"Die Sintflut ist herstellbar." - Die Rolle des Wissenschaftlers im deutschen Drama des Atomzeitalters


Magisterarbeit, 2006

111 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der geschichtliche und philosophische Hintergrund
2.1 Überblick über die Forschungsliteratur
2.2 Erste Erfolge in der Atomforschung
2.3 Die Geschichte der ersten Atombombe
2.4 Die fortschreitende Atombedrohung im Kalten Krieg
2.5 Die philosophische Rezeption der Atombedrohung
2.6 Das Atomzeitalter im Spiegel der Weltliteratur

3. Der Wissenschaftler im deutschen Drama des Atomzeitalters
3.1 Frühe Kritik an Wissenschaft und Technik Georg Kaiser „Gas“
3.2 Die Rolle des Intellektuellen im Atomzeitalter Max Frisch „Die chinesische Mauer“
3.3 Die „Erbsünde der Naturwissenschaft“ als historischer Präzedenzfall Bertolt Brecht „Leben des Galilei“
3.4 Die schlimmstmögliche Wendung als Konsequenz einer unüberschaubaren Welt Friedrich Dürrenmatt „Die Physiker“
3.5 Die Literarisierung einer wahren Begebenheit Heinar Kipphardt „In der Sache J. Robert Oppenheimer“
3.6 Das Schauspiel als Form des Protests Günther Weisenborn „Göttinger Kantate“ und „Die Familie von Makabah“
3.7 Der Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit Hans Henny Jahnn „Die Trümmer des Gewissens“

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit […] stehen wir vor der Wahl, ob es die Menschheit geben soll oder nicht. Die Sintflut ist herstellbar.“[1] Mit diesen Worten umschreibt die Figur „der Heutige“ in Max Frischs Stück „Die Chinesische Mauer“ die Situation der Menschheit, wie sie sich nach dem 6. August 1945 darstellte: Der Abwurf der ersten Atombombe „Little boy“ auf die japanische Stadt Hiroshima durch einen amerikanischen B-29-Bomber läutete, durch die Massenmedien für alle Menschen wahrnehmbar, eine neue Ära der Menschheitsgeschichte ein. Den Philosophen Günther Anders veranlasste dieses historische Ereignis zu der Überlegung, ob es überhaupt noch Menschen geben soll. Diese Frage hatte sich der Menschheit bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gestellt, angesichts der über 100.000 Toten und der kompletten Zerstörung der Stadt Hiroshima durch eine Uranbombe wurde sie plötzlich akut. Die Systemkonkurrenz zwischen den beiden Großmächten USA und Sowjetunion zog nach dem Zweiten Weltkrieg einen Rüstungswettlauf von nie da gewesener Schnelligkeit und Kostenintensivität nach sich. Aus der einen Atombombe wurde bald eine Vielzahl von Wasserstoffbomben und Fusionsbomben, deren Sprengkraft die der Hiroshima-Bombe um ein tausendfaches übertrafen. Zahlreiche Bomben-Tests vor der Weltöffentlichkeit, wie z. B. die Versuchsreihe der USA auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik, die sich durch ihre enorme Zerstörungskraft und ungeahnte Reichweite auszeichneten, ließen eine einzige Erkenntnis reifen: Die Apokalypse konnte jeden Tag vor der Tür stehen. Die Politiker trieben ein gefährliches, erpresserisches Spiel, indem sie den neuen Bomben-Typus als Druckmittel und zur Untermauerung ihrer Macht benutzten. Doch sie trugen die Verantwortung für die potentielle Vernichtung der Erde nicht allein. Eine schwere Bürde lastete auch auf den Gewissen der vielen Wissenschaftler, die den Bau der ersten Atombombe möglich gemacht hatten, wie z. B. J. Robert Oppenheimer. Eine ganze Generation von Wissenschaftlern hatte international an der Erforschung des Atommodells, der Kernspaltung, der Kettenreaktion und dem Bau der verschiedenen Bomben mitgewirkt und jeder von ihnen hatte einen Teil der Verantwortung für das letztendliche Produkt ihrer Arbeit zu tragen.

Diese Wissenschaftler sollen das Thema der vorliegenden Arbeit sein: Ihre Zerrissenheit, ihre ambivalenten Vorahnungen, die zwischen düsterer Apokalypse und goldenem Zeitalter pendelten, ihre moralischen Auseinandersetzungen über die Produktion von Nuklearwaffen und ihr Glaube an den wissenschaftlichen Fortschritt. Schon Albert Einstein, der zwar nicht direkt, aber dennoch maßgeblich dazu beigetragen hat, dass es ein Atomzeitalter geben würde, soll gesagt haben: „Wenn ich die Folgen [der Atombombe] geahnt hätte, wäre ich Uhrmacher geworden.“[2] Ein anderes Zitat, das ihm zugeschrieben wurde, beschäftigt sich direkt mit den Folgen eines nuklearen Krieges: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“[3] Damit charakterisiert er die Hauptgefahr für seine Spezies in der Zeit nach 1945, eine nukleare Auseinandersetzung aus der die Vernichtung der Menschheit resultiert, sehr treffend.

Die Angst vor der Apokalypse, die Verdrängung dieser Angst und die Frage nach Handlungsalternativen wirkten sich auf die Literatur in ihrer Funktion als Spiegel der Gesellschaft, der Mentalität und der Kultur aus. Besonders die deutschen Dramatiker haben sich ausgiebig mit den Atomforschern und ihrer Verantwortung beschäftigt. In den Dramen „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht, „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ von Heinar Kipphardt, „Die Familie von Makabah“ und „Göttinger Kantate“ von Günther Weisenborn und „Die Trümmer des Gewissens“ von Hans Henny Jahnn treten Wissenschaftler auf, die durch ihre Kompetenz große Verantwortung für die Menschheit tragen. Wie sie damit umgehen, welche Rolle die Moral für sie spielt und wie wichtig ihnen der wissenschaftliche Fortschritt und ihre Neugier gegenüber dem Unerforschten im Gegensatz zum Wohl der Menschheit sind, soll dabei untersucht werden. Analysiert werden soll auch, wie sehr sie ihren Vorbildern in der Wirklichkeit gleichen, welche geschichtlichen Ereignisse mit dem Drama in Verbindung stehen und welchen Einfluss die Art des Dramas auf Gestaltung und Wirkung desselben ausübt. Vor allem soll überprüft werden, inwiefern die betreffenden Wissenschaftler mit dem Menschenbild, das die Philosophen Anders, Adorno und Horkheimer in ihren Schriften zeichnen, übereinstimmen. Dieses Verhältnis zwischen der Philosophie, die sich mit dem damals angebrochenen Atomzeitalter befasst, und den literarischen Figuren, ist in der Literaturwissenschaft bisher noch nicht detailliert untersucht worden.

Gerade heute, nachdem der Kalte Krieg zu Ende ist und die Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung vorerst gebannt zu sein scheint, gewinnt dieses Thema wieder an Brisanz. Den westlichen Staaten feindlich gesinnte, totalitäre Regime, wie z. B. der Iran oder Nordkorea, gehen ihr eigenes Atomprogramm an und lassen sich durch die Vereinten Nationen und die Drohgebärden der Amerikaner nicht einschüchtern. Bald könnte der Zustand eintreten, dessen Befürchtung die Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs zum Bau der Atombombe getrieben hat: Eine Nuklearwaffe in den Händen eines skrupellosen Regimes. An Stelle der Nationalsozialisten treten diesmal Staaten wie der Iran, der sich gegen die westliche Welt, einem israelischen Staat auf arabischem Boden und gegen den Imperialismus der Amerikaner wendet. Wie aktuell das Thema ist, verdeutlicht unter anderem der Aufmacher der Süddeutschen Zeitung vom 10. April 2006: „USA prüfen Pläne für Angriff auf Irak. Auch Einsatz von Atombomben wird erwogen.“[4]

Das Thema Atomwaffen und die daraus entstehenden Konsequenzen für die Menschheit werden also wieder brisant. Und gerade darum müssen Wissenschaftler, seien sie an amerikanischen Universitäten beschäftigt oder im Dienst des Irans, genau überdenken, wie sie mit dem Wissen umgehen, dass möglicherweise die ganze Welt vernichten kann.

Die Arbeit beginnt mit einem geschichtlichen Überblick über die Atomforschung, über den Einsatz der ersten beiden Atombomben und über die fortwährende nukleare Bedrohung nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach folgen eine Zusammenfassung der philosophischen Rezeption des Atomzeitalters und ein kurzer Überblick über die Auswirkungen auf die Weltliteratur. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verhalten der Wissenschaftler. Das dritte Kapitel untersucht schließlich die Rolle der Wissenschaftler in den genannten Dramen.

2. Der geschichtliche und philosophische Hintergrund

2.1 Überblick über die Forschungsliteratur

Dem Thema Atombombe und der Gefahr einer weltweiten nuklearen Auseinandersetzung im Kalten Krieg haben sich Autoren aus vielen Fachrichtungen gewidmet. Neben den geschichtswissenschaftlichen Werken zum Kalten Krieg von z. B. Bernd Stöver[5] und Jeremy Isaacs[6] gibt es historische Abhandlungen speziell über die Atombombe. Besonders detailliert wurde das Thema von Richard Rhodes[7] aufgegriffen, eine Geschichte der Atombombe von den Anfängen bis zur Gegenwart liefert der Physiker Alwyn McKay[8], der ebenso wie Charles-Noel Martin in „Hat die Stunde H geschlagen?“[9] mehr die naturwissenschaftlichen Tatsachen hervorhebt. Die Rolle der Wissenschaftler bei der Entwicklung der Atombombe hat Rober Jungk bereits 1956 in seinem Werk „Heller als tausend Sonnen“[10] beschrieben.

Genauere Informationen zu vielen verschiedenen Aspekten der Atombombenthematik finden sich in zwei Sammelbänden von Michael Salewski[11]. Eine Abhandlung über „Atombombe und Geistesgeschichte“, in der speziell der Zeitraum der fünfziger Jahre aufgegriffen wird, gibt es von Ilona Stölken-Fischer.[12] Über die Protestbewegung in der BRD gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr informiert ein Text von Birger Kohnert in dem Sammelband „Bikini. Die fünfziger Jahre“.[13] Die Einbettung des Themas in einen religiösen Kontext und eine „Psychoanalyse der Atombombe“ versucht Wolfgang Giegerich in „Die Atombombe als seelische Wirklichkeit“[14]. Auf philosophischer und ethischer Ebene setzen sich neben Carl Jaspers[15] auch Theodor W. Adorno und Max Horckheimer[16] sowie Anton-Andreas Guha[17] mit der Thematik auseinander. Günther Anders geht unter dem Einfluss der Atombombe in seiner philosophischen Abhandlungen sogar soweit, die Frage zu stellen, ob es Menschen überhaupt geben soll.[18] Es sind auch viele journalistische Beiträge zum Thema geliefert worden, am bekanntesten ist der Bericht des Amerikaners John Hersey[19], in dem er sieben japanische Zeitzeugen des Bombenabwurfes auf Hiroshima zu Wort kommen lässt. Politikwissenschaftliche Fragestellungen zur Atombombenthematik finden sich unter anderem von David C. Gompert[20] und Joachim Krause[21].

2.2 Erste Erfolge in der Atomforschung

Die Geburtsstunde der Atomphysik kann auf das Jahr 1900 datiert werden, als in den um die Weltherrschaft konkurrierenden Staaten, besonders in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA, wesentliche Fortschritte gemacht wurden. Der plötzliche Aufschwung der Atomforschung ging von wenigen Forschungseinrichtungen aus, wie z. B. dem Niels-Bohr-Institut in Dänemark, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Deutschland oder der McGill Universität in Kanada, und war zumeist von dem Wohlwollen großzügiger Spender, wie etwa dem deutschen Kaiser Wilhelm II. abhängig. Aus diesem Grund stand die Atomforschung von Anfang an in engem Zusammenhang mit den Interessen der Politik und der Machthaber. Weitere Gründe für den großen Fortschritt der Forschung waren die Herausbildung einer internationalen Wissenschaftler-Gemeinschaft, genauso wie die Tatsache, dass den Forschern an den wichtigen Instituten eine relativ teure Ausstattung und enorme Geldmittel zur Verfügung standen. Dadurch bekamen diese die Möglichkeit zahlreicher und ausgiebiger zu publizieren, ihre Reise- und Vortragstätigkeit zu verstärken und die internationale Kommunikation und den Austausch von Wissen zu verbessern.[22]

Der Prototyp dieser modernen Art von Wissenschaftler war der britische Physiker Ernest Rutherford, der 1911 mit der Hilfe des Chemikers Frederick Soddy sein Atommodell aufstellte, das an John Daltons Atomtheorie von 1803 anknüpfte. Vor ihnen hatten bereits Conrad Röntgen, Antoine Henri Becquerel und Pierre und Marie Curie Endeckungen über die Radioaktivität von Stoffen wie Uran oder Thorium gemacht, während Joseph John Thomson 1897 herausfand, dass im Atom Elektronen enthalten sind. Schon damals verhieß die Atomforschung einerseits die Aussicht auf großartigen Fortschritt zum Wohle der Menschheit, als z. B. Soddy die Behauptung aufstellte, man könnte bald mit der Energie eines Fläschchen Radiums von England bis nach Australien fahren, andererseits waren die Forschungsergebnisse auch mit düsteren Vorahnungen verknüpft, z. B. von Seiten Rutherfords, der bereits die Kettenreaktion und die damit verbundenen Möglichkeiten gedanklich antizipierte.[23]

1913 machte die Atomforschung einen weiteren gewaltigen Schritt nach vorne, als der Däne Niels Bohr sich Gedanken um die Stabilität des Atoms machte und dabei die Quantentheorie von Max Planck und Albert Einstein miteinbezog. Dieses Wissen ermöglichte 1924 den deutschen Wissenschaftlern Werner Heisenberg, Max Born und Pascal Jordan ihre Forschungsarbeit zur Quantenmechanik.[24] Zwei Jahre später sah der italienische Professor Enrico Fermi die Zeit des Übergangs von der Atomphysik zur Kernphysik gekommen. 1934 entdeckte er, zusammen mit drei anderen Forschern, die Voraussetzung für die Kernspaltung, indem er den Atomkern, der aus Protonen und Neutronen besteht, wie Heisenberg zuvor bewiesen hatte, mit künstlich verlangsamten Neutronen beschoss. Von Fermis Ergebnissen profitierten Otto Hahn und Lise Meitner am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin: Hahn gelang 1938 die erste Kernspaltung ohne sie jedoch zu verstehen, Meitner, die als Jüdin vor den Nazis nach Schweden fliehen musste, konnte sie erklären. Otto Hahn bekam dafür den Nobelpreis, erwähnte seine im Exil befindliche Mitarbeiterin jedoch mit keinem Wort.[25] In der Folge begannen verschiedene Forschergruppen der Möglichkeit einer Kettenreaktion nachzugehen. Hahn und sein neuer Mitarbeiter Strassmann versuchten dies zusammen mit Frederic Joliot und seiner Gattin Irene Curie in Paris, an der Columbia-Universität in New York begann Leo Szilard und in Großbritannien George Paget Thomson am Imperial College in London ihre eigenen Versuche. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 durch den Angriff der Wehrmacht auf Polen fing ein regelrechter Wettlauf um die Erforschung der Kettenreaktion an, was auch dazu führte, dass die Forschungsergebnisse der verschiedenen Gruppen geheim gehalten wurden. Wohl wissend, mit welchen Konsequenzen zu rechnen sei, wenn es einem Team gelänge, eine Kettenreaktion zu erzeugen, hatten verschiedene Forscher schon vorher ihre Regierungen gewarnt: Enrico Fermi, inzwischen in die USA ausgewandert, führte bereits im März des Jahres 1939 entsprechende Gespräche mit der US Navy, in denen er auf die Möglichkeit einer Superwaffe hinwies, der Hamburger Chemiker Paul Harteck hatte im April 1939 das deutsche Heereswaffenamt informiert und auch Thomson hatte die britische Regierung verständigt. Die bekannteste Warnung ist der Brief von Albert Einsteins an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt vom 2. August 1939. Die Physiker Leo Szilard und Edward Teller hatten Einstein zu dem Brief überredet, da beide noch relativ unbekannt und auf die Wirkung seines Prestiges angewiesen waren.[26] In dem Brief beschrieb Einstein die Gefahren einer möglichen Atombombe:

„[…] seit den Arbeiten von Joliot in Frankreich sowie von Fermi und Szilard in Amerika, besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß man eine Kern-Kettenreaktion in einer großen Uranmasse auslösen kann. […] Dieses neue Phänomen könnte auch zur Herstellung von Bomben führen, und man kann sich vorstellen […], daß auf diese Weise ein ganz neuer Typ von Bombe mit außerordentlicher Durchschlagskraft hergestellt würde. Eine einzige Bombe dieser Art, auf einem Schiff befördert und in einem Hafen zur Explosion gebracht, vermöchte den gesamten Hafen sowie einen Teil der Umgebung zu zerstören. Ich erfuhr soeben, daß Deutschland den Uranverkauf aus den Bergwerken der von ihm besetzten Tschechoslowakei unterbunden hat.“[27]

Die Wirkung des Briefes ließ auf sich warten, denn Roosevelt leitete erst am 12. Oktober 1939 erste Schritte zur verstärkten Forschung ein. Als die erschreckende Wirkung von Nuklearwaffen durch die Atombomben-Abwürfe in Japan offenbar wurde, bereute Einstein bereits wieder, seine Unterschrift unter den Brieftext gesetzt zu haben. Er fühlt sich von der amerikanischen Regierung getäuscht und sah seine Mitschuld darin, den Stein überhaupt ins Rollen gebracht zu haben.[28]

2.3 Die Geschichte der ersten Atombombe

Die Bedenken der Physiker Szilard, Teller und Einstein über den Fortschritt des deutschen Atomwaffenprogramms waren jedoch nicht unberechtigt. Erich R. Bagge, der 1939 gerade über das Thema Kernphysik promoviert hatte, bekam vom Heereswaffenamt der Nazis den Auftrag, die erste Sitzung des so genannten Uranvereins am 16. September 1939 zu planen. Eingeladen waren führende deutsche Physiker und Chemiker, unter ihnen z. B. Otto Hahn und später auch Werner Heisenberg.[29] Ziel des Uranvereins war es, eine Kettenreaktion zu erzeugen und so die Energie der Atomkerne für die Waffenindustrie nutzbar zu machen. Von September bis zum 8. Mai 1945 forschten die Wissenschaftler in drei Gruppen auf unterschiedliche Weise nach der Lösung ihrer Aufgabe. Laut Erich R. Bagge errichteten sie bis Kriegsende einen Reaktor mit fünfundsiebzigprozentiger Leistungsfähigkeit, wobei die endgültige Fertigstellung noch ein halbes Jahr gedauert hätte. Damit hätte ihr Erfolg 1945 dem Stand der für die USA arbeitenden Wissenschaftler am 2. Dezember 1942 entsprochen, als der Italiener Enrico Fermi den ersten Reaktor in Chicago in Betrieb nahm.[30] Die Gründe für den Entwicklungs-Rückstand waren vielfältig: Zum einen besaßen die deutschen Forscher keine Einrichtung zur Produktion des benötigten Uran 235 und zum anderen waren die Materialknappheit und der Mangel an qualifiziertem Personal in den Kriegsjahren eklatant. Hinzu kam die Zerstörung einer norwegischen Anlage zur Herstellung von Schwerwasser durch alliierte Streitkräfte 1943 und die Bombardierung der Bamag-Meguin-Werke in Berlin, in denen eine Anlage zur Isotopentrennung hätte hergestellt werden sollen.[31] Robert Jungk zu Folge waren das jedoch nicht die alleinigen Gründe für das Scheitern der Entwicklung einer Atombombe in Deutschland. So soll die „Mißorganisation und ungenügende Anerkennung“ sowie die „persönliche Haltung der wichtigsten deutschen Atomforscher“ ebenso für das Scheitern verantwortlich gewesen sein.[32] Einer der deutschen Atomforscher, Werner Heisenberg, schrieb zu dieser Frage beispielsweise:

„Die deutschen Physiker haben von vornherein bewußt darauf hingearbeitet, die Kontrolle über das Vorhaben in der Hand zu behalten, und sie haben den Einfluß, den sie als Sachverständige hatten, darauf verwendet, die Arbeiten in dem […] geschilderten Sinne zu lenken.“[33]

Der von Heisenberg verfasste Bericht von 1946 enthält die Behauptung, die deutschen Wissenschaftler hätten die Frage, ob eine Atombombe hergestellt werden sollte, für sich klar negativ beantwortet. Der Grund dafür sei die Erfahrung mit dem Nazi-Regime, dem sie eine solche Waffe nicht hätten überlassen wollen. Zusätzlich hätte es unter den Wissenschaftlern Bemühungen gegeben, den Alliierten diese Information in die Hände zu spielen, mit der Hoffnung, so auch eine amerikanische oder britische Atombombe zu verhindern.

Die enormen amerikanischen Anstrengungen eine Atombombe zu bauen, können einerseits darauf zurückgeführt werden, dass es den deutschen Wissenschaftlern nicht gelang, ihre Haltung zu signalisieren. Andererseits war die Furcht vor einer solchen Waffe in den Händen einer skrupellosen Diktatur so groß, dass die Alliierten dieser Botschaft vermutlich ohnehin keinen Glauben geschenkt hätten. Mitverantwortlich dafür war auch die Kriegspropaganda der Nazis: Bereits seit 1941 wurden Nachrichten von einer „Wunderwaffe“ in Umlauf gebracht.[34] Die Wirkung solcher Gerüchte verstärkte sich unter dem Eindruck der ersten Marschflugkörper vom Typ „V1“ (Vergeltungsrakete 1), die die Deutschen ab Juni 1944 z. B. auf London abfeuerten und deren Wirkung verheerend war.

Die erste Atombombe war daher vor allem ein Kriegsprodukt, die Entscheidung zu ihrem Bau wurde im Oktober 1941 unter strikter Geheimhaltung vom amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und einem kleinen Beraterstab getroffen. Vorausgegangen war dem die Berechnung der aus Deutschland nach England geflüchteten Wissenschaftler Otto Frisch und Fritz Peierls, die nachwiesen, dass die Explosionskraft einer äußerst kleinen Menge des Uranisotops 235 der von mehreren tausend Tonnen TNT entspricht. Der amerikanische Kongress wurde, bis auf einige wenige Mitglieder, nicht von diesen Plänen unterrichtet, obwohl ab 1943 in 19 verschiedenen Staaten 37 Großanlagen errichtet und zwei Milliarden Dollar für den Bau der neuartigen Waffe ausgegeben wurden. Unter normalen Umständen hätten diese Tatsachen kaum vor dem Kongress verheimlicht werden können und auch die Notwendigkeit der Entwicklung einer Atombombe hätte in Friedenszeiten kaum die Zustimmung der Parlamentarier erhalten, vor allem da die Erfolgsaussichten während der gesamten Entwicklungszeit nicht sehr aussichtsreich waren.[35]

Nachdem die Japaner am 7. Dezember 1941 die amerikanischen Schiffe in Pearl Harbor angegriffen hatten, begannen die Arbeiten zur Entwicklung von Nuklearwaffen in verschiedenen amerikanischen Forschungseinrichtungen, unter anderem im Strahlungslabor in Berkeley/Kalifornien, in der Columbia Universität in New York und im metallurgischen Labor der Universität von Chicago. 1942 beschlossen Roosevelt und Churchill die englischen und amerikanischen Bemühungen zum Bau einer Atombombe zu vereinen. Unter dem Decknamen „DSM-Projekt“ (Development of Substitute Materials) oder „Manhattan Projekt“ wurde das Vorhaben ab dem 13. August 1942 unter der Leitung der „Militärpolitischen Kommission“, deren Angehörige General Styer, Admiral Purnell und General Groves sowie die Wissenschaftler Dr. Vannevar Bush und Dr. James Conant waren, in die Tat umgesetzt.[36] Das Problem des Manhattan Projekts waren die vielen, über die USA verstreuten Einzeluntersuchungen. Aus diesem Grund kam Robert J. Oppenheimer, bislang Leiter des metallurgischen Labors in Chicago im Sommer 1942 auf die Idee, ein gemeinsames Labor zur Entwicklung von Kernwaffen einzurichten. Mit dieser Idee wandte er sich an General Leslie Richard Groves, der am 17. September 1942 mit der Leitung des Gesamtprojekts betraut wurde.[37] Groves, der beim amerikanischen Militär schon viele Bauvorhaben geleitet hatte, wie z. B. die Errichtung des Pentagons, wählte daraufhin im November desselben Jahres den Standort Los Alamos in New Mexiko aus. Die Vorzüge lange auf der Hand: Der nächste größere Ort lag 50 Kilometer entfernt, ansonsten bestand das Gebiet weitgehend aus Wüste und Canyons. Abgesehen davon war der Standort schwer zugänglich, ideale Voraussetzungen also für die Geheimhaltung des Projekts und für einen anschließenden Test nach dem Abschluss der Entwicklungsphase. Im Frühjahr 1943 wurde das Projekt skizzenhaft entworfen: Erforscht werden sollten die Methoden zur Herstellung des eigentlichen Sprengstoffs sowie die Konstruktion der Bombe selbst. Zu diesem Zweck wurde in Los Alamos praktisch eine eigene kleine Gemeinde errichtet, bestehend aus den Laboratorien, Werkstätten und Büros der Forscher und Militärs und den dazugehörigen Wohnstätten. Trotz der enormen Konkurrenz durch viele Nobelpreisträger der Physik und der Chemie wurde Oppenheimer von General Groves zum Direktor von Los Alamos benannt, obwohl er ein relativ unerfahrener Theoretiker war, seine politische Linksorientierung bekannt war und sowohl seine Frau als auch sein Bruder Mitglieder der Kommunistischen Partei gewesen waren. Die Auswahl des wissenschaftlichen Personals für Los Alamos erwies sich als Problem: Zum einen musste Oppenheimer die Wissenschaftler aus wichtigen Positionen herausholen, ohne ihnen jedoch aus Diskretionsgründen ihre Aufgaben beschreiben zu können, und zum anderen waren viele der Spitzenforscher aus Europa geflüchtet und wurden von den Amerikanern deswegen als Sicherheitsrisiko angesehen.[38] Zu ihnen gehörten z. B. Hans A. Bethe aus Deutschland, Edward Teller aus Ungarn oder Enrico Fermi aus Italien. Durch polizeiliche Untersuchungen, Kreuzverhöre und Fragebögen über das private und politische Vorleben wurden alle Beteiligten bis ins Detail hin geprüft um die Sicherheit des Projekts zu gewährleisten. Zudem wurden Briefe zensiert und Telefongespräche und Wohnungen abgehört. Einzelne Wissenschaftler bekamen sogar Leibwächter zugewiesen.[39] Auf Grund der Zusammenarbeit zwischen den alliierten Mächten wurden auch die britischen Spitzenleute in Los Alamos aufgenommen, unter ihnen die Deutschen Peierls und Frisch und der hochbegabte mathematische Physiker Klaus Fuchs. Dieser, seit Anfang der dreißiger Jahre Kommunist, war vor den Nazis nach England geflüchtet, wo er bereits 1941 von Birmingham aus begann, Forschungsergebnisse an die Sowjetunion auszuhändigen. Obwohl seine Neigung zum Kommunismus eine bekannte Tatsache war, gelang es Fuchs dennoch Informationen weiterzureichen. Dies hatte zur Folge, dass die zweite Weltmacht neben den USA den Vorsprung in der Nuklearwaffentechnologie aufholen und am 29. August 1949 ihre erste eigene Atombombe testen konnte. Trotz der permanenten Überwachung der Amerikaner hatte Fuchs es geschafft, das streng geheime Wissen der Atomforscher aus der abgeriegelten Festung Los Alamos hinaus zu schmuggeln.[40] Den Grund dafür kann man darin sehen, dass andere Wissenschaftler wesentlich strenger bespitzelt wurden: Der als Genie bekannte Niels Bohr, von Dänemark aus nach England geflohen und dann als Berater des Manhattan-Projekts nach Amerika geholt, wurde teilweise von zwei britischen Geheimdienst-Agenten überwacht und zusätzlich, ohne deren Wissen von einander, von zwei Spezialagenten der Amerikaner sowie zwei Mitarbeitern des F.B.I.[41] Bohr war einer der wenigen, der sich auch Gedanken um die Rolle einer Atombombe nach dem Krieg machte. Er hoffte darauf, dass die alles vernichtende Wirkung der Bombe später größere Offenheit und größeres Vertrauen zwischen den Nationen bewirken würde. Diese Idee diskutierte er mit vielen wichtigen Persönlichkeiten wie z. B. Präsident Roosevelt oder Vannevar Bush, die sich seiner Meinung größtenteils anschlossen. Allein der britische Premierminister Winston Churchill hielt ihn für ein enormes Sicherheitsrisiko, da Bohr die Ansicht vertrat, man sollte die Sowjetunion über den ersten Atombombentest in Kenntnis setzen.[42]

Außer Bohr gab es nicht viele Wissenschaftler, die sich über die Gefahren einer Atombombe Gedanken machten. Die Ursache dafür war einerseits die Ambition, schneller eine Bombe zu entwickeln als die Forscher der Nationalsozialisten. Ein anderer Grund war die Tatsache, dass mit der theoretischen und praktischen Entwicklung der Bombe weniger Militärs, die das Projekt zwar kontrollierten, als vielmehr Universitätswissenschaftler beschäftigt waren. Deren Interesse war die Verbreitung von Wissen und die Erforschung neuer Grundlagen, ihr Ziel war schlicht und einfach die Entwicklung neuer Erkenntnisse und der Fortschritt der Wissenschaft.[43] Hinzu kam ein erheblicher Wissens- und Fortschrittsoptimismus, der in vielen Fällen dafür sorgte, dass die negative Seite der wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgeblendet wurde. Dies erklärt den enormen Elan der Wissenschaftler bei ihrer Arbeit an der Atombombe. Die Forscher sahen ihren Beitrag zum Manhattan-Projekt als Voraussetzung zu einem neuen „goldenen“ Zeitalter industriellen und sozialen Fortschritts und weniger aus der militärischen und politischen Perspektive, aus der heraus gesehen die Atombombe ein bisher nicht gekanntes Machtmittel darstellte, das die Welt kontrollieren kann. Nur so ist, abgesehen von der Angst vor einer Atombombe in den Händen der Nazis, die bedenkenlose Hingabe der Forscher an das Projekt zu rechtfertigen. In seinem Aufsatz „Das Manhattan-Projekt“ skizziert Stefan Fröhlich zwei Erklärungsmuster für den enthusiastischen Einsatz der Wissenschaftler bei der Entwicklung der ersten Atombombe: Zum einen hofften manche eventuell darauf, dass die Bombe sich als nicht realisierbar herausstellte, sahen sich aber gezwungen auf Grund der Kriegsrisiken zielstrebig an dem Projekt mitzuarbeiten. Zum anderen glaubten sich einige Forscher von der Verantwortung für die neue Superwaffe befreien zu können, weil sie relativ früh wieder von dem Projekt ausgeschlossen wurden.[44] Fröhlich sieht die Entwicklung der Bombe und damit auch des Nuklearstaats verursacht durch eine „Bedrohungsperzeption“[45], womit die Expansion des nuklearen Wettrüstens im Kalten Krieg schon im Manhattan-Projekt selbst begründet liegt. Wahrscheinlich ist, dass sich keiner der Wissenschaftler in Los Alamos genau bewusst war, welches Zerstörungs- und Machtpotential eine Atomwaffe bedeutet.

Erst vor dem Test, der eigentlich am amerikanischen Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli 1945 vorgesehen war, aber wegen mehreren Verzögerungen erst am 16. Juli 1945 in der Alamogordo-Wüste durchgeführt werden konnte, wurden die Bedenken und die Angst vor der Bombe langsam größer. In Anlehnung an die heilige Dreifaltigkeit gab Robert J. Oppenheimer dem Test der Atombombe „Fat Man“ den Decknamen „Trinity“. Die Assoziationen mit der Bombe waren ambivalent: Einerseits sollte sie den Krieg beenden und stellte eine neue Technologie dar, die den Menschen eine großartige Zukunft verhieß, war damit Symbol für ein neues, besseres Zeitalter. Andererseits war sie eine tödliche Waffe von unvorhersehbarer Wirkung, die die ganze Welt hätte vernichten können. Oppenheimer, als wissenschaftlicher Direktor des Projekts einer der Hauptverantwortlichen, drängte sich das Bild des Prometheus auf, der den Göttern das Feuer entreißt.[46] Enrico Fermi wollte sogar Wetten mit seinen Kollegen über das Ausmaß der Zerstörung abschließen, wie General Groves berichtete: „Er [Fermi] schlug seinen Kollegen Wetten darüber vor, ob die Bombe die Atmosphäre in Brand setzen werde oder nicht, und wenn, ob sie dadurch nur New Mexiko oder die ganze Welt vernichten würde.“[47]

Der erste Atombombentest verlief erfolgreich, aber nicht erwartungsgemäß, „Fat Man“ detonierte mit einer Sprengkraft von 18,6 Kilotonnen, während die Theoretiker sie auf 5 Kilotonnen geschätzt hatten. Der Eindruck auf die Wissenschaftler war gewaltig. Robert Serber berichtete: „Die Größe und Erhabenheit des Phänomens waren völlig atemberaubend“[48], für Isidor Isaac Rabi „war etwas Neues geboren; eine neue Macht; ein neues Verständnis des Menschen, das der Mensch über die Natur gewonnen hatte“[49] und Oppenheimer griff in Ermangelung angemessener Worte auf die Verse „Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welt“[50] aus der Hindu-Schrift Baghavadgita zurück.

Der „Vater der Atombombe“ sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten: Nur kurze Zeit später, am 6. August 1945 warf der amerikanische Bomber „Enola Gay“ vom Typ B-29 die 4,5 Tonnen schwere Uranbombe „Little Boy“ in den Morgenstunden auf die japanische Stadt Hiroshima ab. Wie verheerend die Folgen waren, beschreibt Wieland Wagner in dem Aufsatz „Das nukleare Inferno: Hiroshima und Nagasaki“:

„Auf einer Fläche von 13 Quadratkilometern wurde Hiroshima dem Erdboden gleichgemacht, von etwa 76.000 Gebäuden wurden 70.000 zerstört oder beschädigt. In einem Umkreis von 1.000 Metern um das Hypozentrum riß die Bombe neun von zehn Menschen sofort in den Tod. Von den etwa 350.000 Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Stadt aufhielten, sollten bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen sterben, darunter auch 90 Prozent des medizinischen Personals.“[51]

Besonders gut nachzuvollziehen ist der Abwurf von „Little Boy“ an Hand des Berichts „Hiroshima. 6. Aug. 1945, 8 Uhr 15“[52] des amerikanischen Journalisten John Hersey. Dieser besuchte die Stadt nach der Besetzung Japans durch die Amerikaner, in seinem Buch kommen sieben Zeugen der Atombombenexplosion zu Wort. Am 9. August wurde als zweite und bislang letzte Nuklearwaffe in der Geschichte die Plutoniumbombe „Fat Man“ auf Nagasaki, genau wie Hiroshima ein bedeutender Kriegsmarine- und Rüstungsstandort, abgeworfen. Sechs Tage später, am 15. August 1945, hatten die USA das Ziel ihrer Atombombeneinsätze erreicht, als der japanische Kaiser Hirohito die Kapitulation seines Landes gegenüber den Alliierten verkündete.

Den Befehl zum Einsatz der nuklearen Waffen hatte Harry S. Truman, nach dem Tod Roosevelts am 12. April 1945 als Vizepräsident zum Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgerückt, am 24. Juli 1945 gegeben. Doch bestand überhaupt die Notwendigkeit des Abwurfes? Ursprünglich waren die Nuklearwaffen entwickelt worden um gegen die Nazis eingesetzt zu werden, doch der Krieg in Europa war bereits am 8. Mai 1945 zu Ende gegangen. Außerdem hatten die Amerikaner schon im November 1944 die Information von einer Einsatzgruppe aus Straßburg erhalten, dass es keine deutsche Atombombe geben würde.[53] Somit war der Beweggrund für den Bau der Atombombe, nämlich die Angst vor einem deutschen Exemplar, nicht mehr gegeben. Das „Interim Committee“, bestehend aus den hauptverantwortlichen Wissenschaftlern des Manhattan-Projekts (Compton, Fermi, Lawrence und Oppenheimer) unter dem Vorsitz des Kriegsministers Henry L. Stimson empfahl Truman trotzdem den Einsatz der Bombe. Begründet wurde dies offiziell damit, dass weiteres Blutvergießen auf amerikanischer Seite, z. B. durch einen Einfall von US-Truppen auf den japanischen Hauptinseln, vermieden werden sollte. Allein bei den Kämpfen um die japanische Insel Okinawa hatte es schon 120.000 Tote auf japanischer und 80.000 auf amerikanischer Seite gegeben. Der wahre Grund für den Einsatz der beiden Atombomben war vermutlich ein anderer: Erstens wollte die Weltmacht USA verhindern, dass die zweite Großmacht Sowjetunion, deren Einfall in Asien bevorstand, auf diesem Gebiet irgendwelche Rechte geltend machte, und zweitens wollte sie ihren Führungsanspruch in der Weltpolitik, vor allem in Hinblick auf die Nachkriegsordnung in Europa, geltend machen. Truman hatte bereits auf der Potsdamer Konferenz mit dem Hinweis auf eine neuartige Superwaffe Druck gemacht um Stalin seine Konditionen diktieren zu können. Andererseits galt es auch das rund zwei Milliarden Dollar teure Manhattan-Projekt vor der amerikanischen Bevölkerung zu legitimieren und die teuren Waffen auch wirklich zu benutzen.[54]

Zumindest ein Teil der Wissenschaftler in den USA waren mit dem Einsatz der Atombombe nicht einverstanden: Am metallurgischen Labor in Chicago verfasste ein Komitee, dem unter anderen Leo Szilard angehörte, den „Franck Report“. Der Bericht wies darauf hin, „daß es von großer schicksalhafter Bedeutung zu sein scheint, wie die Kernwaffensysteme, die in diesem Land im Geheimen entwickelt werden, zuerst vor der Welt offengelegt werden“[55] und äußert den Wunsch nach einem internationalen Verbot des Atomkrieges. Die Entscheidung des Interim Committe und des Präsidenten beeinflusste dies jedoch wenig.[56]

Nötig wäre der Abwurf der beiden Bomben aus militärischer Perspektive vermutlich nicht gewesen, denn die Japaner waren durch die zahlreichen Bombardements der USA wirtschaftlich und militärisch schon so geschwächt, dass die amerikanischen Bomber ungestört ihre Kreise über den japanischen Städten ziehen konnten. Darüber hinaus lässt sich der Einsatz der Bomben aus Sicht der Armee nicht rechtfertigen, da bei den Abwürfen weniger militärische, als vielmehr zivile Ziele getroffen und vernichtet wurden, vor allem, wenn man bedenkt, wie eng und vermischt japanische Wohn- und Gewerbegebiete zueinander lagen. Letztendlich galt der Einsatz der Bomben und der damit verbundene Schrecken den Japanern nicht einmal als Grund zur Kapitulation, vielmehr beabsichtigten sie den Fortbestand ihrer Kaiserdynastie unter der zu erwartenden Besatzung der USA zu sichern, indem sie kapitulierten.[57]

Mit den beiden Atombomben-Abwürfen hatten die Amerikaner Kriegsverbrechen begangen, die ihrem internationalen Ansehen schwer geschadet haben. Deshalb wurde in der Besatzungszeit durch die USA jegliche öffentliche Auseinandersetzung mit der Bombe verboten, obwohl die großräumige Verwüstung und besonders die Opfer der durch die Bomben ausgelösten radioaktiven Verstrahlung nicht zu übersehen waren. Ein besonderes Beispiel dafür ist der Erlebnisbericht des Arztes und Schriftstellers Takahsi Nagais „The bells of Nagasaki“. Die Erzählung über die Zerstörung Nagasakis durfte erst zwei Jahre später (1951) veröffentlichen werden und der Autor bekam von den Amerikanern die Auflage, einen Bericht über japanische Kriegsverbrechen auf den Philippinen hinzuzufügen. Durch dieses Verhalten der Besatzungsmacht gerieten die Überlebenden der nuklearen Katastrophe in Vergessenheit und auch nach dem Ende der Besatzungszeit taten sich Japaner wie auch Amerikaner mit der Vergangenheitsbewältigung äußerst schwer.[58]

Die schrecklichen Folgen der Abwürfe auf die beiden japanischen Städte rüttelten die Wissenschaftler, die für den Bau der Waffe verantwortlich gewesen waren, wach. Ihrer Ansicht nach sollten die amerikanische Öffentlichkeit und alle anderen Nationen sofort über die neue Waffe und die Möglichkeiten der Nukleartechnologie informiert werden. Aber führende Köpfe wie Compton, Chef des metallurgischen Labors in Chicago, und Oppenheimer, Chef von Los Alamos, blockten unter dem Einfluss der Militärs alle Überredungsversuche ihrer Kollegen ab, als anerkannte und bekannte Wissenschaftler an die Öffentlichkeit zu treten. Im Raum stand die Frage, ob die Atomkontrolle Angelegenheit einer zivilen Behörde oder des Militärs werden sollte. Im Kriegsministerium wurde deshalb die „May-Johnson-Bill“ vorbereitet, die dem Militär die gesamte Kontrolle über alle Atomfragen übertragen hätte. Der Physiker Leo Szilard trat jedoch durch seine Aussage vor dem Kongress in Washington diesem Gesetzesentwurf entgegen. Inzwischen hatte sich eine regelrechte Protestbewegung von Wissenschaftler formiert, die auf verschiedene Art und Weise die Öffentlichkeit informierte. Im Juli 1946 hatte die Bewegung schließlich Erfolg, als ein alternativer Gesetzesentwurf, die „Mac-Mahon-Bill“, angenommen wurde. Das Gesetz legte die Atomkontrolle in die Hände der Zivilkommission „US Atomic Energy Commission“.[59] Weltweit wurde am 24. Januar 1946 eine Atomenergie-Kommission von den Vereinen Nationen eingerichtet.

2.4 Die fortschreitende Atombedrohungen im Kalten Krieg

Robert J. Oppenheimer trat im Oktober 1945 als Direktor von Los Alamos zurück und nahm damit den Abgang der meisten Wissenschaftler vorweg, die wieder zur Grundlagenforschung zurückkehrten. Zuvor war am 12. August 1945 der „Smyth Report“ unter der Aufsicht von General Groves veröffentlicht worden, in dem auf halbtechnische Weise die Ergebnisse der Forschungsarbeit des Manhattan-Projekts veröffentlicht wurden und somit auch den anderen Nationen zur Verfügung standen. Mit dem Bericht sollte den beteiligten Wissenschaftlern klar gemacht werden, wie weit sie in öffentlichen Diskussionen zum Thema Atombombe gehen durften und wieviel Diskretion an den Tag gelegt werden sollte. Außer Frage stand für die USA jedoch, dass sie ihren Kernwaffenvorrat weiter ausbauen würden. Diese Haltung verstärkte sich vor allem durch die erste Kernexplosion in der UdSSR am 29. August 1945, als man erkannte, dass die Sowjetunion bereits über dieselbe Technologie verfügte und damit ein erneuter Wettlauf um die Entwicklung immer besserer und zerstörerischer Nuklearwaffen begonnen hatte. Die Sowjets hatten mit der Erforschung der Atombombe bereits 1943 begonnen und waren durch die Spionage des Sowjet-Agenten Klaus Fuchs in der Lage, den Vorsprung der Amerikaner aufzuholen. Auch die britische Regierung hatte inzwischen mit der Herstellung einer eigenen Bombe begonnen, führte den Test allerdings erst 1952 durch. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts vergrößerte sich der Kreis der Atommächte stetig: 1960 fand der erste französische Atomversuch in der algerischen Wüste statt, 1964 der erste chinesische und 1974 der erste indische Test. Bis heute hat sich die Zahl der über Atombomben verfügenden Staaten laufend vergrößert, es ist nicht mehr klar, wieviele Nationen schon über diese Waffe verfügen.[60]

Der erste öffentliche Atomwaffentest wurde von den USA im Juli 1946 auf dem Südsee-Atoll Bikini „inszeniert“: „Es ist die größte wissenschaftliche Vorstellung der Welt, veranstaltet von den Vereinigten Staaten und mit der Atombombe als Star. In den Hauptrollen wirken weiter als Zielscheiben-Opfer 200 Kriegsschiffe…“[61]. Da die Bombe versehentlich weit entfernt vom Ziel einschlug, bekam die Weltöffentlichkeit jedoch, gemessen an der Katastrophe von Hiroshima, einen harmlosen Eindruck. Der Respekt vor der Atombombe war geschwunden und die von ihr ausgehende Gefahr begann sich aus den Köpfen der Menschen zurückzuziehen. Was vorerst blieb, war das neue Modewort „atomisch“, das auf jeden erdenklichen Sachverhalt bezogen wurde, sowie der zweiteilige Badeanzug Bikini, eine Erfindung des französischen Fabrikanten Louis Reard, angelehnt an die Form des Bikini-Atolls. Der Bikini ist das Sinnbild der Verharmlosung der Atombombe, in Deutschland zudem auch ein Symbol des Wirtschaftswunders, das die Gefahren eines nuklearen Krieges zu Gunsten von Konsummöglichkeiten in den Hintergrund treten ließ.[62]

Die „MacMahon-Bill“, die die Atomforschung in den USA in die Hände der „US Atomic Energy Commission“ gelegt hatte, konnte jedoch nicht verhindern, dass die Kernforschung weiterhin größtenteils zu Rüstungszwecken verwendet wurde. Darüber täuschte auch nicht hinweg, dass 1951 erstmalig Strom durch ein Kernkraftwerk in Idaho (USA) erzeugt wurde und dass in Genf das „Europäische Zentrum für Kernforschung“ gegründet wurde. Der Widerstand der Wissenschaftler gegen eine militärische Verwendung der Kernforschung scheiterte daran, dass die meisten von ihnen wieder unfreiwillig an der Erforschung der militärischen Nutzbarkeit teilnahmen, da das Militär sich während des Krieges als finanzkräftiger Mäzen an den Universitäten etabliert hatte. Der Wissenschaftler Philip Morrison brachte diesen Tatbestand 1946 auf den Punkt: „Bei dem letzten Treffen der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft in Berkeley war die Hälfte der Forschungsberichte […] ganz oder teilweise von den Streitkräften subventioniert.“[63] So wurden die Universitäten der USA, vor dem Krieg Stätten der freien Forschung, zur strengsten Geheimhaltung herangezogen. Durch die Truman-Doktrin vom 12. März 1947, einem außenpolitischen Programm, das den freien Staaten der Welt amerikanische Hilfe zusagte und sich damit direkt gegen die Sowjetunion als totalitäres Regime wandte, durch Trumans „Loyalitäts-Befehl“ vom 21. März 1947 und den immer extremere Formen annehmenden Antikommunismus verschlechterte sich die Situation zunehmend: Alle Regierungsbeamte mussten auf ihre politische und moralische Zuverlässigkeit überprüfte werden, im Zuge dessen auch die vom Militär bezahlten Wissenschaftler. Deren Situation hatte sich grundlegend verändert, denn während sie vor dem Krieg zwar frei, aber mit ungenügenden Mitteln arbeiten konnten, stand ihnen jetzt zwar ein höherer Forschungsetat zur Verfügung, aber sie waren keine freien Wissenschaftler mehr, sondern Angestellte des Staates und Abhängige des Militärs. Die internationalen Verbindungen der Forscher, die früher floriert hatten, und die Ungebundenheit der Forschung an nationale Interessen gab es nicht mehr. Nur den sowjetischen Wissenschaftlern ging es dabei noch schlechter: Die Kernforscher, die sich weigerten für die sowjetischen Rüstungsvorhaben zu arbeiten, wurden von Stalin kurzer Hand zu Deportation und Zwangsarbeit verurteilt.[64]

Die erste sowjetische Atom-Explosion im August 1949 führte in den USA zu verstärkten Rüstungsbemühungen. „Joe I“, von den Amerikanern nach Joseph Stalin benannt, schaffte es aber nicht, die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber der Atomgefahr, die nach den Versuchen auf dem Bikini-Atoll einsetzte, zu verringern.[65] Die Antwort der amerikanischen Forscher und Militärs auf „Joe I“ war die „Super“, die Wasserstoff- oder auch H-Bombe, deren Sprengkraft die von „Little Boy“, der Hiroshima-Bombe um ein tausendfaches übertraf und deswegen als „open ended weapon“ bezeichnet wurde.[66] Edward Teller, treibende Kraft unter den Physikern, da er für Einsteins Brief an Roosevelt mitverantwortlich war und schon während des Manhattan-Projektes an den Grundlagen von thermonuklearen Waffen (wie z. B. der H-Bombe) geforscht hatte, setzte sich schon früh für eine Entwicklung der „Super“ ein, er betrachtete sie sogar als sein „Baby“[67]. Vom „Emergency Committee of the Atomic Scientists“, dessen Vorsitzender Albert Einstein war, verlangte er sogar, für den Bau dieser extremen Waffe einzutreten, wurde aber von dem Komitee mit Empörung abgewiesen. Die „General Advisory Commission“, die wichtigste Beratungsinstanz der US-Regierung, zusammengesetzt aus neun führenden Wissenschaftlern unter dem Vorsitz von Oppenheimer, entschied anders: Sie leugneten zwar nicht, dass die „Super“ technisch herstellbar sei, hielten sie aber für unökonomisch und befürchteten, dass sie den Ausbau des normalen Atomwaffen-Programms von Uran- und Plutonium-Bomben durch den enormen Entwicklungsaufwand gefährden würde. Außerdem wandten sie ein, dass die Bombe größenmäßig für nur zwei Ziele in der Sowjetunion, Leningrad und Moskau, geeignet sei und dass die moralische Stellung der USA erheblich leiden würde, falls eine solche Waffe eingesetzt werden sollte. In gegenseitigem Einvernehmen kamen sie zu dem Schluß: „Wir alle hoffen, dass durch ein oder das andere Mittel die Entwicklung dieser Waffe sich vermeiden läßt.“[68] Eine Spezialkommission des nationalen Sicherheitsrates, deren Teilnehmer unter anderem Außenminister Acheson, Verteidigungsminister Johnson und der Vorsitzende der Atomenergie-Kommission Lilienthal waren, urteilte jedoch anders. Unter dem Einfluss des Spionagevergehens von Klaus Fuchs und dessen weit reichenden Konsequenzen empfahlen sie dem Präsidenten den Bau der Waffe, woraufhin dieser den amerikanischen Bürgern erklärte: „Ich habe die AEC [Atomic Energy Commission] angewiesen, ihre Arbeit an allen Arten von Atomwaffen einschließlich der sogenannten Wasserstoff- oder Superbombe fortzusetzen“[69]. Die Empörung über diese Entscheidung war groß: Das Volk selbst war nie befragt worden, ob es mit dem Bau einer solchen Waffe einverstanden war, Menschen aus allen Bereichen, seien es Wissenschaftler, Intellektuelle oder Journalisten setzten sich für einen Vermittlungsversuch zwischen den Großmächten ein. „Die Anwendung der tiefsten Schöpfungsgeheimnisse zu Zwecken der Zerstörung ist eine entsetzliche Tat“[70], schrieben die Journalisten John und Stewart Alsop und Albert Einstein stellte fest: „Der Rüstungswettlauf zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nimmt hysterischen Charakter an. Auf beiden Seiten werden die Mittel zur Massenausrottung mit fieberhafter Hast hinter den Mauern der Geheimhaltung vervollkommnet.“[71] Der Appell des Nobelpreisträgers wurde im amerikanischen Fernsehen und auch im deutschen Rundfunk veröffentlicht. Die amerikanischen Wissenschaftler organisierten sich in der „Society for Social Responsibility in Science“, deren Mitgliederzahl die 300 erreichte, jedoch nicht vom Dachverband der wissenschaftlichen Vereinigungen Amerikas anerkannt wurde. Durch Publikationen und Manifeste versuchten sie Einfluss auf die Politik zu nehmen. Einige Wissenschaftler waren jedoch darunter, die gleichzeitig gegen die Atombombe agitierten, aber dennoch an ihrer Entwicklung mitarbeiteten, z. B. Hans Bethe, der von Edward Teller überredet worden war. Vormals der heftigste Kritiker dieser zerstörerischen Waffe, hielt er es, wie andere Wissenschaftler auch, für seine patriotische Pflicht, zur Waffenentwicklung zurückzukehren. Schuld daran waren vor allem die Machtübernahme der Kommunisten in China und der Korea-Krieg 1950 bis 1953, als aus dem Kalten Krieg zwischen Sowjetunion und USA ein warmer Krieg zu werden drohte.[72] Der militärische Konflikt wurde von der Republik Korea (Südkorea) mit Unterstützung der USA und der UN gegen die Demokratische Volksrepublik Koreas (Nordkorea) mit Unterstützung Chinas ausgetragen, die beiden Großmächte verschärften die Situation durch das Konzept der „massiven Vergeltung“, dass den Gegner vom Einsatz seiner Atomwaffen abhalten sollte, indem ihm mit einem atomaren Vergeltungsschlag gedroht wurde.

Ein anderer Grund für die Mitarbeit von Wissenschaftlern wie Hans Bethe war ihre Neugier, die Antwort auf die Frage zu erhalten, ob die thermonukleare Waffe wirklich herstellbar sei. Viele dieser Wissenschaftler hofften zwar, dass diese Frage mit nein beantwortet werden könnte, aber im Mittelpunkt ihres Denkens stand ein anderer Aspekt, die Triebfeder des Forschungsdrangs, wie Robert J. Oppenheimer feststellt: „Wenn man etwas sieht, was einem ‚technicaly sweet’ erscheint, dann packt man es an und macht die Sache, und die Erörterungen darüber, was damit anzufangen sei, kommen erst, wenn man seinen technischen Erfolg gehabt hat.“[73] Was damit angedeutet wird, ist die Erklärung dafür, warum Wissenschaftler, wie der „Vater der Atombombe“, Oppenheimer, und der „Vater der H-Bombe“, Edward Teller, skrupellos mit der Entwicklung apokalyptischer Waffen begonnen hatten. Ähnlich wie Faust, der einen Teufelspakt schließt um zu erkennen „was die Welt im Innersten zusammenhält“[74], wird der moderne Wissenschaftler von seiner Neugier, seinem Erkenntnisdrang und seinem Willen zum Erfolg derartig beherrscht, dass die Gewissensfragen, wie Oppenheimer beschrieb, erst einmal außer Acht gelassen werden und spätestens dann wieder kommen, wenn das Projekt erfolgreich durchgeführt wurde. Dies betrifft besonders bahnbrechende Erfindungen wie die Kernspaltung und die H-Bombe. Der Rüstungswettlauf und der ungestillte Erkenntnisdrang der Wissenschaftler waren zwei der Gründe, die für den Bau der H-Bombe in Los Alamos verantwortlich waren. Unterstützt durch die neuartige Rechenmaschine „MANIAC“, die bei der Entwicklung der Atombombe noch nicht zur Verfügung gestanden hatte, gelang es den Wissenschaftlern in Los Alamos die H-Bombe innerhalb von zwei Jahren fertig zu stellen. Am 1. November 1952 fand auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik der Test der Bombe „Mike“ statt, wobei die Explosion etwa zehn Megatonnen TNT entsprach und einen Krater von einer Meile Länge und 175 Fuß Tiefe in den Meeresboden riss. Als am 12. Oktober 1953 die erste sowjetische H-Bombe getestet wurde, gab es wiederum ein atomares Patt. Die nächste Stufe des sich immer weiter beschleunigenden Wettrüstens war die „Dreistufen-Bombe“, die die Techniken der Spaltungs- und Verschmelzungs-Bomben kombinierte. Ihre Zerstörungskraft wurde auf diese Weise maximiert. Die erste Bombe dieser Art mit dem Namen „Bravo“ wurde am 1. März 1954 im Eniwetok-Atoll getestet. Daraufhin verursachte vor allem das Unglück des „Glücklichen Drachen“ Aufruhr in der Weltöffentlichkeit. Der „Drachen“, ein japanisches Thunfischfänger-Boot, befand sich außerhalb der Sicherheitszone der Bombe und wurde dennoch radioaktiv verseucht.[75] Zwar äußerte sich die „Atomic Energy Commission“ der USA erst im Monat darauf, doch

„[d]ie alten Topoi vom Alpdruck und Menetekel der Menschheit tauchten wieder auf, und wie schon 1945 und 1950 wurde den Lesern [in Deutschland] ein weiteres Mal drastisch verdeutlicht, daß es in einem dritten Weltkrieg weder Sieg noch Niederlage, sondern nur Vernichtung und Chaos geben könne“[76],

wie es in „Atombombe und Geistesgeschichte“ von Ilona Stölken-Fitschen über die Auswirkungen des H-Bomben-Tests in Deutschland heißt. Die Reaktionen der Zeitungen waren von außerordentlichem Schrecken geprägt. „Die Welt“ berichtete am 29. März 1954:

„Sie [die Bombe] entfesselte Naturkräfte, die sich als unkontrollierbar erwiesen; sie legte geheimnisvolle Gewalten frei, die sich nicht mehr bändigen ließen, und sie rüttelte, mit der stolzen Selbstsicherheit des erfolgreichen Geisterbeschwörers, so kräftig an den Angeln des Erdballs, daß die Öffentlichkeit zum ersten Male in Schrecken geriet. Der moderne Alptraum von der Atomenergie, die den ganzen Erdball in Splitter zerbersten läßt, ist vom bloßen Traum zur realen Möglichkeit avanciert - und es ist wohl kein Wunder, daß ob dieser Erkenntnis die Menschheit vor ihrem eigenen Fortschritt Angst zu bekommen beginnt.“[77]

Neben der Angst vor der Vernichtung der ganzen Welt wuchs die Angst vor radioaktiver Verseuchung, nachdem die Bilder der kontaminierten japanischen Fischer in den Medien zu sehen waren. Vor allem die Frage nach der Fernwirkung durch radioaktiven Niederschlag war ins Bewusstsein der Menschen gerückt, nirgendwo auf der Welt fühlte man sich mehr sicher, nachdem der weit entfernte H-Bomben-Test die unschuldigen japanischen Fischer beeinträchtigt hatte.

Mit der Remilitarisierung Westdeutschlands 1955 und der Frage, ob die Bundeswehr mit Nuklearwaffen ausgerüstet werden sollte, entwickelte sich in der BRD eine regelrechte Protestkultur. Diese stand in der Tradition der „Ohne-uns-Bewegung“, die sich bereits 1950 gegen die Gründung der Bundeswehr wandte. Ähnliche Proteste erhoben sich auch gegen die Einrichtung eines Verteidigungsministeriums 1952, die Aufnahme der Bundesrepublik in die Nato 1954 und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1956. Am 5. April 1957 gab Adenauer erstmals zu, Pläne für die Ausrüstung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen zu haben und versuchte dies mit dem Argument „[d]ie taktischen Waffen sind nichts weiter als die Weiterentwicklung der Artillerie“[78] zu verharmlosen, so als wüsste er nicht um die Gefahren und die Zerstörungskraft von atomaren Waffen. Zusammen mit der Erkenntnis, dass Deutschland im Fall einer atomaren Auseinandersetzung zwischen Ost und West gemäß der Strategie der Nato zum wichtigsten Kriegsschauplatz werden würde, führte dies zum ersten öffentlichen Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Am 12. April 1957 sorgte der „Göttinger Appell“, verfasst von 18 wichtigen deutschen Atomforschern, für Aufsehen. Darin warnten Wissenschaftler wie von Weizsäcker, Hahn, Born und Heisenberg vor den Gefahren atomarer Waffen und weigerten sich an der Entwicklung solcher mitzuwirken. Günther Weisenborn hat den Appell zu Ehren der couragierten Forscher und zur Erinnerung an die Proteste in dem Theaterstück „Göttinger Kantate“[79] verarbeitet, das später von Erwin Piscator inszeniert wurde. Damit wurde in der Bundesrepublik mit fast mehr als einem Jahrzehnt Verzögerung auf die Atomproblematik reagiert. Die Regierung versuchte die protestierenden Wissenschaftler durch eine Einladung zu einem Gespräch zu beschwichtigen, vor allem da die Aktion tagelang die Presse beschäftigte, rückte aber von ihren Plänen nicht ab. Daraufhin ergriffen auch die SPD und die Gewerkschaft Partei für die Göttinger Physiker und gründeten die Kampagne „Kampf dem Atomtod“.[80] Im Zuge dessen kam es 1957/58 in der BRD zu Massendemonstrationen, allein von Mitte bis Ende April 1958 waren es 200.000 Menschen, die gegen die Atomgefahr auf die Straße gingen, außerdem hielten 52 Prozent der Deutschen einen Streik gegen die Bewaffnung der Bundeswehr mit Nuklearwaffen für angebracht, während nur 31 Prozent dagegen waren, wie das Institut für Demoskopie in Allensbach herausfand. Am 30. Juli 1958 wurde eine Volksbefragung zu der Atomwaffen-Problematik vom Bundesverfassungsgericht jedoch verboten.[81] Als sich die großen Organisationen, die SPD und der DGB 1958 langsam aus der Bewegung zurückzogen, da die SPD ihr Image durch die Demonstrationen gefährdet sah, änderten sich die Protestformen. Die „Ostermarsch-Bewegung“, eine am Vorbild der britischen Ostermärsche orientierte und in vielen Ländern nachgeahmte Protestform, richtete sich nicht mehr direkt gegen die Bundesregierung, die ihre Pläne sowieso durchgesetzt hatte. Stattdessen hatte die Bewegung abstraktere Forderungen, da sie sich allgemein gegen den Krieg, gegen die Bombe und für absoluten Atomwaffenverzicht einsetzte. Der erste Ostermarsch fand im Jahr 1960 statt, es beteiligten sich zuletzt 150.000 Menschen jährlich an den darauf folgenden Demonstrationen um für eine „Politik der Koexistenz“, der „schrittweise[n] Entspannung“ im Kampf der Systeme und gegen eine „Politik der Stärke“ auf der Basis von militärisch unterstützter Machtpolitik zu protestieren.[82] Nachdem es bei der Bundestagswahl von 1969 zu einer sozial-liberalen Regierung gekommen war, verebbten die Protestaktionen allerdings zunehmend, da die Regierung selbst der Atomfrage kritisch gegenüber stand. Erst in den achtziger Jahren meldete sich die Protestbewegung erneut zu Wort. Gründe für die Erfolglosigkeit der frühen Bewegung in den fünfziger und sechziger Jahren sind laut Wolfram Wette der größtenteils außerparlamentarische Widerstand, die Abkehr der SPD und der Gewerkschaft von der „Kampf dem Atomtod“-Kampagne und die Denunziation der Protestierenden durch die CDU als Unterstützer des kommunistischen Ostens sowie ein Mangel an Organisation. Der Erfolg der Bewegung war jedoch, dass die Bevölkerung in Deutschland endlich ein Bewusstsein für die Atomwaffenproblematik entwickelt hatte, was sich auch an den vielen Veröffentlichungen gezeigt hat. Wissenschaftler wie die Göttinger Forscher und Schriftsteller wie Heinrich Böll oder Günther Weisenborn haben einiges dazu beigetragen, dass der Atomdiskurs nicht allein von der Regierung bestimmt wurde.[83]

[...]


[1] Frisch, Max: Die Chinesische Mauer. In: Frisch, Max: Gesammelte Werke. Frankfurt am Main 1995, S.198.

[2] Zitiert nach dem Online-Nachschlagewerk: www.wikipedia.de, genauer Link: http://de.wikiquote.org/wiki/Albert_Einstein#.C3.9Cberpr.C3.BCft, aktuell am 22. Mai 2006

[3] Ebd.: http://de.wikiquote.org/wiki/Albert_Einstein#.C3.9Cberpr.C3.BCft, aktuell am 22. Mai 2006

[4] Wernicke, Christian: USA prüfen Pläne für Angriff auf Iran. In: Süddeutsche Zeitung, München, 10. April 2006, S. 1.

[5] Stöver, Bernd: Der kalte Krieg. München 2003.

[6] Isaacs, Jeremy: Der kalte Krieg. Eine illustrierte Geschichte. 1945-1991. München 1999.

[7] Rhodes, Richard: Die Atombombe oder Die Geschichte des 8. Schöpfungstages. Nördlingen 1986.

Rhodes, Richard: Dark sun: the making of the hydrogen bomb. New York 1995.

[8] McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin/Heidelberg 1989.

[9] Martin, Charles-Noel: Hat die Stunde H geschlagen? Die wissenschaftlichen Tatsachen über die Wirkung der Wasserstoffbombe. Berlin/Frankfurt am Main 1955.

[10] Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Stuttgart 1956.

[11] Salewski, Michael (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe. Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute. München 1955. Salweski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. Stuttgart 1998.

[12] Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte. Eine Studie der fünfziger Jahre aus deutscher Sicht. Baden-Baden 1995.

[13] Kohnert, Birger: Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr in den Jahren 1957/58. In: Siepmann, Eckhard: Bikini. Die fünfziger Jahre. Kalter Krieg und Capri-Sonne. Berlin, 1. Aufl. 1981, S. 102-117.

[14] Giegerich, Wolfgang: Die Atombombe als seelische Wirklichkeit. Zürich 1988.

[15] Jaspers, Karl: Die Atombombe und die Zukunft des Menschen. München 1958.

[16] Horckheimer, Max; Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. In: Horckheimer, Max: Gesammelte Schriften. Band 5: „Dialektik der Aufklärung“ und Schriften 1940-1950. Frankfurt am Main 1987, S. 13-290.

[17] Guha, Anton-Andreas: Die Neutronenbombe oder Die Perversion menschlichen Denkens. Frankfurt am Main 1977.

[18] Anders, Günther: Die Antiquiertheit der Menschen. Band 1: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. München, 7., unveränd. Aufl. 1987.

[19] Hersey, John: Hiroshima. 6. Aug. 1945, 8 Uhr 15. Autorenedition. München 1982.

[20] Gompert, David C.: Nuclear Weapons and world politics: alternatives for the future. New York 1977.

[21] Krause, Joachim: Kernwaffenverbreitung und internationaler Systemwandel: neue Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten. Baden-Baden 1994.

[22] Vgl.: Stamm-Kuhlmann, Thomas: Die Internationale der Atomforscher. In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. S. 23ff.

[23] Vgl.: Stamm-Kuhlmann, Thomas: Die Internationale der Atomforscher. S. 27.

[24] Vgl.: Stamm-Kuhlmann, Thomas: Die Internationale der Atomforscher. S. 30.

[25] Vgl.: Stamm-Kuhlmann, Thomas: Die Internationale der Atomforscher. S. 33ff.

[26] Vgl.: Stamm-Kuhlmann, Thomas: Die Internationale der Atomforscher. S. 35ff.

[27] Zitiert nach: Martin, Charles Noel: Hat die Stunde H geschlagen? S. 38.

[28] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 97.

[29] Vgl.: Bagge, Erich R.: Keine Atombombe für Hitler. In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe. S. 31.

[30] Vgl.: Bagge, Erich R.: Keine Atombombe für Hitler. S. 46 und S. 48f.

[31] Vgl.: Bagge, Erich R.: Keine Atombombe für Hitler. S. 48.

[32] Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 98.

[33] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 98f.

[34] Vgl.: Bodensieck, Heinrich: Die Atombombe in der Kriegspropaganda. Presseberichte über Massenvernichtungswaffen 1941 und 1944. In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. S. 41-77.

[35] Vgl.: Fröhlich, Stefan: Das Manhattan-Projekt. In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe. S. 52f.

[36] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 122.

[37] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 100f.

[38] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 101f.

[39] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 123.

[40] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 102f.

[41] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 127f.

[42] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 104.

[43] Vgl.: Fröhlich, Stefan: Das Manhattan-Projekt. S. 66f.

[44] Vgl.: Fröhlich, Stefan: Das Manhattan-Projekt. S. 70.

[45] Fröhlich, Stefan: Das Manhattan-Projekt. S. 71.

[46] Vgl.: Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte. S. 16f.

[47] Zitiert nach: Rhodes, Richard: Die Atombombe oder Die Geschichte des 8. Schöpfungstages. S. 672.

[48] Zitiert nach: Rhodes, Richard: Die Atombombe oder Die Geschichte des 8. Schöpfungstages. S. 680.

[49] Zitiert nach: Rhodes, Richard: Die Atombombe oder Die Geschichte des 8. Schöpfungstages. S. 680.

[50] Zitiert nach: Rhodes, Richard: Die Atombombe oder Die Geschichte des 8. Schöpfungstages. S. 683.

[51] Wagner, Wieland: Das nukleare Inferno: Hiroshima und Nagasaki. In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe. S. 72.

[52] Hersey, John: Hiroshima. 6. Aug. 1945, 8 Uhr 15. Autorenedition. München 1982.

[53] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 121.

[54] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 123.

[55] Zitiert nach: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 123.

[56] Die Bedenken der Wissenschaftler gegenüber dem Machtmittel Atombombe, das sie selbst geschaffen hatten, wuchsen nach dem Abwurf von „Little Boy“ auf Hiroshima noch weiter. Für viele bekannte Physiker wie Einstein, Rabinowitch oder den Verfassern des „Franck Report“ war der 6. August ein Trauertag. Der amerikanische Physiker Robert Brode brachte die Stimmung auf den Punkt: „Gewiß, wir waren erschrocken über die Wirkung unserer Waffe. Vor allem deshalb, weil sie nicht, wie wir angenommen hatten, speziell auf die militärischen Anlagen von Hiroshima gezielt worden war, sondern mitten hinein ins Stadtzentrum. Aber wenn ich die ganze Wahrheit sagen soll, so war unsere Erleichterung eigentlich noch größer. Endlich wußten unsere Familien und Freunde in anderen Städten und Ländern, warum wir seit Jahren verschwunden waren. Nun war es ihnen klar, daß auch wir unsere Pflicht getan hatten. Endlich wußten wir auch selbst, dass unsere Arbeit nicht vergeblich gewesen war. Ich persönlich hatte jedenfalls keine Schuldgefühle.“ (zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 229) Nach dem Abwurf der Plutoniumbombe auf Nagasaki schickten die Wissenschaftler Alvarez, Morrison und Serber einen Brief an ihren japanischen Kollegen Sagane, der an einem der später abgeworfenen Messgeräte befestigt war. Der Brief sollte die Japaner vor weiteren Atombomben warnen, es heißt darin: „Als Wissenschaftler bedauern wir den Gebrauch, der von einer herrlichen Erfindung gemacht worden ist, aber wir können Ihnen versichern, daß dieser Regen von Atombomben sich in seiner Schrecklichkeit noch vervielfachen wird, falls sich Japan nicht sofort ergibt.“ (zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 232). Mit Aktionen wie diesen nahm eine Protestbewegung der Wissenschaftler gegen den Einsatz von Nuklearwaffen ihren Anfang.

[57] Wagner, Wieland: Das nukleare Inferno: Hiroshima und Nagasaki. Seite 75ff.

[58] Über die Vergangenheitsbewältigung in Japan und den USA informiert im 50. Jubiläumsjahr der Bombe „Der Spiegel“: Widmann, Carlos: Geblendet vom Blitzbumm. Der Spiegel. Hamburg, 7. August 1995, S. 102-109.

[59] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 237ff.

[60] Vgl.: McKay, Alwin: Das Atomzeitalter. S. 131ff.

[61] Zitiert nach: Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte. S. 31.

[62] Vgl.: Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte. S. 30ff.

[63] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 260.

[64] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 258ff.

[65] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 270f.

[66] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 272.

[67] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 279.

[68] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 290.

[69] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 292.

[70] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 293.

[71] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 294.

[72] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 297.

[73] Zitiert nach: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 302.

[74] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Erster und zweiter Teil. München 1997, S. 17.

[75] Vgl.: Jungk, Robert: Heller als tausend Sonnen. S. 304ff.

[76] Vgl.: Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte. S. 96.

[77] Zitiert nach: Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte. S. 98f.

[78] Zitiert nach: Kohnert, Birger: Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr in den Jahren 1957/58. In: Eckhard, Siepmann: Bikini. Die fünfziger Jahre. S. 102.

[79] Weisenborn, Günther: Göttinger Kantate. Mit einem Vorwort von Robert Jungk. Berlin 1984.

[80] Vgl.: Wette, Wolfram: Von der Anti-Atombewegung zur Friedensbewegung (1958-1984). In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. S. 175ff.

[81] Vgl.: Kohnert, Birger: Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr in den Jahren 1957/58. S. 114f.

[82] Vgl.: Wette, Wolfram: Von der Anti-Atombewegung zur Friedensbewegung (1958-1984). S. 178ff.

[83] Vgl.: Wette, Wolfram: Von der Anti-Atombewegung zur Friedensbewegung (1958-1984). S. 178ff.

Ende der Leseprobe aus 111 Seiten

Details

Titel
"Die Sintflut ist herstellbar." - Die Rolle des Wissenschaftlers im deutschen Drama des Atomzeitalters
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar II)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
111
Katalognummer
V66608
ISBN (eBook)
9783638591607
ISBN (Buch)
9783638711197
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sintflut, Rolle, Wissenschaftlers, Drama, Atomzeitalters
Arbeit zitieren
M.A. Holger Hoppe (Autor), 2006, "Die Sintflut ist herstellbar." - Die Rolle des Wissenschaftlers im deutschen Drama des Atomzeitalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66608

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