Wem ist es noch nicht passiert? Man schreibt an einem wichtigen Text und findet einen Begriff, der einem nicht der Treffende zu sein scheint. Oder man versucht einem ausländischen Freund oder einem Kind ein Wort zu erklären, das er bzw. es aufgrund seiner unzureichenden Sprachkenntnisse nicht versteht. Dann beginnt man zunächst mit ähnlichen Wörtern, gefolgt von Paraphrasen und kommt schließlich zu Antonymen. Man ist in diesen alltäglichen Situationen auf ein Phänomen angewiesen, dass seit je her in der Linguistik ein Diskussionspunkt ist: Die Synonymie.
Im folgenden Text werde ich die Problematik der Synonymie am Beispiel des Italienischen untersuchen. Ich werde italienische Begriffe nicht übersetzten, insofern es nicht notwendig zur Klärung eines Sachverhaltes ist, da erstens eine Grundsprachkenntnis vorausgesetzt wird und zweitens Übersetzungen, und die somit auftretenden Konflikte z.B. der Unübersetzbarkeit, die Untersuchung öfters verkomplizieren und in andere Richtung leiten als zu unterstützen. Es stellt sich die Frage nach der Existenz einer Synonymie, und sollte dem so sein, ist die folgende Frage, von welcher Natur sie ist. Ist sie graduell oder gar absolut? Eben solche Fragen beherrschen die Debatte über Synonymie und am sinnvollsten lässt sie sich am praktischen Beispiel erforschen. Ich werde vorab eine allgemein gültige Definition der Synonymie geben, welche wir anhand von Beispielen auf die Probe stellen werden. Dies wird der praktische Teil der Arbeit sein, die ich mit einem Exkurs über die Ansichten verschiedener Linguisten zum Thema Synonymie abschließen werde. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Praktischer Teil mit Beispielen
2.1. Definition und Verwendungszwecke
2.1.1 Sachliche Differenzierung
2.1.2 Präzisierung einer Aussage
2.1.3 Bestimmte Kommunikationsform
2.1.4 Stil
2.1.5 Soziale Konnotation
2.1.6 Regionale Konnotation
2.2 Verwendung in Varietäten
3. Positionen bezüglich der Synonymie
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Synonymie am Beispiel der italienischen Sprache, mit dem Ziel, die Existenz und Natur von Synonymen kritisch zu hinterfragen. Dabei wird erforscht, ob Synonymie als absolutes oder eher als ein graduelles Phänomen zu verstehen ist.
- Definition und grundlegende Verwendungszwecke von Synonymen
- Analyse der Synonymie durch verschiedene Konnotationen (sozial, regional, fachsprachlich)
- Untersuchung der Austauschbarkeit von Begriffen in unterschiedlichen Kontexten und Registern
- Diskussion theoretischer Positionen zur Synonymie in der modernen Sprachwissenschaft
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Stil
Die stilistisch abwechslungsreiche Gestaltung eines Textes ist ebenfalls ein Motiv für die Suche nach Synonymen.
• tanto/molto
Beide Synonyme sind Wörter der Standardsprache. Ihre problemlose Austauschbarkeit lässt den Schluss zu, dass es sich hier um absolute Synonyme handelt. Dieser Terminus wird weiter unten näher erläutert.
• guanciale/cuscino
Da guanciale im literarischen Register auftritt wirkt seine Verwendung im alltäglichen Sprachgebrauch gestelzt. Cuscino ist als Wort der Standardsprache in allen Kontexten, in denen guanciale auftritt einsetzbar, was umgekehrt nicht der Fall ist.
• faccia/viso/volto
Alle drei Synonyme gehören der Standardsprache an, sind aber in verschiedenen Registern vertreten. Faccia gehört dem unteren, viso einem mittlerem und volto einem hohen bzw. literarischen Register an. Hier tritt der Fall der partiellen Synonymie auf, auf den ich weiter unten noch eingehen werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Phänomen der Synonymie ein und legt die methodische Herangehensweise der Arbeit fest, die auf einer praktischen Analyse italienischer Beispiele basiert.
2. Praktischer Teil mit Beispielen: Hier werden verschiedene Motive für den Gebrauch von Synonymen wie sachliche Differenzierung, Stil und unterschiedliche Konnotationen an konkreten italienischen Sprachbeispielen untersucht.
3. Positionen bezüglich der Synonymie: Dieses Kapitel diskutiert linguistische Theorien zur Synonymie und grenzt Konzepte wie Bedeutungsgleichheit, Ähnlichkeit und den Begriff der „langue“ voneinander ab.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach totale Synonymie selten ist und Synonyme meist als gradueller Begriff mit Bedeutungsunterschieden betrachtet werden müssen.
5. Literatur: In diesem Kapitel werden die für die Arbeit herangezogenen Fachquellen aufgeführt.
Schlüsselwörter
Synonymie, Italienisch, Lexikologie, Sprachwissenschaft, Denotation, Konnotation, Register, Sprachgebrauch, Austauschbarkeit, Bedeutungsgleichheit, Bedeutungsähnlichkeit, Standardsprache, Varietäten, Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Synonymie und untersucht, ob und in welcher Form Synonyme in der italienischen Sprache existieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Begriffen durch Konnotationen, die Rolle des Registers, die Bedeutung von Varietäten sowie die theoretische Fundierung der Synonymie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine praktische Analyse herauszufinden, ob Synonyme lediglich stilistische Variationen sind oder eine präzise Erfassung der Wirklichkeit ermöglichen, und zu prüfen, ob Synonymie absolut oder graduell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Analyse angewandt, die auf der Untersuchung von Beispielen aus dem Italienischen und deren Vergleich in unterschiedlichen Kontexten und Registern basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen praktischen Teil, der Synonyme anhand von Sachverhalten, Stil und Konnotationen analysiert, sowie einen theoretischen Teil, der verschiedene linguistische Positionen zur Synonymie diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Synonymie, Italienisch, Konnotation, Register, Bedeutungsähnlichkeit und Austauschbarkeit.
Wie unterscheiden sich „faccia“, „viso“ und „volto“ im Italienischen?
Diese Begriffe gehören zwar alle zur Standardsprache, unterscheiden sich jedoch durch ihre Registerzugehörigkeit: „faccia“ wird als unteres, „viso“ als mittleres und „volto“ als hohes bzw. literarisches Register eingestuft.
Warum wird im Fazit von einer notwendigen Korrektur der Definition gesprochen?
Weil die Untersuchung zeigt, dass Synonyme aufgrund meist bestehender Bedeutungsunterschiede selten „bedeutungsgleich“ sind und daher eher als gradueller Begriff definiert werden sollten.
- Quote paper
- Stephan Vierkant (Author), 2005, Problematik der Synonymie am Beispiel des Italienischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66606