Die römisch- katholische Kirche kennt insgesamt 21 allgemeine bzw. ökumenische Konzilien. Man bezeichnet sie so, da diese Konzilien alle Teilkirchen und Mitglieder der katholischen Gemeinschaften auf der ganzen Welt betreffen und von ihnen anerkannt werden. Das Konzil von Trient, im Sprachgebrauch auch Tridentinum genannt, zählt neben dem ersten und zweiten vatikanischen Konzil zu den Konzilien des Katholizismus. Es ist das 19. ökumenische Konzil und fand aufgeteilt in drei Sitzungsperioden in einem Zeitraum von 18 Jahren statt. Religionsgeschichtlich leitete das Konzil von Trient die Gegenreformation ein und veränderte den Katholizismus so sehr, dass man die Zeit zwischen dem Konzil von Trient und dem zweiten vatikanischen Konzil nachtridentinische Zeit nennt.
Das Trienter Konzil fand in einer schwierigen politischen und religiösen Zeit statt. Man bezeichnet diese Epoche als das Zeitalter der Gegenreformation. Sie wird auf etwa hundert Jahre datiert, beginnend in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Ganz geglückt ist die Bezeichnung Gegenreformation nicht, denn dieses Zeitalter war ebenso geprägt vom Calvinismus, den geistigen Leistungen von Wissenschaftlern wie Galilei und Keppler sowie einem Höhepunkt der Kultur (deutsche Renaissance). Außer Frage steht aber sicher, dass die Gegenreformation als historischer Vorgang das Jahrhundert tief beeinflusst hat.
Die vorliegende Hausarbeit zeigt die historische Entwicklung des Trienter Konzils und behandelt die teilweise sehr unterschiedlichen Entwicklungen des Eheverständnis der Reformatoren und die des Katholizismus, die sich aus den Entscheidungen der Konzilsväter in Trient entwickelt haben. Am Ende der Hausarbeit soll ein kleiner Ausblick stehen, in dem untersucht wird, ob die Entscheidungen über eine Formvorschrift der Ehe, wie es im Trienter Konzil geschehen ist, eine Veränderung für die Stellung bzw. Rolle der Frau in der Ehe bzw. der Gesellschaft bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Konzil von Trient
1. Der schwierige Anfang des Konzils- eine historische Entwicklung
2. Informationen und Organisatorisches rund um das Trienter Konzil
3. Die erste Konzilsperiode von 1545- 1547
4. Die zweite Konzilsperiode
5. Die dritte Konzilsperide (1562-1563)
III. Die Ehe- zwei verschiedene Verständnisse
1. Das Eheverständnis der Reformatoren um Martin Luther
2. Die katholische Antwort auf das Eheverständnis der Reformatoren- Entscheidungen über die Ehe auf dem Konzil von Trient
IV. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Konzils von Trient mit einem besonderen Fokus auf die gegensätzlichen Eheverständnisse der Reformation und des Katholizismus. Dabei wird analysiert, wie das Konzil durch dogmatische Entscheidungen und Formvorschriften auf die reformatorische Kritik reagierte und welche Auswirkungen dies auf die gesellschaftliche Rolle der Frau hatte.
- Historischer Kontext und Ablauf des Trienter Konzils
- Gegenüberstellung des reformatorischen und katholischen Eheverständnisses
- Die Einführung der Formvorschrift (Dekret "Tametsi")
- Theologische Begründung der Sakramentalität der Ehe
- Untersuchung zur sozialen Stellung der Frau im Kontext der Ehe
Auszug aus dem Buch
2. Die katholische Antwort auf das Eheverständnis der Reformatoren- Entscheidungen über die Ehe auf dem Konzil von Trient
Die Antwort der Katholiken auf das Eheverständnis der Reformatoren finden wir in den Kanones des Trienter Konzils wieder. Wie schon erwähnt fanden in der ersten Sitzung Beratungen über die Sakramente statt. Unter anderem kam man auch auf die Sakramentalität der Ehe zu sprechen, die Martin Luther und die anderen Reformatoren mit Entschiedenheit ablehnten. Ihre Argumente gegen die Ehe als Sakrament habe ich ja schon im vorrangegangen Punkt erläutert.
In der ersten Sitzungsperiode setzten sich die Konzilsväter vorrangig mit Luthers Schrift <De captivitae Babylonica> auseinander. In Abgrenzung zu Luther nahmen sie in der siebten Session vom 3. März 1547 die Ehe unter die sieben Sakramente auf. Damit übernahm das Konzil die Entscheidungen des Regionalkonzils von Verona (1184) und der beiden Unionskonzilien von Lyon (1274) und Florenz (1439). Das Konzil von Florenz hatte in einem Dekret erklärt, dass das siebte Sakrament das Ehesakrament sei, dass das Zeichen der Verbindung Christi mit seiner Kirche ist. Dieses siebte Sakrament ist ein Sakrament des Neuen Bundes, dass sich wesentlich von den Sakramenten des Alten Bundes unterscheidet. Damit wollten die Konzilsväter festhalten, dass diese sieben Sakramente ihre Daseinsberechtigungen von Christus hatten und im Evangelium gründeten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Konzil von Trient historisch als wichtiges ökumenisches Konzil und skizziert die Zielsetzung der Arbeit, die Ehetheologie und ihre Formvorschriften zu beleuchten.
II. Das Konzil von Trient: Hier wird der langwierige und schwierige Prozess der Konzilseinberufung sowie die drei verschiedenen Konzilsperioden zwischen 1545 und 1563 detailliert dargelegt.
III. Die Ehe- zwei verschiedene Verständnisse: Dieses Kapitel stellt die reformatorische Ehelehre der katholischen Sakramententheologie gegenüber und erläutert die dogmatischen Konsequenzen sowie die Einführung der Formvorschrift.
IV. Ausblick: Der abschließende Teil untersucht, ob die tridentinischen Dekrete die Rolle der Frau veränderten und inwieweit diese Regeln bis in heutige zivile Eherechtsbestimmungen fortwirken.
Schlüsselwörter
Konzil von Trient, Reformation, Martin Luther, Sakramentalität der Ehe, Klandestine Ehe, Tametsi, Formvorschrift, Eherecht, Gegenreformation, Ehescheidung, Kirchengeschichte, Frauenbild, Dogmatik, Tridentinum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den dogmatischen und rechtlichen Veränderungen des Eherechts während des Trienter Konzils im 16. Jahrhundert als Antwort auf die Lehren der Reformation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzilsgeschichte des 16. Jahrhunderts, die Ehesakramententheologie, die kirchenrechtliche Formpflicht bei Eheschließungen und die soziologische Stellung der Frau.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie das Konzil von Trient durch die Abgrenzung von Luthers Positionen eine verbindliche Form der Eheschließung schuf und zu evaluieren, ob dies die Lebensrealität von Frauen beeinflusste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-theologische Untersuchungsmethode, die auf einer Auswertung zeitgenössischer Quellen und kirchengeschichtlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Konzilsperioden, die reformatorische Kritik an der Sakramentalität der Ehe und die daraus resultierenden katholischen Gegendekrete, insbesondere das Dekret "Tametsi".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Konzil von Trient, Klandestine Ehe, Sakramentalität, Formvorschrift, Ehehindernisse und die Reformation.
Was genau bedeutet die Einführung der "Formvorschrift"?
Die Formvorschrift verpflichtete Paare dazu, ihre Ehe vor einem Pfarrer und mindestens zwei Zeugen zu schließen, damit diese kirchenrechtlich als gültig anerkannt wurde.
Hat das Konzil die Rolle der Frau entscheidend verbessert?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Einführung der Formvorschrift keine wesentliche Verbesserung der rechtlichen oder sozialen Stellung der Frau mit sich brachte, da Abhängigkeitsverhältnisse in der patriarchalen Struktur fortbestanden.
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- Diplom- Theologin Katja Vogel (Author), 2002, Das Konzil von Trient- die Ehe bekommt eine Form, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66739