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Werteerziehung an beruflichen Schulen

Title: Werteerziehung an beruflichen Schulen

Diploma Thesis , 2004 , 81 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jürgen Mehrlich (Author)

Didactics - Business economics, Economic Pedagogy
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Werteerziehung hat sich zu einem neuen pädagogisches Schlagwort entwickelt. Während sie sich in der Vergangenheit nahezu von selbst vollzog, haben heute Debatten um Werte und Moral Konjunktur. Früher war sie ein selbstverständlicher Teil dessen, was heute gemeinhin als Sozialisation bekannt ist, und diente zur Integration des Einzelnen in die freiheitlichdemokratische Gesellschaft. Heute entsteht der Eindruck, dass dem Thema vor allem immer dann besonderer Nachdruck verliehen wird, wenn die Gesellschaft eines geschwächten Wertefeldes ansichtig wird. Anonymer internationaler Bombenterror und die Ohnmacht der Staatsgewalt, Missachtung von Institutionen und Autoritäten, Kinderpornographie und Rassenhetze im Internet, Jugendkriminalität, Sinnlosigkeitserlebnisse sowie Selbstzweifel, Sozialhilfeschwindel, Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug und Korruption sind nur einige Auswirkungen angeblich zunehmenden Werteverfalls. Es scheint nicht gut bestellt zu sein um die gesellschaftliche Moral - so das allenthalben zu vernehmende Lamento. Der ›einfache‹ Bürger steht ebenso in der Kritik wie Wirtschaftsbosse und Politiker. Schnell wird demnach der Ruf nach Wiederbelebung der Werte laut, ohne differenzierter auszuführen was damit gemeint ist. Der Wertebegriff wird heute inflationär und äußerst vage benutzt. Eine Vielzahl von Wertkopplungen, zu denen auch der Terminus Werteerziehung gehört, erhöht die Schwierigkeit begriffliche Klarheit zu generieren. Vor diesem Hintergrund der Orientierungslosigkeit über Werte und Werteerziehung im Allgemeinen, sollen die Schulen als Stätten des Wissens und der Erziehung, Konzepte zur Werteerziehung entwerfen und der Ruf nach ihr kommt von vielen verschiedenen Autoritäten. Doch stellt sich diese Aufgabe nicht ganz so einfach dar und die Auseinandersetzung mit einigen zentralen Fragen scheint unausweichlich.
1. Was ist gemeint wenn wir von Werten und Moral sprechen?
2. Ist Werterziehung Aufgabe der Schule?
3. Welche Konzepte der Werteerziehung existieren?
4. Wie können Erziehungskonzepte in der Praxis umgesetzt werden?
Es wäre vermessen im Rahmen dieser Arbeit in ›wertphilosophischen Gewässern‹ zu fischen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Wertbegriff und sein terminologisches Umfeld

2.1 Sozialwissenschaftlicher Ansatz der Wertedefinition

2.2 Werte, Tugenden und die Moral

2.3 Werte und Werteerziehung

3. Werteerziehung und Schule

3.1 Prinzip der Leistungsorientierung

3.2 Prinzip der Wertorientierung

3.3 Zusammenfassung

4. Ansätze der Werte- und Moralerziehung

4.1 Wertevermittlung

4.1.1 Umsetzung der Wertevermittlung in der Schule

4.1.2 Kritik an der Wertevermittlung

4.2 Wertklärung

4.2.1 Wert als Ergebnis eines Bewertungsvorgangs

4.2.2 Wertklärung in der schulischen Praxis

4.2.3 Kritische Anmerkungen zur Wertklärung

4.3 Moralkognitive Entwicklung nach Lawrence Kohlberg

4.3.1 Lawrence Kohlberg – Biographischer Exkurs

4.3.2 Empirische Grundlage

4.3.3 Das Stufenmodell moralischer Entwicklung

4.3.4 Umsetzung der moralkognitiven Entwicklungstheorie im Rahmen der Pädagogik

4.3.5 Die Dilemmamethode als unterrichtspraktikable Umsetzung der moralkognitiven Entwicklungstheorie

4.3.6 Kritische Betrachtung

5. Theoriegeleiteter Entwurf einer Dilemmadiskussion

5.1 Annahmen zu den Lernvoraussetzungen

5.1.1 Niveau der moralischen Urteilsfähigkeit (nach Kohlberg)

5.1.2 Erfahrung mit verschiedenen Sozialformen des Unterrichts

5.1.3 Themenrelevantes Vorwissen

5.2 Zielvorstellungen des Unterrichtskonzeptes

5.3 Lernaktivitäten und Lehrhandlungen

5.4 Der Unterrichtsprozess

5.4.2 Einführung des Dilemmas

5.4.2 Erarbeitungsphase

5.4.3 Ergebnispräsentation

5.4.4 Diskurs

5.5 Tabellarischer Überblick über die Unterrichtseinheit

5.6 Zusammenfassung

6. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Werteerziehung an berufsbildenden Schulen. Das primäre Ziel ist es, ein theoriegeleitetes Unterrichtskonzept zu entwickeln, das durch die Methode der Dilemmadiskussion die moralische Urteilsfähigkeit der Schüler fördert und zur Gewaltprävention beiträgt.

  • Grundlagen des Wertbegriffs und der Werteerziehung.
  • Gegenüberstellung von Leistungs- und Wertorientierung an Schulen.
  • Kritische Analyse von Ansätzen der Wertevermittlung, Wertklärung und Moralkognition.
  • Konstruktion eines praktischen Unterrichtskonzepts auf Basis der Dilemmamethode.
  • Diskussion über die Rolle der Schule bei der moralischen Sozialisation.

Auszug aus dem Buch

4.3.2 Empirische Grundlage

Die empirische Grundlage des Entwicklungsmodells nach Kohlberg stellen im Wesentlichen Untersuchungen mit hypothetischen Geschichten, sog. Dilemma-Geschichten dar. In ihnen wird ein Individuum in einer Problemsituation dargestellt, für die es keine eindeutige Lösung gibt. Die Probanden sollen sich in die Lage der Protagonisten versetzen und an ihrer Stelle in den jeweilig beschriebenen Dilemma-Situationen begründete Entscheidungen treffen. Das berühmteste Dilemma, das so genannte ›Heinz-Dilemma‹, wurde von Kohlberg immer wieder in seinen Aufsätzen verwandt. Es lautet in der deutschen Übersetzung folgendermaßen:

„In einer fernen Stadt liegt eine Frau, die an einer besonderen Krebsart erkrankt ist, im Sterben. Es gibt eine Medizin, von der die Ärzte glauben, sie könne die Frau retten. Es handelt sich um eine besondere Form von Radium, die ein Apotheker in der gleichen Stadt erst kürzlich entdeckt hat. Die Herstellung war teuer, doch der Apotheker verlangt zehnmal mehr dafür, als ihn die Produktion gekostet hat. Er hat 2000 Mark für das Radium gezahlt und verlangt 20 000 Mark für eine kleine Dosis des Medikaments.

Heinz, der Ehemann der kranken Frau, sucht alle seine Bekannten auf, um sich das Geld auszuleihen, und er bemüht sich auch um eine Unterstützung durch die Behörden. Doch er bekommt nur 10 000 Mark zusammen, also die Hälfte des verlangten Preises. Er erzählt dem Apotheker, daß seine Frau im Sterben liegt, und bittet, ihm die Medizin billiger zu verkaufen bzw. ihn den Rest später bezahlen zu lassen. Doch der Apotheker sagt: »Nein, ich habe das Mittel entdeckt und ich will damit viel Geld verdienen«. Heinz hat nun alle legalen Möglichkeiten erschöpft; er ist ganz verzweifelt und überlegt, ob er in die Apotheke einbrechen und das Medikament für seine Frau stehlen soll.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Werteverfall und definiert die Notwendigkeit, Schulen als Orte der Werteerziehung zu begreifen.

2. Der Wertbegriff und sein terminologisches Umfeld: Dieses Kapitel arbeitet die Mehrdeutigkeit des Wertbegriffs auf und grenzt Werte von Tugenden und Normen ab.

3. Werteerziehung und Schule: Es werden zwei gegensätzliche Positionen zur Rolle der Schule – Leistungs- versus Wertorientierung – diskutiert und legitimiert.

4. Ansätze der Werte- und Moralerziehung: Hier werden die drei theoretischen Hauptansätze der Wertevermittlung, Wertklärung und Moralkognition analysiert und kritisch hinterfragt.

5. Theoriegeleiteter Entwurf einer Dilemmadiskussion: Dieses Kernkapitel konstruiert ein konkretes, praxisnahes Unterrichtskonzept zur moralischen Förderung an berufsbildenden Schulen.

6. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die langfristige Bedeutung der Werteerziehung für die Persönlichkeitsbildung in der Schule.

Schlüsselwörter

Werteerziehung, Schule, Moralentwicklung, Lawrence Kohlberg, Dilemmamethode, Wertklärung, Wertevermittlung, Urteilskompetenz, Gewaltprävention, Berufsbildende Schulen, Soziales Lernen, Ethik, Pädagogik, Werteorientierung, Urteilsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und praktischen Umsetzung von Werteerziehung an berufsbildenden Schulen, um moralische Urteilskompetenz zu fördern.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der Klärung des Wertbegriffs, der Analyse verschiedener erziehungswissenschaftlicher Ansätze und der Entwicklung eines Unterrichtsentwurfs zur Dilemmadiskussion.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Erstellung eines Unterrichtskonzepts, das als Beitrag zur Gewaltprävention dient und Schüler zum kritischen Nachdenken über moralische Konflikte anregt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt Literaturanalysen der aktuellen Erziehungswissenschaft sowie die Anwendung der Dilemmamethode nach Lawrence Kohlberg als methodisches Instrument für den Unterricht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Gegenüberstellung von Wertevermittlung, Wertklärung und dem moralkognitiven Ansatz sowie einen konkreten Entwurf für eine Unterrichtseinheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Werteerziehung, moralische Urteilsfähigkeit, Dilemmamethode, Gewaltprävention und Berufsschulpädagogik.

Warum wird das Heinz-Dilemma in der Arbeit verwendet?

Das Heinz-Dilemma dient als klassisches Beispiel, um die Theorie der moralischen Stufenentwicklung nach Kohlberg zu illustrieren und den kognitiven Konflikt in einer Dilemmadiskussion zu verdeutlichen.

Wie unterscheidet sich das Realdilemma vom hypothetischen Dilemma?

Während hypothetische Dilemmata fiktive, abstrakte Situationen zur reinen Strukturanalyse nutzen, basieren Realdilemmata auf lebensnahen Alltagserfahrungen, die eine stärkere motivationale Kraft entfalten.

Was ist das Problem bei einer rein indoktrinären Wertevermittlung?

Die Indoktrination beschneidet die Autonomie der Lernenden, verhindert eine kritische Reflexion und führt oft nur zu einer äußeren Konformität statt zu echter moralischer Einsicht.

Warum lehnt der Autor die "Plus-eins-Konvention" in starrer Form ab?

Der Autor argumentiert, dass eine starre Anwendung in heterogenen Klassen für den Lehrer kaum spontan umsetzbar ist und stattdessen die Förderung durch "Pro-und-Contra-Diskussionen" effektiver ist.

Excerpt out of 81 pages  - scroll top

Details

Title
Werteerziehung an beruflichen Schulen
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
1,0
Author
Jürgen Mehrlich (Author)
Publication Year
2004
Pages
81
Catalog Number
V66655
ISBN (eBook)
9783638591690
Language
German
Tags
Werteerziehung Schulen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jürgen Mehrlich (Author), 2004, Werteerziehung an beruflichen Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66655
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