In einem Zeitalter zunehmender Intermedialität in allen Lebensbereichen kommt es zu einer immer engeren Verknüpfung der Medien untereinander. Im gleichen Maße lässt sich in der Medienlandschaft eine wechselseitige Abhängigkeit bezüglich Inhalt und Form feststellen. Dies rührt unter anderem daher, dass es nur eine beschränkte Auswahl an übergeordneten Themengebieten gibt, deren Vielfältigkeit lediglich durch Variationen und Mischung erweitert werden kann. Zusätzlich sind Medien und Werke stets von ihrem Zeitgeist, d.h. Trends, aktuellen Lebenseinstellungen und gesellschaftlichen Grundstimmungen geprägt, was zudem eine formale und inhaltliche Ü-berschneidung - mindestens innerhalb eines Kulturkreises - noch begünstigt. Mögliche Unterschiede im zu Grunde liegenden Zeitgeist werden durch eine zunehmende Globalisierung stetig minimalisiert.
Überschneidungen zwischen verschiedenen Medien und Werken eines Mediums rühren jedoch nicht nur von kulturellen Einflüssen her, sie können auch als dramaturgisches Mittel eingesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Gliederung und Vorgehensweise
2. Der Begriff der Intertextualität
2.1 Formen und Definitionen
2.2 Intentionen für die Anwendung von Intertextualität
2.3 Die Rolle des Rezipienten in der Thematik Intertextualität
3. Spezifika der Intertextualität beim Film
4. Praktische Anwendung
4.1 Scream – Der Schrei
4.2 Matrix
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Intertextualität als Interpretationstheorie und überträgt diese vom Ursprungsmedium Literatur auf das Medium Film. Ziel ist es, Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten in der Theorie und Anwendung herauszuarbeiten und die Relevanz intertextueller Bezüge in der postmodernen Filmgestaltung zu analysieren.
- Grundlagen und Definitionen des Intertextualitätsbegriffs
- Die Funktion und Intention intertextueller Bezüge in Medienwerken
- Spezifika der Intertextualität und ihre Wirkungsweise im Medium Film
- Analyse praktischer Beispiele: Scream – Der Schrei und Matrix
- Die Rolle des Rezipienten bei der Erkennung und Interpretation von Bezügen
Auszug aus dem Buch
2.1 Formen und Definitionen
In den siebziger Jahren bekam der Begriff Intertextualität und seine Verwendung bei der Untersuchung von Texten sowohl für die Literaturwissenschaft, die Semiologie, als auch für die Narratologie eine wachsende Bedeutung. Intertextualität war ein wichtiger Bestandteil der Diskussion über „die Aufhebung bürgerlicher Autoren-Funktionen zugunsten literarischer Netzwerk-Modelle“. Durch die daraus folgende Einstufung als Ausdruck der modernen Schreibweise von Autoren, lässt sich ihre deutliche Zunahme erklären.
Im einfachsten Sinne ist Intertextualität das Verhältnis von Texten auf Texte oder allgemeiner von Werken auf Werke. So war M.M. Bachtin war der Meinung, dass Literatur immer eine Auseinandersetzung mit anderen Texten bedeute. Diesen Ansatz hat J. Kristeva weitergedacht. In Zusammenarbeit mit anderen Forschern war sie maßgebend an der Einführung des Terminus Intertextualität für eine umfangreiche Textwissenschaft beteiligt. J. Kristevas poststrukturalistische Definition geht von sprachlichen Äußerungen als einem „Mosaik von Zitaten“, ohne jede Intention des Verfassers bei der Verwendung von Intertextualität aus.
Daraus folgt, dass kein Text für sich alleine steht, sondern zu seiner allumfassende Interpretation und seinem Verständnis in Bezug auf seine möglichen Intentionen sämtliche Vortexte gekannt und einbezogen werden müssten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die zunehmende Intermedialität und verknüpft diese mit dem Ziel, Intertextualität als Interpretationstheorie auf den Film zu übertragen.
2. Der Begriff der Intertextualität: Analysiert theoretische Definitionen, die Intentionen der Anwendung sowie die essenzielle Rolle des Rezipienten bei der Dekodierung von Textverweisen.
3. Spezifika der Intertextualität beim Film: Untersucht die Besonderheiten des Films als Medium und wie intertextuelle Strategien, etwa durch Genre-Referenzen oder Remakes, spezifisch eingesetzt werden.
4. Praktische Anwendung: Illustriert anhand der Kinofilme Scream – Der Schrei und Matrix die theoretischen Ansätze in der tatsächlichen Filmproduktion.
5. Fazit: Reflektiert über die zukünftige Entwicklung intertextueller Verweissysteme durch die globale Medienentwicklung und die damit einhergehenden Anforderungen an das Publikum.
Schlüsselwörter
Intertextualität, Intermedialität, Film, Literaturwissenschaft, Postmoderne, Rezipient, Zitat, Anspielung, Referenz, Genre, Medientheorie, Narratologie, Zeichen, Bedeutungskonstruktion, Medienkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Intertextualität und dessen Übertragung von der Literaturwissenschaft auf das Medium Film, wobei die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf Definitionen von Intertextualität, die Rolle des Zuschauers (Rezipient), die filmischen Spezifika dieses Konzepts sowie die Abgrenzung von Begriffen wie Zitat, Anspielung, Parodie und Travestie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Unterschiede und Übertragbarkeiten zwischen literarischen und filmischen intertextuellen Bezügen aufzuzeigen und zu klären, wie diese narrativen Mittel die Rezeption beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die intertextuelle Ansätze verschiedener Theoretiker zusammenführt und diese exemplarisch an zwei Spielfilmen überprüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs, eine spezifische Betrachtung des Mediums Film und die praktische Fallanalyse der Filme Scream – Der Schrei und Matrix.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Intertextualität, Postmoderne, Rezipientenkompetenz, Genre, Zitat, Anspielung und das Zusammenspiel von Hoch- und Popkultur.
Inwiefern unterscheidet sich der Umgang mit Intertextualität in Scream – Der Schrei und Matrix?
Während Scream – Der Schrei laut der Analyse explizite Bezüge zum Horrorgenre und eine parodistische Haltung betont, setzt Matrix verstärkt auf implizite Bezüge, etwa zu biblischen Motiven oder literarischen Vorlagen wie Alice im Wunderland.
Warum ist die Rolle des Rezipienten so entscheidend für die Intertextualität?
Die Autorin argumentiert, dass intertextuelle Bezüge erst durch das Vorwissen des Rezipienten – seine „enzyklopädische Kompetenz“ – erkennbar werden und somit die Bedeutung eines Werkes maßgeblich konstituieren.
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- Anna Essmeyer (Author), 2004, Das Phänomen der Intertextualität im Medium Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66780