Die UNCED (United Nations Conference on Environment and Development) ist die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung. Die auch als Erdgipfel bekannte UNCED eröffnete ihrer Zeit - sie fand vom 3. bis 14.06.1992 in Rio de Janeiro statt (www.un.org 1997) – völlig neue Dimensionen der weltweiten Zusammenarbeit. Vorherige Konferenzen wie die UNCHE in Stockholm (1972) werden als Vorreiter, aber keinesfalls als in der Größenordnung ebenbürtig gehandelt. In Rio kamen über 19 000 Teilnehmer zusammen. Darunter waren Regierungsvertreter von 178 Staaten und 2400 Mitarbeiter verschiedenster Nichtregierungsorganisationen (NGO), worin ein weiteres Debüt besteht: nie zuvor wurden NGO’s derart in die Vorbereitungsprozesse einbezogen. Auch die Medienwelt steuerte ihren Teil bei, indem die Öffentlichkeit schon im Vorfeld umfassend informiert und aufgeklärt wurde und so gäbe es kaum einen, „der noch sagen kann, er hätte über die Lage der Menschheit und der Schöpfung nicht Bescheid gewusst“ (Engelhardt & Weinzierl 1993, 1). 7000 Journalisten sorgen vor Ort dafür, dass die stetige Information auch während der Konferenz gesichert ist (Engelhardt & Weinzierl 1993, 4).
Auch, wenn alleine die Information der Menschen als Erfolg angesehen werden kann, so waren die Erwartungen an die UNCED doch viel höher. Die angereisten Vertreter/Innen sollten in den zwölf Konferenztagen über Fragen vieler Themengebiete, von der Abholzung der Tropenwälder über Emissionsregelungen und Desertifikation bis hin zum Artensterben, entscheiden und nennenswerte Erfolge verkünden – so jedenfalls die allgemeine Erwartung – und ein neues Wirtschaftsmodell einführen, das nicht auf Expansion und Gewinn abzielt, sondern auf Entwicklung, Ressourcen- und Umweltschutz im Sinne der nächsten Generationen (Engelhardt & Weinzierl 1993, 108). De facto gab es eher schwammige Ergebnisse, deren Wert an anderer Stelle diskutiert werden soll. Zum einen die 700 Seiten umfassende Agenda 21 und zum anderen drei Deklarationen und eine ‚Beinahedeklaration’. Alle Ergebnisse wurden mit besonderem Augenmerk auf ihre Nachhaltigkeit erarbeitet, die man seit dem Brundtland-Bericht als Muss für jede Form von Entwicklung angesehen hatte. Im Brundtland-Bericht, dem Abschlussbericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (1987) wird Nachhaltigkeit so definiert:
“Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”
Inhaltsverzeichnis
1 Was ist die UNCED?
2 Stimmung vor der Konferenz
3 Anpruch und Wirklichkeit
4 Ergebnisse: Deklarationen und die Agenda 21
4.1 Die Klimarahmenkonvention
4.2 Die Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt
4.3 Die Wald-Erklärung
4.4 Erarbeitung einer Konvention gegen die Ausbreitung der Wüsten
4.5 Die Rio-Deklaration
4.6 Die Agenda 21
5 Fazit: „Geist von Rio“ oder „Testamentseröffnung“?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung, die Herausforderungen und die Ergebnisse der UNCED-Konferenz von 1992 in Rio de Janeiro, um zu bewerten, inwieweit der sogenannte „Geist von Rio“ tatsächlich zu einer nachhaltigen globalen Veränderung beigetragen hat.
- Analyse der Rahmenbedingungen und der politischen Stimmung vor der Konferenz.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen den hohen globalen Erwartungen und der tatsächlichen politischen Umsetzung.
- Detaillierte Betrachtung der verabschiedeten Dokumente wie der Klimarahmenkonvention und der Agenda 21.
- Kritische Reflexion der Rolle von NGOs und Industrienationen bei der Verhandlungsführung.
- Diskussion der Finanzierungsproblematik für nachhaltige Entwicklungsprojekte.
Auszug aus dem Buch
1 Was ist die UNCED?
Die UNCED (United Nations Conference on Environment and Development) ist die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung. Die auch als Erdgipfel bekannte UNCED eröffnete ihrer Zeit - sie fand vom 3. bis 14.06.1992 in Rio de Janeiro statt (www.un.org 1997) – völlig neue Dimensionen der weltweiten Zusammenarbeit. Vorherige Konferenzen wie die UNCHE in Stockholm (1972) werden als Vorreiter, aber keinesfalls als in der Größenordnung ebenbürtig gehandelt. In Rio kamen über 19.000 Teilnehmer zusammen, darunter Regierungsvertreter von 178 Staaten und 2400 Mitarbeiter verschiedenster Nichtregierungsorganisationen (NGO) (www.un.org 1997), worin ein weiteres Debüt besteht: nie zuvor wurden NGO’s derart in die Vorbereitungsprozesse einbezogen. Auch die Medienwelt steuerte ihren Teil bei, indem die Öffentlichkeit schon im Vorfeld umfassend informiert und aufgeklärt wurde und so gäbe es kaum einen, „der noch sagen kann, er hätte über die Lage der Menschheit und der Schöpfung nicht Bescheid gewusst“ (Engelhardt & Weinzierl 1993, 1). 7000 Journalisten sorgen vor Ort dafür, dass die stetige Information auch während der Konferenz gesichert ist (Engelhardt & Weinzierl 1993, 4).
Auch, wenn alleine die Information der Menschen als Erfolg angesehen werden kann, so waren die Erwartungen an die UNCED doch viel höher. Die angereisten Vertreter/Innen sollten in den zwölf Konferenztagen über Fragen vieler Themengebiete, von der Abholzung der Tropenwälder über Emissionsregelungen und Desertifikation bis hin zum Artensterben, entscheiden und nennenswerte Erfolge verkünden – so jedenfalls die allgemeine Erwartung – und ein neues Wirtschaftsmodell einführen, das nicht auf Expansion und Gewinn abzielt, sondern auf Entwicklung, Ressourcen- und Umweltschutz im Sinne der nächsten Generationen (Engelhardt & Weinzierl 1993, 108).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Was ist die UNCED?: Einführung in die Konferenz von 1992, die Teilnehmerzahlen und die Rolle der NGOs.
2 Stimmung vor der Konferenz: Beleuchtung der politischen Atmosphäre und des „One World“-Gedankens sowie der anfänglichen Diskrepanzen zwischen Nord und Süd.
3 Anpruch und Wirklichkeit: Analyse der Hindernisse und utopischen Erwartungen in Bezug auf globale ökologische Probleme.
4 Ergebnisse: Deklarationen und die Agenda 21: Detaillierte Darstellung der zentralen Dokumente und Konventionen, die auf der Konferenz verhandelt wurden.
4.1 Die Klimarahmenkonvention: Beschreibung des Abkommens zu Treibhausgasen und den Kritikpunkten an fehlenden verbindlichen Werten.
4.2 Die Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt: Erörterung der Schutzmaßnahmen und der Konflikte um die Nutzung genetischer Ressourcen.
4.3 Die Wald-Erklärung: Erläuterung des Scheiterns einer verbindlichen Erklärung und des Fokus auf den Schutz indigener Rechte.
4.4 Erarbeitung einer Konvention gegen die Ausbreitung der Wüsten: Darstellung des Prozesses zur späteren Verabschiedung der Wüsten-Konvention.
4.5 Die Rio-Deklaration: Zusammenfassung der 27 Punkte, die als Leitfaden für eine nachhaltige Politik dienen sollen.
4.6 Die Agenda 21: Vorstellung des 700-seitigen Aktionsprogramms und der Herausforderungen bei dessen Finanzierung.
5 Fazit: „Geist von Rio“ oder „Testamentseröffnung“?: Abschließende Bewertung der Konferenz hinsichtlich ihrer historischen Bedeutung und ihrer langfristigen Wirkung.
Schlüsselwörter
UNCED, Agenda 21, Rio-Gipfel, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Biodiversität, Desertifikation, NGOs, Umweltpolitik, Nord-Süd-Konflikt, Erd-Charta, Ressourcenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED), die 1992 in Rio de Janeiro stattfand, und analysiert deren historische Bedeutung für die globale Umweltpolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Klimaschutz, Erhaltung der biologischen Vielfalt, Schutz der Wälder, Armutsbekämpfung im Kontext nachhaltiger Entwicklung und die internationale Kooperation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Erfolg der Konferenz kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob die erzielten Ergebnisse den hohen politischen Ansprüchen gerecht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zeitgenössischer Quellen und Berichte zum Erdgipfel von 1992.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Stimmung vor der Konferenz, eine Gegenüberstellung von Anspruch und Wirklichkeit sowie eine detaillierte Ausarbeitung der erzielten Ergebnisse wie der Agenda 21 und der verschiedenen Konventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind UNCED, Agenda 21, Nachhaltigkeit, Klimarahmenkonvention und Rio-Deklaration.
Welche Rolle spielten die USA und die Industrienationen während der Konferenz?
Die Arbeit verdeutlicht, dass viele Industrienationen, insbesondere die USA, ihre Handlungsfreiheit nicht einschränken wollten, was zu einer Schwächung der Verbindlichkeit vieler Abkommen führte.
Warum wird die Finanzierungsfrage als limitierender Faktor genannt?
Die Umsetzung der Agenda 21 erforderte immense finanzielle Mittel, für die während der Konferenz keine verbindlichen Zahlungszusagen getroffen werden konnten.
Was ist mit dem „Geist von Rio“ gemeint?
Der „Geist von Rio“ steht für die Hoffnung auf eine globale, brüderliche Zusammenarbeit zum Schutz des „blauen Planeten“, die während der UNCED spürbar war.
- Quote paper
- Julian Behnen (Author), 2005, Die UNCED-Konferenz in Rio De Janeiro und die Agenda 21 (1992). Eine kritische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66416