Vergleich der Lehrpläne und Lernziele von Anne Corrigeux (1801), Carl Julius Arnold (1831 u. 1835) und H.W.A. Kotzenberg (1841)


Hausarbeit, 2006
30 Seiten, Note: 1 (sehr gut)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund:
Die Geschichte Bremen – Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

3. Die Pension und Töchterschule der Anne Corrigeux
3.1 Kurzbiografie der Anne Corrigeux
3.2 Zum Lehrplan
3.3 Erläuterungen zum Inhalt der einzelnen Fächer
3.4 Zu den Lernzielen

4. Die Töchterschule des Carl Julius Arnold
4.1 Zum Lehrplan
4.2 Erläuterungen zum Inhalt der einzelnen Fächer
4.3 Zu den Lernzielen

5. Die Töchterschule des H.W.A. Kotzenberg
5.1 Kurzbiografie des H.W.A. Kotzenberg
5.2 Zum Lehrplan
5.3 Erläuterungen zum Inhalt der einzelnen Fächer
5.4 Zu den Lernzielen

6. Unterschiede der Lehrpläne und Lernziele

7. Fazit

8. Fachdidaktischer Entwurf

9. Quellen- und Literaturliste

1. Einleitung

Wie sind „Weibliche Lebensformen im Bremer Bürgertum des 19.Jahrhunderts“ genauer zu untersuchen? Die erste Intuition wäre, die Bildung und Erziehung von Mädchen in den höheren Töchterschulen zu betrachten. In meiner Hausarbeit werde ich an expliziten Beispielen diese erste Intuition behandeln. Dabei werde ich auf den Unterricht, bzw. die Lehrpläne und Lernziele, von Anne Corrigeux, Carl Julius Arnold und Heinrich Wilhelm August Kotzenberg eingehen. Wichtig ist es zu betonen, dass der Fokus der Arbeit regional, auf den Raum Bremen, und zeitlich eng, auf die Jahre 1801, 1831 und 1835, und 1841, eingegrenzt ist. Des weiteren muss beachtet werden, dass die Situation von beispielsweise Töchtern aus Arbeiterfamilien vollkommen anders war und dementsprechend auch anders bewertet werden muss, was in dieser Arbeit nicht näher betrachtet wird. Darüber hinaus ist die Untersuchung der Lehrpläne insofern prekär, dass wenig ergründbares Material vorhanden ist. Besonders desolat fällt daher die Beschreibung der Töchterschule der Anne Corrigeux, wie auch die ihrer Lebensumstände aus. Gänzlich weg fällt aus diesem Grund die „Kurzbiografie“ des Carl Julius Arnold.

Um die Unterschiede der in verschiedenen Jahren erstellten Lehrpläne herauszustellen, wird an dieser Stelle vor der Analyse der Lehrpläne auf den folgenden Seiten eine ausführliche Einführung in Hintergrundwissen zu geschichtlichem Geschehen und dem Frauenleben allgemein und speziell in Bremen erfolgen. Darauf folgt, wie bereits erwähnt, die Analyse der Lehrpläne, um sie anschließend in Beziehung zu einander zu setzen. Letzten Endes stelle ich meinen fachdidaktischen Entwurf bzw. meine Unterrichtsplanung bezüglich dieses Themas vor.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Die Geschichte Bremens – Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

Bei der zeitlichen Begrenzung dieses Themas bietet es sich an, die Geschichte Bremens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zwei besonders markante und einschneidende Ereignisse der Geschichte als Anfangs- bzw. Endpunkt zu wählen, wenngleich die zeitliche Begrenzung damit ein wenig gebrochen wird: Von der Französischen Revolution (1789) bis zur Märzrevolution (1848).[1]

Obwohl in der Zeit nach 1789 politische Unruhe wirkte, befand Bremen sich zunächst in einer wirtschaftlichen Blüte, 1799 gab es eine kurze Wirtschaftskrise, der Handel stagnierte beträchtlich, jedoch blieben fortwährende schwerwiegende Folgen für die Kaufleute aus. Im Schulwesen um 1800 war es nicht unüblich, dass Damen aus dem Bürgertum der oberen Mittelschicht mit guter Bildung in Bremen eine Töchterschule eröffneten.

In den Auseinandersetzungen mit Frankreich suchte Bremen eine neutrale Position, z. B. durch die Umwandlung der alten Wallanlage in einen öffentlichen Park. Dennoch wurde Bremen am 20. November 1806 von Truppen Napoleons besetzt. Die Bedeutung dieser Ereignisse wurde erst am 10. Dezember 1810 vollständig deutlich. An diesem Tag deklariert Napoleon die Eingliederung des norddeutschen Raums und somit auch Bremens in den französischen Staat. Die „Franzosenzeit“ von 1810 bis 1813 brachte Bremen viele Neuerungen. So wurde das französische Verwaltungssystem in Bremen eingeführt, die Stadt wurde Sitz eines Unterpräfekten (Reichsgraf Karl von Arberg). Derweil wurde 1810 eine Anstalt gegründet, die Seminare für angehende Lehrer anbot. Unter der Herrschaft Napoleons wurden aber auch Standesämter und Zivilregister eingeführt, die Nummerierung von Häusern und die Schließung von Friedhöfen innerhalb der Stadt angeordnet. Wichtig war auch die Aufhebung des Zunftwesens und dessen Institutionen. Stattdessen gab es nun Gewerbefreiheit in Bremen, Handelsgericht, -kammer und -börse wurden eingerichtet.

Die Besatzungszeit hatte ambivalente Folgen für die Wirtschaft. Es fielen zwar durch die Kontinentalsperre der Handel mit England und englische Waren weg, dagegen florierte der Umsatz durch Lieferungen an das Militär. Auf den regionalen Handel hatte all dies keine Auswirkungen.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig in der Napoleons Truppen vernichtend geschlagen wurden (19.10.1813) wurden in Bremen umgehend viele französische Neuerungen rückgängig gemacht, eine der ersten Handlungen war die Wiedereinführung der Zünfte.

Auf dem Wiener Kongress (8.6.1815), auf dem die Neuordnung der deutschen Staaten erfolgen sollte, gelang es Johann Smidt, dem späteren Bürgermeister Bremens, die Stellung der Stadt als Freie Reichsstadt zu sichern.

In der Zeit zwischen 1814 und 1848 bemühte sich Bremen mehrfach um eine neue Verfassung, allerdings scheiterten die Bestrebungen, erst 1849 konnte eine liberale Verfassung eingeführt werden, wenngleich diese später nochmals überarbeitet wurde. Bis 1849 galten das Stadtrecht von 1433 und die Neue Eintracht von 1534.

Der Handel nach der Franzosenzeit zeichnete sich durch neue Qualität aus. Es trat nun die Konkurrenz zu England wieder zu Tage, Bremen gelang es aber überseeische Verbindungen

zu knüpfen und mehrfach Handelsverträge mit einzelnen Ländern abzuschließen. Nicht zuletzt trug dies zu Bremens Stellung im aufkommenden Auswanderergeschäft bei.

Eine weiteres wichtiges Ereignis in der Stadtgeschichte Bremens ist die Gründung Bremerhavens 1826-1830. Da die Schiffe wegen zunehmender Verlandung der Weser nicht mehr bis zum Bremer Hafen, der Schlachte, segeln konnten, mussten weiter seewärts die Waren umgeladen werden. Das Land Oldenburg verlangte 1824/25 daher, dass die Waren auch auf ihren Hafen deklariert werden sollten. Da Bremen den Verlust seiner Stellung als Seehandelsplatz fürchtete begann Bürgermeister Smidt geheime Verhandlungen mit dem Land Hannover. Im Juli 1826 wurde ein Vertrag mit dem Grafen Münster über den Verkauf von 500 Morgen Land an der Geestemündung an Bremen abgeschlossen. Die Ratifizierung erfolgte im Februar und März 1827, bereits im selben Jahr begannen die Arbeiten zum Bau des ersten Hafenbeckens. Zwei weitere große Neuerungen und Investitionen für Bremen waren der Bau einer Eisenbahnlinie von Bremen nach Wunstorf 1847 und die Eröffnung einer Postdampferlinie von New York nach Bremerhaven, im selben Jahr.

Vor 1848 kursierten revolutionäre Gedanken, die auch in Bremen zu einigen Veränderungen führten. Durch die politischen Ereignisse von 1848 traten auch Neuerungen der staatlichen Schulverwaltung ein, die 1849 auf Grund der bremischen Verfassung vom März 1849 neu organisiert wurde. Die staatliche Aufsichtsbehörde nannte sich nun Schuldeputation. Ihr Aufgabengebiet erstreckte sich über die Aufsicht sämtlicher bremer Schulen, über das Ausführen von Lehrerprüfungen und Unterrichtszeiten, sowie die Genehmigung von Lehrplänen. Als Positiv herauszustellen ist hier vor allem die Einführung einer allgemeinen Schulpflicht für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren 1844.

Die Märzrevolution selbst hatte nicht allzu große Auswirkungen auf Bremen. So gab es am 6. März 1848 einige kleinere Tumulte, insgesamt zog die Revolution jedoch beinahe unbemerkt an der Stadt vorbei.

Angestoßene Entwicklungen nahmen ihren Lauf. So wurde 1849, wie bereits erwähnt, eine Verfassung erlassen die 1854 nochmals abgeändert wurde.

1851 erfolgte der Ausbau der Hafenbecken von Bremerhaven, nachdem hier bereits 1849 das Auswandererhaus eröffnet wurde. Die Auswanderungszahlen stiegen an, am 18. Februar 1857 wurde der Norddeutsche Lloyd gegründet, der sich auf das Auswanderergeschäft spezialisierte.

1866 wurde Bremen Mitglied des Norddeutschen Bundes und 1871 schließlich Teil des Deutschen Reiches.[2]

3. Die Töchterschule der Anne Corrigeux

3.1 Kurzbiografie der Anne Corrigeux

Anne Corrigeux wurde als Anne Remy in Frankreich geboren. Sie arbeitete, vor ihrer Heirat mit Dominicus Corrigeux, als Erzieherin im Hause des Hofrats Ebell in Bremen. In einem Bewerbungsschreiben 1801 an den bremischen Senat bittet Corrigeux um Erlaubnis zur Errichtung einer Schule für Mädchen. Aus dem darauf folgenden Werbeschreiben, aus dem Jahr 1806, geht hervor, dass sie die Pension und Töchterschule, um die sie 1801 bat, auf eine Töchterschule beschränken musste. Ihr Sohn wurde pflegebedürftig und starb nach drei Jahren Krankheit. Nun wirbt Corrigeux 1806 für die wiedereröffnete Pension und beschreibt ihre Lehrgegenstände.[2]

3.2. Zum Lehrplan

Bei Anne Corrigeux fällt auf, dass sie für ihre Töchterschule und Pension nur zwei Klassen vorgesehen hat. Da sie nur Mädchen vom sechsten bis achten Lebensjahr aufnimmt handelt es sich hierbei um eine Elementarschule. Beim Betrachten des Lehrplans (siehe tabellarische Ergänzung, S.7), den sie ihrem Bewerbungsschreiben 1801 beilegte, ist die ungleiche Verteilung der Fächer auf die Klassen sehr offenkundig. Allerdings ist dies begründbar, da es sich hierbei um einen ersten Entwurf handelt und in groben Zügen die Lehrabsichten der Anne Corrigeux darstellt.[3]

Tabellarische Ergänzung[4] zum Lehrplan von 1801 (siehe Anhang):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Erläuterungen zum Inhalt der einzelnen Fächer

Religion: Den Religionsunterricht beschränkt Corrigeux auf Lektionen in kindlicher Moral, sittliches und tugendhaftes Pressentiment und Verhalten. Für weiteren Religionsunterricht sind, wie es in Bremen üblich war, vom Elternhaus gewählte Prediger verantwortlich.[5]

Deutsch: Richtiges Deutsch, Lesen und Schreiben zählt Corrigeux zu den Hilfskenntnissen, die das Fassen anderer Unterrichtsinhalte erst möglich macht. Damit wäre das höhere Aufkommen von Orthografiestunden in der unteren Klasse begründbar.

Geografie, Naturgeschichte und Physik: In diesen Fächern wird nur so viel unterrichtet wie eine gebildete Frau Anfang des 19. Jhd. wissen sollte bzw. musste.

Lesen: Dies gehörte, wie bereits erwähnt, zu den Hilfskenntnissen und wurde vermehrt in der oberen Klasse unterrichtet. Lektürestunden wurden mit Handarbeitsstunden verbunden.

Französisch: da diese die Muttersprache der Anne Corrigeux ist, ebenso die ihres Mannes, wird der Unterricht auch von diesen beiden und einer weiteren Person geleitet. Wichtig ist es Corrigeux, dass die Aussprache und das Schriftbild einwandfrei gelernt wird.

Englisch: Dieses Fach kann zusätzlich unterrichtet werden. In ihrem Lehrplan gibt Corrigeux diesem Fach bereits eine Lehrstunde in der zweiten Klasse.

Sport/Körperlehre: Dem Lehrplan zu entnehmen sind vier Stunden dafür in der zweiten Klasse angesetzt. Diese Stunden sind als „quelques idées de la connaissance de notre corps“(dt. „einige Begriffe des Wissens über unseren Körper“) gekennzeichnet und scheinen nur vermutbar auch dem Sport gewidmet zu sein. Denn in ihrem Werbeschreiben von 1806 ist dies als „Bewegung“ und „anständige Haltung des Körpers“[6] annonciert.

Geschichte: Das Unterrichtsfach Geschichte wird auf dem Lehrplan von 1801 nicht sonderlich gekennzeichnet, jedoch 1806 im Werbeschreiben aufgeführt.

Stricken / Nähen: Diese Sujets sind separiert und nach dem Lehrplan von 1801 ausschließlich für die erste Klasse vorgesehen. Lektürestunden und Vorträge werden allem Anschein nach mit diesen Handarbeitsstunden arrangiert. Des Weiteren werden diese Fächer nur auf Wunsch der Eltern erteilt.

Italienisch: Wird wie Englisch nur auf Wunsch zusätzlich unterrichtet und taucht erst im Schreiben von 1806 auf.

Tanzen: Genau wie das zuletzt genannte Fach ist auch dieses wählbar.[7]

3.4 Zu den Lernzielen

Anne Corrigeux besitzt den Wunsch liberal auszubilden, ein „gebildetes Frauenzimmer“[9] zu formen. Sie bietet ein umfassendes Spektrum an Möglichkeiten der Bildung an, was individuell zusammengestellt werden kann, was wiederum für freies Denken und Zwanglosigkeit spricht. Religiöse Ausbildung gibt es nur für Schülerinnen, die in Ihrer Pension leben, jedoch ist diese eingeschränkt auf Schulung und Unterweisung von Moral, sittlichem und tugendhaften Betragen. Auch ist sie darauf bedacht „[...] in die Augen fallende[...] Talente[...]“[10] zu fördern. Auch körperliches Sentiment ist Bestandteil ihres Lehrplans, was darauf schließen lässt, dass sie dieses Sujet für sonderlich erachtenswert hält.[8]

[...]


[1] folgende Aussagen entsprechen Informationen aus: Schwarzwälder, Reise in die Bremer Vergangenheit; Schwarzwälder, Bremer Geschichte, S. 87- 120 & Käthner, Martina, Der weite Weg zum Mädchenabitur, Frankfurt/Main 1994, S.29ff.

[2] vgl. Schwarzwälder, Reise in die Bremer Vergangenheit; Schwarzwälder, Bremer Geschichte, S. 87- 120

& Käthner, Martina, Der weite Weg zum Mädchenabitur, Frankfurt/Main 1994, S.29ff.

[2] Die hier getroffenen Aussagen zu Anne Corrigeux entstammen schrftl. Aufzeichnungen des Seminars

„Tochter - Gattin - Alte Jungfer. Weibliche Lebensformen im Bremer Bürgertum des 19. Jahrhunderts“

&Brem.c.741 im Handschriftenlesesaal der SuUB Bremen

[3] Folgende Aussagen vgl. mit StaB 2-T.5.b.c.

[4] erstellt mit Hilfe des Corrigeux` Lehrplan von 1801 (StaB 2-T.5.b.c.)

[5] Folgende Aussagen vgl. mit Brem.c.741

[6] SuUB Bremen, Brem.c.741,

[7] Folgende Aussagen vgl. mit SuUB Bremen, Brem.c.741

[8] ebd.

[9] SuUB Bremen, Brem.c.741,

[10] SuUB Bremen, Brem.c.741,

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Lehrpläne und Lernziele von Anne Corrigeux (1801), Carl Julius Arnold (1831 u. 1835) und H.W.A. Kotzenberg (1841)
Hochschule
Universität Bremen  (Geschichte)
Veranstaltung
Tochter - Gattin - Alte Jungfer. Weibliche Lebensformen im Bremer Bürgertum des 19. Jahrhunderts
Note
1 (sehr gut)
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V66603
ISBN (eBook)
9783638591584
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit fachdidaktischem Entwurf
Schlagworte
Vergleich, Lehrpläne, Lernziele, Anne, Corrigeux, Carl, Julius, Arnold, Kotzenberg(1841), Proseminar
Arbeit zitieren
Friederike Puls (Autor), 2006, Vergleich der Lehrpläne und Lernziele von Anne Corrigeux (1801), Carl Julius Arnold (1831 u. 1835) und H.W.A. Kotzenberg (1841), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66603

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vergleich der Lehrpläne und Lernziele von Anne Corrigeux (1801), Carl Julius Arnold (1831 u. 1835) und H.W.A. Kotzenberg (1841)


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden