Die archäologischen Spuren der Romanen unter fränkischer Herrschaft


Seminararbeit, 2006

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kurzer Überblick über die Geschichte des Frankenreiches von der Entstehung bis zum Zerfall

2. Romanische Bestattungen unter fränkischer Herrschaft
2.1. Die Gräberfelder an Rhein und Mosel
2.2. Die Gräberfelder im Alpenraum
2.3. Die Gräberfelder im Westen des Frankenreiches

3. Grabinschriften als Zeugnisse der romanischen Bevölkerung

4. Romanische Siedlungen unter fränkischer Herrschaft
4.1. Städtische Siedlungen
4.2. Ländliche Siedlungen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In den römischen Quellen wird der Stammesverband der Franken in der Mitte des 3. Jahrhunderts zum ersten Mal erwähnt. Sie bildeten zunächst kleine Gruppen, welche plündernd durch die Grenzgebiete des Römischen Reiches streiften. Niemand hätte zu dieser Zeit vermutet, dass aus diesem Stammesverband ein Großreich entstehen würde, welches die Geschichte Europas für Jahrhunderte maßgeblich beeinflussen würde.

Der Untergang des Imperium Romanum und die Anfänge des Frankenreiches markieren die Epochengrenze zwischen Antike und Mittelalter. Nach früherer Auffassung ging dieser Prozess mit dem Ende der antiken Kultur, der antiken Städte und der provinzialrömischen Bevölkerung im entstehenden Frankenreich einher. Doch war dies wirklich so? Mussten die Romanen tatsächlich den in immer größeren Scharen einfallenden germanischen Stämmen weichen? Oder blieben Reste antiker Kultur und Traditionen noch bis in das Mittelalter hinein erhalten? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dabei sollen vor allem archäologische Spuren der romanischen Bevölkerung in den fränkischen Gebieten untersucht werden. In erster Linie sind dies Gräberfelder. Dabei sollen auch geographische Aspekte berücksichtigt werden. Gab es Unterschiede in der Kontinuität der Bestattungssitten der Romanen in den unterschiedlichen Regionen des Frankenreiches? Sind fränkische Einflüsse auf die Bestattungssitten der romanischen Bevölkerung festzustellen? Das Problem bei der Untersuchung dieser Fragen ist die häufig schlechte Überlieferung der romanischen Nekropolen. Viele wurden bereits im 19. Jahrhundert ausgegraben. Wegen der lückenhaften oder im Laufe der Zeit verloren gegangenen Dokumentation der Grabungen sind die Ergebnisse heute nur noch bedingt verwertbar.

Neben Gräberfeldern sind epigraphische Zeugnisse eine weitere wichtige Quellengruppe. Sie geben Hinweise auf die Sprachentwicklung und die kulturelle Zugehörigkeit der Bevölkerung.

Das dritte Untersuchungsfeld sind die Siedlungen. Es sollen hierbei sowohl größere als auch kleinere Städte, sowohl spätrömische Kastelle als auch romanische Gutshöfe, die villae rusticae, in den ländlichen Gebieten angesprochen werden. Jedoch um diese Prozesse zu verstehen, sie in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können und auch um die geographischen und zeitlichen Dimensionen zu erfassen, soll zunächst eine kurze Geschichte des Frankenreiches vom ersten Auftauchen fränkischer Stämme in römischen Quellen bis zum Zerfall unter der Herrschaft der Enkel Karls des Großen knapp umrissen werden.

1. Kurzer Überblick über die Geschichte des Frankenreiches von der Entstehung bis zum Zerfall

Die Franken werden in römischen Quellen erstmals in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. erwähnt:[1]

Um dieselbe Zeit zog Licinius Gallienus, nachdem er die Germanen tatkräftig von Gallien ferngehalten hatte, eilends nach Illyrien hinab. [...] Als dies erfolgreich und über alle Erwartungen gut verlaufen war, gab er, nach Menschenart vom Glück enthemmt, mitsamt seinem Sohne Saloninus, dem er die Würde eines Caesar übertragen hatte, die römische Sache derart sozusagen einem Schiffbruch preis, dass die Goten, Thrakien ungehindert durchquerend, Makedonien, Achaia, und die Kleinasien benachbarten Gebiete, die Parther hingegen Mesopotamien heimsuchten, dass im Osten Räuber oder eine Frau die Herrschaft ausübten, dass die Streitmacht der Alamannen damals in gleicher Weise Italien und die Stämme der Franken, nachdem sie Gallien verheert hatten, Spanien in Besitz nahmen, wo sie Tarraco verwüsteten und nahezu ausplünderten, ja dass ein Teil von ihnen, der sich beizeiten der Schiffe bemächtigt hatte, bis nach Afrika vordrang – und außerdem ging jenseits der Donau verloren, was Trajan hinzuerworben hatte.[2]

Aus dieser frühen Zeit der schriftlich überlieferten fränkischen Geschichte sind die Berichte antiker Autoren eher spärlich. Erschwerend kommt hinzu, dass römische Quellen oft nur „Germanen“ erwähnen, ohne diese näher zu spezifizieren.[3] Selbst die Bezeichnung „Franken“ ist ein Sammelbegriff für den Zusammenschluss mehrerer Stämme. In welchem Verhältnis diese zueinander standen und inwieweit es eine übergeordnete Stammesorganisation gab, ist in der Forschung umstritten.[4]

Bis zum Jahr 358 fielen die Franken immer wieder plündernd in das Römische Reich ein. Sie griffen sogar größere Städte an. So eroberten sie Trier im Jahre 275/276 und zerstörten Köln 355. Trotz heftiger römischer Gegenwehr wurden die Franken im Rheingebiet zur ständigen Bedrohung und konnten sich am linken Rheinufer ansiedeln. Jedoch gab es bereits zu dieser Zeit auch eine vorsichtige Annäherung, der römische Kaiser Konstantin ging einerseits zwar gewaltsam gegen die Franken vor, nahm aber auch ganze fränkische Kontingente in das römische Heer auf und siedelte fränkische Gruppen in Nordgallien an. 358 schließlich erlaubte Kaiser Julian den salischen Franken, sich auf Reichsgebiet in Toxandrien zwischen Maas und Schelde, anzusiedeln. Dieser Teilstamm wurde rasch in das römische Bündnissystem eingebunden, fränkische Heeresführer bekleideten bald hohe römische Offiziersränge. Die rheinischen Teilstämme der Franken kämpften dagegen zunächst weiter gegen das Imperium Romanum, bis sie gegen Ende des 4. Jahrhunderts ebenfalls in das römische Foederatensystem einbezogen wurden. Dieses Bündnis währte jedoch nur bis um das Jahr 460, als die Rheinfranken erst Köln und in den folgenden Jahren auch Trier eroberten und ein eigenes Reich, die Francia Rinensis, errichteten.[5]

Der Salfränkische König Chlodwig, Enkel des Königs Merowech, welcher namensgebend für die Dynastie der Merowinger war, konnte während seiner Herrschaft (482-511) seine Konkurrenten sowohl unter den salischen als auch unter den rheinischen Franken besiegen und so alle fränkischen Stämme unter seiner Herrschaft vereinigen. Er eroberte zudem Aquitanien, besiegte die Westgoten und die Alamannen. Um das Jahr 498 nahm Chlodwig den katholischen Glauben an.[6] Dadurch gewann er die Sympathie der gallischen Bischöfe und die Unterstützung der romanischen Bevölkerungsmehrheit seines Reiches. Dies wirkte in hohem Maße stabilisierend auf das Frankenreich. Nach dem Tod Chlodwigs 511 wurde sein Reich unter seinen vier Söhnen geteilt. Diese führten die Expansionspolitik ihres Vaters fort und eroberten das Reich der Thüringer, Burgund, die Provence und stießen in das Gebiet der Alpen vor. Von den vier Brüdern starben drei kinderlos, so dass das Reich nun in den Händen von Chilperich I., dem letzten verbliebenen Sohn Chlodwigs, wieder vereint war. Die folgenden Jahrzehnte waren nun geprägt von immerwiederkehrenden Reichsteilungen und Kämpfen um die Vorherrschaft, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.[7]

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde das Amt des maior domus, des Hausmeiers am fränkischen Königshof, immer einflussreicher.[8] Zunächst gab es im Frankenreich mehrere Hausmeier, die für unterschiedliche Teile des Reiches zuständig waren. Mit zunehmender Machtfülle des Amtes wurden die Machtkämpfe zwischen den einzelnen Hausmeiern immer erbitterter. 687 konnte sich schließlich der austrasische maior domus Pippin (der Mittlere) aus dem Geschlecht der Karolinger als alleiniger Hausmeier durchsetzen. Der merowingische König verlor in der Folge immer mehr an Macht. Der faktische Dynastiewechsel erfolgte jedoch erst 751, als sich der regierende maior domus Pippin (der Jüngere) mit Unterstützung des Adels und des Papstes zum König salben ließ. Nach dem Tod Pippins 768 wurde sein Reich nach fränkischer Sitte unter seinen beiden Söhnen Karl und Karlmann aufgeteilt. Karlmann starb bereits 771, so dass das Reich unter der Herrschaft Karls (des Großen) wiedervereint wurde. Karl konnte während seiner Herrschaft durch die Unterwerfung der Langobarden, die Eingliederung Bayerns und den Sieg über die Sachsen das Reich vergrößern und wurde schließlich am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser gekrönt. Nach dem Tod Karls des Großen begann jedoch bald die Auflösung des Frankenreiches. 813 übernahm Karls zu der Zeit einzig legitimer Sohn Ludwig der Fromme die Herrschaft.[9] Ludwig der Fromme starb 840, sein Reich wurde 843 im Vertrag von Verdun unter seinen drei verbliebenen Söhnen, Lothar I., Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen, aufgeteilt. Diesmal konnte das Reich jedoch nicht mehr in der Hand eines einzigen Herrschers wiedervereinigt werden. Am Ende des 9. Jahrhunderts blieb das Frankenreich nach langen Machtkämpfen in ein Ost- und in ein Westreich geteilt.[10]

Nach der Übernahme der Herrschaft durch die Franken in den ehemals römischen Gebieten verschwand die ursprüngliche gallo-römische Kultur und Bevölkerung nicht. Die Franken besiedelten nicht das gesamte Reich, sondern übten lediglich die politische Herrschaft aus. Viele antike Traditionen lebten weiterhin fort und wurden sogar von den Franken übernommen.[11]

2. Romanische Bestattungen unter fränkischer Herrschaft

Die heutige Forschung unterscheidet die Gräber der provinzialrömischen Bevölkerung aus dem 4. und 5. Jahrhundert von fränkischen Bestattungen anhand bestimmter Merkmale. Gräber der nichtromanischen Franken weisen vielfältige Beigaben[12] auf. In der Forschung werden zwei mögliche Motivgruppen für die Beigabensitte der Germanen diskutiert. Einerseits sollten die Beigaben dem Verstorbenen auch in der jenseitigen Welt zum Gebrauch dienen, andererseits wird die Beigabensitte aus Eigentumsvorstellungen abgeleitet. Nach dieser Theorie gab es Gegenstände, welche nicht vererbbar waren. Hierzu gehörten die Waffen des Mannes und der Schmuck der Frau.[13] Der Tote wurde in seiner zu Lebzeiten getragenen Kleidung beigesetzt. Frauen wurden zusammen mit ihren Fibeln und Schmuckstücken, Männer mit ihren Waffen bestattet. Hinzu kamen in einigen Fällen Lebensmittelbeigaben in Gefäßen.[14] Die romanischen Gräber des 4. und 5. Jahrhunderts unterscheiden sich in ihren Merkmalen von den germanischen. Sie sind größtenteils von christlichen Jenseitsvorstellungen geprägt. Die Gräber wurden größtenteils in West-Ost-Richtung ausgerichtet. Der Verstorbene wurde häufig in einem einfachen Totenhemd ohne Waffen- oder Speisenbeigaben bestattet. Im Verlauf des 6. Jahrhunderts näherte man sich in den östlichen Gebieten des Frankenreiches den Gepflogenheiten der Franken an, so dass in einigen wenigen romanischen Gräbern dieser Epoche Waffenbeigaben in Form von Saxen gefunden wurden.[15] Teilweise ist ein Ungleichgewicht bei den Beigaben zwischen Frauen- und Männergräbern festzustellen. Während Männergräber häufig gar keine Beigaben aufweisen, findet man in den Frauengräbern vermehrt Schmuck.[16] Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen romanischen und germanischen Gräbern sind Grabsteine. Während die Franken diese Sitte erst spät übernahmen, sind Grabsteine mit romanischen Namen und christlichen Symbolen aus Spätantike und Mittelalter eine wichtige Quelle zur ethnischen Einordnung der Gräber.[17]

[...]


[1] Murray, Gaul, S. 2.

[2] Aur. Vict. 33-33,3: Sub idem tempus Licinius Gallienus cum a Gallia Germanos strenue arceret, in Illyricum properans descendit. [...] His prospere ac supra vota cedentibus more hominum secundis solutior rem Romanam quasi naufragio dedit cum Salonino filio, cui honorem Caesaris contulerat, adeo uti Thraciam Gothi libere pergressi Macedonas Achaeosque et Asiae finitima occuparent, Mesopotamiam Parthi, Orienti latrones seu mulier dominaretur, Alamannorum vis tunc aeque Italiam, Francorum gentes direpta Gallia Hispaniam possiderent vastato ac paene direpto Tarraconensium oppido, nactisque in tempore navigiis pars in usque Africam permearet; et amissa trans Istrum, quae Traianus quaesiverat.

[3] Schneider, Frankenreich, S. 5.

[4] Kaiser, Franken, S. 35.

[5] Kaiser, Franken, S. 36f ; Ders., Merowingerreich, S. 17-19.

[6] „Im Gegensatz zu den anderen Germanenreichen, die dem arianischen Glauben anhingen [...]“, Schneider, Frankenreich, S. 12.

[7] Ebd., S. 11-18.

[8] Kaiser, Franken, S. 44.

[9] Schneider, Frankenreich, S. 19-39.

[10] Brühl, Geburt, S. 115-120.

[11] Van Ossel, Gallo-Romanen, S. 102.

[12] Es sind zwei Gruppen von Beigaben zu unterscheiden: Einerseits Teile der Tracht wie Fibeln, Schmuck oder Gürtelschnallen und andererseits sonstige Gegenstände wie Geschirr oder Münzen. Moosbrugger-Leu, Schweiz, Bd. A, S. 13.

[13] Werner, Merowingerzeit, S. 326f.

[14] Bierbrauer, Romanen, S. 112f.

[15] Stein, Bevölkerungsverhältnisse, S. 72f.

[16] Martin, Kaiseraugst, Teil A, S. 293f.; Ament, Franken, S. 380.

[17] Bierbrauer, Romanen, S. 117.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die archäologischen Spuren der Romanen unter fränkischer Herrschaft
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Ur- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Mittelseminar: Kontinuitäten und Diskontinuitäten - Der Übergang von der Spätantike zum Mittelalter aus archäologischer Sicht
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V66595
ISBN (eBook)
9783638591515
ISBN (Buch)
9783638793476
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spuren, Romanen, Herrschaft, Mittelseminar, Kontinuitäten, Diskontinuitäten, Spätantike, Mittelalter, Sicht, Frankenreich
Arbeit zitieren
Gergely Kapolnasi (Autor), 2006, Die archäologischen Spuren der Romanen unter fränkischer Herrschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66595

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