Einfluss der Scheidung auf die Sozialisation des Kindes


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Scheidung aus der Sicht des Kindes

3. Folgen der Scheidung
3.1 Ursachen für die auftretenden Probleme
3.2 Direkte Folgen bei Kindern
3.3 Langzeitfolgen

4. Hilfestellungen

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird der Einfluss der Scheidung auf die Sozialisation eines Kindes bearbeitet. In den letzten Jahren ist die Zahl der Scheidungen auf Grund von Veränderungen im Bereich der sozialen Umstände stark angestiegen. Eine Ehe ist inzwischen keine notwendige Zweckbeziehung mehr, sondern eine Lebensform, die ohne emotionale Zufriedenheit schwer aufrecht zu erhalten ist.

Aus diesem Grund leiden immer mehr Kinder und auch Erwachsene unter psychischen Problemen, die durch eine Scheidung ausgelöst werden.

Um diese Scheidungsfolgen besser erklären zu können, werde ich als erstes die Scheidung aus der Sicht des Kindes beschreiben. Im nächsten Kapitel werden die Gründe für Probleme und dann die Folgen selbst erläutert. Da Probleme nicht nur in der Zeit der Trennung und Scheidung auftreten, werde ich auch die Langzeitfolgen bearbeiten. Im letzten Teil werden Hilfestellungen erklärt, die dem Kind während und nach der Trennung gegeben werden können, um die Folgeschäden so gering wie möglich zu halten.

Der Einfachheit halber spreche ich bei der Person, die die Familie verlassen hat, vom Vater und bei der alleinerziehenden Person von der Mutter. Diese Rollenverteilung trifft natürlich nicht in jeder getrenntlebenden Familie zu, ist aber zur Zeit noch die Regel, obwohl es immer mehr alleinerziehende Väter im Laufe der Zeit gibt.

2. Die Scheidung aus der Sicht des Kindes

Eine Scheidung ist für viele Ehepaare ein entlastender Vorgang. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Chancen und Perspektiven. Für Kinder kann eine Trennung aber das Ende der Kindheit bedeuten. Aus der Sicht des Kindes ist die Trennung der Verlust eines Elternteils, der bei der Sozialisation des Kindes eine sehr wichtige Rolle spielt und außerdem die Zerstörung des ‚Nestes’, das für die Entwicklung wichtig ist. Die Chance, die sich daraus für die Kinder ergibt, wie zum Beispiel nicht die gleichen Fehler zu machen wie die Eltern, oder auch eine frühere Selbständigkeit zu erlangen, wird verständlicherweise nicht gesehen.[1]

Je jünger die Kinder sind, desto schwieriger ist es für sie zu verstehen, dass die Mutter oder aber wie in den meisten Fällen der Vater ohne Vorankündigung verschwindet. Jüngere Kinder sind nicht in der Lage zu erkennen, dass die Trennung der Eltern nichts mit ihnen zu tun hat. Sie glauben, dass der Elternteil das Kind verlässt und nicht den Ehepartner, denn bis zum dritten oder vierten Lebensjahr sieht das Kind nur die Liebesbeziehung zwischen sich selbst und den einzelnen Elternteilen. Diese Vorstellung wird auch gerne länger aufrechterhalten. Aus diesem Grund kommt es bei den Kindern zu Schuldgefühlen und dem Gefühl, nicht mehr geliebt zu werden.

Schulkinder sehen sich selber nicht mehr als Schuldige, sondern können erkennen, dass die Scheidung allein von den Eltern ausgeht. Sie sehen in der Trennung die Zerstörung der für sie so wichtigen festen Familienstrukturen. Diese Kinder entwickeln häufig Wut gegenüber dem, in ihren Augen schuldigen, Elternteil oder auch gegen beide. Dieses Urteil muss nicht der Realität entsprechen. So gab die sechs jährige Laura ihrem Vater die Schuld, die Familie wegen einer anderen Frau verlassen zu haben. Ihre ein Jahr ältere Schwester Anna glaubte, dass die Schuld bei der Mutter läge, weil diese den Vater vergrault hätte.[2]

In der Familie besteht eine Triangulierung aus drei Objektbeziehungen.[3] Die Beziehung zwischen dem Kind und der Mutter, dem Kind und dem Vater und den beiden Eltern. Probleme, die in einer der Objektbeziehung auftreten, können durch die Hilfe des anderen Elternteils beseitigt oder verringert werden. Das heißt, Aggressionen und Ängste, die während des Konfliktes mit der Mutter ihr gegenüber aufgebaut werden, können Dank des Vaters schneller wieder abgebaut werden. Bei dem Weggang eines Elternteils fällt somit ein wichtiger Zufluchtsort für das Kind weg.

Je älter die Kinder werden, desto leichter lässt sich die Zeit bis zum nächsten Besuchstermin überbrücken aber bis zum siebten Lebensjahr ist diese direkte Objektbeziehung als Ausgleich besonders wichtig.

Eine weitere neue Situation, die die Kinder durch die Scheidung ihrer Eltern erleben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie viel häufiger auf sich alleingestellt sind. Nach der Scheidung muss der alleinerziehende Elternteil meist mehr Zeit in die Berufstätigkeit investieren, da jetzt ein Einkommen fehlt bzw. es müssen von dem vorherigen Gesamteinkommen zwei Wohnungen, zwei Autos und vieles mehr bezahlt werden. Und auch der Haushalt ist jetzt nur noch von einer Person zu führen, die keine Hilfe von einem Partner bekommt. Dadurch verringert sich die Zeit, die sonst für das Kind genutzt wurde. So beschränkt sich die Aufmerksamkeit und Liebe des Vaters nur noch auf das Wochenende und auch die Mutter kann sich nicht mehr so viel wie eigentlich notwendig um das Kind kümmern. Aus diesem Grund fangen Scheidungskinder schon früh an, sich selbst zu versorgen.[4]

3. Folgen der Scheidung

Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, wie Kinder auf eine Scheidung reagieren. Diese Scheidungsreaktionen sind psychische Vorgänge, die sich normalerweise durch die Verhaltensweisen des Kindes ausdrücken.[5] Diese Verhaltensweisen müssen nicht anormal sein, sondern können zum Beispiel durch Konzentrationsstörungen oder durch eine sehr große Hilfsbereitschaft, die bis zur Selbstaufgabe gehen kann, zum Ausdruck gebracht werden. Treten bei einem Kind keine Folgeerscheinungen auf, heißt es nicht, dass es nicht unter der Scheidung leidet, sondern eher noch mit einer viel größeren psychischen Belastung zu rechnen ist, die bis zu einem Trauma führen kann.[6] Durch das Auftreten der Symptome erkennt man, dass die „seelische Struktur“ des Kindes noch nicht zerstört wurde, sondern nur überlastet ist. Mit der entsprechenden Hilfe, auch erste Hilfe genannt, kann das Kind sein seelisches Gleichgewicht wiedererlangen.[7]

In den meisten Fällen treten die ersten Probleme ein Jahr nach dem Zeitpunkt auf, an dem das Kind die Trennung der Eltern realisiert hat. Die schwerwiegendsten Probleme sind nach ca. zwei Jahren überwunden. Dies kann man jedoch nicht generell sagen. Viele Kinder leiden auch noch Jahre später unter den Folgen einer Scheidung oder aber haben die Probleme schon in kürzester Zeit verarbeitet. Dies ist unter anderem abhängig von dem Alter des Kindes und den Umständen, die die Scheidung begleiten.[8]

[...]


[1] vgl. Wallerstein, J., Blakeslee, S. (1989), S. 39.

[2] vgl. Figdor, H. (1991), S. 34ff.

[3] vgl. Figdor, H. (1991), S. 88.

[4] vgl. Wallerstein, J., Blakeslee, S. (1989), S. 239.

[5] vgl. Figdor, H. (1991), S. 29f.

[6] vgl. Figdor, H. (1991), S. 34.

[7] vgl. Figdor, H. (1991), S. 128ff.

[8] vgl. Furstenberg, F., Cherlin, A. (1993), S. 106f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Einfluss der Scheidung auf die Sozialisation des Kindes
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Theorien der Sozialisation
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V66725
ISBN (eBook)
9783638599450
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Scheidung hat großen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. In der Arbeit wir zunächst der Prozess der Scheidung, wie sie vom Kind wahrgenommen wird, beschrieben. Im weiteren Verlauf werden die direkten Folgen wie auch Langzeitfolgen analysiert.
Schlagworte
Einfluss, Scheidung, Sozialisation, Kindes, Theorien
Arbeit zitieren
Svenja Barner (Autor), 2003, Einfluss der Scheidung auf die Sozialisation des Kindes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66725

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