In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit Paulus’ Römerbrief, speziell mit Absatz 2,15: „Ihr Verhalten zeigt, dass ihnen die Forderungen des Gesetzes ins Herz geschrieben sind, und dasselbe beweist ihr Gewissen, dessen Stimme sie abwechselnd anklagt oder verteidigt.“,
auseinandersetzen. Ich möchte vor allem die verschiedenen Expertenmeinungen zur Interpretation von Paulus’ Absichten darstellen und versuchen der Frage, was für eine Art Gesetz hier gemeint sein könnte, nachzugehen. Außerdem möchte ich auch auf die Rolle des Gewissens als Kontrollinstanz Gottes im Inneren des Menschen eingehen.
Ich möchte in meine Betrachtungen aber auch die Absätze 2,14 und 2,16 einbeziehen, da die drei Abschnitte in unmittelbarem inhaltlichen Zusammenhang zusehen sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Über die Absichten des Paulus / Positionen in Kommentaren
3. Welche Art von Gesetz?
3.1. Naturrecht
4. Rolle des Gewissens
5. Resümee
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Interpretation von Römer 2,15 durch den Apostel Paulus, mit dem Ziel, die Art des im Text erwähnten „natürlichen Gesetzes“ zu identifizieren und die Rolle des Gewissens als moralische Kontrollinstanz kritisch zu hinterfragen.
- Exegese und Interpretation von Römer 2,14-2,16
- Gegenüberstellung theologischer Expertenmeinungen zum Gesetzesbegriff
- Analyse des Naturrechts-Konzepts im Kontext biblischer Texte
- Die Funktion des Gewissens im Inneren des Menschen
- Kritische Reflexion über die Autonomie menschlicher Vernunft gegenüber dem Gewissensbegriff
Auszug aus dem Buch
3.1. Naturrecht
An dieser Stelle möchte ich mich Käsemanns Ansatz zur Beantwortung der Frage nach der Art des Gesetzes näher zuwenden. Denn er stellt eben gerade die Frage, ob sich Paulus bei seinem Angriff auf die Juden auf ein Jedermann vertrautes Naturgesetz bezieht.
Diesen Gedanken begründet er damit, dass Paulus diese Anschauung von Philon her kannte und sie auch im palästinensischen Judentum bekannt war. Wenn man nun davon ausgeht, dass Paulus hier von einem natürlichen Gesetz spricht, dann müssen natürlich auch die Juden unter diesem Gesetz stehen, denn ein Naturrecht umfasst alle Menschen. John Locke schrieb dazu: „Im Naturzustand herrscht ein natürliches Gesetz, das jeden verpflichtet.[...] Denn alle Menschen sind das Werk eines einzigen allmächtigen und unendlich weisen Schöpfers [...], auf dessen Befehl und in dessen Auftrag sie in die Welt gesandt wurden.“11. Daraus lässt sich ableiten, dass im Naturrecht schon grundlegende Forderungen Gottes enthalten sind, nach denen sich alle Menschen, ob Heiden oder Juden zu richten haben. Demnach kann man annehmen, dass das den Juden extra gegebene Gesetz ein zusätzliches, positives Gesetz ist, was die Juden jedoch nicht von der grundlegenden Gleichheit aller Menschen vor Gott unterscheidet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Interpretation von Römer 2,15 und Einordnung der relevanten Bibelstellen.
2. Über die Absichten des Paulus / Positionen in Kommentaren: Darstellung verschiedener wissenschaftlicher Deutungen zur Intention des Apostels Paulus bei seinem Vergleich von Juden und Heiden.
3. Welche Art von Gesetz?: Untersuchung, ob es sich bei dem paulinischen Gesetzesbegriff um theologisches Gesetz oder Naturrecht handelt.
3.1. Naturrecht: Analyse des Naturrechtsverständnisses unter Heranziehung von Philosophen wie Locke und Pufendorf zur Erklärung der paulinischen Aussagen.
4. Rolle des Gewissens: Kritische Auseinandersetzung mit der Existenzberechtigung des Gewissens bei gleichzeitiger Annahme gottgegebener Vernunft.
5. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der naturrechtlichen Auslegung und Reflexion über die subjektive Abhängigkeit des Gewissensbegriffs von der Glaubensgrundlage.
6. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten theologischen und philosophischen Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Römerbrief, Paulus, Römer 2,15, Naturgesetz, Naturrecht, Gewissen, Vernunft, Theologie, Juden, Heiden, Gesetz Gottes, Exegese, Sittengesetz, Kontrollinstanz, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Auslegung der Bibelstelle Römer 2,15 und untersucht, welches Verständnis von „Gesetz“ Paulus hier im Kontext seines Vergleiches zwischen Juden und Heiden zugrunde legt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die biblische Exegese, den Begriff des Naturrechts sowie die philosophische und theologische Untersuchung des menschlichen Gewissens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu ergründen, ob das von Paulus erwähnte „in das Herz geschriebene Gesetz“ als Naturrecht interpretiert werden kann und wie sich das Gewissen zu dieser Instanz verhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse verschiedener Kommentare und greift zudem auf naturrechtliche Theorien der Philosophiegeschichte (u.a. Locke, Pufendorf) zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation der paulinischen Absichten durch verschiedene Experten, die Differenzierung des Gesetzesbegriffs sowie die kritische Reflexion des Gewissensbegriffs.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Paulus, Naturrecht, Römerbrief, Gewissen, Vernunft und Gesetzesbegriff charakterisieren.
Wie unterscheidet der Autor zwischen göttlichem Gesetz und Naturrecht?
Der Autor stützt sich auf Pufendorf, um zu argumentieren, dass das Naturrecht durch Vernunft ergründbar ist, während das theologische Gesetz ein spezifisches Bündnis zwischen Gott und Mensch durch biblische Offenbarung definiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Gewissens?
Der Autor hinterfragt kritisch, ob das „schlechte Gewissen“ eine tatsächlich existierende Instanz ist oder lediglich eine vorgeschobene Rechtfertigung zur Vermeidung von Eigenverantwortung.
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- Andreas Fischer (Autor), 2004, Paulus Römerbrief 2,15 - "natürliches Gesetz", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66415