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Was läßt Menschen schuldig werden? 'Täterprofile' in Erich Hackls Erzählung Abschied von Sidonie und Jurek Beckers Roman Bronsteins Kinder

Title: Was läßt Menschen schuldig werden? 'Täterprofile' in Erich Hackls Erzählung Abschied von Sidonie und Jurek Beckers Roman Bronsteins Kinder

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 17 Pages , Grade: 1,75

Autor:in: Manuela Freese (Author)

German Studies - Modern German Literature
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"Abschied von Sidonie" und "Bronsteins Kinder" sind Bücher, die auf den ersten Blick gesehen, keinen Vergleichsansatz bieten. Allein der Zeitunterschied zwischen dem Erzählten läßt zunächst vermuten, daß die Inhalte nicht viele Ähnlichkeiten aufweisen. Hackls Werk handelt von einem Mädchen, das durch den in Deutschland herrschenden Rassismus und dessen Auswirkungen auf die Menschen ums Leben gekommen ist. Sidonie ist das Opfer, das sich nicht wehren kann und deshalb sterben muß. Die Täter sind ‚ganz normale Menschen‘, deren Opportunismus und Feigheit sie schuldig werden läßt.
In Jurek Beckers Roman ist es Arno Bronstein, ein anerkanntes Opfer des Faschismus, das zum Mittel der Selbstjustiz greift, um sich von den Ereignissen der Vergangenheit zu befreien. Er scheitert jedoch an diesem Versuch und stirbt. Indem Arno Bronstein selbst Gewalt ausübt, wird er vom Opfer zum Täter.
In den Büchern werden also zwei unterschiedliche ‚Täterprofile‘ gezeichnet. Ziel dieser Arbeit ist es, Gründe aufzuzeigen, warum einige handelnde Personen zum Täter und damit schuldig geworden sind. Ich gehe von der These aus, daß die Schuldigen in "Abschied von Sidonie" eine gewisse ‚Wahl‘ gehabt haben. Der Einsatz von Zivilcourage und gesundem Menschenverstand hätte Sidonie eine Überlebenschance gegeben.
Arno Bronstein wird schuldig, weil er unter einem gewissen Zwang handelt. Seine Psyche hat die Zeit im Lager nicht verarbeitet, so daß ihm ein normales Leben unmöglich ist. Sein Weg der Vergangenheitsbewältigung wäre nicht der Assimilationsversuch, der am Ende zur Katastrophe führt, sondern eine psychologische Betreuung, die auch auf eine verbesserte Beziehung zu seinem Sohn Hans gezielt hätte, gewesen. Doch auch Jahre nach dem Holocaust „verwüstet Hitler noch sein Leben“, so daß ihm eine seelische Gesundung verwehrt bleiben muß.
Im folgenden stelle ich die Personen jeweils vor den Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Umstände, um dann die Bedeutung der Zeit für Opfer als auch Täter deutlich zu machen. In einem abschließenden Kapitel fasse ich die Erkenntnisse über die Täterprofile zusammen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Abschied von Sidonie

1. Perversität des Weltbildes, in das Sidonie nicht paßt

2. Bestialität des Anstandes

3. „Siehst du, jetzt bin ich auch weiß“ – Sidonies Strategie der Anpassung

III. Bronsteins Kinder

1. Assimilationsversuch

2. Vom Opfer zum Täter

IV. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Täterprofile in Erich Hackls Erzählung "Abschied von Sidonie" und Jurek Beckers Roman "Bronsteins Kinder", um die Beweggründe für schuldhaftes Handeln aufzuzeigen. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Umstände, psychische Traumata und der Mangel an Zivilcourage Menschen zu Tätern werden lassen.

  • Analyse der nationalsozialistischen Rassenideologie und deren Auswirkungen auf das Individuum.
  • Untersuchung der psychologischen Folgen von Verfolgung und deren Auswirkungen auf die Täterwerdung von Opfern.
  • Kritische Betrachtung der Vergangenheitsbewältigung in der DDR und BRD.
  • Reflektion über die Rolle von Zivilcourage, Opportunismus und Verantwortung in totalitären Systemen.

Auszug aus dem Buch

3. „Siehst du, jetzt bin ich auch weiß“ – Sidonies Strategie der Anpassung

Das Mädchen scheint oberflächlich betrachtet keine Schwierigkeiten im Umgang mit den Diskriminierungen durch die Erwachsenen und Kinder zu haben. Der Leser erfährt nie direkt von Sidonie, als wie verletzend sie manchmal ihre Umgebung empfindet, denn sie leidet still und versucht sich anzupassen.

Aber der Leser kann mit Hilfe des Puppensymbols einen Blick in das Innere des Kindes werfen, das sich die äußerlichen Attribute der allgemein anerkannten ‚arischen Schönheit‘ wünscht, um Anerkennung zu finden: „[...] eine richtige Puppe [...] mit einem weißen Kleid, Armen und Beinen, die sich abwinkeln ließen, einem kleinen roten Mund, blauen Augen, die sich mit einem leisen Klicken schlossen, wenn Sidonie die Puppe schlafen legte, und Haaren, so blond wie die Haare der Lehrerin Schönauer (AvS, S. 77).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die kontrastreiche Auswahl der Werke ein und legt die Forschungsfrage zur Entstehung unterschiedlicher Täterprofile dar.

II. Abschied von Sidonie: Dieses Kapitel analysiert die rassistische Ausgrenzung Sidonies sowie die feige Beteiligung der örtlichen Autoritäten am Vernichtungsprozess.

III. Bronsteins Kinder: Der Abschnitt beleuchtet die Identitätskrise der jüdischen Nachkriegsgeneration und die Transformation eines Opfers zum Täter durch traumatisierende Erlebnisse und fehlende Aufarbeitung.

IV. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse und verknüpft sie mit der aktuellen gesellschaftlichen Debatte über Kollektivschuld und Verantwortung.

Schlüsselwörter

Täterprofile, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung, Sidonie, Bronstein, Rassenideologie, Zivilcourage, Mitläufer, Opfer-Täter-Dynamik, DDR, Holocaust, Identität, Diskriminierung, Kollektivschuld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Ursachen für schuldhaftes Verhalten anhand von Erich Hackls "Abschied von Sidonie" und Jurek Beckers "Bronsteins Kinder".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen Rassismus, die psychischen Folgen des Holocaust, die Rolle von Mitläufern sowie die Schwierigkeiten der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, die Gründe aufzuzeigen, warum verschiedene Charaktere in den ausgewählten Werken zu Tätern werden, und die individuellen Handlungsspielräume zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die literarischen Charaktere vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen untersucht.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Stigmatisierung Sidonies im Nationalsozialismus sowie die psychologische Entwicklung Arno Bronsteins vom Opfer zum Täter in der DDR.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Täterprofile, Rassenideologie, Verdrängung, Zivilcourage und die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Wie unterscheidet sich die Täterwerdung in den beiden Büchern?

Während die Täter bei Hackl aus Opportunismus und vorauseilendem Gehorsam handeln, resultiert die Täterwerdung bei Jurek Becker aus einem traumatisierten Inneren und dem gescheiterten Versuch der Vergangenheitsbewältigung.

Welche Rolle spielt der "Untertanengeist" für den Autor?

Der Begriff wird verwendet, um die kritische Haltung gegenüber einer Obrigkeit zu beschreiben, die das eigenständige Denken lähmt und moralische Verantwortung verdrängt.

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Details

Title
Was läßt Menschen schuldig werden? 'Täterprofile' in Erich Hackls Erzählung Abschied von Sidonie und Jurek Beckers Roman Bronsteins Kinder
College
University of Göttingen  (Deutsche Philologie)
Course
Jüdisch-deutsche Nachkriegsliteratur
Grade
1,75
Author
Manuela Freese (Author)
Publication Year
2000
Pages
17
Catalog Number
V6650
ISBN (eBook)
9783638141796
Language
German
Tags
Abschied von Sidonie; Erich Hackl; Bronsteins Kinder; Jurek Becker
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manuela Freese (Author), 2000, Was läßt Menschen schuldig werden? 'Täterprofile' in Erich Hackls Erzählung Abschied von Sidonie und Jurek Beckers Roman Bronsteins Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6650
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