Die Bedeutung der Kirche für den Glauben


Hausarbeit, 2006
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Definition des Glaubens von der Vergangenheit bis zur Gegenwart

3. Die Bestimmung des Begriffs Kirche

4. Der Glaube des modernen Christen

5. Die Sicht der Kirche zu ihrer eigenen Notwendigkeit

6. Der Glaube in der Kirche

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Verhältnis der Gläubigen zur Kirche hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant geändert. Viele Menschen haben heutzutage eine problembehaftete Stellung zur häufig als überholt und starrsinnig angesehenen Haltung der Kirche. In vielen Bereichen des heutigen Lebens wird die Kirche nicht mehr als Autorität anerkannt. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Personen, die mit der katholischen Kirche „nichts mehr zu tun haben wollen“, und aus der Kirche ausgetreten sind, aber dennoch von sich behaupten, gläubig zu sein und nach den Geboten Jesu Christi zu leben.

Wieder andere sind zwar noch Mitglied der katholischen Gemeinschaft, beschränken sich aber in der Teilnahme an Gottesdiensten hauptsächlich auf Weihnachten und Ostern und nehmen auch am übrigen Gemeindeleben nicht teil.

Wie kann es sein, dass in der modernen Welt viele Menschen an Gott und Jesus Christus glauben, die Lehrmeinung der Kirche jedoch ganz oder teilweise ablehnen?

Ist es statthaft, sein Leben als »anonymer Christ«[1] zu leben und sozusagen seinen „Privatglauben“ zu pflegen, oder ist die Kirche im Sinne Jesu Christi nicht ein unbedingter Bestandteil des Glaubens?

Ist es nicht falsch, sich von der Kirche zu distanzieren und sich von außen ein Urteil über sie zu bilden, gleichzeitig aber zu behaupten, ein gläubiger Christ zu sein?

Diese Fragen waren unter anderem der Auslöser für mich, für meine anstehende Hausarbeit das Thema „Die Bedeutung der Kirche für den Glauben“ zu bearbeiten, um mir über meinen eigenen Standpunkt klar zu werden und die aufgeworfenen Fragen für mich plausibel zu beantworten.

Hierzu möchte ich zuerst die Definition des Wortes „Glauben“ darlegen und als zweites den Begriff „Kirche“ erörtern, um danach den Glauben des heutigen Christen näher darzustellen. In den darauf folgenden zwei Kapiteln widme ich mich der kirchlichen Begründung ihrer eigenen Existenz und dem Glauben aus kirchlicher Perspektive, um im abschließenden Resümee die Bedeutung der Kirche für den Glauben aus meiner eigenen Sichtweise aufzeigen zu können.

2. Zur Definition des Glaubens von der Vergangenheit bis zur Gegenwart

Der Glaube des Menschen an ein „höheres Wesen“ ist wohl so alt wie der Mensch selbst. Die Menschheit hat seit jeher einen Sinn für ihre Existenz gesucht und sich immer gefragt, wo sie letztendlich herkommt.

Der Glaube ist in allen Religionen ein wesentliches Element und bedeutet die Annahme außerirdischer, transzendenter Gegebenheiten sowie frommes Vertrauen und feste Zuversicht darauf. Glaube ist die Antwort des entscheidungsfreien Menschen auf Gottes offenbarende Selbsterschließung und Selbstmitteilung und bedeutet die existentielle Totalentscheidung zu Gott. Nach der Theologie mit Paulus kommt der Glaube vom Hören, ist die Antwort auf die gehörte Selbstoffenbarung Gottes.[2] Der religiöse Mensch findet im Glauben seine Antworten auf die Widrigkeiten seines Seins erfährt so seine eigene Sinnhaftigkeit.[3]

Schon durch einen Blick in die Bibel lässt sich nachvollziehen, dass die Stellung des Glaubens im Laufe der Geschichte an Wertigkeit zugenommen hat. So wird im NT der Glaube 243-mal erwähnt, im AT jedoch in der Summe nur 100-mal.[4]

Als „Geburtsstunde“ des Glaubens wird die Szene von Jes 7 angesehen, in der Jesaja den bedrohten König Ahas zum Glauben aufruft.[5]

Allgemein beschrieben ist der Glaube im AT eine ganzheitliche Gebundenheit des Menschen an den sich offenbarenden, das Leben des Volkes und des Einzelnen bestimmenden und Gehorsam fordernden Gott, er ist gelebte Gottesbeziehung. In der Hauptsache wird vom Glauben gesprochen, wenn sich das Verhältnis zwischen Mensch und Gott bewähren muss. Glaube ist hier vor allem ein Sichunterwerfen vor dem unendlich mächtigen Gott in Furcht und gleichzeitigem Vertrauen. So vertrauen die Israeliten nach ihrer Rettung aus dem Schilfmeer ihrem Gott JHWH vollkommen (Ex 14, 31) und so auch am Sinai (Ex 19, 9). Im Gegensatz hierzu wird ihre Auflehnung in der Wüste als Nichtglauben getadelt.[6]

Im NT gibt Jesus dem Glauben die Fülle der ganzheitlichen Beziehung durch Anerkennung, Unterwerfung, Vertrauen und Hoffnung gegenüber dem großen und rettenden Gott zurück. Diesen Glauben fordert er auch bei den Heilungen ein. Die lebendige Kraft des Glaubens wird von ihm wiederholt angemahnt, er spricht von den „Klein-Gläubigen“ unter seinen Jüngern. Echter Glaube hält das Menschenunmögliche für möglich und kann „Berge versetzen“. Der von Jesus eingeforderte Glaube hat seine Besonderheit im Inhalt. So verlangt er nicht explizit den Glauben an seine Person, wohl aber, dass sein Wirken als das des Messias anerkannt wird.[7]

Die Christen der Urkirche bezeichnen sich als die „an den Herrn Jesus Christus Glaubenden“ und die Annahme der Christus- und Heilspredigt ist entscheidend für den Glauben. Wichtige Aspekte sind hierbei innere Zustimmung und äußeres Bekenntnis, Zutrauen zum heilsmächtigen Gott und Hoffnung auf Enderrettung.[8]

Für Paulus ist der Glaube an Jesus Christus der Weg zum Heil und das Gesetz allein nicht ausreichend. Die Erlösung und die Erlangung der Gnade Gottes werden so allen Menschen, Juden wie Heiden, zuteil.[9]

Im lateinischen Christentum ist der Begriff des Glaubens durch die Bedeutungen „Vertrauen“ und „Vertrauenswürdigkeit“ von credo und fides beeinflusst, beinhaltet aber auch Elemente des griechischen Glaubensverständnisses. Kritiker bemängelten, dass das Christentum einen Glauben ohne Vernunft predige. Origenes verteidigte den einfachen Glauben gegen Celsus mit den Argumenten: a) Er verwandele auch das Verhalten der Ungebildeten. b) Er entspräche der ersten Entscheidung für eine Philosophenschule der Griechen. c) Glaube sei eine Grundeigenschaft der menschlichen Beziehungen zueinander. Gott statt dem Menschen zu vertrauen sei daher die vernünftigste Form des Glaubens. Der Glaube fände jedoch seine Vollendung in der Erkenntnis und der Schau. Bei den einfachen Menschen genüge der bloße Glaube, bei den gebildeten, weisen Menschen sei dies jedoch nicht ausreichend.[10]

Der systematisch-theologische Glaubensbegriff ist wesentlich enger gefasst. In der Zeit der Alten Kirche vor Augustinus liegt der Fokus vor allem auf dem Inhalt des Glaubens. Glaube wird wohl als ein Erkenntnisvorgang gesehen, sei in erster Linie aber durch die Autorität und die Gnade Gottes getragen und vernünftig. Mit und durch Augustinus verändert sich diese Sichtweise. Er spricht von einem „lebendigen“ Glauben, der „durch die Liebe wirkt“. Der Glaube sei eine Gnade, die auf den Willen wirkt, er sei also nicht nur auf das Erkenntnisvermögen ausgerichtet. Von einem unverdienten, „natürlichen Glauben“ ist bei Augustinus noch nicht die Rede.[11]

Während der Glaube in der Anfangszeit des Christentums vor allem durch die Gnade und den freien Willen definiert wurde, kommt es im Mittelalter erstmals zur gesonderten Betrachtung der Erkenntnismäßigkeit. So benutzt Thomas von Aquin als erster die philosophische Erkenntnislehre des Aristoteles zur Lösung der Probleme der relativen Erkenntnis. Thomas interessiert die theologische Glaubenstugend und ihr relativer Wert. So sei der göttliche Einfluss auf den Glauben nicht nur äußerlich, durch die Offenbarung, sondern auch von innen, durch die Gnade, gegeben.[12]

In der Neuzeit wendet sich die katholische Lehrmeinung gegen den protestantischen, rechtfertigenden Fiduzialglauben durch die im Konzil von Trient vorgenommene Abgrenzung.

Die kirchliche Lehre vom Glauben wird hier definiert in den Punkten: Vernunftmäßigkeit, Gnadenhaftigkeit, Objekt, Notwendigkeit, Gottes äußere und innere Hilfe sowie Vernunft und Wissen und ist damit zu einem vorläufigen Abschluss gekommen.[13]

3. Die Bestimmung des Begriffs Kirche

Von der eigentlichen Kirche lässt sich erst nach der Erhöhung Christi und der Geistsendung sprechen, sie ist die Gemeinde Christi in der Zeit zwischen seiner Inthronisation und Wiederkunft und wurde durch den irdischen Jesus vorbereitet auf die Vollendung im Gottesreich. Jesus hat diese Kirche durch stiftende Akte gegründet.

Als kirchenstiftende Akte werden verstanden: a) Die Sammlung von Jüngern zur Bildung eines Gottesvolkes. b) Die Auswahl von zwölf Aposteln in Analogie zu den zwölf Stämmen Israels und der damit verbundene Anspruch auf ganz Israel. c) Das Festhalten Jesu an den Gedanken der Heilsgemeinde unter Beibehaltung des Jüngerkreises, obwohl ihn ein Großteil des Volkes ablehnt. d) Das letzte Abendmahl mit der Stiftung der Eucharistie und den Worten „Dies tut zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19) zur Sicherung des Fortbestehens der Gemeinde. e) Der Auftrag Jesu an die Jünger zur Bekehrung der Welt.[14]

Der unmittelbare kirchenstiftende Akt ergibt sich nach kirchlicher Lehrmeinung jedoch aus Mt 16, 18f:

18 » Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen. «

19 » Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein. «

Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes gilt also allen Menschen. Der Auftrag der Kirche ist Instrument und Sakrament der Einheit aller Menschen mit Gott und untereinander.[15]

4. Der Glaube des modernen Christen

Allgemeiner Konsens ist, dass sich der Glaube des modernen Christen in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt hat. So hätte sich das Verhältnis des Christen von heute zu Autoritäten gegenüber früheren Zeiten grundlegend geändert. Autoritäten würden heutzutage nicht oder nur sehr selten ohne Widerspruch akzeptiert, weil der heutige Mensch durch die Geschichte genügend negative Beispiele vor Augen hätte, bei denen es zu falschen Entscheidungen oder Missgriffen gekommen sei, auch im Bereich des kirchlichen Lehramtes.[16] Daraus folge eine kritische Haltung gegenüber der kirchlichen Lehrmeinung, die nicht mehr der selbstverständliche Ausgangspunkt des Glaubens wäre, sondern eher ein sekundäres Moment, ein Gegenstand der Verkündigung.[17] Da der Glaube natürlicherweise durch seine Geschichtlichkeit einem Wandel unterliege und sich heute auch in der Sprache der Kirche anders darstellen würde als in früheren Zeiten, gewinne der Mensch den Eindruck, dass der Glaube einer gewissen Vorläufigkeit unterläge und er nur unter Vorbehalt glauben könne, denn bei einer möglichen neuen menschlichen Erkenntnis müsse er seine bisherige Glaubensvorstellung revidieren.[18]

So sei der Glaube als fides quae, also in seiner Glaubensinhaltlichkeit, heute vielfältiger Natur. Die Einheit des Glaubens sei für eine wirksame Verkündigung erforderlich, es könne aber vorkommen, dass etwas Bestimmtes mit einem echten theologischen Glauben wirklich geglaubt würde, andererseits ein anderer Inhalt des gleichen Glaubens Ablehnung erfahre. Wenn man also ein Dogma der katholischen Kirche ausdrücklich ablehnen und verwerfen würde, so sei man ein Häretiker; die schuldlose Ablehnung eines bestimmten Dogmas sei jedoch durchaus mit einem theologischen Glauben zu vereinbaren. Der mögliche heilsnotwendige theologische Glauben würde auch im II. Vatikanischen Konzil bei Treue zum eigenen Gewissen für Heiden und Atheisten anerkannt.[19] Es sei also denkbar, dass ein solcher Mensch mit einem relativen Glauben, der nicht die vollständige Zustimmung zur Lehre der Kirche beinhalte, durchaus als Christ und Katholik bezeichnet werden könne.

[...]


[1] Vgl. Rahner, Karl, Bemerkungen zum Problem des "anonymen Christen" in: Rahner, Karl, Schriften zur Theologie X, Zürich-Einsiedeln-Köln 1972, 531.

[2] Vgl. Rahner, Karl, Art. Glaube und Sakrament, in: Rahner, Karl, Schriften zur Theologie XVI, Zürich-Einsiedeln-Köln 1984, 387f.

[3] Vgl. Lanczkowski, Günter, Art. Glaube I, in: TRE XIII (1984) 275.

[4] Vgl. Haaker, Klaus, Art. Glaube II in: TRE XIII, 277f.

[5] Vgl. a. a. O., 280.

[6] Vgl. Bodendorfer-Langer, Gerhard, Art. Glaube III, in: LThK³ 4 (1995) 668-670.

[7] Vgl. a. a. O., 670-671.

[8] Vgl. a. a. O., 671.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. Hall, Stuart George, Art. Glaube IV in: TRE XIII, 306.

[11] Vgl. Seckler, Max, Art. Glaube IV, in: LTHK³ 4, 677.

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. a. a. O., 684f.

[14] Vgl. Kertelge, Karl, Art. Kirche I, in: LThK³ 5 (1996) 1455f.

[15] Vgl. LG 1.

[16] Vgl. Art. Zur Situation des Glaubens, in: Rahner, Karl, Schriften zur Theologie XIV, Zürich-Einsiedeln-Köln 1980, 31.

[17] Vgl. a. a. O., 32.

[18] Vgl. a. a. O., 37.

[19] Vgl. a. a. O., 38

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Kirche für den Glauben
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Verantworteter Glaube - der Glaube der Kirche
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V66768
ISBN (eBook)
9783638591836
ISBN (Buch)
9783638799560
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Kirche, Glauben, Verantworteter, Glaube
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. Klaus Wewer (Autor), 2006, Die Bedeutung der Kirche für den Glauben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66768

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