In dieser Hausarbeit lege ich es nicht darauf an, die Begriffsgeschichte des Hybriden zu klären, sondern zunächst muß verstanden werden, daß diese Bezeichnung in ganz unterschiedlichen Diskursen verwendet wird.
Dort soll sie angemessen ein Sachverhalt, eine Problem oder eine Lösung dessen beschreiben. Die Entwicklung der Postmoderne hat sich in den meisten Bereichen gezeigt, daß die klaren, trennbaren und sich auf "Reinheit" referierenden Definitionen unzulänglich sind, wie sich im Laufe meiner Hausarbeit zeigen wird.
Zunächst sollte das Terrain auf dem die Kategorie des Hybriden eine Rolle spielt abgesteckt werden, die historischen und aktuellen Verwendungszusammenhänge geklärt sein, denn erst dann ist es möglich, zu beurteilen, was die Bezeichnung unsere Kultur als einer Hybridkultur leistet.1
Nach diesem Schema ist auch meine Hausarbeit aufgebaut. Ich halte es für wichtig, zunächst einmal auf den Begriff "Hybrid" im allgemeinen Gebrauch einzugehen und dabei deutlich zu zeigen, daß es die Kategorie des Hybriden in ganz unterschiedlichen Diskursen gibt. Hybridizität kann sich nicht nur auf einen Bereich unserer Kultur beziehen, denn es ist das Schlagwort, was die Postmoderne zeitgemäß charakterisiert. Um Hybridizität in ihrem einzelnen Diskurs zu verstehen, ist es sinnvoll, deren Definition aus der Forschung her zu erschließen. Mit Hilfe dieses Hintergrundwissens ist der Begriff logisch zerlegt und unmißverständlich. Im Anschluß daran beziehe ich mich auf die Überlegungen von McLuhan zur Kategorie des Hybriden, der die zuvor erläuterte Begriffsdefinition in ausgewählten Medietheorien einarbeitet. Ich werde mich im zweiten Teil dieser Hausarbeit exemplarisch auf die elektronischen Medien konzentrieren, da das Medium Computer meines Erachtens nach eine große Relevanz im medientheoretischen Diskurs erhält und werde ich im Anschluß daran auf seine Eigenschaften als hybrides Medium näher eingehen, welches uns hybride Körper, Bildschirme und "Replikanten" beschert. Beispiele vom virtuellen Leben und hybriden Körpern, sowie deren Auswirkung auf den Körper und Körpererfahrung angesichts zunehmender Hybridisierung von Mensch und Maschine wie sie anschaulich von Margaret Morse geschildert werden, sind Thema meiner beiden letzten Kapitel. Im Schlußwort werde ich die Aspekte benennen, die die Hybridkultur als passende Bezeichnung für die unsrige Kultur, erscheinen läßt.
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Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Hybridizität in unterschiedlichen Diskursen
3.0 Fachterminus “Hybrid”
4.0 Ausgewählte Medientheorie und die Kategorie des Hybriden
5.0 Hybridmedium “Computer”
6.0 Virtuelle Welten und hybride Körper
7.0 Das veränderte Körperbewußtsein
8.0 Schlußwort
9.0. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kategorie des Hybriden im medientechnischen Diskurs. Ziel ist es, die Entwicklung und Bedeutung der Hybridisierung im Kontext postmoderner Gesellschaften zu beleuchten, wobei insbesondere die Rolle des Computers als hybrides Medium sowie dessen Auswirkungen auf das menschliche Körperbewusstsein und die Identitätskonstruktion in virtuellen Welten analysiert werden.
- Bedeutung und Begriffsgeschichte der Hybridisierung in unterschiedlichen Diskursen
- Analyse der medientheoretischen Überlegungen von McLuhan zur Kategorie des Hybriden
- Der Computer als hybrides Medium und die Auflösung traditioneller Schnittstellen
- Virtuelle Welten und die Transformation des Körpers in Form von "Replikanten"
- Veränderungen des menschlichen Körperbewusstseins durch moderne Medientechnologien
Auszug aus dem Buch
6.0 Virtuelle Welten und hybride Körper
Gerade Körper und Körpererfahrung verändern sich angesichts der computergegebenen virtuellen Realität, Cyberspace und Körpergeräten. Sie verkörpern geradezu vorbildlich die zunehmende Hybridisierung von Mensch und Maschine und verändern dadurch letztlich auch das vorherrschende Bild des Körpers.
Margaret Morse setzt sich mit der virtuellen Realität auseinander und fragt sich dabei “ wo bleibt der Körper und was passiert mit ihm”25? Entgegen dem lange Zeit unhinterfragten cartesianischen Weltbild, das dem Körper eine unteilbare Einheit zuschreibt, jedoch vom Geist getrennt gesehen werden kann, bestätigen für Morse Erfahrung im Cyberspace, was Naturwissenschaftler, Philosophen und Psychoanalytiker des 20 Jahrhunderts über die Verbindung zwischen Körper, Selbstbewußtsein und Wahrnehmung mit der Außenwelt unlängst wissen: Der Körper ist ein Projekt, in dem überlappende Systeme zusammenarbeiten, für die von einem äußeren Blickpunkt aus eine imaginäre Einheit konstruiert werden muß. Lacan nannte es “die Spiegelphase” nannte.26 Dabei kann dieses vereinheitlichte Bild verschiedenste Formen annehmen. So sehen wir unser Eigenbild in den Augen eines anderen anders, als im Spiegel oder auf Photos bzw. gemalten Bildern. Der Körper ist ein Massenprodukt, in dem Moment, wo er sich in Druck oder Fotographie der öffentlichen Werbebranche wiederfindet und mutiert zu einem “Live” - Körper in Fernsehen und Video. So auch in der computerunterstützten virtuellen Bildwelt. Die virtuelle Bildwelt gibt dem Menschen die Möglichkeit nicht mehr an den Körper gebunden zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung steckt das Terrain ab und erläutert, dass die Kategorie des Hybriden in der Postmoderne ein zentrales Schlagwort darstellt, das zur Analyse moderner Mediensysteme notwendig ist.
2.0 Hybridizität in unterschiedlichen Diskursen: Dieses Kapitel definiert Hybridisierung als Prozess der Kombination von Elementen verschiedener Zeitdimensionen und betont deren Hochkonjunktur in modernen sozialen und kulturellen Verhältnissen.
3.0 Fachterminus “Hybrid”: Hier wird der Ursprung des Begriffs in den Naturwissenschaften untersucht, um ein präzises Verständnis für den technologischen Kontext von Effizienzsteigerung und Komplexität zu gewinnen.
4.0 Ausgewählte Medientheorie und die Kategorie des Hybriden: Die Arbeit bezieht sich auf Marshall McLuhans Medientheorie, um den Prozess der Medienkreuzung und deren Auswirkung auf die menschliche Sinneswahrnehmung darzulegen.
5.0 Hybridmedium “Computer”: Dieser Abschnitt analysiert den Computer nicht mehr bloß als Werkzeug, sondern als ein hybrides System, das die Trennung von öffentlichem und privatem Gebrauch aufhebt.
6.0 Virtuelle Welten und hybride Körper: Das Kapitel behandelt die Auswirkungen von Cyberspace und virtuellen Realitäten auf das menschliche Körperbild und die Entstehung von sogenannten „Replikanten“.
7.0 Das veränderte Körperbewußtsein: Hier wird anhand künstlerischer Beispiele wie der „Closed-Circuit-Installationen“ aufgezeigt, wie die digitale Medientechnologie zur Dezentrierung des Selbst und zur Krise der Identität führen kann.
8.0 Schlußwort: Das Fazit stellt fest, dass Hybridisierung zwar Fortschritt bedeutet, jedoch kritisch hinsichtlich der zunehmenden Entfremdung von der Realität durch virtuelle Welten betrachtet werden muss.
9.0. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Hybridisierung, Postmoderne, Medientheorie, McLuhan, Computer, Virtuelle Welt, Cyberpace, Replikant, Körperbewusstsein, Identität, Digitale Medien, Mensch-Maschine, Interaktion, Techniksoziologie, Hybridkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der „Kategorie des Hybriden“ und deren Anwendung im medientechnischen Diskurs der Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die medientheoretische Fundierung des Hybrid-Begriffs, der Wandel des Computers zum hybriden Medium sowie die Auswirkungen auf das menschliche Körperbewusstsein in virtuellen Räumen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verdeutlichen, wie die zunehmende Hybridisierung von Mensch und Maschine das traditionelle Körperverständnis und die gesellschaftliche Kommunikation transformiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisch-analytischer Ansatz verfolgt, der medientheoretische Konzepte (insbesondere nach Marshall McLuhan und Margaret Morse) auf aktuelle technologische Phänomene und künstlerische Installationen anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Begriffs Hybrid, die medientheoretische Einordnung, die spezifische Betrachtung des Computers als Hybridmedium sowie eine detaillierte Analyse virtueller Körper und deren psychischer Implikationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hybridisierung, Medientheorie, Postmoderne, Cyberspace, Identität und Körperbewusstsein.
Wie verändert der Computer laut der Arbeit die Trennung von Privatsphäre und Öffentlichkeit?
Die Arbeit argumentiert, dass der Computer die traditionelle räumliche und zeitliche Trennung von öffentlichem und privatem Bereich auflöst, da er vom privaten Schreibtisch aus direkt in den öffentlichen Raum der weltweiten Vernetzung eindringt.
Warum betrachtet die Autorin künstlerische „Closed-Circuit-Installationen“ als relevant?
Diese Installationen dienen als Anschauungsmaterial dafür, wie Medien die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Identität beeinflussen, indem sie den Betrachter mit seinem eigenen Bild konfrontieren und so das Spannungsfeld zwischen Identität und Fremdsteuerung offenlegen.
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- Anonym (Author), 2000, Die Kategorie des Hybriden im medientechnischen Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6655