Paulus Römerbrief 2,15 - "natürliches Gesetz"


Hausarbeit, 2004

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

2. Über die Absichten des Paulus / Positionen in Kommentaren

3. Welche Art von Gesetz?
3.1. Naturrecht

4. Rolle des Gewissens

5. Resümee

6. Literatur

Einleitung

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit Paulus’ Römerbrief, speziell mit Absatz 2,15: „Ihr Verhalten zeigt, dass ihnen die Forderungen des Gesetzes ins Herz geschrieben sind, und dasselbe beweist ihr Gewissen, dessen Stimme sie abwechselnd anklagt oder verteidigt.“, auseinandersetzen. Ich möchte vor allem die verschiedenen Expertenmeinungen zur Interpretation von Paulus’ Absichten darstellen und versuchen der Frage, was für eine Art Gesetz hier gemeint sein könnte, nachzugehen. Außerdem möchte ich auch auf die Rolle des Gewissens als Kontrollinstanz Gottes im Inneren des Menschen eingehen.

Ich möchte in meine Betrachtungen aber auch die Absätze 2,14 und 2,16 einbeziehen, da die drei Abschnitte in unmittelbarem inhaltlichen Zusammenhang zusehen sind.

2. Über die Absichten des Paulus / Positionen in Kommentaren

Unter den verschiedenen Autoren, die diese Bibelstelle kommentiert und analysiert haben, existieren unterschiedliche Auffassungen und Interpretationen über die Worte des Paulus.

H.W. Schmidt[1] zufolge ist Römer 2,14 - 2,16 folgendermaßen zu deuten. Die Fähigkeit der Heiden Gutes zu vollbringen, beweist das sie die Forderungen Gottes auf irgendeine Art kennen, denn die Übereinstimmung mit einzelnen Handlungen der Heiden mit dem Gesetz ist frei von Zufall. Zwar ist den Heiden das Gesetz nicht in aufgezeichneter Form gegeben, sondern es ist ihnen eingeschrieben, aber nach Paulus ist dieser innerliche Gesetzesbesitz nicht minderwertig im Vergleich zum äußerlich gesetzten der Juden. Begründet wird dies mit dem im Endgericht ausschlaggebenden inneren Geheimnis des Menschen. Jedoch sieht Schmidt Herz und Gesetz nicht als völlige Einheit, begründet damit, das Paulus meint, dass sich die Heiden dem Gesetz auch ungehorsam widersetzen können. Neben der Befähigung Gutes zu vollbringen nennt Paulus außerdem das offensichtlich vorhandene Gewissen mit seinen sich „einander anklagenden und verteidigenden Gedanken“ als Beleg dafür, dass die Heiden unter einem für sie selbst verborgenen Gesetz stehen.

Drastischer kommentiert Wilckens[2] Paulus’ Äußerungen. Ihm zufolge führt Paulus das Beispiel der Heiden und deren Gesetzerfüllung nur aus provokatorischen Gründen an. Ziel ist es, den Juden aufzuzeigen, das sie im Endgericht Gottes keinen Vorteil den Heiden gegenüber besitzen werden, nur weil ihnen das Gesetz gegeben wurde, denn auch jene besitzen es (in ihrem Inneren). Das heißt also, dass es keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden aufgrund des Gesetzes gibt.

Ähnlich äußert sich Pesch[3], der die Absicht des Paulus in der Konfrontation der Juden mit den Heiden, die von Natur aus die Gesetzesforderungen erfüllen, sieht.

Etwas ausführlicher geht Wilckens auf die Rolle des Gewissens ein[4]. Ihm zufolge umfasst das Gewissen bei Paulus die „Instanz im Inneren des Menschen, die Verantwortlichkeit begründet und wahrnimmt“. Es vertritt die Forderung des Gesetzes und ist eine innere Stimme, die sich vom eigenen Urteilen und Wollen einer Person unterscheidet, und der Repräsentant des Willens Gottes im Menschen ist. Aufgrund dieser Begriffsklärung kommt Wilckens zu der Überzeugung, dass das Gewissen als das ins Herz geschriebene Gesetz selbst zu interpretieren ist.

Käsemann[5] wiederum teilt die Auffassung der Einheit von Gewissen und Gesetz nicht, denn er identifiziert mit die mosaische Tora als das Gesetz. Aber auch er sieht in den Worten Paulus’ einen Angriff auf die Juden, denn das Gesetz sei nicht ihr unantastbarer Privatbesitz. Allerdings sagt Käsemann eindeutig, dass die Heiden nicht das gleiche Gottesgesetz wie die Juden haben, auch nicht auf eine verschiedene Weise, denn, so Käsemann, „der Apostel hat die Tora nicht auf ein Sittengesetz beschränkt und so nivelliert.“[6] Die Heiden stehen nur in gewisser Analogie zu den Juden, da sie, wie gesagt, das Gottesgesetz nicht kennen. Vielmehr verhält es sich so, dass sie durch ein Gefühl im Inneren ihrer selbst spüren, dass ihre eigenen Taten und Überzeugungen von Irgendwo her in Frage gestellt werden und sie sich diesem auch nicht entziehen können.

[...]


[1] Vgl. H.W. Schmidt: Der Brief des Paulus an die Römer, Berlin. 1972. S.46-49

[2] Vgl. U. Wilckens: Der Brief an die Römer (Römer 1-5),

Zürich. 1978. S.133-1

[3] Vgl. R. Pesch: Römerbrief, Würzburg. 1994. S.33/34

[4] Vgl. U. Wilckens: Der Brief an die Römer (Römer 1-5),

Zürich. 1978. S.137-140

[5] Vgl. E. Käsemann: An die Römer, Tübingen 1974. S.57

[6] Vgl. E. Käsemann: An die Römer, Tübingen 1974. S.57

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Paulus Römerbrief 2,15 - "natürliches Gesetz"
Hochschule
Universität Leipzig  (Philosophie)
Veranstaltung
Proseminar Gewissen und Bewusstsein
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V66415
ISBN (eBook)
9783638590136
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paulus, Römerbrief, Gesetz, Proseminar, Gewissen, Bewusstsein
Arbeit zitieren
Andreas Fischer (Autor), 2004, Paulus Römerbrief 2,15 - "natürliches Gesetz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66415

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