Die vorliegende Arbeit über das Kopulativkompositum widmet sich einem Phänomen der Komposition, dessen Status - zumal gegenüber den Determinativkomposita - nicht gesichert ist. Als Kopulativkomposita werden solche Verbindungen bezeichnet, deren Konstituenten in einem parataktischen Verhältnis stehen.
Diese Problematik ist im Verlauf der Wissenschaftsgeschichte hin und wieder erwähnt worden; aber erst seit der intensiveren Beschäftigung mit dem Altindischen, aus dem hierfür die Bezeichnung ´dvandva´ übernommen wurde, auch wieder stärker für die deutsche Sprache analysiert worden. Insgesamt gibt es verhältnismäßig wenige wissenschaftliche Abhandlungen zu diesem Thema. Diese sind zudem häufig sehr kontrover
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Teil 1: Begriffsbestimmung
1. Überblick
2. Kategorialer Status des Kopulativkompositums in der Fachliteratur
3. ´Klassische´ Definitionskriterien im Überblick
4. Diskussion
4.1 Morphosyntaktische Koordination und Wortakzent
4.1.1 Wortart
4.1.2 Anzahl der Konstituenten / Binarität
4.1.3 Fugenelemente
4.1.4 Graphie
4.1.5 Wortakzent
4.1.6 Zusammenfassung
4.2 Semantische Koordination
4.2.1 Zugehörigkeit der Konstituenten zum selben lexikalischen Paradigma
4.2.2 Reihenfolge und Vertauschbarkeit der Konstituenten
4.2.3 Überprüfung der semantische Gewichtung der Konstituenten
A) Empirie: Experimente und Kontext
B) Theorie: Syntagmatische Auflösung / Paraphrasen
4.2.4 Zusammenfassung
Teil 2: Bildungsregularitäten und Bildungsmuster
1. Kopulativ-verdächtige Komposita / Streitfälle
Typ (A): Hosenrock, Radiouhr, Schaf-Ziege
2. Kopulativkomposita
Typ (a): Nordost, Chlorwasserstoff
Typ (b): Dichter-Komponist
Typ (c): Baden-Württemberg
Typ (d): adjektivische Kopulativkomposita: süßsauer, spitzgelb
3. Zusammenfassung
Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das linguistische Phänomen des Kopulativkompositums, um zu klären, ob es sich dabei um eine eigenständige Kategorie innerhalb der Wortbildung handelt oder ob solche Bildungen als Subtyp der Determinativkomposita zu klassifizieren sind. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der parataktischen Relation der Konstituenten sowie der Identifikation valider formaler und semantischer Bestimmungskriterien.
- Kategorisierung und Status des Kopulativkompositums in der germanistischen Fachliteratur.
- Diskussion traditioneller formaler Kriterien wie Morphosyntax, Wortakzent und Fugenelemente.
- Analyse semantischer Bedingungen, insbesondere der Zugehörigkeit zum selben lexikalischen Paradigma.
- Überprüfung der Bedeutung von Kontext und Paraphrasierbarkeit für die Einordnung als Kopulativum.
- Erforschung von Bildungsregularitäten unter Einbeziehung kognitiver Grammatikansätze.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Wortart
Eine Grundvoraussetzung für eine koordinative Beziehung ist, daß die Konstituenten eines Kompositums derselben Wortart angehören. Dies ist prinzipiell auch bei Determinativkomposita möglich (Fensterbrett, schwerkrank etc.), jedoch können bei kopulativen Verbindungen Paraphrasen zur Verdeutlichung der grammatischen Gleichrangigkeit der Kompositionsglieder eingesetzt werden: Kompositum: die Sauce hat einen süßsauren Geschmack Syntagma: die Sauce hat einen süßen und (und auch / und gleichzeitig) sauren Geschmack.
Das in der Literatur häufig erwähnte Kriterium der Paraphrasierbarkeit des Kompositums impliziert jedoch oftmals eine Parallelität zwischen syntaktischem und semantischem Wert des ´und´. So ist beispielsweise für ERBEN „[w]irkliche Nebenordnung [...] nur zwischen grammatisch gleichrangigen Einheiten möglich, die durch und verbindbar“ sind. Von einer solchen Parallelität darf allerdings keinesfalls ausgegangen werden; das ´und´ in formaler Hinsicht signalisiert lediglich, daß eine Verbindung auf gleicher syntaktischer Stufe stattfindet.
Es ist wichtig, die Richtung der kausalen Folgerung von der Paraphrase auf die syntaktische Nebenordnung der Konstituenten zu beachten, denn ob eine syntagmatische Auflösung zulässig ist, ist in erster Linie ein semantisches Problem.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1: Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Vielfalt des Phänomens und diskutiert die schwierige Abgrenzung von Kopulativkomposita gegenüber Determinativkomposita anhand formaler und semantischer Kriterien.
Teil 2: Bildungsregularitäten und Bildungsmuster: Hier werden nominale und adjektivische Komposita auf ihre semantische Motiviertheit untersucht und für verschiedene Typen prototypische Bildungsmuster vorgeschlagen.
Schlüsselwörter
Kopulativkompositum, Determinativkompositum, Wortbildung, Germanistik, Morphosyntax, Parataxe, Semantik, Kompositionsmodell, Konstituenten, Paradigma, Lexikalisierung, Kognitive Grammatik, Bildungsmuster, Syntagmatische Auflösung, Sprachwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Definition und Kategorisierung von Kopulativkomposita in der deutschen Sprache und hinterfragt deren Abgrenzung zu den zahlreicheren Determinativkomposita.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die morphosyntaktischen Eigenschaften, die semantische Koordination, die Rolle von Kontext bei der Interpretation sowie die Identifikation spezifischer Bildungsmuster.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu eruieren, ob das Kopulativkompositum eine eigenständige Kategorie innerhalb der deutschen Wortbildung darstellt oder ob es als Untergruppe der Determinativkomposita zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine linguistische Analyse vorgenommen, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, der Diskussion traditioneller Kriterien und der Anwendung kognitiv-grammatikalischer Ansätze zur Modellbildung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Diskussion bestehender Definitionskriterien (z.B. Wortart, Paraphrasierbarkeit) und die anschließende Entwicklung alternativer Bildungsmuster für verschiedene Typen von Kopulativa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Kopulativkompositum, Wortbildung, Parataxe, Semantik, morphosyntaktische Koordination und Konstituentenstruktur.
Warum ist die Einordnung von Beispielen wie "Hosenrock" problematisch?
Die Einordnung ist problematisch, da das Wort zwar kopulativ-verdächtig ist, aber bei näherer Betrachtung der Merkmalsübertragung oft eher determinative Eigenschaften aufweist, was eine eindeutige Zuordnung schwierig macht.
Welche Rolle spielt die kognitive Grammatik in dieser Analyse?
Die kognitive Grammatik dient im zweiten Teil der Arbeit dazu, Bildungsmuster über ihre semantische Motiviertheit zu erklären und zu zeigen, wie Merkmale der Konstituenten in das Kompositum einfließen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Paraphrasierbarkeit?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Paraphrasen oft irreführend sind und eher in linguistischen Köpfen als im natürlichen Sprachgebrauch existieren, weshalb sie zur eindeutigen Bestimmung des Phänomens nur bedingt taugen.
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- Dorothea Bräutigam (Author), 2005, Kopulativkomposita, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66587