Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Stand des Beobachters und der Beobachtungsgegenstand
2.1 Beobachter und Massenmedium
2.2 Unterhaltung durch eine Fernsehserie
2.3 Liebe als besonders geeignetes Thema für Fernsehserien

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Um einen Konsens über die kontinuierlich verwendeten systemtheoretischen Begrifflichkeiten herzustellen, wird die Arbeit mit einem kurzen Überblick über Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme eröffnet, welcher quasi als theoretischer Überbau für das Nachfolgende fungieren soll.

Dieser durch mehrere Paradigmenwechsel gekennzeichnete und erkenntnistheoretisch ausgerichtete Ansatz, geht im Kern davon aus, dass die moderne Gesellschaft in soziale Teilsysteme ausdifferenziert ist. Diese bestehen nur aus Kommunikationen und nicht aus Menschen, wobei das Ganze (die Gesellschaft) nicht einfach nur die Summe seiner Teile ist. Individuen werden innerhalb dieser Theorie nur berücksichtigt als psychische Systeme (= Bewusstseine).[1] Das Zustandekommen spezieller Kommunikationen führt zur Genese von darauf spezialisierten Teilsystemen, die wiederum durch diese Kommunikationsabfolgen erhalten werden. Die Systeme sind durch spezifische binäre Codierungen nach innen geschlossen und durch spezifische Programme nach außen offen. Soziale Systeme sind autopoietisch[2] und funktional, weil jedes Einzelne auf einem spezifischen Kommunikationsproblem der Gesellschaft basiert, aufgrund dessen sie sich selbst (= Autopoiesis) erschaffen und innerhalb dessen sie auf sich selbst referieren, d.h. sich selbst beobachten. Im Mittelpunkt der Theorie steht die Distinktion zwischen System (dem Inkludierten) und Umwelt (dem Exkludierten). Systeme sind immer weniger komplex als ihre Umwelt. Die Komplexität reduzieren sie durch Ausdifferenzierung binärer Codierungen, innerhalb derer ihre Kommunikation ablaufen und durch die sie sich von der Umwelt abgrenzen.

Diese sehr abstrakt anmutende Einführung in das begriffliche Instrumentarium Luhmanns soll es dem Leser im späteren Teil der Arbeit erleichtern, zu verstehen, wie auch die Massenmedien als soziales System nur ein funktionaler Teilbereich der Gesellschaft sind. Auf der einen Seite können die Massenmedien die Gesellschaft durch ihre Kommunikationen beobachten, auf der anderen Seite können sie aber auch nur innerhalb ihrer Grenzen kommunizieren[3].

Dies leitet direkt zum grundlegenden Begriff dieser Arbeit weiter: Beobachtung. Nach Niklas Luhmann heißt Beobachtung immer Unterscheiden. Gemeint ist nicht das standpunktabhängige „Anschauen“ eines Gegenstandes, sondern folgendes: „Unser Ausgangspunkt liegt bei einem extrem formalen Begriff des Beobachtens, definiert als Operation des Unterscheidens und Bezeichnens.“ (Luhmann 1991, S. 73). Es ist nie möglich, nur eine bloße Distinktion zu ziehen, mit ihr wird immer festgelegt was es ist bzw. nicht ist (= Bezeichnen). Auf dieser Grundlage soll innerhalb dieser Arbeit versucht werden, wie ein Massenmedium. in diesem Fall konkret eine Fernsehserie betrachtet und beschrieben werden kann, und wie dieses System sich selbst beobachtet. Um der Sache auf die Spur zu kommen, werden zunächst einige Erkenntnisse über das Massenmedium an und für sich benötigt. Wie ziehen nun die Massenmedien eine Distinktion zu ihrer Umwelt?

- Die Massenmedien ziehen nach Luhmann dadurch eine Distinktion, dass sie eine eigene zweite Realität erzeugen: „Man kann aber noch in einem zweiten Sinne von der Realität der Massenmedien sprechen, nämlich im Sinne dessen, was für sie oder durch sie für andere als Realität erscheint. [...] Um dieses Verständnis von Massenmedien [Massenmedien als Sequenz von Beobachtungen; die Verfasserin] zu erreichen, müssen wir also ihr Beobachten beobachten.“ (Luhmann 2004b, S.14)

Und darin liegt der zentrale Aspekt dieser Arbeit: auf der Beobachtung mit Hilfe des systemtheoretischen Instrumentariums eines Funktionssystems der Gesellschaft, den Massenmedien, bzw. eines Produkts derselben, einer Fernsehserie.

In Hauptteil soll in Punkt 2.1 hierfür zunächst abgegrenzt werden, was eine Serie im Kontext der Massenmedien ausmacht und wie sie wirkt, um zu zeigen, in welchem Rahmen sich ein außenstehender Beobachter bewegt und welchen Beschränkungen er unterliegt. Da an einer Serie sowohl fiktionale wie reale Elemente beteiligt sind und kein reiner Informationsgewinn auf der Basis von Nachrichten stattfindet, handelt es sich um Unterhaltung, die der Vernichtung überflüssiger Zeit dienen kann.[4] Die Relevanzen der Arbeit zielen indessen nicht auf diesen temporären Charakter eines Konsumnutzens ab. Es soll vielmehr die Systemtheorie beispielhaft an dem Subsystem einer Fernsehserie ausgelegt werden.

Wichtig ist, dass aus dem systemtheoretischen Blickwinkel immer sowohl die Ebene der Beobachtung erster Ordnung, d.h. der Selbst- und Fremdreferenz des Systems der Serie, als auch die Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung, durch den Zuschauer, berücksichtigt werden muss.[5]

Es soll aber auch gezeigt werden, wie interpersonale Beziehungen und Handlungen innerhalb einer Fernsehserie nur deshalb für den Zuschauer „lesbar“ werden, weil sie nicht unabhängig von Gesellschaft verstanden werden können. Dies soll in Punkt 2.2 des Hauptteils vor allem am Sujet der Unterhaltung erfolgen.

Um dieses Verhältnis zu klären, wird im begrenzten Rahmen dieser Arbeit versucht, das interpenetrative Verhältnis von Ideenwelt und Individuum[6] herauszuarbeiten. Hierbei soll auch gezeigt werden, dass eine Fernsehserie als massenmediales Produkt, an der Reproduktion von Ideen beteiligt ist. Besonders im Bezug auf die Darstellung persönlicher Beziehungen, muss sie bereits bestehende Semantiken aufgreifen, kann diese jedoch reformuliert reflektieren. Dies wird in Punkt 2.3 exemplarisch am Einsatz des Themas Liebe verdeutlicht. Am Ende der Arbeit wird ein Resümee gezogen und die vorläufigen Ergebnisse werden in ihrem Kontext dargelegt.

[...]


[1] Auf psychische Systeme soll in dieser Arbeit jedoch nicht konkret eingegangen werden.

[2] „Autopoietische Systeme sind autonom und können ihre Strukturen selbst erzeugen, (...) indem sie die

Komponenten und Bestandteile, aus denen sie bestehen, selbst produzieren und herstellen (...)“ (Kneer/

Nassehi, 2004, S. 48)

[3] D.h. die Massenmedien können nie unabhängig von ihr gedacht werden. Auch dann nicht, wenn sie nur auf sich selbst referieren.

[4] Vgl. Luhmann 2004b, S. 96

[6] Eine nähere Beschreibung dazu findet sich bei Luhmann 2003b, S. 13f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Kommunikationstheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V66472
ISBN (eBook)
9783638590570
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fernsehserien, Luhmann, Unterhaltung, Serie, Proseminar, Kommunikationstheorie
Arbeit zitieren
Stephanie Koch (Autor), 2006, Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66472

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