Shinto in Japan. Nationalreligion oder veralteter Volksglaube?


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Was ist Religion?
2.2. Was ist Shinto? Ein Definitionsversuch

3. Japan – Umfeld des Shinto
3.1. Land und Leute
3.2. Religion in Japan

4. Shinto heute
4.1. Bedeutung im Alltag
4.2. Shinto in der Wirtschaft

5. Zusammenfassung und Fazit

1. Einleitung

„Japanische Religion ist Shinto, der Weg der Götter. Shinto ist die Wurzel der japanischen Kultur. Wer die japanische Kultur verstehen will, muss Shinto verstehen, wer Shinto nicht versteht, kennt Japan nicht. Shinto ist in seiner Essenz seit Urzeiten gleich geblieben. Shinto bewahrt die Urverbundenheit mit der Natur. Wenn im heutigen Japan nicht immer Harmonie zwischen Mensch und Natur herrscht, so deshalb, weil sich die verwestlichte japanische Gesellschaft nicht oder nur ungenügend ihrer shintoistischen Wurzeln besinnt.“[1]

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die japanische Religion Shinto.

Es soll beschrieben werden, was sich hinter dieser uralten Glaubensrichtung verbirgt, die uns Europäern noch relativ fremd, doch im Japaner tief verwurzelt ist. Der Vielfalt der religiösen und kulturellen Einflüsse des Shinto ist man sich kaum bewusst, bevor man nicht ein Verständnis für das japanische Religionsempfinden entwickelt hat. Mein Ziel ist es, einen Überblick über das Wesen und den Stellenwert des Shinto in der japanischen Gesellschaft zu geben und wechselseitige Einflüsse zwischen Religion und kultureller Identität der Japaner zu beleuchten.

2. Grundlagen

2.1. Was ist Religion?

Zu Beginn dieser Arbeit soll ein Begriff geklärt werden, der uns im ersten Augenblick zwar selbstverständlich erscheinen mag, doch im Hinblick auf die kulturelle Distanz zu Asien näher erläutert werden sollte.

Der Religionsbegriff wie wir ihn heute kennen wird in Deutschland erst seit Ende des 18.Jahrhunderts verwendet. Er ist Resultat vielfältiger Entwicklungen und wurde im Laufe der Jahre abstrahiert und vereinfacht. Im wesentlichen beruht die westliche Auffassung von Religion auf der „grundlegenden konzeptuellen und ontologischen Unterscheidung von Heiligem und Profanem“[2] und findet seinen Ursprung im protestantischen Christentum. Eben dieser implizite Dualismus kann beim Kulturvergleich und der globalen Betrachtung von „Religion“ problematisch werden: nämlich wenn man auf Glaubensrichtungen stößt, die z.B. eine „Profaneität des Heiligen und eine Heiligkeit des Profanen“[3] kennen, wie dies auch beim Shintoismus der Fall ist. Der Religionsbegriff enthält in unserem Kulturkreis ebenso eine gewisse Strenge; „eine Präferenz fürs Definitive, fürs Bestimmte“ und eine Vorstellung von Ernsthaftigkeit. Das dies in fremden Kulturen nicht unbedingt der Fall sein muss, wird im Folgenden am Beispiel von Japan gezeigt. Festzuhalten bleibt im Vorfeld, dass der Religions­begriff in dieser Hausarbeit zwar in seinem heutigen, westlichen Bedeutungs­gehalt verwendet wird, man jedoch immer im Hinterkopf behalten sollte, dass unser Verständnis von Religion nicht universell und schon gar nicht auf andere Kulturen übertragbar ist.

2.2. Was ist Shinto? Ein Definitionsversuch

Shinto wird oft als die japanische Nationalreligion bezeichnet; denn im Gegensatz zu anderen auf der Insel vorherrschenden Glaubensrichtungen hat der Shinto seinen Ursprung in Japan und wurde dort vermutlich schon „vor der Übernahme von Schrift, Konfuzianismus und Buddhismus aus China“ ausgeübt.[4]

Das Wort Shinto stammt aus China und bedeutet auf japanisch „kami no michi“ (Weg der Götter), wobei die kami keine Gottheiten im westlichen Sinne darstellen, da neben bedeutenden Persönlichkeiten vor allem Natur- und Ahnenwesen verehrt werden. Damit ist diese Religion mehr als polytheistisch, denn die kami sind nicht nur in ihrer Anzahl unbegrenzt und auf alle erdenklichen Naturwesen und –phänomene anwendbar; die „Göttlichkeit“ eines Gegenstandes oder Lebewesens kann sich auch ändern: zu den geschätzten acht Millionen kami kommen ständig neue hinzu. Traditionell markierte man kami, indem man riesigen Bäumen oder Felsen ein Seil (Shimenawa) umband: „Was gebunden und verknüpft ist, verliert seine unheimliche Macht und wird dem Menschen freundlich gestaltet“.[5]

Der eigentliche Ort der kami-Verehrung sind jedoch die zahlreichen Schreine in Japan, die man sofort an den „torii“ (wörtlich Vogelwohnung) erkennt. Diese meist freistehenden rot lackierten Tore führen in die heilige Schreinanlage, den „Wohnsitz“ der Gottheit (shintai).

Neben der Naturverehrung ist im Shinto vor allem Ahnenkult ein wichtiger religiöser Bestandteil: die Ahnen sind Grundlage jeder Familie und jeder Dorfgemeinschaft; man definiert sich durch seine Abstammung. Die Angehörigen eines Klans trafen sich, um mit großangelegten Festen - den matsuri – die Vorfahren zu ehren. Dabei versammelte sich regelmäßig die gesamte Großfamilie und zelebrierte in Ritualen „die Einheit der Menschen mit den kami und gleichzeitig die Einheit der Feiernden untereinander“.[6]

[...]


[1] Scheid (http://www.univie.ac.at/rel_jap/einfuehrung/stereotypen.htm)

[2] Matthes (1992), S.18.

[3] Matthes (1992), S.18.

[4] vgl. Haasch (1992), S.33.

[5] Immoos (1990), S.27.

[6] Linke, S.3.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Shinto in Japan. Nationalreligion oder veralteter Volksglaube?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Interkulturelle Wirtschaftskommunikation)
Veranstaltung
Einführung in die Ostasiatischen Religionen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V66643
ISBN (eBook)
9783638595704
ISBN (Buch)
9783656449119
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shinto, Japan, Nationalreligion, Volksglaube, Einführung, Ostasiatischen, Religionen
Arbeit zitieren
Katja Friedrich (Autor), 2006, Shinto in Japan. Nationalreligion oder veralteter Volksglaube?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66643

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