Die französische Präposition "en"


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Etymologischer und historischer Aspekt
2.1 Etymologischer Aspekt
2.2 Historischer Überblick über die Bedeutungsentwicklung

3. Vereinfachte Kategorisierung des aktuellen Gebrauchs von en
3.1 Temporaler Gebrauch
3.2 Lokaler Gebrauch
3.3 Modaler und anderer Gebrauch

4. En in der Textgrammatik
4.1 Kategorisierung: en als Präposition des engen Einschlusses
4.2 Lexikalisierte en -Junktionen
4.3 Messende en -Junktionen
4.4 En -Junktionen mit Eigennamen

5. En aus strukturalistischer Sicht
5.1 Sprachbedeutung
5.2 Klassifizierungsmöglichkeiten der Redebedeutung
5.3 Typen der Redebedeutung

6. En in Abgrenzung zu semantisch ähnlichen Präpositionen in Minimalpaaren
6.1 En und pendant
6.2 En und à
6.3 En und de
6.4 En und dans

7. Zusammenfassung und Ausblick

8. Bibliographie

9. Anhang

1. Einleitung

Die Präposition en war im Laufe der Geschichte mit verschiedenen Hoch- und Tiefphasen konfrontiert. So war ihr Gebrauch seit dem ersten schriftlich belegten Vorkommen in den Straßburger Eiden bis zur französischen Klassik sehr stark verbreitet, während sie dagegen seit dem 17. Jahrhundert auf vielen Ebenen von anderen Präpositionen abgelöst wurde und erst heute wieder ein Anstieg, verbunden mit einem Bedeutungszuwachs, zu verzeichnen ist.

Diese Arbeit thematisiert den aktuellen Gebrauch der Präposition en und widerspricht Grammatiken, die in den Präpositionen lediglich „des mots grammaticaux[1] sehen und ihnen nur synsemantische Funktionen zuweisen. Deshalb erfüllen viele Grammatiken in Hinsicht auf die Präpositionen keinesfalls ihren Vollständigkeitsanspruch. Die Komplexität, die Bedeutungsvielfalt und die verschiedenen Möglichkeiten zur Klassifizierung von en werden in den unterschiedlichen sprachwissenschaftlichen Ansätzen von Weinrich und Lang diskutiert. Besonders in Konkurrenz zu anderen Präpositionen wird der Bedeutungsgehalt von en evident, sobald man nämlich in Minimalpaaren durch einen Austausch der Präposition einen semantisch völlig veränderten Ausdruck erhält.

2. Etymologischer und historischer Aspekt

2.1 Etymologischer Aspekt

Die Präposition en ist eine Modifikation des altfranzösischen in, das, soweit bekannt, erstmals 842 auftritt. Das altfranzösische in hat sich aus dem lateinischen in, das sowohl lokal als auch temporal mit der Bedeutung dans, sur gebraucht wurde, entwickelt und ist auf das indoeuropäische en mit der lokalen Bedeutung dans zurückzuführen. Schematisch vereinfacht kann also folgende Entwicklung festgestellt werden: indoeurop. en > lat. in > altfrz. in > frz. en.[2]

2.2 Historischer Überblick über die Bedeutungsentwicklung

Die ersten schriftlichen Belege für die Verwendung der Präposition en stammen aus der Zeit der Straßburger Eide, wo zunächst temporaler und lokaler Gebrauch festgestellt werden können. En wird 842, zunächst noch in seiner altfranzösischen Form in, mit der Bedeutung dans, pendants un temps gebraucht, um eine Bewegung in der Zeit und, gegen Ende des 10. Jahrhunderts, um einen Zeitpunkt auszudrücken. Als lokale Präposition wird en im 9. Jahrhundert sowohl statisch als auch dynamisch verwendet, mit der Bedeutung sur taucht es erstmals am Ende des 10. Jahrhunderts in Wendungen wie en croix auf. Gleichzeitig wird en aber auch verwendet, um abstrakte Orte auszudrücken: croire en Dieu, se fier en qqn. Der modale Gebrauch von en hat seinen Ursprung im 10. und 11. Jahrhundert. In dieser Zeit datiert auch der Ausdruck garder en ottage. Die Verwendung von en um anzugeben, aus welchem Material etwas besteht, führt man auf das 16. Jahrhundert zurück, wo en als Synonym zu fait de in en bois, en terre erstmals belegt ist.

En wird bis zur Klassik weitaus häufiger gebraucht als im heutigen Französischen. Im Altfranzösischen wird en mit dem bestimmten Artikel verwendet. En und le wurden zu el, ou und on zusammengefasst, was wahrscheinlich oft zu handschriftbedingten Verwechslungen mit au geführt hat, woraufhin diese Formen im 16.Jahrhundert zugunsten von au verschwinden. Die Pluralform ès , die sich aus en und les bildet, ist heute nur noch in Ausdrücken wie docteur ès lettres, ès qualités existent. Zur Zeit der französischen Klassik werden viele Verben, die heute mit à oder anderen Präpositionen gebildet werden, mit en konstruiert. Ebenso verwendet man bis ins 17. Jahrhundert en anstelle von à vor Städtenamen. Die heute noch vereinzelt auftretenden Ausdrücke wie en Avignon oder en Arles werden als Archaismen oder „imitation de l’usage occitan[3] bezeichnet, auch wenn man historisch argumentieren und damit Avignon als päpstlichen Staat sehen könnte, was die Verwendung von en rechtfertigen würde.

Generell kann man feststellen, dass neben à häufig die Präpositionen dans (en sa cour, en l’amour de), sur (Dieu est déscendu en terre) und de (être en mauvaise humeur) an die Stelle von en gerückt sind.[4]

Obwohl en heute aus normativer Sicht ein weitaus geringeres Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten als noch vor dem 17.Jahrhundert bietet, lässt sich das Bedeutungsspektrum von en grundsätzlich in drei Kategorien einteilen. Im Petit Robert ist en als „préposition marquant en général la position à l’intérieur de limites spatial, temporelles ou notionnelles[5] bezeichnet. Wir gliedern den Gebrauch von en also in lokalen, temporalen und modalen Gebrauch, wobei unter letzteren sämtliche Verwendungen fallen, die nicht als lokal oder temporal eingestuft werden können. Eine ausführlichere Gliederung bietet Lang, auf dessen Modell in 5. näher eingegangen wird.

3. Vereinfachte Kategorisierung des aktuellen Gebrauchs vo nen

3.1 Lokaler Gebrauch

En kann sowohl statisch wie in habiter en Meurthe et Moselle als auch dynamisch wie in aller en France oder partir en province verwendet werden. Es übernimmt die Bedeutung der lokal verwendbaren Präpositionen dans, à, sur, und auch pour, das vorwiegend dynamisch verwendet wird. Gerade im geographischen Bereich spielt en nach Grevisse eine entscheidende Rolle. Er untergliedert diesbezüglich den Gebrauch von en sehr ausführlich und untermauert dies mit einer Reihe von Beispielen, wohingegen der temporale Aspekt nur unter dem letzten Punkt seiner „emplois particuliers de en[6] unter expressions diverses kurz angeschnitten wird.

Ländernamen werden nach Grevisse mit en konstruiert, sofern sie femininen Geschlechts sind oder mit Vokal beginnen.

Vor großen, nahen oder entfernten, weiblichen Inseln wie la Sardaigne, l’Islande steht en, während vor den kleinen, femininen, aber weit entfernten Inseln à la steht. Kleine europäische Inseln wie Malte und Cypre oder große Inseln maskulinen Geschlechts wie Cuba und Madagascar werden mit à konstruiert.

Bei den Namen der historischen Provinzen gilt nach Grevisse folgendes: En wird bei femininen oder mit Vokal anlautenden Provinzen verwendet, wobei Grevisse hier die Möglichkeit einer Verwendung von dans nicht ausschließt was rückwirkend diese „Regel“ überflüssig macht. So ist sowohl en Anjou als auch dans l’Anjou möglich. Bei maskulinen, konsonantisch anlautenden Provinzen können en oder dans, selten auch au verwendet werden: en Brabant, dans le Brabant, dans le Berry, au Berry.

Vor französischen Departements verwendet man en oder dans, wenn sie einen mit et verbundenen Doppelnamen haben: en Seine-et-Marne. Sonst wird, wie in dans la Gironde die Präposition dans mit dem jeweiligen Artikel gesetzt.[7]

3.2 Temporaler Gebrauch

Als temporal gebrauchte Präposition nimmt en hauptsächlich die Bedeutungen von à, dans und pendant an. Dabei kann en einen grobgefassten Zeitpunkt bestimmen, wie en décembre, en ce bon jour, en 2003, samedi en huit, oder auch eine Zeitspanne betonen: J’ai fait mon travail en dix minutes, en peu de temps. Außerdem kann man auch die Progression in der Zeit und die Periodizität ausdrücken: de jour en jour, d’heure en heure. Analog lässt sich diese Funktion auch außerhalb des temporalen Gebrauchs auf Ausdrücke wie de plus en plus ausweiten.

3.3 Modaler und anderer Gebrauch

En kann zur Angabe eines Zustandes, einer Form und der Art und Weise verwendet werden und erhält Funktionen von comme oder en tant que. Zustand und Form werden in Beispielen wie être en guerre, en morceaux, oder mit einer théière en forme d’éléphant angegeben. Ebenso verwendet man en, um auszudrücken, dass etwas en silence passiert oder dass jemand en connaisseur spricht und gibt damit die Art und Weise an.

Ausdrücke wie un buste en marbre, des chaussettes en laine oder un sac en papier geben die Materie an, aus der etwas besteht. Diese sieht Robert eher als „extension du lieu[8], also als Ausdehnung des Ortes und situiert sie deshalb näher am lokalen Gebrauch von en. Hier wäre aber der Term „Durchdringung“, wie ihn Lang und übrigens in Ansätzen auch Weinrich verwenden, wohl zutreffender.

Analog zur Materie wird en auch verwendet, um eine Domäne oder ein Fachgebiet anzugeben. So spricht man von einem docteur en droit oder einem expert en assurances.

[...]


[1] Bescherelle, La grammaire pour tous, Paris 1997.

[2] Vgl. Le Robert, Dictionnaire historique de la langue française, Paris 1998, S. 1231

[3] Grevisse, Maurice, Le bon usage, Paris 1987, S. 1531

[4] Vgl. Le Robert, Dictionnaire historique de la langue française, Paris 1998, S. 1231

[5] Le Petit Robert, Dictionnaire de la langue française, Paris 1993, S. 843

[6] Grevisse, S. 1529

[7] Vgl. Grevisse, S. 1530-1531

[8] Le Petit Robert, S. 843

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Details

Titel
Die französische Präposition "en"
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,00
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V66580
ISBN (eBook)
9783638595476
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Präposition
Arbeit zitieren
Michael Kratky (Autor), 2003, Die französische Präposition "en", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66580

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