„Japanische Religion ist Shinto, der Weg der Götter. Shinto ist die Wurzel der japanischen Kultur. Wer die japanische Kultur verstehen will, muss Shinto verstehen, wer Shinto nicht versteht, kennt Japan nicht. Shinto ist in seiner Essenz seit Urzeiten gleich geblieben. Shinto bewahrt die Urverbundenheit mit der Natur. Wenn im heutigen Japan nicht immer Harmonie zwischen Mensch und Natur herrscht, so deshalb, weil sich die verwestlichte japanische Gesellschaft nicht oder nur ungenügend ihrer shintoistischen Wurzeln besinnt.“1
Gegenstand dieser Hausarbeit ist die japanische Religion Shinto. Es soll beschrieben werden, was sich hinter dieser uralten Glaubensrichtung verbirgt, die uns Europäern noch relativ fremd, doch im Japaner tief verwurzelt ist. Der Vielfalt der religiösen und kulturellen Einflüsse des Shinto ist man sich kaum bewusst, bevor man nicht ein Verständnis für das japanische Religionsempfinden entwickelt hat. Mein Ziel ist es, einen Überblick über das Wesen und den Stellenwert des Shinto in der japanischen Gesellschaft zu geben und wechselseitige Einflüsse zwischen Religion und kultureller Identität der Japaner zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Was ist Religion?
2.2. Was ist Shinto? Ein Definitionsversuch
3. Japan – Umfeld des Shinto
3.1. Land und Leute
3.2. Religion in Japan
4. Shinto heute
4.1. Bedeutung im Alltag
4.2. Shinto in der Wirtschaft
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen und den Stellenwert der japanischen Religion Shinto in der modernen japanischen Gesellschaft und beleuchtet dabei die wechselseitigen Einflüsse zwischen dieser Glaubensrichtung und der kulturellen Identität der Japaner.
- Grundlagen des Religionsbegriffs und Definition des Shinto
- Soziokulturelles Umfeld Japans und prägende Charakteristika
- Rolle der Religion im modernen japanischen Alltag
- Bedeutung schintoistischer Traditionen in der japanischen Wirtschaft
- Analyse des Wandels kultureller Identität im Kontext der Säkularisierung
Auszug aus dem Buch
2.2. Was ist Shinto? Ein Definitionsversuch
Shinto wird oft als die japanische Nationalreligion bezeichnet; denn im Gegensatz zu anderen auf der Insel vorherrschenden Glaubensrichtungen hat der Shinto seinen Ursprung in Japan und wurde dort vermutlich schon „vor der Übernahme von Schrift, Konfuzianismus und Buddhismus aus China“ ausgeübt.
Das Wort Shinto stammt aus China und bedeutet auf japanisch „kami no michi“ (Weg der Götter), wobei die kami keine Gottheiten im westlichen Sinne darstellen, da neben bedeutenden Persönlichkeiten vor allem Natur- und Ahnenwesen verehrt werden. Damit ist diese Religion mehr als polytheistisch, denn die kami sind nicht nur in ihrer Anzahl unbegrenzt und auf alle erdenklichen Naturwesen und –phänomene anwendbar; die „Göttlichkeit“ eines Gegenstandes oder Lebewesens kann sich auch ändern: zu den geschätzten acht Millionen kami kommen ständig neue hinzu. Traditionell markierte man kami, indem man riesigen Bäumen oder Felsen ein Seil (Shimenawa) umband: „Was gebunden und verknüpft ist, verliert seine unheimliche Macht und wird dem Menschen freundlich gestaltet“.
Der eigentliche Ort der kami-Verehrung sind jedoch die zahlreichen Schreine in Japan, die man sofort an den „torii“ (wörtlich Vogelwohnung) erkennt. Diese meist freistehenden rot lackierten Tore führen in die heilige Schreinanlage, den „Wohnsitz“ der Gottheit (shintai).
Neben der Naturverehrung ist im Shinto vor allem Ahnenkult ein wichtiger religiöser Bestandteil: die Ahnen sind Grundlage jeder Familie und jeder Dorfgemeinschaft; man definiert sich durch seine Abstammung. Die Angehörigen eines Klans trafen sich, um mit großangelegten Festen - den matsuri – die Vorfahren zu ehren. Dabei versammelte sich regelmäßig die gesamte Großfamilie und zelebrierte in Ritualen „die Einheit der Menschen mit den kami und gleichzeitig die Einheit der Feiernden untereinander“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Shinto als Wurzel der japanischen Kultur ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Stellenwert dieser Religion in der Gesellschaft zu beleuchten.
2. Grundlagen: Hier werden der westliche Religionsbegriff problematisiert und der Shinto als polytheistische, auf Natur- und Ahnenverehrung basierende Glaubensrichtung definiert.
3. Japan – Umfeld des Shinto: Dieses Kapitel verknüpft die japanische Kultur, insbesondere Gruppenorientiertheit und Formalismus, mit der shintoistischen Tradition.
4. Shinto heute: Die Analyse zeigt die Fortexistenz des Shinto in modernen Lebensbereichen auf, sowohl als alltagsbegleitende Tradition als auch als integraler Bestandteil der Unternehmenskultur.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung des Shinto als "typisch japanisches" Element der Identität im Kontext einer zunehmenden Säkularisierung.
Schlüsselwörter
Shinto, Japan, Religion, Kami, Schrein, Ahnenkult, Gruppenorientiertheit, Identität, Säkularisierung, Matsuri, Volksglaube, Kultur, Tradition, Wirtschaft, Japanische Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der japanischen Religion Shinto und deren Rolle als Identitätsstifter innerhalb der japanischen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Definition des Shinto, die soziokulturellen Rahmenbedingungen Japans, die religiöse Praxis im Alltag sowie die Bedeutung des Shinto in der modernen Wirtschaftswelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Überblick über das Wesen des Shinto zu geben und zu untersuchen, wie Religion und kulturelle Identität in Japan wechselseitig aufeinander einwirken.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die den Shinto im historischen und soziologischen Kontext betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung, die Betrachtung des japanischen Umfelds, die Darstellung der Bedeutung des Shinto im Alltag sowie dessen Einfluss auf wirtschaftliche Konzerne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Shinto, Japan, Kami, Identität, Gruppenorientiertheit, Säkularisierung und Tradition.
Warum wird der Shinto oft nicht als "Religion" im westlichen Sinne wahrgenommen?
Aufgrund des Fehlens absoluter dogmatischer Gebote und der pragmatischen, anlassbezogenen Nutzung von Religionen durch die Japaner entspricht der Shinto nicht dem westlichen, protestantisch geprägten Religionsverständnis.
Welche Rolle spielt der Shinto in der heutigen japanischen Wirtschaft?
Shinto-Zeremonien dienen in vielen Unternehmen als Mittel zur Stärkung des Zusammenhalts und der sozialen Integration, auch wenn die Handelnden sich nicht zwangsläufig als "religiös" bezeichnen.
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- Katja Friedrich (Author), 2006, Shinto in Japan. Nationalreligion oder veralteter Volksglaube?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66643