] Jenny, Urs: Dürrenmatt, Velber bei Hannover 1970

[7] Vgl. dazu: Keller, Oskar: Friedrich Dürrenmatt- Die Physiker (Interpretationen), München 1970

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Stück 'Die Physiker'
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Neuere deutsche Literatur und Medienwissenschaft / Germanistik)
Veranstaltung
Mittelseminar: Komische Texte
Note
2,25
Autor
Jahr
1997
Seiten
9
Katalognummer
V6640
ISBN (eBook)
9783638141727
ISBN (Buch)
9783638926331
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komische, Friedrich, Dürrenmatts, Stück, Physiker, Mittelseminar, Texte, Thema Die Physiker
Arbeit zitieren
Magister Ansgar Schwarzkopf (Autor), 1997, Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Stück 'Die Physiker', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6640

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