Das Geschäftsmodell von Banken und Versicherungen wurde einmal als eines der sichersten angesehen. […] Doch diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren durch geänderte Rahmenbedingungen drastisch verändert. […]
Aufgrund dieser Ausgangslage ist es für Banken enorm wichtig, die richtigen Entscheidungen auf der strategischen sowie auf der operativen Ebene zu treffen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn eine effektive Steuerung sowohl der einzelnen Geschäftsfelder als auch der Gesamtbank sichergestellt werden kann. […]
Der Planungsprozess in Banken jedoch ist sehr langwierig und aufwändig. In einer – in der Praxis oft angewendeten – ‚rollierenden Planung’ beginnt der Planungsprozess bereits mehrere Monate vor Beginn des neuen Geschäftsjahres. Aufgrund der Komplexität der Planungen und der hohen Abhängigkeit von externen oder auch internen Parametern sind die zeitaufwändigen und kostspieligen Planungen oftmals zu Beginn des Geschäftsjahres bereits obsolet. Es gilt daher, neue Lösungsmöglichkeiten zu evaluieren.
Um in der Industrie komplexe Planungsaufgaben in einem sehr dynamischen Umfeld zu lösen, werden im Rahmen der Produktionsplanung und Produktionssteuerung – kurz PPS – häufig intelligente Multiagentensysteme eingesetzt. Diese Technologie wird in der aktuellen Literatur im Zusammenhang verschiedenster Anwendungsgebiete diskutiert und weiterentwickelt. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Anwendbarkeit und Eignung von Multiagentensystemen bei der Planung in Banken zu überprüfen.
Hierzu soll der Leser zunächst im ersten Kapitel in die Grundlagen der Planungsprozesse im Allgemeinen und im Bankensektor eingeführt werden. Dabei sollen insbesondere die Probleme, auch im Zusammenhang mit der Komplexität der Planungsprozesse, dargelegt werden. Im zweiten Kapitel werden dem Leser die Funktionsweise und die Anwendungsgebiete von intelligenten Multiagentensystemen näher gebracht. Im dritten Abschnitt dieser Arbeit soll dann die generelle Anwendbarkeit von MAS für Banken im Bereich der Planung überprüft und ein mögliches Anwendungsszenario der MAS erarbeitet und dargestellt werden. Der Autor entwickelt auf der Grundlage der im ersten und zweiten Kapitel beleuchteten Konzepte ein Modell, wie sich eine praktische Umsetzung gestalten könnte. Hierbei soll das MAS eigenständig benötigte Informationen sammeln, verarbeiten und – wenn möglich – zu verschiedenen Planungsszenarien verdichten, um so dem Management eine Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Inhaltsverzeichnis
PROBLEMSTELLUNG UND EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK
1 PLANUNGSPROZESSE ALS CONTROLLINGINSTRUMENT IN BANKEN
1.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG
1.1.1 Controlling als Gesamtbezugsrahmen
1.1.2 Planung – integrativer Bestandteil des Controllings
1.1.3 Funktionen der Planung
1.1.4 Dimensionen der Planung
1.1.5 Bedeutung der Kontrolle
1.1.6 Planungs- und Kontrollsysteme
1.2 BESONDERHEITEN IN DER BANKENPLANUNG
1.3 GRENZEN DER PLANUNG UND KRITIK DER LITERATUR
1.4 DIE BEDEUTUNG DER EDV BISHER
2 GRUNDLAGEN DER MULTIAGENTENSYSTEME
2.1 DEFINITION UND FUNKTIONSWEISEN
2.1.1 Definition Agent
2.1.2 Definition MAS
2.2 EINSATZGEBIETE VON MULTIAGENTENSYSTEMEN
2.3 GRÜNDE FÜR DEN EINSATZ VON MAS
3 ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN VON MAS IN DER BANKENPLANUNG
3.1 PRÜFUNG AUF ANWENDBARKEIT DER MAS IN DER PLANUNG
3.1.1 Generelle Prüfung der Anwendbarkeit
3.1.2 Prüfung des Umfangs der Anwendbarkeit
3.1.3 Prüfung der Vorteile anhand der traditionellen Planungskritik
3.1.4 Anwendung von MAS in verschiedenen Planungsdimensionen
3.2 EIN ANWENDUNGSSZENARIO
3.2.1 Budgetplanung in Banken
3.2.2 Bankenaufbauorganisation
3.2.3 Prozessablauf der Budgetierung
3.2.4 Aufbau und Funktionsweise des MAS
3.3 KRITISCHE BETRACHTUNG DES EINSATZES DER MAS
3.3.1 Vorteile des MAS-Einsatzes
3.3.2 Gefahren und Nachteile des MAS-Einsatzes
4 FAZIT, AUSBLICK UND ENTWICKLUNGSTENDENZEN
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Eignung und Anwendbarkeit von Multiagentensystemen (MAS) zur Unterstützung von Planungsprozessen im Bankensektor zu prüfen und ein praktisches Modell für deren Einsatz zu entwickeln.
- Grundlagen des Controllings und der Planung in Banken
- Theoretische Konzeption und Funktionsweise von Multiagentensystemen
- Analyse der Eignung von MAS für komplexe Planungsszenarien
- Entwicklung eines Architekturmodells für eine bankenspezifische Budgetplanung mittels MAS
Auszug aus dem Buch
3.2.4.1 Auswahl einer geeigneten Systemarchitektur
In der Literatur findet sich sehr selten eine vollständige Klassifizierung aller bestehenden Architekturen für MAS. Die einzelnen entwickelten Modelle lassen sich auch nicht immer genau einem Architekturtyp zuordnen, da sie oftmals verschiedene Funktionen und Prinzipien mehrerer Typen verwenden. Ferber führt folgende, in der Praxis relevante Typen auf: „Architekturen, die auf horizontalen Modulen beruhen (modulare Architekturen), blackboardbasierte Architekturen, auf Subsumption beruhende Architekturen, auf konkurrierenden Aufgaben beruhende Architekturen, Produktionsregeln, Klassifizierer, dynamische Systeme, multiagentensystembasierte Architekturen und konnektionistische Ansätze.“ Die einzelnen Architekturen basieren auf unterschiedlichen Ansätzen und Modellen und eignen sich daher in unterschiedlicher Weise für die einzelnen Einsatzgebiete. Abbildung 11 führt die einzelnen Typen mit ihrem jeweiligen Hauptanwendungsgebiet in der Praxis und dem dahinter stehenden grundlegenden Prinzip auf.
Zusammenfassung der Kapitel
PROBLEMSTELLUNG UND EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK: Einführung in die veränderten Rahmenbedingungen des Bankensektors und die daraus resultierende Notwendigkeit für verbesserte Planungsansätze.
1 PLANUNGSPROZESSE ALS CONTROLLINGINSTRUMENT IN BANKEN: Darlegung der theoretischen Grundlagen von Controlling, Planung und Kontrolle sowie der Besonderheiten in der Bankenplanung.
2 GRUNDLAGEN DER MULTIAGENTENSYSTEME: Einführung in das Konzept der autonomen Agenten, deren Eigenschaften und die Einsatzmöglichkeiten von Multiagentensystemen.
3 ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN VON MAS IN DER BANKENPLANUNG: Analyse der Anwendbarkeit von MAS in Banken und Erarbeitung eines konkreten Anwendungsszenarios für die Budgetplanung.
4 FAZIT, AUSBLICK UND ENTWICKLUNGSTENDENZEN: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung der zukünftigen Bedeutung von MAS im Planungsumfeld.
Schlüsselwörter
Bankenplanung, Controlling, Budgetierung, Multiagentensysteme, MAS, Agenten, Komplexitätsreduktion, Planungsprozess, Entscheidungsunterstützung, Blackboard-Architektur, Informationssysteme, Finanzsektor, IT-Infrastruktur, Wissensquellen, Szenarioanalyse
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptziel dieser Diplomarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, zu untersuchen, ob und wie Multiagentensysteme (MAS) bei Planungsprozessen in Banken eingesetzt werden können, um die Komplexität zu beherrschen.
Welche Herausforderungen im Bankenbereich werden adressiert?
Die Arbeit fokussiert sich auf die steigende Komplexität, Dynamik und den hohen Koordinationsaufwand in Bankenplanungsprozessen, die traditionelle Methoden oft an ihre Grenzen bringen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, prüft MAS anhand von Eignungskriterien und leitet daraus ein Anwendungsmodell (Blackboard-Architektur) für die Budgetplanung ab.
Wie unterscheiden sich die in der Arbeit betrachteten Agententypen?
Es wird zwischen User-Agenten, Fach-Agenten, Wrapper-Agenten und Agenten mit Sonderfunktionen unterschieden, die jeweils spezifische Rollen im Planungssystem einnehmen.
Welches Architekturkonzept wird für die Umsetzung vorgeschlagen?
Es wird die Blackboard-Architektur vorgeschlagen, da sie sich als besonders flexibel und adaptiv für die Integration verschiedener Wissensquellen in der Planung erwiesen hat.
Was sind die zentralen Ergebnisse der kritischen Betrachtung?
Während MAS Effizienzvorteile und Flexibilität bieten können, bestehen Gefahren durch Informationsasymmetrien, hohe Anforderungen an die Systemarchitektur und den Verlust menschlicher Motivationsfaktoren.
Warum spielt die Budgetplanung in der Arbeit eine zentrale Rolle?
Die Budgetplanung ist ein exzellentes Anwendungsbeispiel, da sie hochkomplex ist und die Koordination vieler Akteure sowie eine IT-gestützte Datenverarbeitung erfordert.
Welche Bedeutung hat das "Gegenstromverfahren" in diesem Kontext?
Das Gegenstromverfahren ist die Grundlage des Planungsprozesses, da es Top-Down-Vorgaben mit Bottom-Up-Marktkenntnissen kombiniert, was ideal durch Agenten unterstützt werden kann.
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- Gregor Meyer (Author), 2006, Planungsszenarien und ihre Verdichtung unter Einsatz von Multiagentensystemen im Bankenbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66647