Die Kategorie des Hybriden im medientechnischen Diskurs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

21 Seiten, Note: gut

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Hybridizität in unterschiedlichen Diskursen

3.0 Fachterminus “Hybrid”

4.0 Ausgewählte Medientheorie und die Kategorie des Hybriden

5.0 Hybridmedium “Computer”

6.0 Virtuelle Welten und hybride Körper

7.0 Das veränderte Körperbewußtsein

8.0 Schlußwort

9.0. Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

In dieser Hausarbeit lege ich es nicht darauf an, die Begriffsgeschichte des Hybriden zu klären, sondern zunächst muß verstanden werden, daß diese Bezeichnung in ganz unterschiedlichen Diskursen verwendet wird.

Dort soll sie angemessen ein Sachverhalt, eine Problem oder eine Lösung dessen beschreiben. Die Entwicklung der Postmoderne hat sich in den meisten Bereichen gezeigt, daß die klaren, trennbaren und sich auf “Reinheit” referierenden Definitionen unzulänglich sind, wie sich im Laufe meiner Hausarbeit zeigen wird.

Zunächst sollte das Terrain auf dem die Kategorie des Hybriden eine Rolle spielt abgesteckt werden, die historischen und aktuellen Verwendungszusammenhänge geklärt sein, denn erst dann ist es möglich, zu beurteilen, was die Bezeichnung unsere Kultur als einer Hybridkultur leistet.[1]

Nach diesem Schema ist auch meine Hausarbeit aufgebaut. Ich halte es für wichtig, zunächst einmal auf den Begriff “Hybrid” im allgemeinen Gebrauch einzugehen und dabei deutlich zu zeigen, daß es die Kategorie des Hybriden in ganz unterschiedlichen Diskursen gibt. Hybridizität kann sich nicht nur auf einen Bereich unserer Kultur beziehen, denn es ist das Schlagwort, was die Postmoderne zeitgemäß charakterisiert. Um Hybridizität in ihrem einzelnen Diskurs zu verstehen, ist es sinnvoll, deren Definition aus der Forschung her zu erschließen. Mit Hilfe dieses Hintergrundwissens ist der Begriff logisch zerlegt und unmißverständlich. Im Anschluß daran beziehe ich mich auf die Überlegungen von McLuhan zur Kategorie des Hybriden, der die zuvor erläuterte Begriffsdefinition in ausgewählten Medietheorien einarbeitet. Ich werde mich im zweiten Teil dieser Hausarbeit exemplarisch auf die elektronischen Medien konzentrieren, da das Medium Computer meines Erachtens nach eine große Relevanz im medientheoretischen Diskurs erhält und werde ich im Anschluß daran auf seine Eigenschaften als hybrides Medium näher eingehen, welches uns hybride Körper, Bildschirme und “Replikanten” beschert. Beispiele vom virtuellen Leben und hybriden Körpern, sowie deren Auswirkung auf den Körper und Körpererfahrung angesichts zunehmender Hybridisierung von Mensch und Maschine wie sie anschaulich von Margaret Morse geschildert werden, sind Thema meiner beiden letzten Kapitel. Im Schlußwort werde ich die Aspekte benennen, die die Hybridkultur als passende Bezeichnung für die unsrige Kultur, erscheinen läßt.

2.0 Hybridizität in unterschiedlichen Diskursen

Der Begriff des “Hybriden” hat Hochkonjunktur, und das auf ganz unterschiedlichen Gebieten: Ob es nun Firmen sind, die mit “hybriden Serviceleistungen” werben oder ob es die “Hybrid city” im Internet ist, die Informationen und Dienste der unterschiedlichsten Art anbietet.

Von der Molekularbiologie aus, wo sich wohl der Ursprung der Kategorie des Hybriden finden läßt, findet sich das “Hybride” nicht nur in spezifischen Sachverhalten wieder, sondern die Welt insgesamt wird als “ hybrid” bewertet.

Auch wenn es um Analysen der postmodernen Gesellschaft geht ,dann muß das Hybride als ein charakterisierendes Merkmal gesehen werden.[2] Schon ein genauerer Blick auf unser gegenwärtiges soziales und kulturelles Umfeld zeigt: immer mehr sind kulturelle und soziale Verhältnisse von jenen Mischungen und Durchdringungen gekennzeichnet.[3]

Hybridizität entsteht durch die Vermischung von prämodernen und modernen Organisationsformen. So wäre die USA ein Beispiel für die “hybride Gesellschaft” laut William Bergquist, da sich dort unterschiedliche Wertesysteme und Lebensstile vermischen.[4]

Will man die Kategorie des Hybriden allgemein beschreiben, so kann festgehalten werden, daß Hybridisierung Entwicklungen bezeichnet, in denen sich unterschiedliche Formen aus unterschiedlichen Zeitdimensionen miteinander kombinieren. Der Gegenbegriff zur Hybridisierung ist die Modernisierung, die dagegen nämlich ein linear verlaufender Prozeß ist.

Das Hybride ist in unterschiedlichen Bereichen anzutreffen, ob nun im naturwissenschaftlichen, technikwissenschaftlichen, soziologischen, ästhetischen, philosophischen, linguistischen oder medientheoretischen Diskurs. Es ist kaum möglich alle Diskurse trennscharf auseinander zu halten, da es “praehybride” Überschneidungen in den Betrachtungsweisen gibt.[5] Medientheoretische Überlegungen lassen sich zum Beispiel nicht nur mit Hilfe soziologischer Theorien betrachten, denn auch andere Betrachtungsweisen können angewandt werden. So kann die Hybridisierung der Medien nicht nur aus der soziologischen Perspektive beurteilt werden, sondern auch aus technologisch - wissenschaftlichen Aspekten. Ästhetische Überlegungen sind in vielen Bereichen von den medientheoretischen Reflexionen nicht trennbar, da Kunst- bzw. Mediensysteme sich in vielfacher Weise aufeinander beziehen. Beispiele sind dafür die Close - Circuit - Installtionen, die ich noch in Kapitel sechs beschreiben werde.

Es “entleeren” sich immer mehr die althergebrachten und tradierten Definitionen und Kategorien ihres Inhaltes, die das Wissen in unterschiedliche Disziplinen unterscheiden wollen. Es sollte statt dessen mehr im “Ungefähren, Vermischten und Fließenden” gedacht werden, was letztlich terminologische Veränderungen bewirt.[6]

Schon “ pluri”-, “inter”-, “trans”-, “multi”- oder “tele”- sind Vorsilben die Vermischungen und Durchdringungen anzeigen und eine Umstrukturierung unserer tradierten Kenntnisse bewirken. Dabei geschieht nichts anderes, als daß alte Logikmodelle befragt, erweitert oder teilweise revidiert, jedoch nicht einfach ausgetauscht werden.

Doch was steckt noch hinter dem Begriff “Hybrid” und worauf basiert sein Inhalt. Um diese Frage zu klären, sollte man dahin gehen, wo der Begriff schon lange als Fachterminus benutzt wird, und zwar in die Naturwissenschaft.

3.0 Fachterminus “Hybrid”

Um keine falsche Anwendung der Metapher “hybrid” zu begehen, ist es sinnvoll seine Verwendungsweise bzw. seinen Sinngehalt vom Verständnis der Forschung, wo die Kategorie des Hybriden Fachterminus ist, abzuleiten.

Schon in der Forschung gibt es den Hybridizitätsbegriff. So spricht man in der Tier - und Pflanzenforschung von Bastarden oder eben “Hybriden”. Damit wird ein Nachkomme aus einer Hybrid - bzw. einer Heterosiszüchtung bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Kombination von Merkmalen, Eigenschaften und Anlagen, die auch einzeln zu identifizieren sind. Innerhalb der Chemie geht es um Vermischungen, wenn man das Wort der Hybridisierung verwendet. Ob nun in der Zoologie, Biologie oder Chemie, es geht bei dem Prozeß der Hybridisierung um eine Vermischung mit dem Ziel der Effizienzsteigerung.[7]

Vermischung und Effizienzsteigerung sind typisch für alle Prozesse der Hybridisierung, ob nun im biologischen, chemischen, technologischen oder medizinischen Zusammenhang. Technologisch hieße diese Doppelleistung von Vermischung und der darauf basierenden Effizienz “ Geschwindigkeit und Multifunktionalität”. Beispiele dafür stehen bei den meisten Menschen im Büro: Computer. Dank der Hybridisierung und Multifunktionalität sind hybride Maschinen bzw. hybride Systeme nun von hoher Effizienz. So kann am Computer in Schnelligkeit erledigt werden, was früher viel Zeit in Anspruch genommen hat. Ob es Informationen aus dem Internet sind, die mit wenigen Mouseklicks nun zu erhalten sind, anstatt langem Nachfragen, Nachschlagen oder Lesen an den entsprechenden Orten oder ob es sich um zeitsparende Software handelt, die dem Benutzer die halbe Arbeit in Finanzverwaltung spart.

Der Prozeß der Hybridisierung meint also in den unterschiedlichen Diskursen immer eine Kombination von Materialien oder Energien, die sich in einigen Merkmalen unterscheiden, andere aber wiederum gemeinsam haben. Außerdem bedeutet Hybridisierung auch die Vereinigung unterschiedlicher technischer Systeme auf einem Träger, so daß dieser multifunktional wird. Ein Beispiel dafür stellt die CD - Rom dar, die ebenso wie auf DOS, als auch auf Macintosh - Betriebssystemen abgespielt werden kann. Als Effizienzsteigerung kann man die vielseitige Verwendbarkeit sehen, ebenso wie die Zeitersparnis, die eine CD - Rom mit sich bringt.

Ein drittes Kennzeichen der Hybridisierung ist die größere Komplexität. Die Hybridisierung bedeutet nich nur die Interaktion oder Kombination analoger und digitaler Daten, sondern auch die Kombination von Rechner- und Real - Zeit, von Elektronik und Mechanik und von unterschiedlichen chemischen Stoffen.[8]

[...]


[1] vgl. Schneider, Irmela: Hybridkultur. Medien, Netze, Künste. Irmela Schneider/ Christian W. Thomson (Hrsg.) - Köln: 1997, S.17

[2] vgl. Schneider, Irmela: Hybridkultur, 1997,S.13

[3] vgl. Schneider, Irmela: Hybridkultur,1997, S. 8

[4] vgl. Schneider, Irmela: Hybridkultur,1997, S. 13f

[5] Schneider, Irmela: Hybridkultur,1997, S. 17

[6] vgl. s.o.

[7] vgl. Schneider, Irmela: Hybridkultur,1997, S. 18

[8] vgl Schneider, Irmela: Hybridkultur,1997, S.19

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Kategorie des Hybriden im medientechnischen Diskurs
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Soziologie)
Note
gut
Jahr
2000
Seiten
21
Katalognummer
V6655
ISBN (eBook)
9783638141833
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kategorie, Hybriden, Diskurs
Arbeit zitieren
Anonym, 2000, Die Kategorie des Hybriden im medientechnischen Diskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6655

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Kategorie des Hybriden im medientechnischen  Diskurs



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden